Fußball ist ein Mädchensport

ribery.jpgJa, irgendwo haben die Amis schon recht. Bei ihnen gibt es ihn noch, den wahren Männersport. Den American Football etwa, bei dem schultergepolsterte Kerle furchtlos aufeinander losrennen . Oder das Wrestling, bei dem Zwei-Zentner-Männer zwecks Show mit Karacho aus dem Ring fliegen. Oder Baseball, dessen Regeln so sinnlos sind, dass sie Frauen ebensowenig kapieren wie Festlands-Europäer.

Aber unser geliebter Fußball? Ist in den USA in erster Linie ein Mädchensport. Dieses Spiel, bei dem es auch mal vorkommt, dass sein eigentlicher Sinn, das Erzielen von Toren,  bei einem 0:0 komplett verfehlt wird. Und bei dem sich Spieler mit schmerzverzerrtem Gesicht am Boden krümmen, obwohl sie der Gegner gar nicht berührt hat. Nein, die Amis, wussten, warum sie Beckham und nicht Gattuso geholt haben. Und as soll man denken, wenn der genialste aktuelle Fußballer, Frank Ribery (siehe dpa-Bild), rosa Schuhe trägt?

Nun bestätigt sich alles, was wir bisher nur geahnt haben. Laut einer Erhebung des Marktforschungs-Unternehmens „Sport+Markt“ ist die Zahl der weiblichen Fußballfans seit Beginn der 90er Jahre dramatisch angestiegen. 1991 waren es 5,9 Millionen, mittlerweile sollen es – so die Agentur – 12,5 Millionen sein. Die Erkenntnisse von „Sport+Markt“ gipfeln darin, dass bei der Europameisterschaft 2008 bei den Spielen der deutschen Fußball-Nationalmannschaft mehr Frauen als Männer vor den Fernsehschirmen gesessen hätten.

Eines mal vorneweg: Ich glaube diesen Marktforschern nicht alles. Alleine die Zahl von 12,5 Millionen weiblichen Fußballfans ist doch sehr, sehr hoch gegriffen. Aber es stimmt schon: Frauen haben das Fansein schöner gemacht. Schwarz-rot-gold ist eine Farbkomposition, die schön anzuschauen ist. Auch die dumpfe Suff-Prügel-Lust funktioniert nicht so richtig, wenn Mädels in der Nähe sind. Wahrscheinlich haben es uns  die Frauen auch beigebracht, dass man(n) sich über zweite Plätze freuen kann.

Es ist also gut, dass Frauen beim Fußballgucken dabei sind. Zumal die moderne Paarpsychologie durchaus empfiehlt, an den Leidenschaften des Partners Anteil zu nehmen. Nur eines müssen sie noch lernen: Dieses Vergnügen hat nichts mit Reden zu tun. Die Laute, die ein Fußballspiel den Männern entlockt, haben mit Sprache als solcher wenig zu tun. Es sind eher global verständliche Urlaute, Grunz- und Gröl-Esperanto sozusagen.

Weibliche Fans sollten also begreifen, dass es die meisten Männer okay finden, wenn sie sich  dazusetzen oder -stellen. Sie sollten aber auch wissen: Stellt niemals Fragen, so lange das Spiel läuft! Das hält kein Mann lange aus. Ehrlich.