Archiv für November, 2008

November 28th, 2008

Jetzt glaubt es doch: Heinrich ist ein Star

Eines merke auch ich immer wieder: In diesem Land fehlt es an Vertrauen. Zum Beispiel in die prophetischen Fähigkeiten des Hirndübels. Ich will ja nicht angeben, aber ich habe hier am 23. Juni, gleich nach dem EM-Viertelfinale dargelegt, dass und warum Spanien Fußball-Europameister wird.

Gut. Jetzt also werde ich angesprochen, dass es doch arg übertrieben sei, dass ich Schäfer Heinrich zum Superstar erklärt habe. Es sei nicht angebracht, ihn auf eine Stufe mit Daniel Küblböck zu stellen. Stimmt schon. Wenn man sieht, wie komplett manche “Superstars” inzwischen in der Versenkung verschwunden sind, dann hat sich Küblböck vergleichsweise gut gehalten. Die Halbwertzeit von Schäfer Heinrich wird erheblich geringer sein. Es sei denn, in zwei Jahren kommt heraus, dass er die”Bauer sucht Frau”-Kandidatin nicht vom Hof gelassen, sondern in einem von drei Schäferhunden bewachten unteriridischen Bunker weggesperrt hat.

Aktuell ist er aber ein Superstar. Wer das glaubt, soll mal hier klicken. Der emotionale Höhepunkt kommt nach um die vier Minuten.

Die Redaktion der RTL-Sendung versucht indes alles, um die öffentliche Erregung hochzuhalten. Im Trailer zur letzten Folge hieß es: “Heute bei Bauer sucht Frau: Bei Geflügelbauer Hansi werden die Eier geschrubbt.”

Dass die sich nicht schämen…

November 27th, 2008

Endlich da: Die Milchkuh auf der Biotonne

tone.jpgWenn in Nürnberg der Christkindlesmarkt-Prolog gesprochen und an der Karstadt-Rolltreppe die Betriebsfeuerwehr aufmarschiert ist, ist sie wieder da, die “stille Zeit”. Und es geht doch um diese Frage: Was können wir schenken, das ein Licht der Hoffnung ins dunkle Dasein bringt? Sonst halte ich mich mit Tipps zur Daseinsbewältigung zurück. Aber das Angebot der Firma “amazy” überzeugt mich als Geschenktipp in der Tat.

Im Bestreben, die Welt zu verschönern, hat sich dieses Unternehmen daran gemacht, die Mülltonnen des Landes mit bunten Folien zu versehen. Und die Idee scheint anzukommen: Das Motiv “Sommerwiese” (siehe Bild) ist knapp geworden, bei den Bestsellern “Blumensonne“ und “Ab durch die Hecke“ gibt es Lieferengpässe. Man kann aber auch eine Kuh von der Biotonne schauen oder zwei Fahrräder auf seinen Restmüllbehälter kleben.

Die in den Anfängen der differenzierten Abfallentsorgung vielfach propagierte Müllkultur hat jetzt also ein Gesicht. Mülltonnen werden zu Trendobjekten, die Mitarbeiter der Stadtreinigung werden sich am Ende jedes Arbeitstages wie nach einem mittelschweren LSD-Rausch fühlen.

Und die Mülltonnenkleider bieten die Chance für eine extra hinterlistige und deshalb besonders schöne Weihnachtsgabe: Erfreuen wir unsere Nachbarn doch mit unserem Dreck. Böse Gedanken kann uns keiner vorwerfen. Es ist doch edles Geschenkpapier drumherum… 

November 25th, 2008

Fußball ist ein Mädchensport

ribery.jpgJa, irgendwo haben die Amis schon recht. Bei ihnen gibt es ihn noch, den wahren Männersport. Den American Football etwa, bei dem schultergepolsterte Kerle furchtlos aufeinander losrennen . Oder das Wrestling, bei dem Zwei-Zentner-Männer zwecks Show mit Karacho aus dem Ring fliegen. Oder Baseball, dessen Regeln so sinnlos sind, dass sie Frauen ebensowenig kapieren wie Festlands-Europäer.

Aber unser geliebter Fußball? Ist in den USA in erster Linie ein Mädchensport. Dieses Spiel, bei dem es auch mal vorkommt, dass sein eigentlicher Sinn, das Erzielen von Toren,  bei einem 0:0 komplett verfehlt wird. Und bei dem sich Spieler mit schmerzverzerrtem Gesicht am Boden krümmen, obwohl sie der Gegner gar nicht berührt hat. Nein, die Amis, wussten, warum sie Beckham und nicht Gattuso geholt haben. Und as soll man denken, wenn der genialste aktuelle Fußballer, Frank Ribery (siehe dpa-Bild), rosa Schuhe trägt?

Nun bestätigt sich alles, was wir bisher nur geahnt haben. Laut einer Erhebung des Marktforschungs-Unternehmens “Sport+Markt” ist die Zahl der weiblichen Fußballfans seit Beginn der 90er Jahre dramatisch angestiegen. 1991 waren es 5,9 Millionen, mittlerweile sollen es – so die Agentur – 12,5 Millionen sein. Die Erkenntnisse von “Sport+Markt” gipfeln darin, dass bei der Europameisterschaft 2008 bei den Spielen der deutschen Fußball-Nationalmannschaft mehr Frauen als Männer vor den Fernsehschirmen gesessen hätten.

Eines mal vorneweg: Ich glaube diesen Marktforschern nicht alles. Alleine die Zahl von 12,5 Millionen weiblichen Fußballfans ist doch sehr, sehr hoch gegriffen. Aber es stimmt schon: Frauen haben das Fansein schöner gemacht. Schwarz-rot-gold ist eine Farbkomposition, die schön anzuschauen ist. Auch die dumpfe Suff-Prügel-Lust funktioniert nicht so richtig, wenn Mädels in der Nähe sind. Wahrscheinlich haben es uns  die Frauen auch beigebracht, dass man(n) sich über zweite Plätze freuen kann.

Es ist also gut, dass Frauen beim Fußballgucken dabei sind. Zumal die moderne Paarpsychologie durchaus empfiehlt, an den Leidenschaften des Partners Anteil zu nehmen. Nur eines müssen sie noch lernen: Dieses Vergnügen hat nichts mit Reden zu tun. Die Laute, die ein Fußballspiel den Männern entlockt, haben mit Sprache als solcher wenig zu tun. Es sind eher global verständliche Urlaute, Grunz- und Gröl-Esperanto sozusagen.

Weibliche Fans sollten also begreifen, dass es die meisten Männer okay finden, wenn sie sich  dazusetzen oder -stellen. Sie sollten aber auch wissen: Stellt niemals Fragen, so lange das Spiel läuft! Das hält kein Mann lange aus. Ehrlich.

November 23rd, 2008

Deutsche Männer wissen: Der Polin Reiz bleibt unerreicht!

polen.jpgReden wir doch mal über Propheten: Das sind Leute, die Ereignisse kommen sehen, als sie noch ganz und gar niemand erahnt. Wenn zum Beispiel Nostradamus im 16. Jahrhundert vorhersagt, dass es ein Attentat auf einen Papst gibt. Als noch keiner dachte, dass das mal ein Mann aus Polen sein könnte. Und die polnischen Frauen? Sie sind Germany´s Top Models – sie sind in Deutschland die beliebtesten ausländischen Bräute.

Doch auch für diese Standesamtsstatistik des Jahres 2007 gibt es einen Propheten: Carl Millöcker. Der Wiener Komponist (1842-1899) beglückte (manche würden sagen verschreckte) die Welt mit Operetten. So auch mit dem “Bettelstudent”. Und aus diesem Stück stammt der famose Satz: “Der Polin Reiz bleibt unerreicht!”.

Bevor ich nun den Bildungsaspekt dieses Blogs betone, zunächst die statistischen Erkenntnisse. 2007 wurden von Deutschen 4200 Polinnen geehelicht (das reizvolle dpa-Bild zeigt die reizvolle “Miss Polen” Marzena Cieslik). Mit deutlichem Abstand folgten Türkinnen (1 900), Russinnen (1 700) und Thailänderinnen (1 500). Ukrainerinnen (1 100) und Italienerinnen (1 000) belegen die folgenden Plätze. Insgesamt schlossen im vergangenen Jahr 24 900 deutsche Männer die Ehe mit einer ausländischen Frau. Deutsche Frauen dagegen heirateten im Jahr 2007 am häufigsten einen türkischen Mann (3 800). Es folgten Heiraten mit Italienern (1 700) sowie US-Amerikanern (1 200). 18 600 deutsche Frauen heirateten einen ausländischen Mann.

Nun aber genug der Statistik. Hier kommen – zum Reizitieren oder zum Auswendiglernen (Dr. Hirndübels Gehirnjogging) – Millöckers prophetische Zeilen:

“Ich knüpfte manche zarte Bande,
Studierte die Pariserin,
Die schönsten Frau’n im Sachsenlande,
In Deutschland, Ungarn und in Wien.
Ich kenn’ der Frauen Reiz im Süden,
Neapel, Rom, Florenz, Madrid,
Drang auch bis zu den Pyramiden,
Nahm Afrika zum Teil noch mit!
Hab’ an des Ganges Strand gesessen
Und tauschte dort gar manchen Kuss.
Ich liebelte bei den Tscherkessen
Mit schönen Frau’n des Kaukasus.
Noch schöner schien mir die Kreolin,
Doch all die Schönheit schnell verbleicht,
Wenn man dagegen hält die Polin -
Der Polin Reiz bleibt unerreicht!

Die Polin hat von allen Reizen
Die exquisitesten vereint;
Womit die andern einzeln geizen,
Bei ihr als ein Bukett erscheint.
Die Nase hat sie griechisch-römisch,
Glutaugen von der Spanierin,
Der üpp’ge Mund ist slawisch-böhmisch,
Und lieblich wienerisch das Kinn.
Von der Pariserin das Füsschen,
Und von der Britin die Figur,
Von allem Reizenden ein bisschen,
Doch immer grad’ das Beste nur.
Sie borgt sogar von der Mongolin
Etwas Pikanterie vielleicht -
Und g’rade dadurch wird die Polin
Von keinem andern Weib erreicht!”

PS: Beim Blödelbarden Ingo Insterburg klang das so: “Ich liebte ein Mädchen in Polen. Die hat mir die Unschuld gestohlen.”

November 22nd, 2008

Arm, aber sexy! Deutschlands Zukunft?

 Manchmal kennt man sich in diesem Land nicht mehr aus. Einerseits macht sich Pessimismus breit. Aber viele Leute  haben offensichtlich ihren Spaß.

Bundeskanzlerin Angela Merkel war ja noch nie eine Gaudi-Maid. Ganz aktuell schockt sie uns mit dieser Erkenntnis: “Wir müssen damit rechnen, dass das kommende Jahr, zumindest in den ersten Monaten, ein Jahr schlechter Nachrichten wird.” Früher hätte sie das so ausgedrückt: “Der Abschwung ist bei den Menschen angekommen.” Andere Zeiten, andere Wortwahl.

Aber sie liegt im gesellschaftlichen Trend. Denn gerade ist auch gemeldet worden, dass die Deutschen pessimistischer seien als fast alle anderen Europäer. Sie sorgten sich  vor allem um ihr Ein­kommen, die Renten und die Qualität des Bildungssystems. Das steht im Datenreport 2008 des Berliner Wissen­schaftszentrums für Sozialforschung. Die Menschen verlören das Vertrauen in die sozialen Sicherungssysteme und die Demokratie, im Osten mehr als im Westen. Als „besorgniserregend“ bezeichne­ten die Forscher die sinkende Zufrie­denheit mit der Demokratie bei Ar­beitslosen oder Menschen mit niedri­gem Einkommen und wenig Bildung. Die Perspektivlosigkeit dieser Grup­pen und ihre Abkoppelung vom Wohl­standsniveau könne ein „Risiko und Konfliktpotenzial“ bergen.

Und der nächste Schock: Laut ZDF-Polibarometer sind  mehr als zwei Drittel (69 Prozent) der Deutschen der Meinung, dass es mit der Wirtschaft im Land abwärts geht. Bei der ersten Befragung der Forschungsgruppe Wahlen im November waren es noch zehn Prozentpunkte weniger. Darüber berichteten jetzt die Nürnberger Nachrichten.

In der selben Ausgabe wurden jedoch Daten der Bundesstatistiker ausgewertet. Das „Statisti­sche Jahrbuch Deutschland 2008“ listet auf 734 Seiten auf, was typisch deutsch ist. Demnach bewahrt der Deutsche selbst in Zeiten der Finanzkrise der Deutsche weit­gehend die Ruhe. Er ist nämlich stolz darauf, ein Deutscher zu sein, grundsätzlich optimistisch und zufrieden mit dem politischen System seines Landes (79 Prozent).  Außerdem sind wir ein Volk von geselligen Menschen. Vereine brummen, in punkto Ehrenamt wird ständig nachgelegt. Die Deutschen lachen viel zu gern, als dass sie sich in Krisen- und Singlegram vergra­ben. Drei von vier Deutschen glau­ben in vollem Ernst, sie könnten einen ganzen Saal zum Lachen brin­gen.

Demnach sind wir ein Volk von Humoristen.

Kann jemand diese Widersprüche vereinen? Schwierige Aufgabe. Aber es gibt einen solchen höchstbegabten Politiker: Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit. Schon vor fünf Jahren erklärte er in einem “Focus”-Interview, seine Stadt sei “arm, aber sexy”. Seine Bürger hatten Spaß an diesem Slogan. Und tatsächlich: Wenig Geld, aber immer Spaß im Leben, ist keine so ganz schlechte Perspektive.

Da hat einer die Zeichen der Zeit frühzeitig erkannt. Jede Wette: Aus “Wowi” wird noch was. Angela Merkel muss aufpassen.

November 21st, 2008

Der Fluch der Landrätin: “Park Avenue” ist futsch

pauli_1.jpgGottseidank, ich bin gerettet. Seit gestern Abend bin ich stolzer Besitzer einer Autogrammkarte von Gabriele Pauli. Und das sollte mich bewahren vor dem Fluch der Ex-Landrätin. Den gibt es nämlich.

Während die ”schöne Gaby” mit dem Einzug in den Landtag grandios auf das Vorenthalten ihrer Landratspension durch die Fürther Kreistag reagiert hat, haben alle, die ihr mal geschadet haben, schlechte Papiere. Edmund Stoiber erledigt, Günther Beckstein zum  einfachen Abgeordneten degradiert.

Und nun hat es “Park Avenue” erwischt. Jene Zeitschrift also, die die ominösen Latex-Bilder unter der Überschrift “St. Pauli” veröffentlicht hat, wird eingestellt. Das hat der Verlag Gruner und Jahr bekanntgegeben. 23 Journalisten verlieren ihren Job.

Den wahren Grund für diesen Schritt gibt der Verlag natürlich nicht bekannt. Auslöser sei die Wirtschaftskrise, die „erhebliche Kostensenkungsmaßnahmen“ notwendig mache, sagte G+J-Vorstandsmitglied Bernd Buchholz.  Dieses Argument werden wir in nächster Zeit noch aus verschiedenen Branchen hören.

In der Medienbranche wird derzeit allerdings Personal gestrichen, als wären die  Journalisten noch schlimmer als die Versager in den Landesbanken. Bei der Süddeutschen wurden Mitarbeiter/innen, “die ohnehin über eine andere Lebensplanung nachdenken”, darum gebeten, doch besser gleich zu gehen. Der WAZ-Konzern streicht bei seiner Westfälischen Allgemeinen und angegliederten Lokalzeitungen bis zu 300 Stellen, die einstmals so stolzen Wirtschaftstitel “Capital”, “Impulse” und “Börse Online” werden zusammengelegt. Das kostet dann nochmal 95 Jobs.

Wahrscheinlich wurde auch bei diesen Blättern in einem Unterhaltungs-Ressort über Gabriele Pauli abgelästert. Auch ich war gelegentlich frech. Aber jetzt halte ich die Autogrammkarte derart in Ehren, dass ich sie sogar im Internet veröffentliche. Der Fluch sollte also gebannt sein. Ja, ich bin gerettet.

November 19th, 2008

Schäfer Heinrich und die Trittbrettfahrer

Gerade habe ich unseren “Bauer sucht Frau”-Schäfer Heinrich zum Superstar erklärt. Völlig zurecht übrigens, denn eingegoogelt, löst sein Name 615.000 Links aus. Weder Günther Beckstein (521.000), noch Gabriele Pauli (372.000) und schpon gar nicht Markus Söder (121.000) können da mithalten. Horst Seehofer liegt mit 673.000 Links noch knapp vorne, sollte sich aber dringend öffentlichkeitswairksam um Pisa und das Rauchverbot kümmern, damit das so bleibt.

Furchtbar ist bloß, dass offenbar schon die ersten Trittbrettfahrer da sind, um am Ruhm des einsamen Bauern teilzuhaben. Vor allem ein baden-württembergisches Weingut kennt offensichtlich keinerlei Scham. Und eine Rechtsanwaltskanzlei nennt ausgerechnet “Familienrecht” als erstes Spezialgebiet. Und – wie sollte es auch anders sein? – ein Autohändler ist zur Stelle.

Ich frage: Muss das sein? Hat Schäfer Heinrich nicht genug Probleme?

November 18th, 2008

Der Sozialismus siegt!

sozial.jpgJetzt ist es aber genug: Da hatte irgendwann ein Altlinker gemeint, dass der Kapitalismus nicht gewonnen hätte, sondern nur übriggeblieben sei. Lange Zeit haben wir uns in dem Wissen gesonnt, dass das nur das Gebrabbel eines unverbesserlichen Spötters sei.

 Ja, und dann? Hypo Real Estate, Bayerische Landesbank, Commerzbank, eventuell Staatsknete für Opel. Hier sind klare Zeichen gesetzt worden. Zumal bekannt ist, dass die USA große Schulden bei den Chinesen haben.

Aber der Höhepunkt ist doch dies: Sachsen hat Bayern im Pisa-Test überholt. Das (irgendwo schon reformierte) Ost-Schulsystem (von dem einst angeblich sogar die Finnen abgekupfert haben) hat unsere freistaatlichen Elite-Schulen als leuchtendste Beispiele für öffentliche Lehranstalten in Deutschland abgelöst? 

Eigentlich kann das nicht sein. Aber wenn es denn so ist, gibt es nur ein Fazit, das ja früher auf so unendlich vielen Plakaten zu lesen war: “DER SOZIALISMUS SIEGT!”

Na denn, Prost Mahlzeit.  

PS.: Das obige SED-Plakat ist im Deutschen Historischen Museum in Berlin zu sehen. 

November 18th, 2008

Schäfer Heinrich, unser neuer Superstar

heinrich.jpgDie Mediengesellschaft erfindet ihre Stars. Man staunt manchmal schon sehr, wer so alles durch Fernsehshows oder -serien berühmt wird. Wenn wir uns Nürnberg anschauen, fällt uns Daniel Küblböck auf, dessen Anwesenheit bei Veranstaltungen noch immer großes Interesse findet. Die Klickzahlen auf unseren Onlineseiten sagen uns das ganz deutlich. Und jetzt ist ein neuer Star geboren: Schäfer Heinrich aus dem Sauerland.

Dank acht Millionen Zuschauer pro Folge macht RTL mit seinen einsamen Landwirten mächtig Heu. Und der seltsamste Kandidat hat die meisten Fans. Zumindest scheint das so zu sein, wenn man sich bei “You Tube” umschaut. Sein Schäferlied ist längst ein Hit, ein wenig schon als Live-Version mit 5.385 Klicks, mehr aber noch als “OllaDeLuxe Pitaman Remix“  (heute 51.000 Klicks), als “Rastasong” (19.317 Klicks), als Schlagerversion (9.940 Klicks), als hoch innovative House-Rap-Version (8.250 Klicks) oder die Danceversion mit Schäfer Heinrich himself (4.500 Klicks). Die Szene, in der er seiner Anja erklärt, dass man Brotkrusten an Katzen verfüttern sollte, haben 61.650 Menschen angeklickt.

Warum juckt uns einer, der alle Eigenschaften eines Dorftrottels mitbringt? Meine Antwort: Es ist der Freak-Faktor. Man fragt sich schon, ob man sich überhaupt amüsieren darf, wenn einer wie Heinrich in der Öffentlichkeit vorgeführt wird. Genauso wie beim Betrachten der Hartz-IV-Empfänger, die sich ein Zubrot verdienen, indem sie in Nachmittags-Shows Vaterschafts- oder Lügendetektortests machen lassen.

Aber diese Form des Entertainments hat es schon immer gegeben. Die Dame ohne Unterleib, der angeblich stärkste Mann der Welt, Zwerge oder der Zyklopenjunge waren Stammgäste auf den Jahrmärkten. Das Andere, das Seltsame, das uns Schaudern lässt oder einfach nur Spaß macht, hatte immer Anziehungskraft. Und so schaffen es Schäfer Heinrich und Anja zumindest vorübergehend auf eine Stufe mit Camilla und Charles oder Boris und Sandy.

Millionen werden ihr von RTL inszeniertes Schicksal weiter verfolgen. Und viele werden die Hände falten und leise vor uns hinmurmeln: “Anja, mach das nicht. Lauf schnell weg!”

P.S.: Den Test “Wieviel Bauer steckt in Ihnen?” gibt`s hier.

November 17th, 2008

Ein Mann kriegt schon das zweite Baby

Wie mir meine unbestechliche Statistik gerade mitteilt, wird mein Beitrag über Thomas Beatie gerade wieder gerne gelesen.  Er handelt von den Verwirrungen und den Problemen einer Muttervater-Schwangerschaft. Aber diese Geschichte ist alt.

Denn dieser Mann hat wirklich Mut. Beatie, der Ende Juni ein Kind ohne Kaiserschnitt ausgetragen hat, ist schon wieder schwanger. Und das ringt mir wirklich Respekt ab.

Schließlich hat der 34-jährige Transsexuelle, dem man bei der Frau-zu-Mann-Umwandlung  Gebärmutter und Eierstöcke gelassen hatte, bei der Geburt seines ersten Kindes, seiner Tochter Susan Juliette, 40 Stunden lang in den Wehen gelegen. Was nach allem, was man über Männer weiß, zum Tod hätte führen müssen.

Nun ist mit kurzem Abstand Baby Nummer zwei unterwegs. Und Ehefrau Nancy (46) ist dem Vernehmen nach glücklich. Man sieht: Transsexualität und gutbürgerliche Familienplanung sind kein Widerspruch. Warum auch?

November 17th, 2008

Ein Linker bekämpft das Internet

heilmann.jpgIst das jetzt mutig gewesen? Oder blöd? Lutz Heilmann, Bundestagsabgeordneter der Linken, hat sich mit der deutschen Wikipedia-Gemeinde angelegt, wie noch kein Mensch zuvor. Per einstweiliger Verfügung hat er die Seite www.wikipedia.de sperren lassen. Inzwischen verzichtet er auf juristische Schritte.

Was Heilmann an seinem Wikipedia-Eintrag so erbost hat, weiß man nicht so genau. Dass er sich nach der Wiedervereinigung als Tankstellen-Kassierer und Teppichverkäufer über Wasser gehalten hat, komt bei Wikipedia nicht vor. Das wäre auch nicht ehrenrührig. Er fand den Inhalt jedenfalls teilweilse “falsch und ehrabschneidend”.

Wahrscheinlich hat es damit zu tun, dass er nach seinem Wehrdienst als Personenschützer für das DDR-Ministerium für Staatssicherheit (Stasi) gearbeitet hat. Bis zum Januar 1990, dann wurde das Ministerium aufgelöst. Diese Tätigkeit hat der heute 42-Jährige seinen Parteifreunden in Schleswig-Holstein, über deren Liste er in den Bundestag gelangt ist, zunächst verschwiegen. Im eigenen Lebenslauf stellte er sich als Soldat dar. Inzwischen schreibt er in seiner Bundestags-Biographie von einem “verlängerten Wehrdienst”. Der “Spiegel” hatte seine Halbwahrheiten im Oktober  2005 aufgedeckt.

Und das Internet ist ja gnadenlos. Es vergisst einfach nichts. Diesen Problem haben ja auch jene, die sich im sozialen Netzwerk zu offenherzig geäußert oder gezeigt haben. Oder jene, die mit 19 im Netz als stramme Kommunisten aufgetreten sind, und sich dann wundern, warum die nach der Jurastuium angestrebte Karriere in der Jungen Union nicht so recht vom Fleck kommt. Würde da jeder eine Sperrung beantragen und wie Heilmann von einem Amtsrichter recht bekommen, wäre die Zahl der Internetseiten bald erheblich eingedampft.

Mal ehrlich: Wär’s ein Schaden? Kaum, aber diesen Gedanken lassen wir selbstverständlich nicht zu. Wir weiden uns lieber am Entschuldigungstext des Linken, in dem es heißt:  “Ich bedaure außerordentlich, dass durch die von mir beantragte Einstweilige Verfügung des Landgerichts Lübeck die deutschen Wikipedia-Userinnen und -User in den letzten 24 Stunden keinen direkten Zugriff mehr auf die Wikipedia-Inhalte hatten. Mir ging es dabei keineswegs um Zensur, sondern schlicht um eine wahre Tatsachen-Darstellung. Der juristische Weg hat sich dafür insoweit als problematisch erwiesen, als durch die Struktur von Wikipedia die anderen Userinnen und User in Mitleidenschaft gezogen werden. Das war nicht meine Absicht. Gemeinsam mit Wikimedia e.V. werde ich nach anderen Wegen suchen, um den offenen und freien Charakter von Wikipedia so weiter auszugestalten, dass Persönlichkeitsrechte gewahrt bleiben.”

Schön geschrieben. Dass er das ehrlich meint, bezweifeln wir sehr. Aber wir sehen wieder, dass es einen Unterschied zwischen Sozialisten und Konservativen gibt: Die Linken wollen verhindern, dass bestimmte Nachrichten überhaupt in Umlauf kommen. Die anderen lassen erstmal alles laufen, richten aber eine elektronische Stasi ein – und nennen es BKA-Gesetz. Um Kontrolle geht es aber immer.

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November 16th, 2008

Bier und Kosmetik? Nicht mit Uschi Glas

Reden wir doch mal über Bierkultur. Unter den 756 Kulturen , die der Dichter Eckard Henscheid dankenswerterweise aufgelistet hat, ist sie mir jedenfalls wesentlich lieber als die Erinnerungs-, Mülltrennungs-, Entfeindungs- oder Aufbahrungskultur.  Ich halte es da mit Herrn Demleitner, einem von zwei Geschäftsführern des Bundes der Privatbrauereien, der anlässlich der Verleihung des “European Beer Star Awards” den “so genannten Gutmenschen” (militanten Antialkoholikern) gehörig die Leviten gelesen hat. Seine Erkenntnis: “Bier ist ein das Leben bereicherndes und das Leben verlängerndes Lebensmittel, ohne das dieses Land so nicht denkbar wäre.” Das hat gesessen – auch wenn die Suchtbeauftragte den letzten Halbsatz auch so verwenden könnten.

Aber was es nicht alles gibt: Eine von 42 Kategorien beim Internationalen Bierpreis hieß “Bottom fermented beer with alternative cereals or field corps”. Es ging also um flaschengegärtes Bier jenseits des Reinheitsheitsgebotes. Bronze ging da an die Sonnenbräu aus Rebstein in der Schweiz für Maisbier. Das Silberbier der Carlsberg Bräu trägt den bedrohlichen Namen “Hamas”, Gold für alternatives Cereal-Bier ging an die High Fall Brewery in Rochester/USA für die Sorte Genesee.

Und? Wollen wir das trinken? Natürlich nicht. Und da kommt Uschi Glas ins Spiel. Die Schauspielerin, kurz vor der ersten Mondlandung berühmt geworden mit dem Kinofilm “Zur Sache, Schätzchen”, ist zurzeit in der ZDF-Serie “Zur Sache, Lena!” im Einsatz. Dort spielt sie eine mittelständische Brauereichefin. Und weil sie das so gut macht, hat man ihr den “Bayerischen Bierorden” verliehen. Sie ist damit eine Nachfolgerin von Franz-Josef Strauß. Der ihn bekommen hat, damals, als die Politik und die CSU noch richtig berühmt waren.

Im Gespräch mit den Medien ist man beim Trinkgenuss geblieben. Das Thema “Bier und Kosmetik” hat man ausgelassen. Das ist eines – man denke nur an Dr. Guhl`s Biershampoo – aber Uschi Glas ist bei Hautcremes und Co. ja ein bisschen traumatisiert.

Eines lehrt uns die Braumesse: Was dem Italiener sein Parmaschinken und dem Franzosen sein Froschschenkel, ist für uns  das Bier. Es ist ein entschieden erfolgreicherer Exportartikel als Schwarzbrot. Sogar eine Brauerei aus Namibia bekam eine Goldmedaille. Sie braut nach dem bayerischen Reinheitsgebot. Franken war auch stark dabe. Gold gab`s für Rauchbier aus Hallerndorf, Weißbier aus Adelsdorf und für einen Weizenbock aus Scheßlitz.

Mit dem Bier haben wir der Welt wirklich etwas geschenkt. Man kriegt es überall, sei es in den Bars nahe der Bahnhöfe von  Bamako  in Mali oder in Dakar im Senegal. Die Webseite “Bier am Bahnhof” zeigt das prima auf. Parmaschinken wird man in solchen Gegenden dagegen kaum finden. Alsdenn, Prost! Wo immer Ihr gerade seid.

November 15th, 2008

Bush vor Gericht? Gefälschte Zeitungen sind prima

Ich habe mich schon einmal hier im Blog über die Tarifverhandlungen für Zeitungsredakteure geäußert. Jetzt bekommen wir in den nächsten beiden Jahren jeweils ein bisschen was über zwei Prozent. Das zeigt mir vor allem: Die  Zeitungen brauchen neue Impulse also flotte Produktideen.

In unserer freien Wirtschaft nennt man das auch Diversifikation. Wenn es mit dem bisherigen Produkt nicht mehr so richtig  flutscht, muss man neue Kundschaft in Nischen suchen oder etwas geniales Neues erfinden. In den USA ist das gerade gelungen: Eine Ausgabe der «New York Times» hat mit dem Datum 4. Juli 2009 und großer Schlagzeile das Ende des Irak-Kriegs vermeldet. Die täuschend echt wirkende “Sonderausgabe” der renommierten Tageszeitung berichtete auch über die Schließung des US-Gefangenenlagers Guantánamo Bay in Kuba und dass der frühere US-Präsident George W. Bush wegen Hochverrats angeklagt wurde.

Das Blatt schrieb ferner von einer Öl-Steuer zur Finanzierung von Umweltstudien, vom Ausbau von Fahrradwegen in New York und von der Einführung einer nationalen Gesundheitsvorsorge.

Ist das nicht eine phänomenale Wohlfühl-Zeitung? Eine, die uns die Nachrichten liefert, auf die wir gewartet haben. Und die uns Freude machen, ganz egal, ob sie nun stimmen oder nicht. Ein Lügenblatt für Optimisten – das ist ein Geschäftsmodell erster Ordnung. Warum sollten wir nicht einen Bericht über den Champions-League-Sieg des 1. FC Nürnberg genießen?

In New York waren die “Übeltäter” schnell gefunden. Die Aktivisten- und Aktionskünstlergruppe “The Yes Men” outete sich als Herausgeber der 14-seitigen Zeitung. Sechs Monate lang hätten sie an dem Blatt gearbeitet und über eine Million Exemplare mit Hilfe von tausenden Freiwilligen kostenlos in New York und anderen US-Städten verteilt.  Die “Yes Men”-Aktivisten schlossen sich Ende der 90er Jhre zusammen. Sie gerieten vor allem durch eine gefälschte Internet-Seite der Welthandelsorganisation WTO in die Schlagzeilen.

Weil die falsche “New York Times” so schön war, oute ich mich auch. Ich wäre richtig gierig auf Leser-Kommentare, in denen steht, welche Nachricht unbedingt in einer Zeitung stehen sollte. Mit dem “Europa-Glubb” habe ich einen Anfang gemacht. Ich bitte um Wortmeldungen.

November 13th, 2008

Wahnsinn: Scheidung killt wie eine Überdosis Schäufele

Was wurde nicht alles gespottet und gelästert über die Ehe? Viele kluge Leute, vorzugsweise Männer, sind zum Fazit gekommen, dass sich da zwei Menschen eher in ein Terrorcamp denn in eine glückbringende Gemeinschaft begeben. Man betrachte nur den letzten Teil des Ehekarussells am Weißen Turm.

“Gott hat die Ehe verbunden. Doch wer verbindet die Ehewunden?”, fragte da der Schriftsteller und Heilpraktiker Erhard Blanck.  “Heirat ist ein Entschluss, der die Rechte halbiert und die Pflichten verdoppelt”, ätzte der alte Frauenfeind Arthur Schopenhauer. Andererseits ließ der auch nicht gerade durch Zärtlichkeiten berühmt geworden Philosoph Friedrich Wilhelm Nietzsche seinen Zarathustra irgendwo verständnisvoll über Frauen sprechen: “So sprach mir ein Weib: Wohl brach ich die Ehe, aber zuerst brach die Ehe mich!” Und der russische Poet Iwan Sergejewitsch Turgenjew kam zu dieser klaren Diagnose: “Für einen Künstler ist es nicht ratsam, zu heiraten. Eine unglückliche Ehe kann zwar etwas zur Entwicklung eines Talents beitragen, eine glückliche Ehe ist aber fehl am Platz.”

Aber, lieber Turgenjew und andere: Die Ehe hält gesund. Das Rostocker Zentrum zur Erfor­schung des Demografischen Wan­dels hat nämlich untersucht, wie sich eine Schei­dung auf die Le­benserwartung auswirkt. Und entgegen aller Single-Propaganda hat sich herausgestellt, dass eine Trennung die Lebenserwartung dramatisch verkürzt. Gemäß der Studie segneten 50-jährige Männer im Vergleich zu nicht geschiedenen Referenzperso­nen im Schnitt 9,3 Jahre, Frauen sogar 9,8 Jahre früher das Zeitliche.

Vorbild war eine verheiratete Person in Deutschland, die nicht raucht und nur mäßig Alkohol trinkt, sich guter Gesundheit erfreut, Abitur hat und in einem Angestelltenverhältnis ar­beitet. Bei Frauen wurde zusätzlich die Geburt von ein oder zwei Kin­dern angenommen. Denn auch Kinderlosigkeit erhöht das Risiko eines früheren Todes. 3,2 Jahre verliert frau angeblich.

Konkret betrachtet bedeutet die Studie, dass die Scheidung für einen Mann den gleichen Effekt hat wie 20 Zigaretten und drei Bier täglich plus drei Schäufele pro Woche hat. Das sollte man wissen, wenn man danach lechzt, frei wie ein Vogel zu sein.

Letztlich können wir die vielen philosophischen Geisterfahrer vergessen. Wir müssen nur daran denken, wie alles anfing. Damals, kurz nach dem Urknall. “Und Gott der Herr sprach: Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei. Ich will ihm eine Gehilfin machen, die um ihn sei.”  Tja, manchmal steckt die Erkenntnis immer noch im Alten Testament.

November 10th, 2008

Liebste mein, lass mich Dein Finkenzebra sein!

Als ob wir Männer es nicht schwer genug hätten. Da haben wir gelernt, verständnisvoll zuzuhören, vietnamesisch zu kochen, die Brustbehaarung zu rasieren, ins Outletcenter zu fahren, ohne mürrisch zu werden und über unsere ganz persönlichen Probleme zu reden. Angenehm weich sind wir geworden, prallvoll mit emotionaler Intelligenz. Und dann diese Umfrage beziehungsweise Parole von “Vanity Fair”: Softies sind out, echte Kerle wieder in. Der aktuelle James-Bond-Darsteller Daniel Craig sei ist ein solcher Alphamann, an dem sogar eine Strickjacke gefährlich aussieht.

Modeschöpfer entdecken wieder Modelle mit kräftig-maskulinem Körperbau, die Fast-Food-Kette Burger King wirbt mit einer “Mancademy”, die aus Salatessern und Brötchenholern wieder echte Kerle machen soll. Und die Gleichmacherei hat sich wirklich nicht durchgesetzt. Das habe ich jüngst als Berichterstatter bei Mario Barth erlebt. Während Frauen meiner Altersklasse (und meines hohen Bildungsniveaus) bei diesem Namen angewidert das Gesicht verziehen, können junge Frauen über dessen Witze lachen. Und noch etwas fällt mir auf. Bei den Lügendetektortests im Nachmittagsprogramm ist es immer noch so, dass eigentlich nur die Männer lügen. Daran hat der Feminismus nichts geändert.

“Wenn sie etwas ehrliches und Treues haben wollen, nehmen Sie einen Hund.” Dieser Satz aus dem “Tatort” vom gestrigen Sonntagabend scheint endlich wieder als wahr und unumstößlich erkannt zu werden. Und so sieht zum Beispiel Männerforscher Walter Hollstein einen Trend zurück zu klassischen männlichen Eigenschaften wie Kraft und Stärke. Das sei die Antwort auf den Feminismus, der als extreme Ausprägung des angepassten Mannes den sogenannten “Softy” hervorgebracht hat.

Langsam pendle sich, so Hollstein, Männlichkeit wieder “auf ein Normalmaß” ein. Frauen suchten Partner, die männlich, partnerschaftlich seien, die Verantwortung für das gemeinsame Leben übernähmen und auch mal einen Fehler zugeben könnten. Also irgendwo schon Helden.

Muss das sein? Verlangt das die Evolution? Offenbar nicht unbedingt. Eine Studie des Max-Planck-Institutes für Ornithologie in Seewiesen hat nämlich ergeben, dass Zebrafinkenweibchen besonders dann extra viel Energie in die Qualität ihrer Eier investieren, wenn das Männchen wenig “Startkapital” in die Beziehung einbringt.

Attraktive Männchen versprechen gute Nachkommen. Daher investieren die meisten Vogelweibchen viel Energie in ihre Brutversuche mit attraktiven Partnern. Zebrafinken-Frauen sind realistischer. Sie erwählen sich auch einmal einen  hässlichen Vogel, legen dann aber besonders große Eier, die viele Nährstoffe enthalten. Da die Partner ein Leben lang zusammenbleiben, gibt es für die Weibchen keinen Grund, Ressourcen für einen späteren, besseren Partner aufzusparen. Nochma: Das klappt nur, weil die Zebrafinkinnen auch mit einem weniger tollen Typen zufrieden sind. Ein ähnliches Verhalten war laut Max-Planck-Institut schon bereits bei anderen Vogelarten beobachtet worden, wie zum Beispiel beim ebenfalls zur Familie der Finken gehörenden Hausgimpel.

Will ich also Superman sein? Ist doch unrealistisch. Nein, ich dichte ganz schnell: “Liebste Du, Du Liebste mein, lass mich Dein Finkenzebra sein.” Zum Hausgimpel werd ich ja eh noch.