Mundgeruch – schlimmer als die Bankenkrise ?

mundgeruch2.jpgErstmal vorneweg, bayerischer Ministerpräsident wollen jetzt nur noch drei Männer werden. Wahrscheinlich fällt die Entscheidung zwischen Seehofer und Herrmann. Die Bankenkrise räumt die Hypo Real Estate vielleicht doch noch weg. Aber es gibt doch noch andere schwierige Dinge außer CSU und Kollaps der Weltwirtschaft. Mundgeruch zum Beispiel..

Soweit mein soziologischer Sachverstand reicht (ist nicht allzu weit, keine Sorge), ist dieses Problem relativ neuzeitlich. Im Jahr 1973 präsentierte sich die Zahnpasta-Marke Colgate als „Doppelstopper gegen Mundgeruch“. Schon zehn Jahre vorher hatte ein Konkurrent getönt: „Signal beseitigt Mundgeruch sofort!“ Das berühmteste Mundwasser Odol wurde sogar schon im Jahr 1900 mit dem Spruch „Odol gibt sympathischen Atem“ angepriesen.

Aber da war besserer Atem eine positive Option. Richtig problematisiert wurde das Thema mit dem Slogan „Mundgeruch macht einsam“. Ich weiß nicht mehr, für welches Produkt er stand, er tauchte jedenfalls in den 70er Jahren irgendwo zwischen „Mein Hüfthalter bringt mich um!“, „Mutti, Mutti, er hat überhaupt nicht gebohrt“ und „Wenn Petrus grollt, nimm Rachengold“ auf. Der Wiederaufbau nach dem zweiten Weltkrieg war abgeschlossen, ein Mann musste seine Familie nicht nur ernähren, sondern auch unterhalten. Also auch aus dem Märchenbuch vorlesen. Und da hatten die Kleinen das Problem, denn zwei Halbe Bier nach Feierabend galten als völlig okay.

Das  Fatale am Mundgeruch ist, dass man ihn selbst nicht wahrnimmt. Während andere mehr oder weniger heimlich das Gesicht verziehen und man sich wundert, warum einem das Gegenüber nicht mehr in die Augen schaut, ist man selbst völlig ahnungslos. Schließlich hat man einen extra mächtigen Strang Zahnpasta aufgelegt und hinterher mit einem Domestos-ähnlichen superscharfen Gebräu gegurgelt.

Hilft hat bloß nichts, nach einer gewissen Zeit stinkt man wieder. Und merkt es nicht, weil es das Wunder der Adaption gibt. Weil der Mund mit dem Nasenraum verbunden ist, ist der eigene Geruchssinn ständig dem Gestank ausgesetzt. Das Gehirn, das ja immer alles tut, um uns das Leben zu erleichtern, schaltet auf Gewöhnung um. Also merken wir nichts mehr von den sechs Landbieren des Vorabends.

Auch wer in einen stickigen Raum kommt, findet es dort nach 20 Minuten gar nicht mehr schlimm. Und wer zum Rauchen aufgehört hat, wird sich alsbald wundern, in welch stinkendem Loch er jahrelang gehaust hat. Er wird auch den Duft seiner Klamotten ganz anders wahrnehmen.

Chemisch entsteht der schlechte Geruch durch Bakterien, die Nahrungsreste und andere organische Substanzen zersetzen. Dabei entstehen Schwefelverbindungen, die mit der Atemluft ausgeatmet werden. und nun sage keiner, dass das ja von einem kranken Magen käme. Gibt`s auch, stimmt. Aber es ist letztlich doch wie immer im Leben: Jeder ist für sein Problem selbst verantwortlich.“ Wer raucht und säuft, muss das wissen. Genauso wie der, der Geld verzockt, das anderen gehört.

Damit aber die Verzweiflung über so viel existentialistische Hineingeworfenheit ins Dasein nicht zu groß wird, doch noch ein Tipp aus der Rubrik „Erkenne Dich selbst“:  Handrücken ablecken, Speichel trocknen lassen und dran riechen. Manchmal merkt man dann wirklich, was geruchstechnisch Sache ist.

Sie finden, dass das gemessen an den großen aktuellen Katastrophen ein zu banales Thema ist? Dann gebe ich halt die Worte CSU, pleite und Mundgeruch in meinen Sloganizer. Meine Treffer: „Mundgeruch jenseits aller Erfahrung – CSU, so pleite wie die Moral“, „Mundgeruch in der Stille der Einsamkeit – CSU!“  und „Mundgeruch mit CSU – pleite werden mit Vergnügen“.

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