WDR: Wieder eine falsche Deutschlandfahne

Wie ich aus meiner Blog-Statistik weiß, macht es meinen Lesern großen Spaß, wenn die mutmaßlich allwissenden öffentlich-rechtlichen Sender scheinbar sinnlose Schnitzer machen. Deshalb wurden die Beiträge über die falsche Deutschland-Flagge und die kastrierte US-Flagge in den “Tagesthemen” vergleichsweise zahlreich gelesen.

Nun ist es beileibe nicht so, dass mir keine Fehler unterlaufen. Und mir ist klar, dass Journalisten zu Unrecht als besonders dumm angesehen werden, wenn ihnen aus Schludrigkeit oder wegen Zeitnot eine Panne unterläuft, die selbst Grundschüler so nicht fabrizieren würden. Ich will also gar nicht laut spotten, denn ich sitze diesbezüglich im Glashaus.

Nun hat der von mir sehr geschätzte Schweizer Satireblog “Lupe” eine neuerliche Panne aufgedeckt. Bei einem Studiogespräch über die deutsch-niederländischen Beziehungen war die Deutschland-Tischfahne verkehrtherum montiert. Sie wieder saublöd aus – “WDR” steht in diesem Fall für “Wieder Deutschland realitätsfern” oder so.

Zum Anschauen setze ich einen Link. Dann kriegt der Blogger-Kollege die verdienten Links.

Journalisten-Job: Frauen testen und Geld verdienen

Weil ich das mit dem Gehaltstarif kommentiert habe, wurde ich gefragt, ob ich einen Gewerkschaftsblog aufmachen will. Nein, das tue ich nicht. Ist ja schließlich klar, dass sich auch Journalisten auf gelegentliche Paradigmenwechsel einstellen, dass sie eine neue Lage erkennen bzw. (wie das Sportreporter sagen würden) “erfolgreich antizipieren”.

Da bietet ver.di in Nürnberg gerade ein Seminar mit dem Titel “Rentier ich mich noch?” an. Die Fortführung der Frage lautet aber keineswegs “Oder Elch ich mich schon?”. Es weist vielmehr darauf hin, dass sich in diesen Zeiten jede(r) nach der Höhe seiner persönlichen Eigenkapitalrendite fragen sollte. Und wenn die dann zu niedrig ist (unter 20 Prozent), so dass es mit dem Geld nicht mehr so flutscht, sollten wir eben  Jobs suchen, die wenigstens Spaß bringen.

Also waberte durch unsere einschlägigen Mailinglisten folgendes Angebot:

“Es ist der absolute Traumjob….
…für den Playboy auf Weltreise gehen…um schöne Frauen kennen zu lernen.

Wir suchen einen  freien Journalisten, der für eine große Playboy-Serie weltweit über das Flirt- und Erotikverhalten berichtet…

* Sie sind ein erfahrener Reporter.
* Sie verfügen über eine ausgezeichnete Magazinschreibe und haben
bereits für große Publikumszeitschriften geschrieben.
* Sie flirten gern.
* Sie reisen gern.
* Sie sprechen mehrere Sprachen.
* Sie können auch im Ausland kompetent recherchieren.
* Sie sind ungebunden.

Bitte senden Sie eine Bewerbung unter dem Stichwort “Playboy-Weltreporter” an mailto:job@playboy.de.
Bitte fügen Sie unbedingt ein Bild und aussagekräftige Textproben hinzu. Die Originalanzeige finden Sie unter http://www.newsroom.de/jobs/detail/36989/
Diese Anzeige ist, wie jeder nachprüfen kann, kein Scherz. Und der Versender des Angebotes meldet dieses:

“Der Playboy-Job wurde bei Newsroom/Jobs innerhalb von 24 Stunden mehr als 3000 Mal abgerufen (und liegt derzeit bei knapp 10.000 Klicks). Ein obangebot Redakteur/in Südwestrundfunk Baden-Baden brachte es im gleich
Zeitraum innerhalb von 24 Stunden auf etwas über 600 Abrufe und immerhin knapp 500 haben ungefähr zeitgleich mit dem Gedanken gespielt als Redakteur/in zum Osttiroler Boten zu gehen.”

Selbstredend hätte ich mich als altmodischer Mensch (und Realist) ausschließlich für Osttirol beworben. Aber die Klickzahlen zeigen es: Wir Journalisten setzen auf Lust. Wir haben verstanden.

Nicht jeder Sinn ist wirklich schlau

sinn.jpgSagen Namen etwas über ihre Träger aus? Bei Vornamen ist diese Vermutung ziemlich schlüssig. Ein 40-jähriger Rocco wird entweder in Palermo oder in der DDR geboren sein, Damian ist eher das Kind eines anthroposophischen Lehrer-Ehepaares als der Abkömmling eines durchschnittlichen Sparkassen-Angestellten. Frieda heißen heute wieder Kinder aus Familien an der Schwelle zum Bildungsbürgertum, die Chantal inzwischen als Unterschichten-Namen  ansehen. Und wer Brooklyn genannt wurde, muss reichlich durchgeknallte Eltern haben. Die Beckhams zum Beispiel.

Aber was fängt man mit einem Nachnamen an? Wenn einer Hans-Werner Sinn heißt – und trotzdem saudummes Zeug erzählt? Der Professor mit dem Abraham-Lincoln-Bart (Foto: dpa), Chef des Münchner Ifo-Institutes für Wirtschaftsforschung, hatte sich in der Vergangenheit stets durch Attacken auf den angeblich übermächtigen Staat hervorgetan und die freie Entfaltung des Marktes verlangt. Angesichts der Bankenkrise wäre es für ihn nun angebracht gewesen, einfach mal den Mund zu halten. Stattdessen brabbelte er davon, dass Bankmanager aufgrund der heftigen öffentlichen Kritik gewissermaßen das Schicksal der von den Nazis verfolgten Juden teilten.

Also, wo ist da der Sinn? Vielleicht sollten wir sehen, dass Sinn eine der beliebtesten Vor- und Nachsilben überhaupt ist. Der Sinn ist der höchst begehrteste Bräutigam von Wörtern, die sich mit einem Doppelnamen verheiraten möchten. Es gibt – worauf beim Herrn Professor besonders zu achten ist – den Wort-Sinn, zu bestimmten Jahreszeiten den Froh-Sinn (gerne auch organisiert). Vieles im Leben ist sinn-haft, anderes sinn-los oder sinn-entleert. Es gibt den Tast-Sinn, den Geruchs-Sinn, schönes Erleben ist sinn-lich, falls dabei der Blutdruck unten bleibt, entsteht Be-sinn-lichkeit. Ralf Schumacher und andere gute Autofahrer haben den siebten Sinn.

Es gibt den Sinn als Wahrnehmung, als Zweck oder als Hilfsmittel auf der Suche nach einer gewinnenden Gestaltung des Lebens.  Und viele gelehrte Menschen haben versucht, dem Wort Sinn einen tieferen Sinn zu geben. Und es sind immer die Nuancen, die entscheiden.  Der Dichter der Zeilen “Durch die Wälder, durch die Auen, zog ich leichten Sinns dahin”, Johann Friedrich Kind, war bestimmt nicht vom Leicht-Sinn beseelt. Ein schöne Erklärung des tieferen Sinns lieferte dessen Kollege Emanuel Geibel:   “Das Größeste ist das Alphabet. Denn alle Weisheit steckt darin. Aber nur der erkennt den Sinn,  der`s recht zusammenzusetzen versteht.”

Aber grübeln wir nicht mehr über Sinn, Un-Sinn, Blöd-Sinn, Schwach-Sinn oder – wie unser Ifo-Präsdient vielleicht sagen würde – über “Sinn-Ergien”. Schillers Weiheit “Lange Rede, kurzer Sinn”, gilt auch hier. Dem Professor widmen wir einen Satz des Aphoristikers Peter Rudl: “Wo kein Sinn ist, ist nichts sinnlos”. Und ergänzen die Sprüchesammlung zum Begriff mit unserem Beitrag: “Nicht zu jedem Sinn gehört ein schlauer Kopf.”

Sorry, aber der Hirndübel streikt

So was Dummes: Die Welt war heute wieder voller toller Themen.

1. Rechnungen werden schneller bezahlt, wenn die Schuld von einer Frau zu begleichen ist. Männer dagegen lassen Mahnung mal Mahnung sein.

2. Es gibt eine tiefschürfende Untersuchung zum Einfluss von Spiritus auf die deutsche Alltagskultur.

Es gäbe einiges zu schreiben, aber ich mag nicht. Morgen sind nämlich die Gehaltstarifverhandlungen für Zeitungsredakteure. Und der Verlegerverband bietet zwei Prozent für dieses und 1,x Prozent für das kommende Jahr an.

Das ist nun eindeutig Mist.

Für mich als bestandgeschützte Altlast gilt die folgende Feststellung zwar nicht, aber wenn es so weitergeht, werden sich junge Journalisten irgendwann nach jemandem umschauen müssen, der ihnen als Belohnung für eine Zeitungsmeldung einen Zehner zusteckt. Ist uns doch wurscht, ob die Belegschaft korrupt ist. Hauptsache, der freie Platz zwischen den Anzeigen ist gefüllt.

Ach so, jetzt habe ich doch was geschrieben. Aber ab sofort zeige ich meinen Unmut durch Untätigkeit. Wenigstens bis morgen.

Tatjana Gsell gibt das allerletzte Hemd

gsell01.jpgWenn Gedanken zu Prophezeiungen werden… Wenn man an die grandiose Karriere der Tatjana Gsell zurückdenkt, hätte man sich immer zwei denkbare Lebenswege vorstellen können. Diese Frau würde entweder zu sagenhaftem Reichtum an der Seite eines arabischen Königssohnes kommen beziehungsweise dank geschickter Einheirat Platz 847 in der englischen Throfolge erringen. Oder sie müsste für das allerletzte Zipfelchen vom Ruhm ihr letztes Hemd verkaufen. Und so kommt es nun. Gsell war Botschafterin der Sexmesse “Venus 2008″, und wird, so der Veranstalter, bald in einem Film auch das Letzte geben. Ihren Körper.

Als “Werbekörper“ der Erotikmesse (so “Bild”) trug Nürnbergs einstieg Top-Society-Lady nur einen schwarzem Slip und zwei winzige Brustwarzenknöpfe.  In Berlin blickte sie so von zwei 400-Quadratmeter-Bannern. Dazu kamen bundesweit Hunderte Plakate in 700 Wartehallen und 150 Bahnhöfen.

Wartehallen, Bahnhöfe. Über viele Jahre hinweg hätte sich die geborene Oberfränkin Tanja Gick nicht einmal annähernd mit diesem Milieu abgegeben. Brachte es die gelernte Kosmetikerin an der Seite des 45 Jahre älteren Schönheitschirugen Franz Gsell doch zu beachtlichem Ruhm. Dank seiner Künste kam sie zu einem sagenhaften Körper, über die Schonheit ihres Gesichtes streiten sich die Kenner. Vor allem darüber, ob diese irgendeine Rolle spielt. Jedenfalls kam sie von der öffentlichen Aufmerksamkeit her ihrem Vorbild Verona Pooth ziemlich nahe. Seit ihr wurde als Nürnbergerin nur noch Eisbärmädchen Flocke ähnlich berühmt.

Die Gier nach einem Luxus-Lebensstil brachte sie aber auf die abschüssige Bahn.  Erst starb ihr angeblich geliebter Franz an den Spätfolgen eines Überfalls, schließlich brachte sie das Schicksal an die Seite des prolligen Prinzen Ferfried von Hohenzollern. Als “Sweetie” und “Foffi” sorgten sie für einiges Aufsehen, beide scheiterten erst, als sie unbedingt die Stufe von “Mörtel” und “Mausi” (das Wiener Opernball-Paar Lugner) erklimmen und im Fernsehen scheinbar ihre Traumhochzeit zelebrieren wollten. Tatsächlich war es ein Versuch, in die Schlagzeilen zu kommen.

Foffi zog die Reißleine – und seitdem ist es vorbei mit der großartigen Society-Lady. Dass sie auf ihrer Homepage einen mit ihrem Namen bemalten Helikopter zeigt, der über dem Hafen von Monaco schwebt, ist nur noch ein müdes Zucken.

Stattdessen zeigt es sich, dass sie vielleicht nie mehr zu bieten hatte, als einen vom Chirurgen geschickt geformten Körper. Selbst für die übelsten RTLII-Soaps ist sie inzwischen verbrannt. Nur das Sexbusinesss zeigt derzeit noch Interesse. Fragt sich nur noch: Hat irgendjemand Mitleid? Dann bitte vortreten.

Splitternackt am Airport

xray.JPG In den frühen siebziger Jahren – Oswalt Kolle hatte wichtige sexualaufklärerische Schwerpunkte gesetzt, Beate Uhse war auf dem Weg zur angesehenen Person- war die so genannte “X-Ray-Brille” eine der großen Verheißungen für pubertierende Jungs. Mit diesem diskreten Hilfsmittel könne man jeder beliebigen Person durch die Kleidung hindurchsehen. Alle anderen würden also nackt erscheinen.

Damals handelte es sich um einen Scherzartike, bei dem schon das Angebot selbst ein Schwerz war. Zumal man nicht auf Diskretion setzen durfte. Das Brillengestell war so auffällig, dass man sich zumindest verdächtig gemacht hätte. Es erinnerte ein wenig an jene Vorkriegs-AOK-Kreationen, mit denen Saddam Hussein seine Presseerklärungen zu verlesen pflegte.

scanni.JPG“Die Gelegenheit für Spanner!”, so ein aktueller Werbespruch, gibt es nun sogar in zweierlei Hinsicht: Einerseits soll ein Brille entwickelt worden sein, die ihrem Träger tatsächlich den Durchblick verschafft.

Und dann könnte es das Spanner-Dasein in einem ganz seriösen Beruf geben. An der Sicherheitskontrolle am Flughafen nämlich. Wer dort in Zukunft hindurchläuft, wird so zu sehen sein, wie von Gott geschaffen. Die Herren Hauptkommissarsvoyeure würden sicher ihren Spaß haben.

Nun zeugt das Vorhaben vom gelegentlich paranoid wirkenden Sicherheitsdenken, und ist schon deshalb abzulehen. Aber es ist auch zu sehen, dass das Betrachten dieser Bilder schon bald arg langweilig würde. Deren Qualität (siehe dpa-Bild) dürfte dem wahren Spanner ja kaum reichen.   Wer solche Bilder als allzu intim ansieht, müsste fast diese Frage stellen: Wie scharf wird der Arzt beim Ultraschall?

Landesbanker: Wie die Biedermänner im Puff

Eigentlich bin ich kein Freund jener Modellrechnungen, wonach die Jahresproduktion Nürnberger Rostbratwürste, Stück für Stück aneinandergeleg, eine direkte Verbindung vom Hauptmarkt ins Sternbild Großer Wagen schaffen würde. Aber die Nachrichten aus der Bayerischen Landesbank schreien nach ungeheuerlichen Vergleichen. 6,4 Milliarden Euro hat man dort (nach jetzigem Stand) versemmelt.

Ausgerechnet die Landesbank. Hätte man früher unbedarfte Menschen nach deren Meinung über dieses Institut befragt, wäre “langweilig” eines der am häufigsten gebrauchten Adjektive gewesen. Man stellte sich doch eine Sparkasse mit anderen Mitteln vor, in der sich die Welt ein ganzes Stück langsamer dreht als zum Beispiel bei der Hypovereinsbank. Und jetzt wirken ihre Manager wie jene biederen Ehemänner, die immer ordentlich ihre Thuja-Hecken schneiden, aber dann doch immense Summen in Puff-Besuche investieren.

6,4 Milliarden Euro – was ist das jetzt eigentlich? Dieses Geld würde zum Beispiel ausreichen, um jedem der 736 Millionen Europäer eine Maß Oktoberfestbier zu spendieren.  Nähme man die berühmte Billigbier-Marke Oettinger, würde es sogar für die Aktion “Ein Liter für jeden auf der Welt” reichen. Knapp die Hälfte der Weltbevölkerung könnte man mit “Drei in an Weggla” beglücken.

Dass Geld würde aber auch reichen, um rund 350 Vier-Personen-Haushalte in einer geschenkten, sanierten Altbauwohnung unterzubringen. Bayerische Autofreunde könnten sich 1425 BMW X 3 mit 272PS oder Audi A6 mit 220 PS kaufen. Ferner wäre es möglich, ein neues Geschäftsmodell zu erproben und 13.333 geringfügig Beschäftigte (ja 400 Euro) für sich arbeiten zu lassen. Und wen bei soviel Arbeitswut der Hunger packt, kann ja mal eben 4500 Tonnen Bio-Garnelen von Aldi eintüten. Und für jedes Kind der Welt gäb`s von Lidl zwei Tafeln Halloween-Gruselschokolade.

Sie finden diese Rechnungen absurd? Nein, es ist tatsächlich zum Gruseln, was bei der Landesbank (und bei anderen Banken) gelaufen ist. Erstaunlich ist im Grunde die Ruhe, mit der die Menschen diese Nachrichten hinnehmen.

Dieter Bohlen und der Kragenbär

supistar.JPGKeine Frage, Dieter Bohlen kann ein richtig fieser Hund sein. Das Urteil “Wenn Du auf der Straße stehst und singst, dann berechnet mein Navigationssystem automatisch eine Umleitung” ist noch eines von der harmloseren Sorte. Bei schlechterer Laune hören sich seine Beiträge so an: “Wenn im Schweinestall die Sau rumgrunzt, findet das der Eber auch geil, aber ich noch lange nicht.” Jugendschutz-Kommissionen sind regelmäßig alarmiert, wenn der große Superstar-Scharfrichter spricht. Lustigerweise erregen sich diese aber mehr als Jugendliche. Diese schauen “DSDS” richtig gerne an und finden es ziemlich gut, wie der Dieter zur Sache geht. Betroffene reagieren nur manchmal richtig  sauer.

Was Bohlen aber offenbar noch weniger ertragen kann als schlechte Kandidaten, sind Amateure an seiner Seite.  Und nun also sollte ein gewisser Max von Thun mit ihm die Popsternchen-Auslese ausführen. Dieser Beinahe-Kollege hat den auf Edelmann-Rollen abonnierten Schauspieler Friedrich von Thun (Stargast beim Klassik am See 2008 am Dechsendorfer Weiher) als Vater und wurde bei seiner Geburt im Jahr 1977 auf den irrwitzigen Namen “Maximilian Romedio Johann-Ernst Graf von Thun und Hohenstein” getauft. 2005 gewann er eine  “Goldene Romy” (österreichischer Fernsehpreis) als bester Shootingstar und hat – anders als wahre Stars- diesen Preis auch angenommen.

Aber für Dieter Bohlen, der schon die junge Nina Eichinger akzeptieren muss, war er nicht gut genug – und wird deshalb ersetzt. Wahrscheinlich war er zu weich für einen Kollegen, dessen Vorname “Volk und Heer” bedeutet.

Und bei diesen beiden Worten denke ich an ein Gedicht von Robert Gernhardt, das ich so gerne mag, dass ich es – ehrlich – auswendig aufsagen kann. Sie kommen darin leicht abgewandelt vor. Was zu meiner These führt: Max von Thun ist Dieter Bohlens Kragenbär.

Und hier kommt das Gedicht, zum Thema passend leicht abgeändert:

“Der Kragenbär in seinem Kragen
weiß nichts vom Siegen und vom Sagen.
Nie traf er auch nur einen Ton.
Von Sängern dacht’ er voller Hohn,
und angesichts des Sternenlichts
da blieb er stumm und sagte nichts.
Er sang nicht auf der Maienflur,
bei Diskussionen schwieg er nur.
Wie anders Bohlen, Kant und Benn,
die weniger Verschwiegenen!
Sie ehret heute Volk und Heer,
Vom Kragenbär spricht niemand mehr. ”

In anderer Stimmung schrieb Robert Gernhardt noch dieses:

“Der Kragenbär/ der holt sich/ munter/

den einen/ nach dem andren/ runter.”

Ich gestehe: Das hätte ich auch rezitieren können…

Liebe Leser, lasst uns die Null-Nachricht

Ist ja schon klar, dass wir Medienleute in unserem Denken und Handeln dem Prinzip “Mann beißt Hund” verpflichtet sind. Wir lieben das Ungewöhnliche. Vor allem auch deshalb, weil insbesondere die lokale Berichterstattung einer durchschnittlichen Regionalzeitung eher dem “Ring der Wiederkehr” verpflichtet ist. Da wir jedes Jahr zur selben Zeit in ähnlicher Aufmachung über Rock im Park, Klassik Open Air, Sale bei Wöhrl, Club-Ab- oder Aufstieg und Herbstvolksfest berichten (müssen), brauchen wir seltsame Ereignisse als bunte Farbtupfer.

Oft passiert nichts, dann helfen uns “Immer mehr”-Storys. Kritikfähige Mediennutzer wissen es: Wenn ein Bericht damit beginnt, dass immer mehr Menschen irgendetwas immer öfter tun,  ist klar, dass diese Geschichte auf einer bestenfalls halbseidenen Statistik beruht. Oft genug ist gar nichts dran. Das wiederum erkennt man zum Beispiel dann, wenn man die Berichte über verbreitete Krankheiten in ihrer Gesamtheit betrachtet. Würe man nämlich zusammenzählen, wie viele Menschen in Deutschland angeblich an Dauerkopfschmerz, grundlosem Harndrang, unkontrolliertem Muskelzittern, Alkoholismus und anderem leiden, käme man darauf, dass die Bevölkerungszahl der Bundesrepublik bei zirka drei Milliarden liegen müsste.

Großartiger Journalismus ist es aber auch, wenn es gelingt, die Leser, Seher oder Hörer mit einer Nachricht zu verblüffen, die eigentlich überhaupt nicht erstaunlich ist. Nehmen wir diese Meldung, die kürzlich durch sämtliche Medien geisterte: “Zwei Briten haben ihre Liebe füreinander im Internet entdeckt – und erst nach Wochen inbrünstiger E-Mails gemerkt, dass sie seit Jahren in unmittelbarer Nachbarschaft voneinander lebten. Die Lehrerin Julie McIlroy begann einen intensiven Mail-Austausch mit dem Elektriker Allan Donnelly, nachdem sie sein Foto auf einer Partner-Such-Website entdeckt hatte, wie eine walisische Zeitung am Mittwoch berichtete. Erst nach mehrwöchigem Mail-Kontakt rief der 46-jährige Donnelly sie schließlich an – und beide fanden heraus, dass sie seit 17 Jahren nur sieben Häuser voneinander entfernt in derselben Straße der walisischen Hauptstadt Cardiff lebten. “Ich war total verblüfft”, sagte McIlroy dem “South Wales Echo”. “Er hat mich auf eine Tasse Tee zu sich eingeladen, und das war’s.” Die beiden wollen jetzt heiraten.”

Und das soll eine “Stell Dir vor”- oder “Staun”-Nachricht sein? Ich behaupte, dass kein Großstadtbewohner die Leute kennt, die sieben Häuser weiter wohnen. Es ist doch schon eine kommunikationstechnische Leistung, wenn man mit den Nachbarn im eigenen Haus etwas anfangen kann.

Meine Bitte also: Denken Sie nicht über alles nach, was sie lesen. Und falls ja, haben sie bitte Verständnis. Wir Journalisten brauchen solche Null-Nachricht zum Überleben.

Turbo-Kapitalismus ist erledigt. Kommt der Traktor-Markt?

traktor2.jpgAus der Bankenkrise haben wir vor allem eines gelernt: Der Turbo-Kapitalismus ist am Ende, ab sofort gelten seriöse Regeln. Angela Merkel und Peer Steinbrück werden es richten, Wirtschaftsminister Michael Glos wird (müde, wie neuerdings immer) mit dem Kopf nicken.

Zunächst einmal wurden diese Woche die Kleinanleger noch einmal richtig verarscht. Wer das Verkaufen letzte Woche verpasst hatte, setzte all sein Vertrauen in die Macht der Bundesregierung, Börsenmakler auf den Weg zu besseren Kursen zu bringen. Und tatsächlich: Die zuvor böse abgesackten Märkte rauschten nach oben. Der Montag war ein wunderbarer Tag gewesen, als sich Bulle und Dax Gute Nacht sagten.

Was macht da der “kleine Mann”? Er will die Gelegenheit zur Flucht aus dem Aktiengeschäft nutzen, lässt seiner Bank angesichts der wunderbar verbesserten Stimmung eine Verkaufsorder zukommen. Und erfährt dann, dass er zum Crashkurs vom Samstag verkauft hat. Er hat ja kein Limit vorgegeben. Und schon wieder spüren wir, wie es uns ginge, wenn der Sartre`sche Existenzialismus unser Lebensmodus würde. Als freie Menschen, die ganz alleine auf sich selbst gestellt sind. Beschissen wär`s.

Aber weil wir unseren Politikern alles glauben, wissen wir ja, dass das die letzten Zuckungen des entfesselten Kaptialismus sind. Aber was löst den Turbo-Kapitalismus ab? Der Diesel-Kapitalismus? Haut nicht hin. Der nagelt zwar beruhigend, aber hat oft genug den Turbolader drin. Setzen wir auf VW? Eine wahre “Volks-Wirtschaft” im Sinne ines Unternehmens, das Autos für Alle baut? Nette Idee, aber die haben auch Bugatti im Programm. Also einen Hang zum Luxus.

Nehmen wir BMW? Die Bayerische Marktwirtschaft, in der die Tabakindustrie für einen neuen Boom sorgt? Und in der die gleichen Sauereien wie anderswo passieren, aber stets im gemütlichen Tonfall eines Franz Beckenbauer kommentiert werden?

Bringt uns letztlich auch nicht weiter. Wir brauchen vor allem jenes Vertrauen, das dazu führt, dass wir Kleinanleger erst dann verkaufen, wenn die Profis außer Gefahr sind Und das bekommen wir nur durch offensichtliche Langsamkeit. Die Bayerische Landesbank sollte also ihren Sitz in unsere “Slow City” Hersbruck verlegen und von dort einen super-gemütlichen Traktor-Markt gestalten.

Sie finden, das klingt zu stark nach realsozialistischen Betriebskampfgruppen? Na klar. Ich sag’ nur Gesundheitsfonds. Genau in diese Richtung geht es.