Keine Sau stirbt mehr für die CSU

Das Wahl-Erdbeben ist abgeklungen – und nicht nur bei der CSU geht das Rätselraten weiter, warum es so schlimm kommen konnte. Auch ich bin auf der Suche, und habe für mich eine Erklärung in Greding und Heideck im Landkreis Roth gefunden.

Als ich ein junger Journalist war, herrschte dort elf Legislaturperioden lang als unangefochtener CSU-Bundestagsabgeordneter ein gewisser Richard Stücklen. Er war nicht nur von einem krankhaften Geiz beseelt, sondern war ab Oktober 1957 deutscher Postminister. Er gilt als Erfinder der – damals vierstelligen – Postleitzahl. Später brachte er es bis zum Bundestagsvizepräsidenten. An ihn richtete der damalige Turnschuhträger Joschka Fischer am 18. Oktober 1984 den berühmten Satz „Mit Verlaub Herr Präsident, Sie sind ein Arschloch!“. Stücklen hatte den grünen Abgeordneten Jürgen Reents ausgeschlossen, da dieser Helmut Kohl als „von Flick freigekauft“ bezeichnete.

Richard Stücklen wurde in Heideck geboren. Die Einheimischen sprachen ihn wegen des dort vorhandenen Sprachfehlers immer mit „Stücklein“ an. Und vielleicht deshalb setzte der CSU-Mann die Bürger seiner Geburtsstadt unter Druck: In Heideck und Greding lobte er bei Bundestagswahlen jeweils für das Dorf mit dem besten CSU-Ergebnis eine Sau am Spieß aus.

pauli.jpgMal siegten Laibstadt und Seligenstadt, die Ortsteile von Heideck, mal hatten die Gredinger Dörfer wie Großhöbing oder Euerwang die Nase vorne. Orte, die mehr als einen Abweichler hatten, also unter  98 Prozent CSU-Stimmen meldeten, hatten die Chance aufs Dorffest verwirkt. 100 Prozent CSU – ja, das gab es auch in der Umgebung von Nürnberg bis in die späten 80er-Jahre.

Und wie ist das heute? Bei der Landtagswahl hat die CSU in Heideck um 23,2 Prozent von 72,5 auf 49,3 verloren. Die Freien Wähler verbesserten sich um 14 auf 21,2 Prozent. Und noch klarer ist die Aussagekraft der Entwicklung in Greding. Die CSU schrumpft hier um 33,4 (!) auf nur noch 43,9 Prozent. Die Freien Wähler dagegen wachsen um 34,1 auf 37,1 Prozent.

Somit ist klar: Die Schlachtfeste veranstalten jetzt andere – zum Beispiel Gabriele Pauli und ihre Freunde (siehe dpa-Bild). Für die CSU stirbt keine Sau mehr.