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Skandal: Ein Rettungshubschrauber im Parkverbot
Immer wieder spannend ist die Frage, wie wir zu Menschen stehen, die gegen Gesetze und Verordnungen verstoßen. Mitunter empfinden wir doch für solche Zeitgenossen eine zumindest heimliche Sympathie. Für den Klein-Steuerhinterzieher, dem es gelungen ist seine Vorratskammer als Arbeitszimmer anzumelden oder für den Schwarzfahrer, der nach der unter großen Protesten durchgesetzten Tariferhöhung den Fahrscheinkauf ablehnt. Oder nehmen wir die Falschparker. Wenn sie uns nicht unmittelbar stören, sind wir ihnen nicht böse. Irgendwo sind sie doch wir selbst…
Auf der anderen Seite gibt es jene unverstandenen Helden des Alltags, die sich aufgemacht haben, um Recht und Ordnung zum Durchbruch zu verhelfen. So wie Horst-Werner Nilges – wohnhaft in Osterode im Südharz. Bestimmt würde er sich – unserem Bundespräsidenten gleich – sehr gerne “Super-Horst” nennen lassen. Hat er doch in den vergangenen vier Jahren rund 20.000 Falschparker, Gehwegblockierer und Auto-Telefonierer zur Anzeige gebracht. Zehn Mal pro Tag schlägt er zu. Und das Ergebnis? Keiner mag ihn. In seiner Heimatstadt nennen sie ihn “Knöllchen-Horst”, in Karnevalsreden wurde er verspottet. Und wie bei jedem ungeliebten Helden lauerten sie darauf, dass er irgendwann so richtig stolpern müsste.
Das ist jetzt passiert: Horst-Werner Nilges hat nämlich einen Rettungshubschrauber angezeigt – wegen Falschparkens. Er fährt Mitte August durch die Stadt Herzberg. Da sieht er den Rettungshubschrauber, halb auf dem Gehweg an der vierspurigen B 243 landet er. Etwa 15 Minuten ist die Straße abgesperrt. Drei Tage später schickt “Knöllchen-Horst” ein Fax an den Leiter der Straßenverkehrsabteilung des Landratsamtes: “Der Hubschrauber mit der Kennung D-HDRM ‘parkte’ zwischen 12:46 und 13:00 Uhr ‘behindernd’ im eingeschränkten Halteverbot / auf dem Gehweg und auf der B 243.”
Dem Landrat platzt der Kragen, er meldet den Inhalt des Faxes an die Presse. Und dann brechen alle Dämme: Anonyme Droh-Anrufe gehen bei Nilges ein, Jugendliche bewerfen sein Haus mit Eiern. Mit der Beziehung zu seiner Nachbarschaft ist es definitiv und tiefgreifend aus und vorbei.
“Knöllchen-Horst” muss also dringend etwas fürs Image tun. Aber was? Ich empfehle zunächst einen Volkshochschulkurs in fernöstlicher Weisheit. Mit dem chinesischen Sprichwort “Güte steht über dem Gesetz” im Mittelpunkt. Und eine großzügige Aktion, die ein gewisser Elmar Kupke in seinem Buch “Der Stadtphilosoph” beschrieben hat: “Heute sind so viele schöne Frauen in der Stadt, daß die Polizei alle Hände voll zu tun hat, ihnen die Parkuhren nachzufüllen…”
Das kostet zwar ein bisschen was- aber vielleicht kommt unser einsamer Rächer so auf andere, bessere Gedanken.