Keine Sau stirbt mehr für die CSU

Das Wahl-Erdbeben ist abgeklungen – und nicht nur bei der CSU geht das Rätselraten weiter, warum es so schlimm kommen konnte. Auch ich bin auf der Suche, und habe für mich eine Erklärung in Greding und Heideck im Landkreis Roth gefunden.

Als ich ein junger Journalist war, herrschte dort elf Legislaturperioden lang als unangefochtener CSU-Bundestagsabgeordneter ein gewisser Richard Stücklen. Er war nicht nur von einem krankhaften Geiz beseelt, sondern war ab Oktober 1957 deutscher Postminister. Er gilt als Erfinder der – damals vierstelligen – Postleitzahl. Später brachte er es bis zum Bundestagsvizepräsidenten. An ihn richtete der damalige Turnschuhträger Joschka Fischer am 18. Oktober 1984 den berühmten Satz „Mit Verlaub Herr Präsident, Sie sind ein Arschloch!“. Stücklen hatte den grünen Abgeordneten Jürgen Reents ausgeschlossen, da dieser Helmut Kohl als „von Flick freigekauft“ bezeichnete.

Richard Stücklen wurde in Heideck geboren. Die Einheimischen sprachen ihn wegen des dort vorhandenen Sprachfehlers immer mit “Stücklein” an. Und vielleicht deshalb setzte der CSU-Mann die Bürger seiner Geburtsstadt unter Druck: In Heideck und Greding lobte er bei Bundestagswahlen jeweils für das Dorf mit dem besten CSU-Ergebnis eine Sau am Spieß aus.

pauli.jpgMal siegten Laibstadt und Seligenstadt, die Ortsteile von Heideck, mal hatten die Gredinger Dörfer wie Großhöbing oder Euerwang die Nase vorne. Orte, die mehr als einen Abweichler hatten, also unter  98 Prozent CSU-Stimmen meldeten, hatten die Chance aufs Dorffest verwirkt. 100 Prozent CSU – ja, das gab es auch in der Umgebung von Nürnberg bis in die späten 80er-Jahre.

Und wie ist das heute? Bei der Landtagswahl hat die CSU in Heideck um 23,2 Prozent von 72,5 auf 49,3 verloren. Die Freien Wähler verbesserten sich um 14 auf 21,2 Prozent. Und noch klarer ist die Aussagekraft der Entwicklung in Greding. Die CSU schrumpft hier um 33,4 (!) auf nur noch 43,9 Prozent. Die Freien Wähler dagegen wachsen um 34,1 auf 37,1 Prozent.

Somit ist klar: Die Schlachtfeste veranstalten jetzt andere – zum Beispiel Gabriele Pauli und ihre Freunde (siehe dpa-Bild). Für die CSU stirbt keine Sau mehr.

Im Wahl-Orkan mittendrin – und völlig baff

Ich habe die bayerische Wahnsinns-Landtagswahl in meiner Neben-Inkarnation als Wahlvorsteher im Nürnberger Stimmbezirk 1156 erlebt. Irgendwie eine seltsame Situation: Du bist zwar definitiv mittendrin im Wahlgeschehen, aber gewissermaßen im Auge des Orkans. Während draußen die CSU-Welt zumindest teilweise untergeht,  hast du eigentlich nur das Ziel, mit kühlem Kopf und einem fähigen Team schnellstmöglich das richtige Ergebnis zu ermitteln. Von der Veränderung im ganzen Land kriegst du fast nichts mit – außer dass dir dein der CSU verbundener Stellvertreter mit bitterer Miene eine SMS mit der ersten Hochrechnung zeigt.

Aber bald ist auch er wieder voll aufs Wahllokal konzentriert. Und kann mit den anderen darüber schmunzeln, dass an diesem großen Abend der kleinen Parteien sogar “Die Violetten – Für spirituelle Politik”  Stimmen bekommen haben.

Jedenfalls spürste du erstmal nichts vom Erdbeben. Erst wenn du mit dem Auszählen fertig bist, kommst du zum freien Denken – und bist angesichts der Zahlen völlig baff.

Meine Pflicht zur Verschwiegenheit, der ich als temporäre Amtsperson Folge leisten muss, und die geradezu eine Folter für einen Klatschreporter wie mich ist, verbietet es mir, mich näher über meinen Wahldienst auszulassen. Ich kann aber schon sagen, dass es ein geiles Gefühl ist, Kommunalbeamten die für den Freizeitausgleich erforderliche Bescheinigung auszustellen und sozusagen als Ober-Bürokrat ein gutes Dutzend Zähllisten abzuzeichnen. Naja, und dass ich immer wieder innerlich grinsen musste, weil sich viele Bürger(innen) dramatisch mit dem Landtags-Stimmzettel abmühten, weil dieser etwa zwei Zentimeter breiter war als der Einwurfschlitz der Wahlurne.

Der Forschungsgruppe Wahlen oder Professor Oberreuter möchte ich einen bestimmt hilfreichen Hinweis für deren tiefergehende Analysen geben. Nämlich dazu, wann bei uns gewählt wird. Wenigstens die Stadtbewohner in Nürnberg-Süd sind nicht von einer dringenden Verpflichtung zum Wählen getrieben. Zwischen 8 und 9 Uhr morgens kam kaum jemand vorbei. Der Kirchgang spielt keine Rolle mehr, die Leute wählen heftig entweder vor dem Essen, also zwischen 11.30 und 13 Uhr oder danach.  Zwischen 14 und 15 Uhr herrschte bei uns Hochbetrieb.

Das Erdrutsch-Resultat erinnert deshalb an Napoleon Bonaparte, der einst den Satz “Revolutionen kommen aus dem Magen” sprach. Die CSU kann sich vielleicht ein wenig mir der alten Erkenntnis “Voller Bauch studiert nicht gern” trösten. Wenn man nun aber den Herren Beckstein, Huber und Söder und ihrer Dame Haderthauer sagen würde, dass bei den Konsumenten des CSU-Wahlkampfes das Bauchgefühl nicht gestimmt hat – dann würde man wohl nicht so weit danebenliegen….

Bayerische Krisen, seit die Buddhas weg sind

Ist schon seltsam. Irgendwie befinden sich Mittelfranken und Bayern in einem scheinbar unaufhaltsamen Abschwung scheinbar unverwundbarer Institutionen. Nach einem grandiosen Jahr der Franken mit Pokalsieg und dem politischen Aufstieg eines Nürnbergers bis ganz oben siecht erst der Club dahin, die Bayern liegen nur noch auf Platz 8 und in ein paar Stunden steht am Ende die CSU bei 50 minus X? Was ist bloß los???

Ich vermute, dass die letzte Leidenphase damit begonnen hat, dass Jürgen Klinsmann die Buddhas vom Trainingsgelände hat entfernen lassen. Ich habe ja bereits nachgewiesen, dass Buddha viel Fußball-Sachverstand mitbrachte. Hinzu kommt: In seiner bisher vorletzten Inkarnation schlug er als “Stan” Libuddha die besten Flanken der Republik. Derzeit definiert er als Trainer Bruno Labuddhia in Leverkusen das Thema Angriffsfußball neu.

Aber jetzt geben wir doch mal dem “Klinsi” Hoffnung. In den Gesprächen mit Uli Hoeneß sollte ihm unbedingt dieser Satz helfen: “Das beste Gebet ist Geduld.” Ist so, nach dem heutigen Spiel hat er selbst auf die Winterpause verwiesen. So ist der – ich wiederhole mich- Satz zu verstehen: “Jedes Leben hat sein Maß an Leid. Manchmal bewirkt eben dieses unser Erwachen.” Und die Fans müssen halt warten, wenngleich: “Nur wenige sehen ein, daß Dulden geduldig macht.”

Das gilt auch beim Club, bei dem gleichwohl die Zügel enger gezogen werden müssen.  Denn: “Fehlt der Eifer, schwindet die Weisheit”. Hart arbeiten ist auf jeden Fall, Denken nicht. Denn Buddha sagt auch: “Der Geist ist die Quelle aller Verwirrung.” Jeder mittelprächtige Torjäger weiß das.

Und Günther Beckstein? Was ist mit ihm, falls er mit dem Hubers Erwin untergehen sollte? Dann hilft vielleicht diese Erkenntnis: “Was ist die Welt? Das, worin Vergehen waltet.” Und ansonsten wohl nur noch buddhistische Gelassenheit: “Wenn du ein Problem hast, versuche es zu lösen. Kannst du es nicht lösen, dann mache kein Problem daraus.” Soweit ich informiert bin, wollte Marga Beckstein mit ihrem Mann schon längst nach Tibet (oder wars Nepal) reisen. Und so schließt sich vielleicht auch hier der Kreis….

Skandal: Ein Rettungshubschrauber im Parkverbot

Immer wieder spannend ist die Frage, wie wir zu Menschen stehen, die gegen Gesetze und Verordnungen verstoßen. Mitunter empfinden wir doch für solche Zeitgenossen eine zumindest heimliche Sympathie. Für den Klein-Steuerhinterzieher, dem es gelungen ist seine Vorratskammer als Arbeitszimmer anzumelden oder für den Schwarzfahrer, der nach der unter großen Protesten durchgesetzten Tariferhöhung den Fahrscheinkauf ablehnt. Oder nehmen wir die Falschparker. Wenn sie uns nicht unmittelbar stören, sind wir ihnen nicht böse. Irgendwo sind sie doch wir selbst…

Auf der anderen Seite gibt es jene unverstandenen Helden des Alltags, die sich aufgemacht haben, um Recht und Ordnung zum Durchbruch zu verhelfen. So wie Horst-Werner Nilges – wohnhaft in Osterode im Südharz. Bestimmt würde er sich – unserem Bundespräsidenten gleich – sehr gerne “Super-Horst” nennen lassen. Hat er doch  in den vergangenen vier Jahren rund 20.000 Falschparker, Gehwegblockierer und Auto-Telefonierer zur Anzeige gebracht. Zehn Mal pro Tag schlägt er zu. Und das Ergebnis? Keiner mag ihn. In seiner Heimatstadt nennen sie ihn “Knöllchen-Horst”, in Karnevalsreden wurde er verspottet. Und wie bei jedem ungeliebten Helden lauerten sie darauf, dass er irgendwann so richtig stolpern müsste.

Das ist jetzt passiert: Horst-Werner Nilges hat nämlich einen Rettungshubschrauber angezeigt – wegen Falschparkens. Er fährt Mitte August durch die Stadt Herzberg. Da sieht er den Rettungshubschrauber, halb auf dem Gehweg an der vierspurigen B 243 landet er. Etwa 15 Minuten ist die Straße abgesperrt. Drei Tage später schickt “Knöllchen-Horst” ein Fax an den Leiter der Straßenverkehrsabteilung des Landratsamtes: “Der Hubschrauber mit der Kennung D-HDRM ‘parkte’ zwischen 12:46 und 13:00 Uhr ‘behindernd’ im eingeschränkten Halteverbot / auf dem Gehweg und auf der B 243.”

Dem Landrat platzt der Kragen, er meldet den Inhalt des Faxes an die Presse. Und dann brechen alle Dämme: Anonyme Droh-Anrufe gehen bei Nilges ein, Jugendliche bewerfen sein Haus mit Eiern. Mit der Beziehung zu seiner Nachbarschaft ist es definitiv und tiefgreifend aus und vorbei.

“Knöllchen-Horst” muss also dringend etwas fürs Image tun. Aber was? Ich empfehle zunächst einen Volkshochschulkurs in fernöstlicher Weisheit. Mit dem chinesischen Sprichwort “Güte steht über dem Gesetz” im Mittelpunkt. Und eine großzügige Aktion, die ein gewisser Elmar Kupke in seinem Buch “Der Stadtphilosoph” beschrieben hat: “Heute sind so viele schöne Frauen in der Stadt, daß die Polizei alle Hände voll zu tun hat, ihnen die Parkuhren nachzufüllen…”

Das kostet zwar ein bisschen was- aber vielleicht kommt unser einsamer Rächer so auf andere, bessere Gedanken.

Blöder Hund? Nein, schöner Hund!

hundherr.jpg“Dass mir mein Hund viel lieber sei,
sagst du, oh Mensch, sei Sünde.
Der Hund bleibt mir im Sturme treu,
der Mensch nicht mal im Winde!”

Ist das nicht wunderschön gereimt? Die Zeilen stammen von Artur Schopenhauer, jenem Dichter und Denker, der, wenn er denn zum Weibe ging, die Peitsche niemals nicht vergaß.  Sie teilen uns mit, was jeder Hundebesitzer ganz sicher weiß: Waldi ist der beste Freund des Menschen. Oder wie der Russe sagt: “Besser einen Hund als Freund, als einen Freund,der sich als Hund herausstellt.”

Jedenfalls gibt es einen erheblichen Teil der Bevölkerung, der es ganz und gar unpassend fände, das Wort “Hund” in Zusammenhang mit Adjektiven wie “dumm”, “blöd”, “feige” zu verwenden. Und die, so schlecht es ihnen auch ginge, niemals zugeben würden, dass sie vor die Hunde gehen. Für diese Gruppe gibt es jetzt einen famosen Wettbewerb: Die Fernseh-Zeitschrift “auf einen Blick” sucht ab sofort nach “Deutschlands schönstem Hund”. Leser(innen) sollen Fotos einschicken, dann wird gewählt. Wobei es keine typische Hundeschau geben soll. Der Chefredakteur des Blattes erklärt nämlich: “Wir suchen einen Massenhund und keinen Rassehund.”

Gut so, denn sonst wird der Wettbewerb, bei dem Preise von insgesamt 20000 Euro vergeben werden, statt guter Gefühle vor allem Proteste auslösen. Schließlich ist für Rassehundebesitzer ist klar, dass nur ihr eigener Vierbeiner der Schönste sein kann. Wer den Mops verehrt, wird nie dem Bernhardiner huldigen. Und wer den Herrchen-Hund-Ähnlichkeits-Wettbewerb der Hundefuttermarke Cesar kennt (aus dem auch unser Bild stammt), weiß endgültig, dass es sich bei Hundeschönheit um eine Glaubensfrage handelt. Die Realität sieht so aus: Mensch schuf den Hund nach seinem Ebenbild. Und er sah, dass es gut war.

Opernball: Sein Name ist Bond, Peter Bond

opernball.jpg“Na denn, herzliches Beileid.” Es soll bitteschön niemand glauben, dass die verehrten Kolleginnen und Kollegen vor Neid erblassen, weil einer wie ich für umsonst auf den Opernball darf. Trotz Warteliste mit 600 Namen wird tendenziell eher kondoliert.

Der Job ist schließlich nicht so einfach. Journalist wird man ja, weil man die Welt verbessern möchte. Der Smoking ist aber das Gegenteil eines altruistischen Kleidungsstücks. Du brauchst ihn aber, zumal die Türsteher beim Opernball eine Rüstung tragen. Also kommst Du ohne passendes Outfit nicht mal als arbeitender Mensch rein.

Ich kann zum Glück auf ein hochwertiges Erbstück zurückgreifen. Mein Smoking aus dem Haus Wöhrl wurde meinem Vater im Jahr 1972 in dessen Funktion als Elferrat der Karnevalsgesellschaft “Dresdensia” zugeteilt. Änderungsschneider Ali S., Nähe Steiner Schloss, hat ihn angepasst – und die Vertreter des Modehauses sind immer schwer beeindruckt, wenn ich ihnen auf der Innenseite der Jacke das Emblem der historischen Marke “Modestra” zeige. So ganz am Rande bin ich stolz darauf, dass ich zum Opernball 2008 einen leicht anarchistischen Akt begehen konnte. Meine Fliege war aus fränkischem Echtholz geschnitzt – und wich leicht von den vom gestrengen Ball-Komitee vorgeschriebenen Farben ab.

“Was ist der Sinn des Ganzen?” Diese Frage beschäftigte vorab meine Kollegin, die zum ersten Mal beim Opernball dabei war. Vor allem wollte sie wissen, warum es so wichtig ist, sich eine gute Stunde lang bei Eiseskälte ins Freie zu stellen. Nur um zu sehen, wie Menschen aus Autos aussteigen. Und tatsächlich ist der heimische Geldadel der Allgemeinheit, wie auch uns Reportern,  eher unbekannt. Die Prominenz in Nürnberg besteht nämlich – abgesehen von Politikern und Verbandsfürsten – in der Regel aus mittelständischen Unternehmern, die sich das feierliche Vorfahren in dicken Limousinen vor allem durch Treue beim Leasen von Dienstwagen bei den im Ball-Sponsoring tätigen Autohäusern erarbeitet haben.

Ich habe meiner Kollegin erklärt, dass gierig aussehende Journalisten bei derartigen Ereignissen trotzdem zum Ritual gehören. Hollywood, Cannes, Wien, Venedig, New York, das Training des FC Bayern an der Säbener Straße – überall warten Gaffer auf die gleiche Weise. Und geben als Statisten dem Geschehen ihrerseits Bedeutung. Dass es beim Opernball peinliche Szenen gab, weil aussteigende Menschen gerne gesehen worden wären, aber niemand hinschauen wollte – geschenkt!

Später wurde meiner Kollegin ein weiterer Grund klar: Die Promis sind während des Balls kaum einzufangen. Man kann sie ja schlecht anquatschen, während sie sich auf den Walzerschritt konzentrieren. Man darf auch nicht gegen 2 Uhr morgens in eine Loge hineinzubrechen, in der ein wichtiger Politiker ähnlich dramatisch in den Seilen hängt, wie der Zeitungsreporter (ich) auf dem Foto von NN-Fotograf Horst Linke. Gerade im Wahlkampf hatten sie am Opernball-Samstag schon einiges hinter sich. Ministerpräsident Günther Beckstein sogar den Auftakt des Oktoberfestes.

Die Suche nach Promis, die nicht immer in der Stadt sind, war jedenfalls schwierig. Moderatorin Karen Webb war verschnupft und wollte schnellstmöglich wieder weg. Bata Illic hatte wegen einer Magen-Darm-Grippe kurzfristig abgesagt, Karl Moik und Gotthilf Fischer waren ganz lustig drauf.

Aber da gab es  ja noch Peter Bond. Er war ab dem Jahr 1988 der Kult-Moderator der Kult-Quiz-Show “Glücksrad”, mit der Sat1 – lang, lang ist`s her – Zuschauerzahlen von 3,5 bis 4 Millionen erreichte. Heute spielt er Nebenrollen in TV-Krimis und handelt mit Prosecco in kleinen, handtaschen-kompatiblen Blechdosen. Ex-Pornodarsteller und Ex-FDP-Bundestagskandidat Bond (bürgerlicher Name: Peter Kielbassa) ist damit ein direkter Konkurrent von Edel-Schlampe  Paris Hilton.

“Diamond Prosecco” nennt sich das Produkt, das Bond inmitten der Schmuck-Präsentation von Juwelier Kuhnle anpreisen durfte. Die Dose sei ideal für Frauen, ließ er wissen. Diese liebten prickelnde Getränke, würden aber so wenig trinken, dass sich das Öffnen einer Flasche nicht lohne. Sein Fazit: “Die Dose ist der Piccolo des 21. Jahrhunderts.”

Glasklar, der Opernball ist lehrreich. Solche Sätze hörst du sonst nirgends im Leben.

P.S.: Falls jemand das Opernball-Video von Mark Johnston und mir noch nicht gesehen haben sollte: Hier ist es.

Nur anfassen, nicht reinreden

handy2.jpgÜber zerstörerische Wirkungen des Handys habe ich mich schon in einem früheren Posting zum 25. Geburtstag des Mobiltelefons ausgelassen. Es hat eben das Gefahrenpotenzial eines verführerischen Dings, das stets in unserer Nähe ist und unablässig die Botschaft “Nimm mich!” aussendet. Natürlich auch im Auto. Man hält es sich kurz ans Ohr, Herr Polizeihauptmeister schaut herüber  – was dann?

Erstaunlich ist: Wir haben uns schon alle über Autofahrer geärgert, die, weil sie gerade telefonieren, auf der Autobahn immer langsamer werden, beim Abbiegen keinen Blinker setzen und scheinbar nicht mehr wissen, wo links und rechts ist. Aber insgeheim empfinden wir Verstöße gegen das Handy-Telefonierverbot im Auto ähnlich wie Steuerhinterziehung. Als ein Stück Auflehnung gegen einen übermächtigen, alles kontrollierenden Staat. Kreative Ausreden nach dem Bußgeldbescheid sind uns deshalb sympathisch. Der Auto Club Europa hat einige gesammelt.

So behauptete ein Autofahrer, er habe das Gerät nicht zum Telefonieren, sondern als «Wärmeakku» gegen Ohrenschmerzen benutzt. Ich weiß ja nicht, welches Handy er benutzt. Vieleicht gibt es im iPhone sogar einen Heizstrahler. Vermutlich hat er nur die Begriffe “heiße Ohren” oder “Telefone glühen” zu wörtlich genommen. Fazit: Kein Erfolg vor Gericht.

Keine Gnade -trotz origineller Ausrede  – fand ein weiterer Autofahrer, Er erzählte Polizisten,  das Handy diene als Stütze für seinen “hin und her” wackelnden Unterkiefer. Vor 25 Jahren hätten sie das vielleicht noch geglaubt. Da waren Mobiltelefone riesig, mit den Winzlingen von heute kann man gar nichts stützen.

Ein weiterer Autofahrer gab zu Protokoll, er habe sich mit dem Akkurasierer den Bart gestutzt und dazu zur Radiomusik mitgesungen. Leider nur halb-gut, diese Idee. Zwar ist es in unserer hektischen Zeit gut vorstellbar, dass sich jemand auf dem Weg zu einem wichtigen Termin schnell mal im Auto rasiert. Aber wer diesen Stress hat, singt nicht. Besonders dumm erwischte es einen Geschäftsmann. Ihm glückte die schlüssige Ausrede, es habe nicht telefoniert, sondern nur diktiert. Kann sein, meinte das Gericht, blieb aber beim Bußgeld, weil eine “mentale Ablenkung eines Fahrzeugführers” auch beim Diktieren entsteht.

Und so bleibt nur eine von einem deutschen Gericht erlaubte Variante, im Auto mit dem Handy zu hantieren: Dan nämlich, wenn man es an einen anderen Platz legen will. Die Ohren sind da aber üblicherweise weit weg. und so gilt die “Nur gucken, nicht anfassen”-Botschaft aus einer netten Bierwerbung für Handys im Auto im besten Fall im übertragenen Sinne. Sie lautet dann “Nur anfassen, nicht reinreden.”

Wem kann man noch vertrauen?

Ja, gibt`s das? Die CSU bei 47 Prozent? Und das nicht nur, weil Günther Beckstein einen Haupt-Lehrsatz der Mächtigen für den Umgang mit Gegenkandidaten – “Nicht einmal ignorieren” -beiseite gelassen hat. Der für unsere Staatspartei verheerende Wert wurde schon vor dem Fernsehduell vom Donnerstagabend gemeldet. Was ist bloß los, auf dieser Welt?

Wir erleben eine tiefe Krise der Institutionen. Kirchen, Gewerkschaften, Schulen – alles wird in Frage gestellt. Und wenn man sich etwas holt, dann am besten kostenlos. Nachrichten im Internet etwa dürfen nichts kosten. Ob die einer gemacht hat, der von diesem Job leben muss, ist uns egal. Wir kaufen schließlich auch fast nur noch bei Norma und Lidl.

Aber zu wem, bitteschön, soll man Vertrauen haben? Zu den Banken, zur KfW gar? Denken wir doch nur zurück an die Zeiten, in denen die Beschäftigten von Geldinstituten noch “Bankbeamte” waren. Beim Betreten der Sparkasse nahmen wir  eine gebeugte, demutsvolle Haltung ein, das wohlwollende Kopfnicken des Gegenüber beim Knacken des Sparschweins am Weltspartag galt uns als großartiges Lob. Nie im Leben wäre uns der Gedanke gekommen, die Bank zu wechseln. Erst recht nicht, weil Habenzinsen 0,1 Prozent besser gewesen wären.

Heute ist man da ganz anders. Aus schierer Habgier. Die Frage, wie diese Erscheinung in die Welt kam, ist allerdings so schwierig zu beantworten, wie die Frage nach der Henne und dem Ei. Waren wir nur verzweifelt, weil wir zuschauen mussten, wie Investmentbanker in Designeranzügen oder Hasardeure aus der “New Economy” ziemlich grundlos Millionen absahnten? Oder haben die modernen Banken nur als gute Dienstleister den Gier-Nerv gekitzelt, der schon immer in uns geschlummert hat?

Egal, nicht nur an der KfW sieht man, wo Habgier seit Erscheinen der Bibel hinführt: Geradewegs ins Verderben. Einfach mal versehentlich über 500 Millionen Steuergelder verpulvern. Reife Leistung…

Den Bankern trauen wir also nicht mehr. Also doch wieder der CSU? Die ist ohne absolute Mehrheit aber auch nicht so prickelnd. Dem 1. FC Nürnberg? Wie furchtbar man sich fühlen kann, wenn man diesem Verein getraut hat, weiß man leider auch.

Also werfen wir uns der Wissenschaft in die Arme. Der letzten Bastion der Aufrichtigkeit, der Suche nach dem Wahren und Guten. Und der einzigen Institution, bei der die Leute wirklich wissen, was geht und was nicht geht. Aber dann erfahren wir, dass  der “Cern”, die größte Maschine aller Zeiten, auch Probleme hat. Erst spazieren dort Hacker herum, schließlich  steht der Teilchenbeschleuniger auch noch still.

Also wieder nichts. Die Frage bleibt: Wem, mit Ausnahme der Brezenfrau am Bahnhof, die zuverlässig ihren Job macht, können wir noch vertrauen? Hat da draußen jemand eine Idee?????

Becksteins Losung: Sauft und fahrt!

beckes_1.jpg“Das Amt verändert den Menschen schneller als der Mensch das Amt.” Dieser Satz stammt vom auf seinen diplomatischen Missionen dick gewordenen grünen Weltpolitiker Joschka Fischer. Seine Richtigkeit ist derzeit an Ministerpräsident Günther Beckstein zu erleben: Einst kämpfte er atemlos für Sicherheit im Land – nun findet er Alkohol am Steuer nicht so tragisch. Bei einer Bierzeltrede meinte er, wer auf dem Oktoberfest zwei Maß Bier trinke, könne, wenn er sich dort sechs bist sieben Stunden aufgehalten habe, durchaus Auto fahren und selbst die schärftse Blutprobe (Foto: dpa) schadlos überstehen. 

Noch vor ein bis zwei Jahren wäre ein solcher Satz aus seinem Mund unvollstellbar gewesen. Denn früher galt: Wo Beckstein war, lauerte die Bedrohung. Er gab den Mahner und Retter. Ob es nun um bombende Terroristen, amoklaufende Jugendliche, trickreiche Asylbewerber,  Schwerkriminelle ohne DNA-Test, um Haschischraucher, Ladendiebe oder auch um Naturkatastrophen ging. Aber das Amt verändert den Menschen. Also transportiert die CSU im Landtagswahlkampf Günther Beckstein als fürsorgenden Landesvater. Er redet auf den Plakaten mit Familien und arbeitenden Menschen, er hilft Kindern, ihre Schultüten zu tragen.

Zu einem guten und beliebten Vater gehört es, bei Verfehlungen seiner Kinder auch mal ein Auge zuzudrücken. Und weil Beckstein am 23. November 65 Jahre alt wird, ist er ja ohnehin eher Landesopa. Da ist die Gelassenheit nochmal ein Stück größer. Also hat er den vom Rauchverbot geplagten Stammtischbrüdern ein geistiges Zuckerstückchen hingeworfen.

Aber besteht seine These vor den Augen der Wissenschaft? Nach Erkenntnissen des TÜV Rheinland gibt es für die untereste kritische Fahruntüchtigkeitsgrenze von 0,3 Promille folgende Rechnung: Körpergewicht geteilt durch 40 ist die Zahl der 0,2-Liter-Gläser die bedenkenlos getrunken werden können. Wer zwei Maß Bier in sich hineinstürzt, müsste demnach 400 Kilogramm schwer sein, um bedenkenlos fahren zu können. Um wieder nüchtern zu werden, müsste unser Proband laut TÜV 20 Stunden warten. Pro Stunde werde der Alkohol von einem Glas abgebaut.

Wer also eine Maß Bier trinkt, hätte nach drei Stunden noch den Alkohol von 0,4 Litern Bier im Blut (fünf Gläser minus drei). Wenn er nun eine weitere Maß draufsattelt und weitere drei Stunden im Festzelt bleibt, ist noch der Alkohol von 0,8 Litern oder vier Gläsern im Blut. Absolut bedenkenlos führe also ein Mensch von 160 Kilogramm Lebensgewicht. Nun ging es dem Ministerpräsidenten, wie er im Zuge seines Zurückruderns erläuterte, auch um das schlechte Einschenken in Festzelten.

Wenn wir also davon ausgehen, dasss in einer durchschnittlichen Maß nur 0,8 Liter Bier drin sind, so reden wir von vier Gläsern. Vor der nächsten Maß ist noch der Alkoholgehalt von einem Glas da. Nach weiteren drei Stunden sind es zwei Gläser. Somit könnte ein Mensch von 80 Kilogramm bedenkenlos fahren. Solche Kaliber gibt es in Festzelten und Wirtshäusern zuhauf. Da aber das Gesetz 0,5 Promille erlaubt, kommen wir tatsächlich in Gewichts-Regionen, in denen sogar CSU-Generalsekretärin Christine Haderthauer mitsaufen können.

Betrüger am Zapfhahn retten Menschenleben im Straßenverkehr. So hatten wir das noch nicht gesehen. Es ist die tiefere Erkenntnis aus Becksteins Rede.