Archiv für August, 2008

August 30th, 2008

Hoppla, wir sind dicker als gedacht

dick.jpgAuch das passiert manchmal: Wir glauben, die Welt und unsere Mitmenschen zu kennen. Und dann kommt eine Umfrage, und stellt alles auf den Kopf. Im Auftrag der “Apotheken Umschau” wurde jetzt dieses ermittelt: Die Bundesbürger halten sich für schlanker als sie sind.

Erwartet hätten wir alle doch etwas ganz anderes. Wir dachten, es herrschten wahlweise  Schlankheitswahn oder Dickseins-Panik. Stattdessen erklärten in unserer Umfrage nur jeweils ein knappes Drittel der Frauen und Männer, dass sie sich zu dick fühlen. Beim Nachmessen ergab sich allerdings bei fast der Hälfte der Probanden ein skandalös hoher Body-Mass-Index von über 25,0. Vor allem die Männer lagen daneben. Nur 26,2 Prozent meinten, sie seien zu dick – 51,2 Prozent waren es tatsächlich.

Das ist allerdings auch verständlich: Der Herrgott hat uns die Augen mittig in den Kopf montiert und nicht seitlich, wie beim Hammerhai. Frontal von vorne im Spiegel betrachtet, kann auch ein stämmiger Körper gut aussehen. Müssten wir Männer seitlich gucken, fiele die ungünstige Silhouette deutlich ins Auge. Außerdem: Personenwaagen-Hersteller platzieren ihre Skalen so, dass man sie auch noch mit einem beachtlichen Bauchumfang ablesen kann. Mit Bedacht, schließlich leben sie von der Angst der Übergewichtigen. Aber wer die Zahlen noch sehen kann, macht noch keine Radikalkur, braucht die Waagen also weiter.

Die in der Umfrage dokumentierte Fehl-Selbsteinschätzung von Mann und Frau kann allerdings schlimme Folgen haben: Dick sein und trotzdem Spaß haben wollen, wie uns das Reuters-Bild in diesem Blog zeigt. Das geht nun wirklich nicht.

Oder doch? Also, Spaß hab ich schon. Aber ein Hammerhai möchte ich trotzdem nicht sein.

August 28th, 2008

Trainerfrage: Holt Hans Meyer zurück!

MEYER_1.jpgVon Amts wegen bin ich nicht für den Club zuständig. Aber wenn eh alle über die neue Trainer-Lage reden, sag ich – als virtueller Stammtischbruder – eben auch was. Ist mein Recht, als Club-Fan seit gefühlten hundert Jahren.

Thomas von Heesens Abgang ist aus Fan-Sicht derart befreiend und mitleidsfrei, dass man auch ein bisschen blödeln darf. In der kommenden Woche eröffnet in der Nähe des Hauptmarktes das neue Fachgeschäft “Bielefelder Wäsche”. Für den Ostwestfalen hätte das eine Chance sein können, endlich in Nürnberg anzukommen. Wird nichts mehr. Stattdessen ereilt ihn das Schicksal eines anderen berühmten Menschen, der hier Führungsaufgaben verrichtete, unbedingt im Hotel wohnen wollte und konsequent niemanden grüßte, von dem er glaubte, dass er ihm das Wasser nicht reichen könnte. Das war Florian Gerster, der Mann, der die “Bundesanstalt für Arbeit” in “Bundesagentur umbenannt hat.

Was passiert jetzt? Aber wie geht es nun weiter? Probieren wir doch das Fürther Prinzip, nämlich “aus Alt mach neu”. So soll das angeblich auch kommen. Es wird gemunkelt, dass Wolfgang Wolf zurückkehrt.

Gut, er hat im Wesentlichen die Mannschaft aufgebaut, mit der Hans Meyer später zum Helden wurde, ehe er es mit der Liebe zu alten Tschechen übertrieben hat. Einen Neubeginn, das kann Wolf also, vermutlich auch dann, wenn er das Personal von von Heesens Bielefelder Resterampe übernehmen muss.

Aber da ist ja noch die Sache mit dem Arbeitsgericht. Am 12. September wird darüber verhandelt, ob Hans Meyer bis Mitte 2009 seine 141.000 Euro Monatsgehalt bekommt oder nicht. Meyer hatte mündlich erklärt, dass er sein Amt nicht weiter ausüben wolle, falls der Club unter seiner Leitung in die Zweite Liga absteigen würde. Nun hat dieses Projekt sein Nachfolger vollendet. Deshalb meint Meyer, dass ihm sein Gehalt weiter zusteht. Das ist aus seiner Sicht logisch, es ist nachvollziehbar.

Nun ist der alte Fahrensmann (Sorry, eine solche angemoderte Altphrase gehört zu Betrachtungen der Zukunftsperspektiven von Menschen im Rentenalter) aber nicht entlassen, sondern nur beurlaubt. Wie also wäre es, wenn Michael A. Roth über seinen Schatten springt, ihm einen roten Perserteppich ausrollt und ihn mit der Betreuung der Zweitligamanschaft beauftragen würde? Falls sich Meyer weigert, käme es einer Kündigung gleich., der Club könnte Gehalt sparen. Falls er es macht, wäre der sofortige Wiederaufsteig wg. Motivationsmängeln zwar unwahrscheinlich, die Lage würde aber auch nicht schlimmer als jetzt.

Auf jeden Fall könnte man Zeit gewinnen und somit bald auch wieder moderne “Konzepttrainer” in die engere Wahl nehmen. Der Bayern-Vorstand hat Jürgen Klinsmann ja gerade das Vertrauen ausgesprochen. Und wir alle wissen doch, was eine solche Erklärung für die weitere Laufbahn eines Trainers bedeutet.

Dass sich die Gegend um Dutzendteich und Valznerweiher beim Besuch des Dalai Lama in der Arena als Bhudda- und reinkarnationstauglich erwiesen hat, darf bei den weiteren Planungen ruhig berücksichtigt werden. In letzter Konsequenz spräche das natürlich für Max Merkel oder Zapf Gebhardt…

Fanmeinungen gibt es Z.B. hier

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oder

hier

August 27th, 2008

Stolz auf die Atombombe: Reaktor unter Denkmalschutz

hanford.jpgWenn es um Atomkraftwerke geht, ist es bei uns doch immer die gleiche Leier. Wir sind mindestens skeptisch, fühlen uns bedroht. Strom ist im Grunde genommen das Hüftsteak des kleinen Mannes, das AKW sein Schlachthof. Wir lassen uns die Energie gerne aus der Steckdose servieren, wollen aber lieber nicht wissen, wo sie herkommt. Mit geht das genauso, und ich wäre froh, wenn ich sicher sein könnte, dass dieser Beitrag ausschließlich windkraftgestützt geschrieben werden könnte.

Ganz anders läuft es wieder mal in den USA. Wer dort lebt, ist ja erst einmal stolz auf alles, was sein “Land of the Free” hervorgebracht hat. Auch auf Dinge, die Menschen in anderen Nationen peinlich wären.

Also ist es nur folgerichtig, dass in den USA zum ersten Mal weltweit ein Atomreaktor unter Denkmalschutz gestellt worden ist. Es handelt sich um den B-Reaktor der Anlage von Hanford im Staat Washington (Foto). In dem nunmehr als “National Historical Landmark” (Nationales historisches Denkmal) gewürdigten Reaktor wurde das Plutonium für jene Atombombe produziert, die im Zweiten Weltkrieg auf die japanische Stadt Nagasaki abgeworfen wurde. Ein Sprecher des Innenministerium begründete die nationale Auszeichnung so: “Der Bau des B-Reaktors war eine Genieleistung der Ingenieurskunst.”

Denkmalschutz aus Stolz auf die erfolgreiche Produktion eines Massenvernichtungsmittels? Naja. In der Definition von Denkmalschutz heißt es: “Er verfolgt das Ziel, Denkmale dauerhaft zu erhalten. Kulturelles Erbe ist für Gesellschaften außerordentlich wichtig, um sich anhand dinglicher und sinnlich wahrnehmbarer historischer Zeugnisse über ihre Geschichte informieren zu können und sich ein lebendiges Bild der Baukunst und Lebensweise vergangener Zeiten zu erhalten.”

So gesehen ist ein AKW-Denkmal gar nicht mal abwegig. Noch nicht geklärt ist übrigens, ob der B-Reaktor für die Öffentlichkeit freigegeben werden soll. Vielleicht bekomme ich bis zur Entscheidung diese hartnäckige Vision vom Aufbau des Atom-Museums aus dem Kopf: “Chef, wo soll ich unsere Bombe hinstellen?” “Hinten rechts, aber pass auf die Stuckdecke auf. Und verkratz mir nicht das Parkett.”

August 25th, 2008

Glückliches Nordkorea: Jetzt kommt Slim Jong-Il

kuechenprofi.jpgÜber die Segnungen einer klugen Ernährung hatten wir es angesichts des jamaikanischen Supersprinters Usain Bolt gerade gehabt. Und schon taucht etwas Neues auf: Nordkorea will seinen Menschen eine Sattmacher-Nudel schenken.

Es ist ja bekannt, dass es im Land des Diktatoren Kim Jong-Il seit mindestens einem Dutzend Jahren vorne und unten hinten nicht reicht, um die 23 Millionen Menschen anständig zu ernähren. Wenn es nun stimmt, was die in Tokio erscheinende Zeitung “Coson Sinbo” schreibt, will das kommunistische Regime dafür sorgen, dass sich die Leute wenigstens satt fühlen – wenn sie schon hungern. Erreicht werden soll das mit einer neuen Nudel. Sie soll aus Bohnen und Getreide hergestellt werden und soll das Hungergefühl länger dämpfen als ein herkömmliches Produkt. Gemäß der Zeitung, die als Sprachrohr der Regierung in Pjöngjang gilt, soll die Turbo-Nudel schon bald auf den Markt kommen.

Klar, das kitzelt unseren im Kalten Krieg eingeübten Reflex, dass die Kommunisten ihre Leute ja immer bescheißen. Und jetzt wollen sie den Leuten sogar einen vollen Bauch versprechen, wo gar keiner sein kann. Aber diese Kritik können wir uns sparen. Sattmach-Designer-Essen ist nämlich eine Erfindung der westlichen Zivilisation. Die US-amerikanische Hungerkontroll-Speise “Slim Fast” versteht es sogar, Menschen richtig glücklich zu machen. Man muss dem Volk eben nur erklären, was gut für sie ist.

Nun hat das Regime in Nordkorea wenig Erfahrung mit Werbung, überzeugt also eher mal so, wie das die Verkehrspolizistinnen auf den Hauptstraßen Pjönjangs machen. Auch manche Promofilme sind zu Holzhammer-mäßig und erinnern zu sehr an die Pet Shop Boys.

Ich finde , man sollte lieber auf einen gemütlichen Dicken setzen. Nämlich Harry Wijnvoord, der nicht nur auf Radio F geplaudert und bei “Der Preis ist heiß” das Fernsehpublikum begeistert, sondern als “Slim-Fast-Mann” auch vom Glück des schlanken Sattseins erzählt hat.

Er ist der richtige Mann für die Nudelwerbung! Schickt ihn nach Nordkorea, unter seinem neuen Künstlernamen “Slim Jong-Il”.

Wie ich die Kommunisten aber einschätze, werden sie einen Messias aus dem Westen nicht akzeptieren. Dann macht Eure Werbung halt so…

August 23rd, 2008

Usain Bolt – die schnellste Kartoffel der Welt

bolt_1.JPGDrei Mal Gold, drei Mal Weltrekord – wir alle staunen über Jamaikas Sprint-Gott Usain Bolt. Vor allem sein 100-Meter-Lauf, bei dem er ins Ziel trudelte, als hätte er kurz zuvor zu sechs Stunden Bob-Marley-Hits ein paar Joints geraucht, wird immer wieder gerne aus den Archiven der Fernsehstationen geholt werden. Allen ist klar, dass dieser schnellste Mensch der Welt gedopt sein muss. Und Bolts Vater Wellesly gibt das auch noch zu: Es sei die Kraft der Trelawny-Kartoffel, mit der der Sprinter seit seiner Kindheit ernährt würde. Wenn`s stimmt, ist dieser Bolt wirklich ein Held, vor dem sich speziell die Vereinten Nationen verneigen müssen. Denn die Uno hat 2008 als “Jahr der Kartoffel” ausgerufen.

Wer oder was ist eigentlich Trelawny? Es handelt sich um einen Landkreis im Norden Jamaikas. 874 Quadratkilometer groß, also etwa so wie Berlin und 87 000 Einwohner. Man findet dort – Achtung, ein Hinweis auf einen wie Bolt – jene seltenen Vögel, die es nur auf dieser Insel  gibt. Auch der Ritterfalter, als größter Schmetterling der westlichen Hemisphäre eine schillernde Spezies, ist hier zuhause. Benannt ist das Gebiet nach dem britischen Generalgouverneur Edward Trelawny, der ab 1738 auf Jamaika wirkte.

Aber zurück zu Vater Bolts Doping-Eingeständnis. Natürlich haben ihm Journalisten aus den westlichen Nationen kein Wort geglaubt. Ohne die Pülverchen der Pharma-Industrie, dreifachen Blutaustausch in 8000 Metern Höhe oder das Ersetzen der menschlichen Achillessehne durch ein superstraffes High-Tech-Teil (die Sehne ist wg. Schnellkraft für Sprinter extrem wichtig) sei eine Spitzengeschwindigkeit von 43 km/h, bei der sich hierzulande Radfahrer strafbar machen, nicht zu erreichen.

Dabei übersehen sie aber die Kraft der Kartoffel. In Mittel­amerika – das hat ein Leser den Nürnberger Nachrichten mitgeteilt – wachsen Yamsarten, die ähnlich wie die Kartoffel einen hohen Stärkegehalt haben, darü­ber hinaus aber bis zu acht Pro­zent Diosgenin enthalten. Dieser Wirkstoff ist Ausgangssubstanz für die Synthese des Steroid­hormons Cortison und des Sexual­hormons Progesteron.

Aber schauen wir auf unsere Gegend: Kein Kind wird jemals Sauerkraut ernsthaft dem Stopfer(Kartoffelbrei) zur Bratwurst vorgezogen haben. Ein fränkisches Leben ohne Baggers ist schlicht undenkbar. Ohne die kugelrunde sonntägliche Traditions-Sättigungsbeilage würde ein bekannter heimischer Kloßteigfabrikant keinen Ferrari in der Garage haben (Mindestens einen Porsche hat er auch noch). Ohne Kartoffelchips würden die Einschaltquoten während mancher öden TV-Live-Fußballspiele dramatisch sinken. Und: Die Kartoffel hat uns nicht nur Stärke gegeben, sondern auch Frieden gebracht. Der Schriftsteller Heinrich Heine sagte es so: “Luther erschütterte Deutschland – aber Francis Drake (englischer Seefahrer, der Verfasser) beruhigte es wieder: er gab uns die Kartoffel.”

7500 Kartoffelsorten soll es geben, im Ursprungsland Peru sind “Kartoffelläufer” unterwegs, um immer neue Spezies aufzuspüren. Und die Uno will mit ihrem Kartoffel-Jahr die Bedeutung der Erdäpfel für die Welternährung ins Bewusstsein rufen und ein Zeichen für Artenvielfalt setzen.

Fragte sich nur noch dieses: Wie dopt eigentlich Michael Phelps, der Schwimmer mit den acht Goldmedaillen und sieben Weltrekorden. Mit Pommes Frites der Marke McCain?  Das glaubt jetzt aber keiner, oder?

August 21st, 2008

Arschbomber bei der Endausscheidung

Arschbom.JPGSo ist das, im Leben eines Glossenschreibers. Du sitzt mit Freunden zusammen, und dann sagt wieder einer: “So schön wie Du möchte ich es auch mal haben. Du hackst ein bisschen Quatsch in die Tastatur und kriegst auch noch ordentlich Geld dafür. Dein Gehalt kriegst Du doch praktisch geschenkt.” Tja, wenn es denn so einfach wäre.

In diesem Fall nämlich würde es in unseren Medien kaum noch ernsthafte Berichte geben.  Journalistinnen und Journalisten würden Schlange stehen, um diese Welt unablässig auf den Arm zu nehmen. Wer überhaupt noch bereit wäre, ernsthaft Schwerpunkte zu setzen, also zum Beispiel George W. Bush und Barack Obama zu erklären, wie man Afghanistan binnen drei Wochen befrieden kann, bekäme für jeden Kommentar eine Extra-Prämie. Genauso wie der, der es in staatstragender Gelassenheit schafft, eine komplette Rede von Bundespräsidial-Rhetoriker Horst Köhler zu überstehen, ohne wenigstens einmal die Augen zu verdrehen.

Das Problem des Glossenschreibers ist: Ein schlauer Gedanke reicht nicht. Es passiert zwar immer wieder, dass Dir wie aus dem Nichts ein lustiger Gedanke oder ein Super-Kalauer ins und durchs Hirn schießt. Aber ohne Drumherum kannst Du den nicht bringen. Und dann wirst Du zum Stoiber der Schreiberei: Du leidest wie ein Hund.

Mir ist das jetzt anlässlich der Arschbomben-WM im Stadionbad passiert. Da kam so ein knallharter Kalauer über mich – aber mir ist nichts dazu eingefallen. Dabei ist dieser Sport ansich schon des Nachdenkens wert.  Arschbomber gehören ja zu den Menschen, vor denen uns früher unsere Mütter und älteren Schwestern gewarnt haben. Ein Zehn-Meter-Turm war aus deren Sicht ein Werkzeug der passiven Sterbehilfe. Es gab da die Geschichte des Australiers, der in einem Seebad aus dieser Höhe ins Wasser sprang, mit aufgerissenem  Bauch in den Wellen trieb, um dann von einem dem Blutrausch anheim gefallenen Weißen Hai verzehrt zu werden.

Vielleicht haben die Schwestern die Arschbomber auch nur gehasst, weil sie ihre kinetische Energie nutzten, um die am Beckenrand liegenden Mädels nasszuspritzen. Oder es war Ordnungssinn. Denn was sind das für Elemente, die in einer mit Abermillionen von Steuergeldern gebauten und betriebenen Freitzeitanlage der Menschheit mitteilen, dass dieses Badewasser eigentlich nur für´n Arsch ist?

 Die “Splashdiver” jedenfalls haben es dem Rest der Welt wieder mal gezeigt. Sie sind mit 45 km/h, also noch schneller als Usain Bolt, mit Figuren wie Cannonball, Offene Arschbombe, Yogi-Arschbombe, Schmale Katze, Kartoffel oder Brett ins Wasser gerauscht. Und nirgends hing ein Transparent mit der Aufschrift: “Liebe Kinder. Bitte nicht nachmachen!”

So ist das in unserer Gesellschaft. Die Mütter sind überfordert, große Schwester gibt es nicht mehr. Diese Jugend kennt einfach keine Grenzen mehr.

Tja, jetzt bin ich so in die Gesellschaftskritik abgerutscht, dass ich meinem Chefredakteur auf der Stelle einen soziologisch fundierten Beitrieb zum Thema “Die Arschbomben der 68er” anbieten werden.

Meinen Ursprungs-Kalauer kann ich vergessen, der passt hier nicht mehr rein. Gelautet hatte er so: “Arschbomber müssen nicht zum Dopingtest, sondern zur Endausscheidung.” Wäre doch gar nicht so übel gewesen, oder?  

August 19th, 2008

Die Deutschen – ein einig Reitervolk?

reiten.JPGNehmen wir einmal an, es gäbe außerirdische Intelligenz. Und einige dieser Wesen würden gerade die Erde umkreisen, um herauszufinden, wie die Menschheit so lebt.  Nehmen wir ferner an, die Existenz von Google oder Wikipedia wäre ihnen von ihrer Umlaufbahn aus verborgen geblieben, Sie wüssten nicht, welches Land wo liegt. Wie würden sie wohl recherchieren?

Natürlich bei den Olympischen Spielen. Schließlich trifft sich da gerade die Jugend der Welt. Und was läge da näher, als vom Medaillenspiegel auf die Lebensumstände in den jeweiligen Nationen zu schließen? Was wäre demnach mit Deutschland?

Auf jeden Fall  würden unsere Extraterristen Deutschland als dünn besiedelten Flächenstaat einstufen. Großstadt-Disziplinen wie Männerfußball oder Basketball sind ja ganz offensichtlich Randsportarten, stattdessen müsste es ausgedehnte Steppen geben. Wie sie ein ausgesprochenes Reitervolk braucht. Ein Volk, das es nicht nur versteht, die Tiere über Hindernisse zu hetzen, sondern in offensichtlich kultischer Verehrung  zu geradezu künstlerischen Darbietungen zu bringen.

Deutsche jagen viel. Nicht nur zu Pferd, sondern im Kanu auch auf dem Fahrrad. Einer beherrscht es sogar pefekt zu Wasser, auf dem Rad oder zu Fuß. Ganz generell ist die höchste menschliche Kulturstufe, der Industrie- und Dienstleistungsstaat, in Deutschland aber noch nicht erreicht. Man vertraut eher ganz archaisch auf die motorischen Fähigkeiten des Körpers oder auf die eigene Kraft. Man stemmt riesige Lasten, legt Gegner mit geschickten Wurftechniken flach oder malträtiert sie mit einem Fechtwerkzeug.

Wundern würden sie sich die Außerirdischen nur über eines: Warum gehen deutsche Frauen so gerne ins Wasser. Das passt nicht zu einem von Wildwasser durchschnittenen Steppenstaat. Ganz anders als bei den USA. Dort brauchen die Leute ganz viel Wasser. Es muss wohl eine Insel sein.

  

August 18th, 2008

Das Internet macht doof! Wirklich?

spiechel.jpgMacht das Internet doof? Dieser Frage ist vor einer Woche das Leitmedium der Nicht-Bild-Leser, der Spiegel, auf 13 Seiten nachgegangen. Das Thema wird also (wg. Leitmedium) in den nächsten Wochen und Monaten bis hinunter zur kleinsten Schülerzeitung beleuchtet werden. Also schreibe ich lieber jetzt was dazu. Ich beantworte die Frage mit einem entschiedenen Jein. Der Spiegel hatte eigentlich gar keine Antwort.

Wie auch? Es ist ja ganz schön doof, eine Frage zu stellen, und auf der Suche nach der Antwort das Thema überhaupt nicht zu definieren. Was ist doof? Das müsste erstmal geklärt werden. In meiner späten Kindheit hätte ich einfach geschrieben “Wer, das liest…” Aber das wird natürlich weder den Hirndübel- noch den Spiegel-Lesern gerecht.

Wie sich das heutzutage gehört, habe ich Google gefragt. Dort landete ich zunächst bei “Zu-doof.de“. Untertitel: “Wer hier nicht lacht, ist selber schuld!” Ganz oben auf der Liste der “lustigen Links” steht ein You-Tube-Video von einem Soundcheck, bei dem ein Sänger sinnlos laut ins Mikrofon brüllt. Das brachte mich nicht wirklich weiter. Doof fand ich nur, dass ich überhaupt auf dieser Seite war.

Viel besser war Google-Treffer Nummer zwei. Auf Stupipedia erfuhr ich dieses: “Der Begriff Doof bezeichnet einen andauernden Zustand geistiger Umnachtung und unterdurchschnittlicher kognitiver Fähigkeiten eines Menschen, der meist auf absolute Unbildung, zuviel Fernsehen, kiffen oder auch nur den/die falsche/n Freund/in zurückzuführen ist. Besonders charakteristisch dabei ist, dass der Doofe selbst meist nicht merkt, wie doof er eigentlich ist. Paradoxerweise hält er selbst seine Umwelt, die ihn einfach nicht verstehen will, für doof.”

Letztlich gibt es also zwei Formen von Doofsein. Eine angeborene Form, die sich in geringen geistigen und kognitiven Fähigkeiten ausdrückt. Wobei aber schon hier eine relative Betrachtung angebracht ist. Ich kann ganz gut mit Sprache umgehen. In unserer Gesellschaft wird das als Zeichen von Intelligenz angesehen. Andererseits bin ich ganz und gar doof, wenn es um handwerkliche Arbeiten geht. Bin ich also undoof? Schwierig. Jedenfalls halte ich Begabungs-Doofsein für die freundlichere Variante.

Denn es gibt ja auch das Verhaltens-Doofsein. Das haben wir, wenn jemand sich und anderen schadet, obwohl er es besser wissen sollte. Das kann jemand sein, der einen geländegängigen Spritsäufer braucht, um ins Büro zu fahren. Oder jemand, der sich seine Musik im Internet so zusammenklaut, dass kein Geld mehr damit verdient ist, so dass sich die Plattenfirmen ihre neuen Stars durch die Telefongebühren der Casting-Show-Abstimmungen bezahlen lassen. Prinzipiell doof sind Versender von Spam-Mails – obwohl die wissen, warum sie es tun.

Ja, und wir braven, harmlosen Leute? Für uns gilt, wie immer im Leben, ein entschiedenes “Einerseits-Andererseits”. Das Internet ist nicht von Grund auf böse – so wie jede hilfreiche Technik. Aber: Wer nur noch dem Nummernspeicher im Handy vertraut, wird sich Telefonnummern bald nicht mehr merken können. Wer nur nach dem Navi fährt, verliert seinen Orientierungssinn. Wenn die neueste Erfindung, die Supermarkt-Waage, die das zu wiegende Gemüse und Obst selbst erkennt, normal geworden ist, werden wir bald nicht mehr wissen, was wir da kaufen. Und wenn wir nur noch Google und Wikipedia vertrauen, glauben wir irgendwann alles, was uns jemand mit einer schick gestalteten Webseite unter die Nase reibt.

Mein Fazit: Das Internet ist tückisch, weil es uns viele Möglichkeiten gibt, es uns bequem zu machen. Und wen wir zu bequem werden, und den eigenen Kopf immer mehr abschalten, werden wir doof. Aber ob und wie doof wir werden, entscheidet nicht das Internet. Das machen immer noch wir selbst.

August 15th, 2008

Prima: Das Schönsaufen funktioniert

saufen_1.jpg“Wenn Du denkst es geht nicht mehr,
kommt irgendwo ein Lichtlein her.
Ein Lichtlein wie ein Stern so klar,
es wird Dir leuchten immer da.”

Wenn man, sagen wir, 50 ist, auf Partnersuche – und nicht aussieht wie Madonna (wird heute 50), sondern eher wie Michael Jackson, prickelt oder schäumt dieses Lichtlein in einem Glas. Denn: Das sprichwörtliche Schöntrinken funktioniert tatsächlich. Das sagen jedenfalls britische Wissenschaftler.

Bei einer Versuchsreihe der Universität Bristol wurden 84 Studierenden beiderlei Geschlechts wahlweise ein Viertel Liter Wein oder Saft eingeflößt. Danach wurden ihnen Fotos von Frauen und Männern vorgelegt. Und trotz der geringen Menge Alkohol bewerteten die sanft Angeheiterten die abgebildeten Menschen als attraktiver als das die Safttrinker(innen) zu Protokell gaben. War dieses Resultat des Versuchs wahrscheinlich eher erwartungsgemäß, so erlebten die Forscher auch eine Überraschung: Die alkoholisierten Teilnehmer(innen) des Tests fanden auch Menschen des eigenen Geschlechts attraktiver.

Macht Saufen also schwullesbisch oder bisexuell? Treten in streng islamischen Ländern also deshalb Homosexuelle weniger in Erscheinung, weil Alkohol verboten ist? Wir hatten das ja bisher auf erfolgreichere Diskriminierung zurückgeführt. Dieses Thema wird in weiteren Versuchsreihen sicher noch verteifend erforscht. Ebenso wie die Frage, ob die zum erfolgreichen Schönsaufen erforderliche Menge Alkohol in direktem Zusammenhang zum Grad der Häßlichkeit des Gegenübers steht, Irgendwann, das muss man bedenken, greift ja die Erkenntnis, dass Mundgeruch einsam macht.

Und dann habe ich da noch ein Problem: In der heutigen Zeit findet man die wahre Liebe angeblich am ehesten im Internet. Gemäß einer Untersuchung des Marktforschungsunternehmens Harris Interactive gilt dies insbesondere für Menschen, die bereits das 45. Lebensjahr überschritten haben. Also für die über 50-Jährigen sowieso. Demnach ergab eine Auswertung von über 10.000 US-Bürgern, die während eines bestimmten 18-monatigen Zeitraums zwischen 2006 und 2007 geheiratet hatten, dass sich 19 Prozent der späteren Paare sich über das Web kennengelernt haben. Besonders bei der Altersgruppe 45-Plus scheint das Netz ein beliebter Ort zur Kontaktaufnahme zu sein. Rund 31 Prozent der befragten Paare zwischen 45 und 54 Jahren gaben an, sich im Web ineinander verliebt zu haben.

Schönsaufen funktioniert da aber nicht. Oder macht es uns an, wenn die Konturen verschwimmen. Weil wir genug haben, von den Härten des Lebens? Also empfehle ich den Herstellern von Schwipsware diesen Werbespruch: Alkohol macht das Leben weicher. Schön, oder?

August 13th, 2008

Die Beckstein`sche Weltformel: 8000 ist gleich Null

rauchclub.jpgWenn Juristen auf die Welt schauen, wird es für unbedarfte Normalverbraucher schwierig. Denn manchmal bestätigen diese das Gerücht, dass sie ihr Gehirn so lange verbiegen, bis alle Schubladen des Gesetzes hineinpassen. Ganz aktuell passiert ist das bei der jüngsten Stellungnahme des Bundesverfassungsgerichtes zum Nichtraucherschutz. Das “totale Rauchverbot” in Bayern sei rechtlich völlig in Ordnung, hieß es da.

Totales Rauchverbot? Hä??? Es ist nicht so, dass ich so etwas befürworten würde. Ich habe selbst zeitweise stark geraucht und bin ein toleranter Passivraucher, wenn jemand gefragt hat und interessante Leute am Tisch sitzen. Aber wenn das oberste Gericht der CSU bescheinigt, ein Komplettverbot erlassen zu haben, kann man das angesichts von 8000 Kneipen (Raucherclubs) , in denen ganz legal gequalmt wird, nur mit dem Zusatz “Ohne Worte” oder aber auf die absurde Art kommentieren.

Zum Beispiel so, dass man der CSU zum totalen Arbeitslosigkeitsverbot in Nürnberg gratulieren darf. Wenn 8000 gleich Null ist (Mathematiker werden diese Rechnung fortan als Beckstein`sches Axiom betrachten), sind die Erwerbslosen nämlich komplett weg. Auf dem besten Weg wären in Nürnberg gleichzeitig ein totales Beschäftigungsverbot im verarbeitenden Gewerbe (8100 Jobs) sowie ein totales Eishockeyverbot (die Arena hat 8200 Plätze). Die Zahl 8000 würde auch annähernd reichen, um in Nürnberg ein vierjähriges Hochzeits- und ein zweijähriges Geburtenverbot einzuführen. Das totale Sterbeverbot würde dagegen nur 21 Monate halten. Nimmt man das Ergebnis der Landtagswahl 2003 her, würde die magische 8000 auch lässig für ein totales Freie-Wähler-Verbot in Nürnberg (2003: 6441 Stimmen) genügen. Da hätten es die Schwarzen der Altlandrätin Pauli noch einmal richtig gezeigt.

Ihnen sind diese Vergleiche zu provinziell? Gut, denken wir global: Wenn 8000 gleich Null wäre, gäbe es auch keine Bergsteigerdramen mehr. Mount Everest oder K 2 wären ja nur noch sanfte Hügel. Ihnen wird dieser Text jetzt zu blöd? Mir eigentlich auch. Aber beschweren Sie sich doch beim Bundesverfassungsgericht.

August 12th, 2008

China – das Land des artenreichen Schilderwalds

peking2.jpgPeking-Touristen erfahren es in diesen Tagen: China ist eine ganz eigene Welt. Man staunt, wundert sich und grübelt – über eine Fülle seltsamer Verkehrszeichen, die beileibe nicht alle so eindeutig und wichtig sind, wie unser nebenstehenden Schild. Was man bedenken muss: Viele Schilder und viele Losungen sind eine logische Folge der kommunistischen Tradition.

Die Deutsche Presse-Agentur hat den Schilderwald betrachtet, und ist dabei auf mindestens sechs Varianten gestoßen. Demnach gibt es die Unspektakulären, also weltweit bekannte Verkehrszeichen wie Halteverbot oder Zebrastreifen.

Weiterhin gibt es die leicht Abgeänderten. So registrierte der dpa-Korrespondent, dass ein gängiges „Vorfahrt achten“-Schild durch das chinesische Zeichen für „jemanden den Vortritt lassen“ ergänzt wurde.

schilder.JPGVariante 3 ist ein Mix aus Altbekanntem und Kuriosem samt chinesischer und manchmal auch englischerErläuterung darunter. In diese Kategorie fallen kleine Schilder im Zugang zur U-Bahn. Sie zeigen einen durchgestrichenen Mann, der auf einer Treppe sitzt. Darunter steht, frei übersetzt, die Warnung „Hier nicht faulenzen“. Gesehen wurde dort auch ein Bild mit einem kleinen Kaufstand, einem Menschen und einem Pullover. Das Ganze mit einem roten Querbalken verbietet hier jeglichen Handel.

Die vierte Variante sind laut dpa die für Ausländer völlig Wertlosen. Allerdings seien diese Schilder mit ausschließlich chinesischen Schriftzeichen nicht selten sinnlos postiert: Eines hängt etwa an einer kilometerlangen, Gartenzaun ähnlichen Absperrung zwischen Fußweg und breiter Straße und empfiehlt „Fußgänger, bitte die Unterführung nehmen“. Sehr naheliegend. China setzt ferner auf mahnende Verkehrserziehung. So verkündet ein Schild an einer belebten Kreuzung: „Wenn das Auto dem Menschen die Vorfahrt lässt, ist dies Sicherheit, wenn der Mensch dem Auto die Vorfahrt lässt, ist dies Zivilisation und wenn ein Auto dem anderen Auto die Vorfahrt lässt, ist dies Harmonie.“

Als sechste Variante stuft die dpa schließlich die völlig rätselhaften Bilder ein. Dies absolut Rätselhaften. Dies sind Schilder, deren Bedeutungen selbst den Chinesen offenbar verschlossen geblieben sind. Nahe dem Platz des Himmlischen Friedens findet man so eines: Ein Verbotsschild mit einem Auto, auf dessen Dach irgendetwas explodiert, nur was? Und was ist hier untersagt? Ein Polizist erklärt: „In diese Straße dürfen keine explosiven Stoffe transportiert werden.“ Eine Sicherheitskraft ist da anderer Meinung: „Autofahrer sollen vorsichtig sein, weil sie an die Laterne prallen könnten.“ Ein Taxifahrer weiß es besser: „Das Schild warnt vor möglichen Verkehrsunfällen.“ Und ein seit langem in Peking lebender Korrespondent vermutet schließlich: „Dort könnte etwas von den Bäumen auf die Autos fallen“.

Vielleicht sind es aber auch nur Losungen, wie man sie von den Straßen und aus den Betrieben der DDR gekannt hat. Wer damals auf dem Transit zum Hermsdorfer Kreuz konnte den mächtigen Schriftzug “Plaste und Elaste aus Schkopau” nicht übersehen.Man versprach dem Volk Wunderdinge wie “Aus Stahl wird Brot!” (in Wirklichkeit war DDR-Brot nach zwei Tagen hart wie Stahl), plakatierte völlig Unrealistisches wie “Die Volkspolizei Dein Freund und Helfer” oder hängte komplette Lügen auf wie “Der Mensch steht im Mittelpunkt aller Bemühungen”. (Das Plakat “Die Rente ist sicher” stammt allerdings von Norbert Blüm).

Einfach gut formuliert sind hingegen Losungen wie “Wer den Frieden will muss gegen den Krieg kämpfen” oder “Vorwärts unter dem Banner von Marx, Engels und Lenin” oder “Stürmt die Höhen der Kultur!”. Und dann wurde in einem DDR-Kombinat noch dieses an die Wand gehängt: “Alles für das Wohl des Heizers!”. Da hatte die Restbelegschaft einiges zu tun.

Fassen wir zusammen: Eine große Zahl von öffentlichten Botschaften gehört zum Wesen von Kommunismus und Sozialismus. Und wenn wir jetzt noch Minister Tiefensee denken und seine Schilder-Abschaff-Initiative denken. Wäre da nicht wirklich der Parteiausschluss fällig?

August 10th, 2008

Klassik-Open-Air: Auch Weintrinker machen Dreck

klassik.jpgIn meinem gestrigen Blog hatte ich auf eine besondere Magie des Mülls hingewiesen: Wo er auftaucht, kommt neuer dazu.

Und so ist das auch beim Klassik-Open-Air. Sicher, die Hinterlassenschaften der mehreren Zehntausend vom Samstagabend sind im Vergleich zur Abfallwüste nach “Rock im Park” lächerlich gering. Aber so ein Klassik-Konzert läuft ja angeblich nicht nur musikalisch auf höchstem Niveau. Doch dann stellt der erste Weintrinker seine Flasche an einem öffentlich-rechtlichen Abfallkorb ab. Ab diesem Moment ist allen klar, dass das Zeug schon irgendjemand abholen wird. Und schon hat man auch Platz für Plastikbecher, Essensreste und benutzte Babaywindeln (siehe mein Bild von heute Früh).

Nach “Rock im Park” gab es ein großes Wehklagen über die müllentsorgungstechnisch ach so verkommene Jugend. Aber wo hat sie es her? Vielleicht doch von ihren weintrinkenden Eltern, Tanten und Onkeln? Man muss sich ja nur denken, wie es aussähe, wenn auch das Klassik-Open-Air drei Tage dauern würde.

Mein Lösungsvorschlag sieht so aus: Man sollte für diese Veranstaltung als alkoholisches Getränk Dosenbier vorschreiben. Dann räumen die Hartz-IV-Empfänger den Abfall weg. Und die vom Wohlklang Verzückten hätten noch ein gutes Werk getan…

August 9th, 2008

Aufräumen? Gebt mir stinkendes Papier!

ratte.JPGHaben sie`s auch gelesen? In einer Wohnung in Gostenhof hat eine Mieterin inmitten von Müllhaufen mit rund 150 Ratten gelebt (siehe das Bild von André De Geare). Einfach unglaublich, so etwas! Schlicht undenkbar! Furchtbar!

So habe ich auch gedacht – bis mein verstohlener Blick auf meinen eigenen Schreibtisch gefallen ist. Gut, diese Arbeits- und Ablagefläche ist kein kompletter Haushalt mit verderblicher Ware und fortpflanzungsfreudigen Tieren. Und das ist wirklich gut so. Für mich, und alle, die in meiner Nähe sind.

Ich glaube, ein voller Schreibtisch ist das grundsätzliche Leid kreativer Menschen. Die Menge an geistiger Diarrhoe, die dort stündlich ankommt, ist nach der Erfindung des Faxgerätes, erst recht aber der E-Mail unglaublich angewachsen. Wer früher seinen Brief auf der “Gabriele” tippen, eintüten, frankieren und zum Briefkasten bringen musste, hat sich doch drei Mal überlegt, ob seine Miteilung an die Zeitung wirklich so wichtig ist, dass sich dieser Aufwand auch lohnt. Heute geht das nach dem Verfahren “Zack-Bumm-Wech”. Und der Kreative leidet besonders, weil ja selbst in der dümmsten oder dünnsten Mitteilung eine Geschichte stecken könnte.

Das Schlimme ist: Aufräumen ist ambivalent. Natürlich sind ein vom Altpapier befreiter Schreibtisch oder der Schriftzug “Null ungelesene Mails” eine riesengroße Verheißung. Der Weg dorthin ist aber mühsam. Ich jedenfalls fühle mich nach drei schnellen Artikeln erheblich frischer als nach zwei Stunden Ausmisten. Ganz bestimmt deshalb, weil ich in dieser Zeit andere Dinge machen könnte, die ich für wichtiger oder reizvoller halte. Vielleicht aber schwingt auch die Angst mit, auf einen Termin zu stoßen, den ich “ganz bestimmt” zugesagt hatte und der vor drei Tagen gelaufen ist. Ich kenne aber auch die reinigende Wirkung des Aufräumens. Wenn ich entdecke, dass sich Themen, die ich seit Wochen im Hinterkopf herumtrage, inzwischen überholt sind – ohne dass mein Aussitzen Folgen gehabt hätte.

Ich denke außerdem, dass es darum geht, die Psychologie des Mülls zu verstehen. Eines ist mir ersten Beobachtungen klar geworden. Wo Müll liegt, kommt garantiert neuer dazu. Zwei ungelesene Zeitschriften und ein Versandhauskatalog auf dem Wohnzimmertisch reichen, um diesen binnen Tagen zum Altpapier-Lagerplatz werden zu lassen. Ähnliches erleben wir zum Jahreswechsel überall dort, wo der erste Großstadtbewohner seinen Weihnachtsbaum hingelegt hat. Es werden viele dazukommen. In Neapel haben sie auf diese Art ganze Straßenzüge verstopft.

Weil der reine Wille zu freien Arbeitsflächen wenigstens bei mir nicht reicht,  müsste es erzieherische Hilfen geben. Zum Beispiel könnte die EU die Aussender von Pressemitteilungen zur Verwandung von Papier verpflichten, das nach drei Wochen zum Stinken anfängt. Und jeder PR-Mail müssten kleine Ratten angehängt wären, die nach dem gleichen Zeitraum aktiviert werden, direkt aufs Desktop krabbeln und irgendwann den Blick auf alles andere verstellen.

Andererseits: Ist der Satz “Nur der Dumme hält Ordnung. Das Genie beherrscht das Chaos” nicht außerordentlich charmant? Und die Ratten? Wenn man sich nicht ekelt. findet man sie doch eigentlich ganz nett…

August 8th, 2008

Der “schönste Tag” – was kommt danach?

Hochzeit.JPGHeute ist es also so weit: Am magischen 8.8. wird in Nürnberg und den umliegenden Gebieten massenhaft geheiratet. 74 Trauungen gibt es alleine in der Noris.

Der Grund für den Hochzeits-Herdentrieb ist naheliegend: Man will ein besonderes Ereignis gerne unter speziellen Rahmenbedingungen begehen. Die Beteiligten wollen es ja für den Rest dieses Lebens gemeinsam versuchen. Und der Größe des Vorhaben entsprechen Sprichwörter und sonstige Weisheiten zum Tage.

Auffällig oft gilt dabei den Männern allergrößtes Bedauern. „Die Frau weint bei der Hochzeit, der Mann danach“, lautet ein polnisches Sprichwort. „Vor der Hochzeit haben die Frauen Honig im Munde“, meinen die Italiener. Was folgt da wohl als zweiter Satz?

Veranstalter und Beschicker von Hochzeitsmessen hingegen führen diese Jubel-Botschaft im Mund: „Der schönste Tag im Leben einer Frau.“ Und das klingt wie eine riesengroße Verheißung — aber nur bei oberflächlicher Betrachtung. Tatsächlich ist dieser Satz eher traurig. Denn logischerweise kann es nach dem schönsten Tag im Leben nicht mehr besser werden. Frauen können demnach froh sein, wenn es nicht allzusehr bergab geht. Das weiße Kleid — ein Zeichen der Kapitulation?

Doch zum Glück darf man davon ausgehen, dass es sich beim „schönsten Tag“ nur um eine bedingt zutreffende Werbebotschaft handelt. Denn klar ist auch: Ein Badeurlaub in der Karibik ist allemal schöner als eine Familienfeier im Hinterzimmer eines Brauereigasthofes. Ein Abendessen bei Kerzenlicht ist romantischer als ein 15-Minuten-Termin auf den überfüllten Fluren des Standesamtes.

Nach jeder Hochzeit sollten also noch viele schöne Tage kommen. Und wenn das nicht passiert, wählt frau in unseren computergesteuerten Zeiten einfach die Optionen „Steuerung, den Alten entfernen“ und „Neustart“. Schon winkt der nächste schönste Tag…

August 7th, 2008

Bloß weg hier! Sie sagt “Wir müssen reden”

ehe1.jpgZu den erstaunlichsten Produkten auf diesem Planeten zählen Frauenzeitschriften. Sie bringen  immer die selben Themen – Mode, Stars, Liebe, Psychotests. Und trotzdem sorgen sie zum Teil schon seit vielen Jahrzehnten für stolze Auflagen und Werbeeinnahmen.

Doch so viel Frauen dort auch zum Thema Partnerschaft lesen, so hartnäckig formulieren sie Killer-Sätze, die wahrscheinlich schon in der Steinzeit für Leid gesorgt haben. Nehmen wir zum Beispiel diesen: “Wir  müssen reden.” Wie eine Umfrage einer Online-Partnerschaftsvermittlung ergeben hat, lösen diese Worte bei mindestens 27 Prozent der Männer einen sofortigen heftigen Fluchtreflex aus. Vor allem natürlich, wenn ein schlechtes Geiwssen vorhanden ist (was ja nicht so selten sein soll). Jedenfalls weiß mann an dieser Stelle, dass es nicht darum gehen wird, dass das Auto gewaschen werden sollte. Vielmehr muss etwas Seltsames erklärt oder Stellung zu einer beziehungsbedingten Unzufriedenheit bezogen werden.

Noch mehr Männer, nämlich 29 Prozent, finden laut “LiebesTrendMonitor” die beliebte Frage schlimm: “Was denkst Du gerade?” Das ist so eine Frage, bei der mann nur verlieren kann. Männer sind von Natur aus selbstgrüblerische Wesen. Nehmen wir etwa ein Rentnerehepaar: Sie kann ihren Gatten an einem Platz mit schöner Aussicht ohne irgendwelche Ausrüstung auf eine Parkbank setzen und ihn zwei Stunden später wieder abholen. Er wird nicht unzufrieden sein, weil er endlich in Ruhe sinnieren kann. Jeder Mann braucht sein mentales Lagerfeuer – aber wird ihm seine Partnerin glauben, wenn er auf ihre Frage wahrheitsgemäß antwortet: “Ich denke an nichts.”? Nein, sie wird Böses vermuten.

Ganz hart ist direkte Kritik. Gerade erfahrene Frauen sollten wissen, dass Männer in erster Linie gelobt werden wollen. Die von einer Fachautorin vermutete emotionale Verwandschaft zum Haushund ist nicht von der Hand zu weisen. Deshalb sind Sätze wie “Du warst auch schon mal schlanker” und “Am Anfang warst Du viel romantischer” ziemliche Beziehungskiller. In der Umfrage sah das jeweils ein Drittel der Befragten so. Männer könnten nun darauf hinweisen, dass das völlig logisch ist. Der Fettgehalt steigt beim Menschen mit zunehmendem Alter nur dann nicht, wenn das entschieden bekämpft wird. Und die erste Balzphase ist halt aufregender als eine Partnerschaft nach 10 oder 20 Jahren. Aber kann man das so sagen. Niemals.

Rundum perfide, und das sieht mindestens jeder zweite Mann so, ist aber die Frage “Findest Du mich zu dick?”. Sind diese Worte gesprochen, steckt mann definitiv in einer Zwickmühle, aus der es kein Entrinnen gibt. Denn: Sagt er “Nein” steht er unter dem Verdacht zu lügen oder ein wichtiges Problem seiner Partnerin ignorieren zu wollen. Wie schon so oft. Sagt er “Ja”, hat er sich wenigstens auf Tage hinaus die Hölle bereitet.  “Also, ich finde Dich schön” könnte eine Antwort sein, die durchgehen könnte, wenn die Stimmung nicht allzu verzweifelt ist. Aber selbst das ist ungewiss.

Wir lernen also: Wenn Frauen Männern Fragen stellen, sind Stress und Enttäuschungen nicht weit.  Männer stellen dagegen fast keine. Und wenn, dann selbstredend keine mit Nervpotenzial. Oder ist so etwas schlimm: “Schatz, bist Du sicher, dass die Butter im Kühlschrank steht?”