Schnitzel für Models! Silikon ist Doping!

model_1.jpgAdieu, dünne Ärmchen, nadelspitze Ellenbogen und Hungernots-Rippen: Ulla Schmidt war da! Unsere Ministerin, die das Gesundheitswesen so großartig für die Zukunft sichert, sorgt jetzt auf den Laufstegen für Ordnung. Superschlanke Models sollen keine Chance mehr haben. Und die Modebranche macht angeblich mit.

Gerade darüber staune ich. Schließlich ist es ja klar, dass die Modemacher auf dünne Frauen setzen. Auf einem Kleiderbügel wirken ihre Kreationen ja besonders gut. Denn es gibt keine eigenwillige Rundung, die das perfekte Fließen des Stoffes behindern könnte. Theoretisch reichen würden für Modenschauen also zwei Schultern, die mit einem Besenstiel mit zwei langen, aber keinesfalls kräftigen Beinen verbunden sind.

Jemand wie Ulla Schmidt sieht das nicht gerne. Denn die Models sind, wie die Einschaltquoten von Heidi Klums Castingshows zeigen, Vorbilder für viele Mädchen. Und wer ihnen allzu heftig nacheifert, hungert sich seine Gesundheit weg. 1,4 Millionen Jugendliche zwischen elf und 17 Jahren leiden unter Essstörungen, und jeder zehnte Fall von Magersucht endet tödlich. Sagt Ulla Schmidt.

Ihre Einigung klingt einerseits super-wichtig. In der „Nationalen Charta der deutschen Textil- und Modebranche“ versprechen die Unterzeichner, für Models ein Mindestalter von 16 Jahren, mindestens Kleidergröße 36 und einen Body-Mass-Index von mindestens 18,5 vorzuschreiben. Bei einer Größte von 1,80 Meter entspräche das 59 Kilogramm.

Andererseits hat die Kampagne einen lustigen Titel, nämlich “Leben hat Gewicht“. Das erinnert mich an die CMA, die Centrale Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft und ihren Slogan “Fleisch ist ein Stück Lebenskraft”. Auch der Begriff “Lebendgewicht” wird ja beforzugt in Metzgerskreisen verwendet. Werden also irgendwann nur noch Mannequins zugelassen, die beim Casting lustvoll Schnitzel oder Schäufele verdrückt haben? Es wäre ein Beitrag zur Zufriedenheit der Massen. Denn die gängigsten Frauengrößen in Deutschland sind 40 und 42.

miss.jpgUlla Schmidts Kreuzzeug gegen Auswüchse des Schönheitswahns wäre damit aber noch nicht beendet. Es gibt da ja auch noch Dayana Mendoza. Die gerade zur “Miss Universe 2008” gewählte 22-Jährige stammt aus Venezuela, dem Traumland der Schönheitschirurgen. Ich behaupte jetzt gar nichts, aber es würde schon an ein Wunder grenzen, wenn bei ihr nicht nachgearbeitet worden wäre.

Auch da braucht es eine Initiative für saubere Spiele, sprich operations- und silikonfreie Miss-Wahlen. Schließlich ruinieren sich nicht wenige Frauen zumindest wirtschaftlich, weil sie sich mit dem Skalpell an verbreitets Schönheitsideal anpassen. Das muss gehen wie beim Radfahren: Wer beim Tuning/Doping erwischt wird, fliegt raus. Zumindest die Stümper unter den Chirurgen hätten so keine Chance mehr.

Aber ob sich die Ministerin an dieses Thema herantraut? Ohne ihr Zubrot durch Schönheitsoperationen müssten Chirurgen oder Hals-Nasen-Ohren-Ärzte wieder verstärkt klassische Krankheiten feststellen, deren Therapie von den Krankenkassen zu bezahlen ist. Der früher massenhaft entfernte Blinddarm, der zuletzt etwas vernachlässigt wurde, würde wieder zum Volksleiden. Die Angelegenheit ist also so ähnlich wie beim Rauchen: Botox kann tödlich sein. Aber es rettet die Staatsfinanzen.

1 Kommentar in “Schnitzel für Models! Silikon ist Doping!

1 Comment
  1. Werter Herr Schrage,

    wenn Ihnen in ihrem Beitrag über Metzger und Models das Wort “bevorzugt” in der verschärften Form “beforzugt” durchrutscht, da hat wohl Sigmund seine Freud.

    Forza Mortadella? Iss ja wurschd. Wurstesser sind bessere Liebhaber, lautete vor 30 JAhren ein beliebter Aufkleber der Fleischerinnung. Wurst ist Doping. Silikon verrutscht.

    Mit orthopädischen äh -grafischen Grüßen

    Ihr Ignaz K

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