Klinsmann, oder: Was weiß Buddha vom Fußball?

buddha.jpgEines muss man Jürgen Klinsmann lassen: Er packt als neuer Trainer des FC Bayern München die Dinge wirklich an. Erst führt er für seine Profis einen knallharten Acht-Stunden-Tag ein, dann vergrault er Pressefotografen wegen des bisher unbekannten Leidens „Blitzlicht-Allergie„. Und nun legt er sich auch noch mit der Politik an: Der CSU-Bundestagsabgeordnete Norbert Geis hat die Installation goldener Buddha-Figuren auf dem Trainingsgelände der Bayern „abwegig“ genannt. Klinsmann sollte seine religiösen Gefühle nicht seinen Spielern aufzwingen.

Schon drollig, dass das ausgerechnet einer von der CSU sagt. Wenn es ums Aufzwingen religiöser Gefühle geht, ist diese Partei doch Spezialistin. Denken wir nur an die Diskussion um Kruzifixe in Klassenzimmern. Vielleicht wird von Geis ja auch nur ein Kompensations-Angebot angepeilt. Etwa so, dass die „Einlaufkinder“ (die Kleinen, die Spieler aufs Feld begleiten, und beim DFB wirklich so heißen) durch Ministranten aus dem Einzugsgebiet der Heimmannschaften ersetzt werden. Ferner könnte – als stete Mahnung ans Schicksal – der Elfmeterpunkt in Kreuzform markiert werden. Das schöne Lied „Lobe den Herren“ wird als Ersatz für „Oh, wie ist das schön!“ verpflichtend ins Repertoire der singenden „Ultras“ aufgenommen. Und das brasilianische Jesus-Jubeln wird im Training täglich geübt.

Aber was erlaube Klinsmann? Buddha hat von 560 bis 480 vor Christus gelebt. Was konnte er schon über Fußball wissen? Fragen wir ihn doch. „Das beste Gebet ist Geduld“, lautet einer seiner wichtigen Sätze. Nun, welcher Fußballer, welcher Fan, kennt das nicht? Die millionenschweren Bayern rennen massiv aber ideenlos gegen das Tor von Cottbus an. Der Gegner steht mit elf Mann im eigenen Strafraum. Da hilft nur ruhig bleiben und auf einen erleuchteten Moment bei Luca Toni hoffen.

Eng im Zusammenhang dazu steht dieser Satz: „Die Zeit ist ein großer Lehrer. Das Unglück: Sie tötet ihre Schüler.“ Wenn der Schiedsrichter in der Champions League auf die Uhr schaut und dann immer noch das Auswärtstor fehlt, weiß man, was Buddha meint. Keinesfalls darf man da als Spieler aus Frust und Wut ausrasten, denn: „Groll mit uns herumtragen ist wie das Greifen nach einem glühenden Stück Kohle in der Absicht, es nach jemandem zu werfen. Man verbrennt sich nur selbst dabei. “ Richtig, für Tätlichkeiten gibt es die Rote Karte.

Andererseits plädiert der Weise aus Fernost für Fairness: „Nach der Reue ist mein Herz leicht wie eine Wolke, die unbeschwert am Himmel dahinsegelt.“ Er weiß aber auch: „Jedes Leben hat sein Maß an Leid. “ Diese Erkenntnis ist einerseits ein Trost für die Fans, die den Bayern bei einem schlechten Spiel zuschauen müssen. Zugleich schenkt sie Gelassenheit, wenn im Europakal-Viertelfinale wieder mal Schluss ist. Falls es besser läuft, haben die Spieler erkannt: „Gutes Handeln macht alle Menschen fröhlich.“

Aber geradezu genial ist dieser Satz Buddhas: „Unter den Idealen, die einen Menschen über sich selbst und seine Umwelt hinausheben können, gehört die Ausmerzung von Trägheit und Verschlafenheit, Eitelkeit und Geringschätzung.“ Übersetzt heißt das nämlich, dass im Fußball Lauffreude und Pressing dazugehören , dass direktem Passspiel der Vorzug vor eigensinnigen Endlos-Dribblings zu geben ist und dass Hoffenheim nicht unterschätzt werden darf.

Toll formuliert, Buddha. Ganz ungefährlich ist die Weisheit des Ostens aber nicht. Eine Erkenntnis Buddhas in Sachen Erleuchtung geht, auf Fußball hin umformuliert, so: „Im Strafraum sitzen und mit atemlosem Staunen dem Fallen eines Tores zuschauen.“ Wenn die Bayern-Verteidiger dies verinnerlichen, wird Jürgen Klinsmann rasch ins Nirwana des Fußballs verschwinden. Und schlimmstenfalls als Peter Neururer wiederkehren.

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