Lobo – ein Star, gemacht vom Kommissar

lobo.jpgDer 31. Juli ist kein Lieferant für große Jahrestage. Gut, Kolumbus hat heute vor 510 Jahren Trinidad entdeckt. Aber meistens hatten die großen Ferien gerade begonnen oder standen kurz bevor. Wer wollte da unbedingt Geschichte schreiben?

Mir gibt das die Gelegenheit zu einem Beitrag für die Rubrik “zurecht vergessene Stars”. Es geht um “Lobo“, der heute das Rentenalter von 65 Jahren erreicht. Der Musiker und Sänger mit dem Echtnamen Roland Kent LaVoie ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich mediale Vermarktung gewandelt hat. Während heute junge Pop-Stars nach von der “Bild”-Zeitung begleiteten Casting-Shows darauf hoffen, ihre explosionsartige entstandene Popularität wenigstens in ein zweites Jahr retten zu können, genügte vor 35 Jahren eine einzige Nebenrolle in einem TV-Krimi, um reich und berühmt zu werden.

Fernbedienungen waren mangels Programmvielfalt überflüssig, also gehörte der Freitagabend den meistens in Villen in München-Grünwald gedrehten ZDF-Krimis der Reihe “Der Kommissar“. Am 21. September 1973 lief die Folge “Sonderbare Vorfälle im Hause von Professor S.” (Folge 63 von 97), im Hintergrund durfte Lobo seine Sehnsuchts-Hymne “I’d Love You To Want Me” schnulzen. Es war eines von vier Liedern in diesem Film – und ein Star war geboren. 24 Wochen in den deutschen “Top Ten”, Platz eins auch in Österreich und der Schweiz.

Kein Zweifel, der Song war in Ordnung. Er hatte einen flachen Text – Zitat: “When I saw you standing there, I about fell off my chair. When you moved your mouth to speak. I felt the blood go to my feet”. Wenn Sie den Mund bewegt, läuft ihm also das Blut in die Füße. Ja, so war das damals.

Auch von der Melodie her war er gut geeignet für den Stehblues auf Schüler-Partys. Aber viel mehr kam dann nicht mher von Lobo. Sein Nachfolge-Titel “Me And You And A Dog Named Boo” war schon vom Titel her arg doof. An Lobo denkt bei uns deshalb keiner mehr. Da erfolgreiche Künstler damals aber noch richtig Geld verdient haben, dürfte ihm das leidlich egal sein.

Ein guter Tipp, frisch gehört um die Mittagszeit bei Radio Gong: “Bei dieser Hitze verbringt man den Tag am besten mit fünf Eiskugeln in der Waffel.” Netter Gedanke – mit anderen reden kann man so aber nicht.

Der letzte Käfer von VW

kaefer.jpgIst das jetzt die nackte Nostalgie – oder stimmt es? Vor 30 oder 40 Jahren hatten die Autos für mich mehr Charakter. Und die Nettesten waren doch die Ente bei den Franzosen und der Käfer bei den Deutschen. Vor fünf Jahren rollte das letzte Exemplar im mexikanischen VW-Werk in Pueblo vom Band.

Die lustige Kugel von VW hat es nicht umsonst zum Filmstar gebracht. Und unheimlich viele Leute haben ihre speziellen Erinnerungen an dieses Auto. Etwa an die erste erfolgreiche Bewältigung der Grossglocker-Hochalpenstrasse mit dem witzigen “Brezelkäfer”. Der Aufkleber war unser Zeuge.

Meine Haupterinnerung an den Käfer ist das unrühmliche Ende eines Ausflugs zum Dechsendorfer Weiher. Ich hatte in meinem jugendlichen Leichtsinn vergessen, den Ölstand zu kontrollieren. Bei der Ausfahrt Ronhof des Frankenschnellwegs passierte es: Es gab einen lauten Knall, mächtig Rauch stieg auf – der Motor war im Eimer. Trotzdem: Mein Käfer war ein Klasse-Auto – das Nachfolgemodell “Beetle” halte ich fuer ein ziemlich missratene Kopie. Mein Nachfolgemodell war übrigens eine “Ente”.

Nationalfeiertag – und 70.000 Schafe feiern mit

schaf.jpgDenken wir doch auch an globale Randgruppen. Noch heute ist Ólavsøka, der Nationalfeiertag der Färöer. Das ist einerseits ein christlicher Feiertag (wg. Erinnerung an König Olov Haraldssohn den Heiligen), aber auch so etwas wie Karneval. Wie maskiert man eigentlich Schafe? Einfärben, Locken glätten, ganz kurz scheren und zum Dobermann erklären? Wissen wir nicht, jedenfalls kommen auf 48.000 Menschen rund 70.000 Schafe (wie auch das Wappen zeigt). Erstaunlich gut sind die Faringer im Fußball. Selbst die tollsten Profis aus Deutschland oder Frankreich haben sich dort schwer getan.

Ob er die Welt noch retten kann? Klaus Töpfer, Ex-Bundesumeltminister, Rheinschwimmer und Ex-Generaldirektor des Büros der Vereinten Nationen in Nairobi und Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) wird heute 70.

Der Erfinder des Fingerabdrucks

finger.jpgDrei Wege führen zu großen Erfindungen: Entweder, der unbändige Drang eines Forschers, ein wissenschaftliches. intellektuelles Problem lösen zu wollen. Sagen wir mal Relativitätstheorie. Oder der Ärger über Unpraktisches im Alltag. Dr. Oetker etwa nervte der Staub in der Küche seiner Mutter – also füllte er das Backpulver in Portionstüten ab. Und wurde reich und berühmt. Oder es war ein ein mehr oder weniger großer Zufall. So wie bei der Erfindung der Daktyloskopie.

Es handelt sich um eines er genialsten biometrischen Verfahren zur Identifizierung eines Menschen. Man macht es anhand der Fingerabdrücke. Der Erfinder des Verfahrens, William James Herschel, hatte sicher nicht geahnt, dass er ganzen Genrationen von Polizeiermittlern beim Aufspüren von Verbrechern helfen würde, als er heute vor 150 Jahren den ersten offiziellen Fingerabdruck nahm. Er war britscher Kolonialbeamter in Bengalen , und brauchte etwas Nachweisbares von Vertragspartnern, die nicht schreiben konnten. Er stellte fest, dass sich die Fingerabdrücke auch über die Jahre hinweg nicht veränderten. Der Weg für die Spurensicherungen aller Länder war bereitet.

Ja, und lustige Fußballtrainer gab es schon vor Hans Meyer. Vor zehn Jahren starb Zlatko “Tschik” Cajkovski. Von 1971 bis 1973 trainierte er den 1. FC Nürnberg, in Erinnerung geblieben ist vor allem seine uneingeschränkte Verehrung für “kleines dickes Müller” (der singende Bomber namens Gerd). Dass er unsere Sprache nie richtig lernte, begründete er so: „Ich Lehrer für Fußball, nix für Deutsch“.

Was lefft? Um 10 Uhr wird auf der Freilichtbühne im Fürther Stadtpark “Pinocchio” aufgeführt. Die Moral von dieser Geschicht: Manchen Kleinkriminellen kommt man auch ohne Fingerabdrücke auf die Spur.

Heiß, heißer, Oberpfalz

sonne.jpgPuuuh, diese Hitze!!! Heute vor 25 Jahren war es in Gärmersdorf, einem Ortsteil von Kummersbrück im Landkreis Amberg-Sulzbach. besonders heiß. Ein geophysikalischer Messzug der Bundeswehr registrierte mit 40,2 Grad im Schatten die bis dahin höchste Temperatur in Deutschland aller Zeiten. Ausgerechnet in der Oberpfalz. 20 Jahre hatte dieser Rekord Bestand, ehe vor fünf Jahren im saarländischen Nenning 40,3 Grad gemessen wurden.

Hergott, dieser seltsame Name des neuen Club-Spielers. Gygax, das erinnert doch irgendwie an Comic-Figuren. Heute, endlich, kann diese Assoziation geklärt werden. Ernest Gary Gygax wäre heute 70 Jahre alt geworden. Er ist Erfinder des Fantasy-Rolenspiel “Dungeons & Dragons”.

Ein Hoch auf Jesus' Oma

anna.jpg“Heiliche Mudder Anna, sechs Kinder und ka Pfanna.” Dieser ironisierende Ausruf von Volksfrömmigkeit (sorry, ich muss mir auch mal einen feuilletonitischen Schwurbel erlauben) stammt nicht, wie man denken könnte, aus der Zeit nach der Erfindung von Hartz IV. Hungrige Leute gab’s auch schon früher. Die heilige Anna (im Bild von der Annen-Wallfahrt in Haltern am See oben links), die Mutter der Jungfrau Maria, ist die Beschützerin der Armen. Und sie kümmert sich als Schutzheilige noch um andere Menschen, die Beistand immer gut gebrauchen können: Bergleute, Fachinformatiker und Ehefrauen. Heute heißt es, die Natur beobachten, denn der Volksmund sagt auch: „Wenn die Ameisen bauen am Annentag, ein harter Winter kommen mag.“

Ein ganz anderer Typ ist Stanley Kubrick. Er hat der Welt nicht die Mutter von Jesus, sondern in “Uhrwerk Orange” eine Horde gewalttätiger Jugendlicher geschenkt. Heute wäre er 80 Jahre alt geworden.

Edle Klaviere – Dank sei dem Wiener Magistrat!

fluegel.jpgAuch Stadtverwaltungen können Entscheidungen treffen, die noch Jahrhunderte später segensreich wirken. Heute vor 180 Jahren gestattete der Wiener Magistrat einem gewissen Ignaz Bösendorfer, das Klaviermachergewerbe auszuüben. Noch zu Lebzeiten des Firmengründers erlangten seine Instrumente Weltruhm. Gespielt und komponiert haben auf ihnen zum Beispiel Franz Liszt, Anton Bruckner, Peter Gabriel oder Frank Zappa.

Mit der heute vor 40 Jahren veröffnetlichten Enzyklika Humanae Vitae bekräftigt Papst Paul VI. die Lehre seiner Vorgänger, „dass jeder einzelne eheliche Akt nur dann sittlich gut ist, wenn er für die Weitergabe des Lebens offen bleibt“. Das haben die 68-er natürlich nicht eingesehen.

Kurzzeit-Kanzler und der Erfinder des Hawaii-Toasts

kapp.jpegHelmut Kohl 16 Jahre, Konrad Adenauer 14 Jahre, Gerhard Schröder immerhin sieben Jahre – es ist nicht zwangsläufig so, dass demokratische Wahlen zu kurzen Amtszeiten von Politikern führen. Es gibt da auch Anti-Rekordhalter. Wolfgang Kapp zum Beispiel. Er amtierte als Reichskanzler ganze vier Tage lang. Kapp wurde heute vor 150 Jahren geboren. Er war ein herrischer Bürokrat erster Ordnung. 13 Jahre lang traug er den Titel “Generallandschaftsdirektor von Königsberg”. Mit dem von ihm angeführten Putsch wollte er Deutschland aus seiner Sicht aus den Händen von Gewerkschaftern, Journalisten und dem “jüdischen Regiment” retten. Seine Mitstreiter und er erwiesen sich jedoch als Dilettanten. Sein Prädikat heute: Zurecht vergessen.

Lieber erinnern wir uns an Clemens Wilmenrod. Er wäre heute 102 Jahre alt geworden, und er machte schon vor 55 Jahre das, was heute fast von jedem TV-Sender geboten wird: Er war Fernsehkoch. Wilmenrod, der eigentlich Hahn hieß, sich aber nach seinem Heimatort benannte, gilt als Erfinder des Hawaii-Toastes und der gefüllten Erdbeere. Auch den Rumtopf hat er diesem Land geschenkt. Und noch ein Geburtstag: Jenifer Lopez wird 39.

Götz George – geboren am Todestag von "Leck mich-Götz"

george.jpgMehr Testosteron gibt’s eigentlich nur bei Bruce Willis. Zumindest dann, wenn Götz George im “Tatort” Schimanski war. Und das war er seit 1981 einige Male. Heute feiert der Schauspieler seinen 70. Geburtstag – sinnigerweise (der Ruhrpott-Kommissar lässt grüßen) am Todestag von Götz von Berlichingen.

Was Nürnberg anbetrifft, geht es heute haarscharf an Jubiläen vorbei. Ex-Bundesgesundheitsministerin Käte Strobel wurde vor 101 Jahren geboren, der “Nürnberger Religionsfrieden”, mit dem den Protestanten Religionsfreiheit garantiert wurde, ist 476 Jahre her.

Otto Waalkes und die Schräge

waalkes.jpg“Ich muss zugeben, ich hab das Zeug ja auch schon mal genommen. Ich war vier Stunden und drei Minuten voll im Einsatz, aber wegen der drei Minuten mehr hat sich das auch nicht wirklich gelohnt.” Wenn sich ein älterer Herr so über Viagra äußert, muss er wohl Komiker sein. Stimmt auch. Der Spruch stammt von Otto Waalkes – und der wird heute 60 Jahre alt.

Weil das nah an mir dran ist, verlinke ich aus diesem Anlass zu seinen Ausführungen über “Das Phänomen der Schräge“.

Ansonsten ist der 22. Juli ein Tag, an dem weltgeschichtlich betrachtet nicht viel los war. Vielleicht ja das: Im Jahr 1808 endete die Schlacht von Bailén mit der Kapitulation der französischen Kräften unter Pierre Dupont de l’Étang vor Francisco Javier Castaños spanischer Armee. Fast genau 200 Jahre später erwischt es die deutsche Fußball-Nationalelf im EM-Finale.