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Rock im Park 2008: King Kong lebt – und heißt Campino
Ich muss aber auch zugeben: Mental und psychosozial betrachtet ist der Altersunterschied zwischen einem 49-jährigen Journalisten wie mir und einem 45-jährigen Rockstar größer als vier Jahre. Zumal letzterer die Kunst der Übertreibung beherrscht. Muss er doch mit einem gebrochenen Mittelfuss (siehe das Bild von NN-Fotrgraf Stefan Hippel) das Gerüst der Bühne bis ganz nach oben klettern und dort ein Signalfeuer zünden. King Kong lebt – und heißt Campino. Ich hätte das nicht gemacht.
Der Auftritt selbst hatte im Mittelteil so einen leichten Durchhänger, aber mit den Punk-Stimmungsliedern zum Finale lief es dann doch noch bestens. Am Ende rastete das Publikum zwar nicht aus, sang aber doch mit Hingabe “Zehn kleine Jägermeister” sowie das Lied des FC Liverpool, “You never walk alone“.
Wenn ich das heutige Festivalgeschehen mit früher vergleiche, möchte ich sagen, dass heute deutlich mehr gegessen wird. Die Zahl der Fressbuden ist stark gewachsen. Und auch der Alkoholnachschub rollt an deutlich mehr Ständen. Obwohl erstaunlich viele junge Leute Freunde haben, die einen VW-Bus mit einer scheinbar für Bierkästen und selbstkühlende Bierfässer genormten Ladefläche besitzen. Daran, ob bei solchen Ereignissen früher mehr oder weniger gesoffen wurde, habe ich keine Erinnerung mehr. Man nennt das wohl Filmriss.
Ganz sicher bin ich mir, dass früher weniger öffentlich an Zäune oder in Büsche gepinkelt wurde. Auch da vermute ich eine verzweifelte Rebellion von Männern. Sie sehen sich ja zusehends der Aufforderung zum Sitzpinkeln gegenüber. Bei “Rock im Park” ist mann frei, die Begleiterinnen, die ansonsten ihre Toiletten mit selbstgemalten Stehpiss-Verbotsschildern schmücken, akzeptieren das komischerweise. Massenhaftes öffentliches Sitzpinkeln sähe aber noch schlimmer aus.
Oder war Campino schuld? Er hatte gemeint, Leute mit dem richtigen Bewusstsein hätten das Recht, auf den Ort der Naziaufmärsche zu spucken. Ja, er hat spucken gesagt – aber manche haben es eben anders gehört.
Sonst gäbe es noch zu sagen, dass der Betreiber eines Piercingmobils, der für jedes in Haut, Knorpel oder Muskeln versenktes Metallstück 45 Euro verlangt hatte, wegen widerlich billiger anderer Betreiber seinen Preis auf 39 Euro senken musste. Ein weiterer Piercingmann bot sich sogar für 20 Euro pro Körperschmuck-Aktion an. Ich lehne das ab. Wie ein Milchbauer sollte auch ein Piercer von seiner Hände Arbeit leben können. Campino ist tätowiert und bestimmt auch gepierct. Aber mit King Kong hat das jetzt eigentlich nichts mehr zu tun.