Rettet die Astronauten! Dixie-Klos ins All!

dixie.jpgAls ich vor Jahren den scheidenden Baureferenten einer kreisfreien Stadt nach den wichtigsten Erkenntnissen aus seinem Berufsleben fragte, nannte dieser bloß eine: “Das Wichtigste ist doch, dass die Leute anständig kacken können.” Zunächste dachte ich an einen Scherz. Wie wahr seine Aussage war, zeigt sich jetzt gerade im Weltall. Die Toilette der internationalen Raumstation funktioniert nicht. Und schon gibt es dort Menschen in allerhöchster Not.

Schließlich kann man sich im All ja nicht hinter einem Busch verkriechen. Und die Alternative, sein Geschäft in einem Schwarzen Loch zu versenken, scheitert meines Wissens daran, dass dieses für das menschliche Auge unsichtbar ist. Trotzdem gebe ich zu: Auch ich hatte geschmunzelt, als vor sechseinhalb Jahren erstmals der 19. November zum Welttoilettentag ausgerufen wurde. Diesen Tag kannte ich bis dahin nur von einem jährlichen Empfang bei meinem Steuerberater – als Nationalfeiertag von Monaco. Aber der Weltraum ist eben doch wie das richtige Leben: Ohne Klo ist unser Leben scheiße. Es gibt Grundbedürfnisse, die befriedigt werden müssen. Ganz egal wie.

Gut, mit dem nächsten Shuttle soll  eine Pumpe zur Raumstation gebracht werden. Aber das geht ja nicht ständig so. Und deshalb sollten auch Raumfahrtbehörden die segensreiche Wirkung von Dixie-Klos bedenken. Sie stehen auf der Erde eigentlich überall herum, machen große Events wie Rockfestivals und Autorennen überhaupt erst möglich.

Warum sollte man nicht ein paar solche Klos in eine Umlaufbahn schießen? Falls in einem Raumschiff wieder mal was schiefläuft? Und wenn unser Dixie-Klo voll ist, schießen wir es einfach raus ins Weltall.

Es wird die Aufschrift tragen: “Gruß von Erde: Für viele Menschen war ich der wichtigste Begleiter.” Die Aliens werden nachsehen – und wahrscheinlich gaaaaanz große Augen machen. Wenn sie welche haben.

Bald ist EM: Fußball, Sex, die Frau und der Tod

fussi.jpgAch so, Fußball-Europameisterschaft ist schon bald. Rein emotional ist das momentan noch eine laue Angelegenheit. Und so tut es gut, Meldungen zu lesen, die annähernd alles ansprechen, was im Leben eines Mannes wichtig ist: den Fußball, den Sex, das Fernsehen, die Frau und den Tod.

Die Agentur AP verbreitete nämlich dieses: “Der Hälfte der europäischen Fußballfans ist einer Umfrage zufolge ein bedeutendes Spiel wichtiger als Sex.” Vor allem spanische Fans sähen sich lieber ein wichtiges Fußballspiel an, als Geschlechtsverkehr zu haben, heißt es in einer Studie des britischen Instituts Sirc für die Firma Canon.Demnach gaben 72 Prozent der Spanier bei der Internetumfrage an, lieber dem rollenden Ball zuzusehen. Danach folgten die Norweger mit 67 Prozent sowie die Niederländer und die Deutschen mit 64 beziehungsweise 62 Prozent.

Hingegen gaben nur 17 Prozent der Portugiesen an, dass ihnen Fußball wichtiger sei als ekstatische Momente im Bett. Auch bei den Italiener will angeblich nur ein Viertel lieber Fußball als Sex. Naja, schaut Euch Berlusconi an. Das sind doch Blender. Andererseits holen sie sich die tägliche Dosis Sport in aus Journalisten-Sicht begrüßenswerter Form: Die „Gazzetta dello Sport“ ist die meistverkaufte Tageszeitung des Landes.

Ehe wir den Reiz des Fußballs näher erklären, ein kleiner historischer Exkurs: Wie wir alle wissen, war der Ball noch bis zum Erscheinen von Galileo Galilei eine Scheibe. Angesichts der üblen Kopfverletzungen wundert es uns nicht, dass uns die Historiker manches damalige Spiel als Schlacht schildern. Fußball schien am Ende, dann kam Kolumbus. Die Erde war nun rund, der Ball auch. Sein Ei und die mitgebrachte Fußballscheibe ließ Kolumbus auf dem neuen Kontinent. Daraus wurden American Football und Frisbee, das indianische Wort für “Der, der die Biene im Flug verzehrt.”

Zur heutigen Lage ist zu sagen: Fußball hat den Vorzug, dass er zumindest mit Blick auf langjährige Gebundene wie auch auf beruflich überlastete Singles entschieden häufiger und regelmäßiger stattfindet. Er ist planbarer, hat – mit Ausnahme des leicht sadomasochistischen Abseits’ (beobachtet mal nach dem Pfiff den Schmerz im Gesicht des Stürmers) – einleuchtende Regeln und kann problemlos mit Bier und Chips genossen werden. Außerdem muss es schon in der Evolution begründet liegen, dass Fußballleidenschaft ein stärkeres Gefühl ist als Liebe. Der Verlust des in der Kindheit gewählten Lieblings-Fußballvereins wäre für die meisten Männer schlimmer als, sagen wir, eine Ehescheidung.

Einer weiteren Umfrage zufolge wird Fernsehen im Schlafzimmer immer beliebter. In Deutschland läuft der TV-Apparat mittlerweile im Durchschnitt 81 Minuten pro Tag, was seit 2003 eine Zunahme um 27 Prozent bedeutet. Das allerdings macht Hoffnung, denn schlechte Spiele, bei denen man sich nach Ablehnung sehnt, gibt es ja genug.

Aber wo ist jetzt der Tod? Stimmt, davon stand nichts in den Meldungen. Er aber lauert oft schon in der Vorrunde. Und spätestens beim Elfmeterschießen ist er ganz, ganz nah. Denken Sie an Ihr Herz! Das gilt demnach für den Fußball und den Sex in gleicher Weise.

Grand-Prix-Debakel: Was jetzt zu tun ist

angels.jpgJetzt ist Schluss! Dieser Grand Prix (Eurovision Song Contest) muss Folgen haben! Wenn uns schon in Europa fast niemand mag, dann müssen wir mit Blick auf 2009 entschieden handeln. Es ist endgültig vorbei mit “Ein bisschen Frieden”. Folgende Schritte sind zu gehen:

1. Wir müssen die Chance nutzen, die uns “No Angels”-Sängerin Lucy aufgezeigt hat. Wenn uns die Bulgaren nur wegen ihr zwölf Punkte gegeben haben, ist es höchste Zeit für eine Casting-Show mit dem Titel “Deutschland sucht die Superslawen”. Im Klarttext bedeutet das, dass wir für den Grand Prix eine mindestens 15-köpfige Casting-Gruppe brauchen, deren Mitglieder aus je einem wichtigen östlichen Staat kommen.

2. Ex-Kanzler Gerhard Schröder sorgt dafür, dass die Produktionskosten von einem russischen Gas-Milliardär übernommen werden. Denn damit fängt es doch schon an. In Russland hat scheinbar niemand ein Problem damit, sechs Millionen Euro für ein einzelnes Grand-Prix-Lied rauszuhauen. Wir in unserem verzagten Land diskutieren in größtmöglicher Selbstzerfleischung darüber, ob die Rentner 0,8 oder 1,1 Prozent mehr bekommen sollen. Und bei einem Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent jubeln wir darüber, dass der Aufschwung bei den Menschen angekommen sei. Der Russe kann bei solchen Quoten doch bloß lachen.

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3. Sex sells. Nichts gegen die “No Angels” , aber wenn man den Anblick unserer Verandhauskatalog-Schönheiten (hier der Auftritt)mit jenem der Ukrainerin Ani Lorak vergleicht, dann sind das halt ein paar Punkte mehr. Vielleicht nutzt bei der modischen Beratung unserer Slawinnen eine Beratung durch das Team von “Germany`s Next Top Model”. Der Russe Dima Bilan hat eigentlich ziemlich schlecht gesungen, aber vielleicht deshalb gewonnen, weil der Grand Prix vor allem auch von Schwulen geliebt wird. Hier das Fazit: Allen beteiligten Sängern müssen 2009 spätestens beim 20. Takt die Knöpfe aus den Hemden fliegen.

4. Die Reiseindustrie muss beim Grand-Prix-Projekt mitziehen. Es muss doch möglich sein, dafür zu sorgen, dass am Grand-Prix-Abend je ein Bus mit 50 Deutschen in Andorra oder San Marino eintrifft. Diese Zahl vonm Telefonier-Touristen müsste reichen, um uns in beiden Kleinstaaten mindestens je zehn Punkte zu sichern.

5. Die schon erwähnte Casting-Show wird mit der Eislauf-Show “Dancing on Ice” inhaltlich verknüpft. Alle Superslawen bekommen dort den letzten Schliff für die Bühnenshow. Die ziemlich schwachsinnige Eislauf-Einlage hat sich ja bewährt.

6. Der deutsche Titel wird in finnischer Sprache gesungen, um auch in Skandinavien und den baltischen Staaten Punkte sammeln zu können. Türkisch-armenisch-aserbaidschanische Ethno-Einschübe im Mittelteil des Liedes erhöhen unsere chancen zusätzlich.

7. Unerklärlicherweise ist es ja so, dass sich Serben, Albaner, Bosnier, Kroaten usw. ein paar Jahre lang gegenseitig abgeschlachtet haben, und sich jetzt trotzdem in aller Freundlichkeit die Punkte zuschanzen. Wer versteht das eigentlich? Um es klar zu sagen: Ich bin hundertprozentig gegen kriegerische Handlungen gegenüber Nachbarn. Aber eine gewisse Drohkulisse hat noch nie geschadet. “Punkte her oder wir fliegen nie mehr nach Mallorca” – so etwas muss erlaubt sein.

Soweit mein Masterplan für den Grand-Prix-Sieg 2009. Wer noch Ideen hat: “Her damit!”

P.S.: Weitere wichtige Gedanken zum Grand Prix hat meine Kollegin Susanne Helmer hier formuliert. Lesen, bitte!

Die 68er: Opa, wie war Dein erster Joint?

tanzen.jpgSchon seltsam: Manchmal kommen dir die wirklich weiterführenden Gedanken eigentlich beiläufig – und damit auch ziemlich überraschend. Das ist mir gerade wieder passiert.

Mein Job war es, für den “Sonntagblitz” über die Musik der Achtundsechziger zu schreiben. Herausgekommen ist dabei dieses und jenes. Ich sammelte also Material und ging den Text durch. Und dann merkte ich: Ich habe vor allem die Fast- und Gerade-Erst-Rentner bisher völlig falsch gesehen. Nämlich vor allem als anständige, gesetze, seriöse Leute.

Aber Hallo! Tatsächlich waren es mal Menschen, die begleitet von lauter Musik die Nächte durchtanzt haben, ultrakurze Röcke trugen und gegen alles waren, was den Alten heilig war. Wenn ich also wieder mal eine ältere Dame beim Entenfüttern sehe, dann werde ich doch einmal darüber nachdenken, was sie vor 40 Jahren für ein Luder gewesen sein könnte.

Wenn es denn stimmt, was über die 68er und insbesondere deren Stars geschrieben wird, hatten diese schließlich nahezu stündlich psychedelisch einwandfreien Sex, rauchten lässig Joint auf Joint und hatten auch sonst nicht so arg viel gegen die Macht der Drogen.

Sollte es also in Schule und Familie wieder mal ums “Komasaufen” und verwandte Gefahren gehen, sollten die Kinder weiterführende Gespräche nicht mit ihren Eltern, sondern mit den wahren Experten führen: mit ihren Großeltern. “Opa, wie war Dein erster Joint?” Stellt mal diese Frage. Und Ihr werdet staunen.

Nackt fliegt niemand

Flieger.jpgWeil dieses Blog selbstredend der Wahrheit verpflichtet, mal kurz was zwischenrein: Es wird keine Nacktflüge an die Ostsee gegeben.

Unter der Überschrift “Naggerd im Flieger” hatte ich die entsprechende Ankündigung der Firma “OssiUrlaub” auf diese Weise kommentiert.  Nun macht das Reisebüro einen Rückzieher, wofür Geschäftsführer Enrico Heß “kritische Stimmen und moralische Bedenken unserer Kunden” verantwortlich machte. Alle Kunden bekämen ihr Geld zurück.

Mehrheitlich, so Heß weiter, seien die FKK-Flüge befürwortet worden. Die Kritik sei – und das lässt uns aufhorchen – von Personen aus den alten Bundesländern gekommen. Die hätten es als unmoralisch oder unhygienisch empfunden, so eng nebeneinander zu sitzen. Naja, wir wussten ja, dass im Sozialismus die Sitten verroht sind.

Allerdings: Diese Woche ist eine Frau hüllenlos durch den Nürnberger Hauptbahnhof gelaufen. Sie wollte gegen die hohen Preise für Toilette und Dusche protestieren. Man sieht, die Nackten geben nicht auf… 

Schade, ich bin nicht wie Indiana Jones!

flieger2.jpgIn unserer Kindheit hatten wir alle diese Träume: Wir wollten groß rauskomen. Wir wollten Rennfahrer werden, Popstar oder – mein ganz persönlicher Traum – in der Verlängerung nach einem dreiminütigen Alleingang ein Tor schießen, das dem 1. FC Nürnberg den Klassenerhalt sichert und zugleich die nächste Meisterschaft von Bayern München verhindert. Dieses, mein Tor, ist nie gefallen.
Man könnte aber auch Superheld werden, wie Indiana Jones. Gut, heute ist der wagemutige Archäologe aus Altersgründen (Harrison Ford ist 65) kaum mehr das ganz große Vorbild junger Menschen. Aber er zeigt uns im neuesten Film immer noch, was alles geht: Dass man eine Atombombe überlebt, wenn man sich in einen Kühlschrank setzt, dass man unversehrt bleibt, wenn man mit einem Amphibienfahrzeug drei enorme Wasserfälle hinunterfährt, und dass man in gewisser Weise Freundschaft mit Außerirdischen schließen kann.

So einfach sieht das alles aus, also war ich auch bester Stimmung, als ich zum Indiana-Jones-Trip von Oberschließheim bei München nach Nürnberg antreten durfte. Drei Junkers Ju-52, besser bekannt als “Tante Ju”, standen als stilgerechteTransportmittel bereit. Es sind faszinierende Maschinen, die Ende der 30-er Jahre gebaut wurden und die, falls der Motor ausfällt, einfach weitersegeln.Ich also steige ein, quetsche mich in den Sitz mit nullkommanull Beinfreiheit (noch weniger als bei Germanwings, was etwas heißen will), mache Fotos und Filmchen, und achte wohl zu wenig auf die Luftlöcher, den Lärm und die vom Motor kommenden Vibrationen. Und dann dreht sich mein Magen um….

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Es dauert also gerade mal 30 Minuten, damit ich weiß, dass ich in diesem Leben garantiert kein Geheimagent mehr sein werde. Oder wird es Indiana Jones jemals schlecht, versagt ihm auch nur für Sekundenbruchteile der Kreislauf? Immerhin, ich war tapfer. Meine Spucktüte blieb trocken. Aber von der Hautfarbe her hätte ich als von Killerameisen angefressene Leiche wohl noch die beste Figur abgegeben.

Keine wirklich schöne Perspektive. Der Club ist bekanntlich abgestiegen – und ich schreib halt weiter…

Was schreibt der Dalai Lama?

Eigentlich kaum zu glauben: Der Besuch des Dalai Lama in Nürnberg wurde von den lokalen Medien und auch von mir in aller Breite geschildert. Trotzdem wurde ich angesprochen, dass etwas ganz wichtiges fehle: Es sei nirgends im Wortlaut zu lesen, was der Dalai Lama der Stadt ins Goldene Buch geschrieben habe.

Beim besten Willen: Es geht ja auch nicht. Der Dalai Lama hat zwar Englisch gesprochen, aber nichts in dieser Sprache geschrieben. Ich kann nur zeigen, wie er schreibt. Das aber schon.

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Soweit also meine Dienstleistung für den Berufsverband mittelständischer Graphologen…

Unser aller Glück: Sinnloses muss nicht teuer sein

Unser Weg zum Glück… Richtig: Er führt über das Nutzlose. Das muss so sein, denn sonst wäre es ja kaum zu erklären, warum uns völlig überteuerte oder gar komplett sinnlose Produkte so magisch anziehen.

Am Rande hatte ich dieses Thema schon, aber da wusste wir noch nichts von der “Luxurios Fair”, der Millionärsmesse vergangene Woche in München. Dort gab es zum Beispiel ein Handy für 179.000 Euro. “Wow” sagt man da und fragt sich, was das wohl alles können muss. Hat es einen Autopiloten für unser Sportcabrio, damit wir ungestört während des Fahrens palavern können. Hat es eine todsichere Abwimmelfunktion für unliebsame Anrufer? Nichts von alldem – es ist prachtvoll mit 1500 Diamanten verziert. Naja, es mag ja gut aussehen, dieses Glitzerding am Ohr? Aber wiegt das den Stress auf? Die ständige Angst, es zu verlieren oder geklaut zu bekommen?

Das ist bei einem anderen Messeprodukt, einem Whirlpool aus Teakholz, schon anders. Den klemmt sich kein Einbrecher so einfach unter den Arm. 17.500 Euro kostet er – das wirkt schon fast ein wenig prollig. Die ultimative Zahnverschönerung für 40.000 Euro lockt da schon eher. Strahlend weiße Zähne bis in den Tod? Super, wenn sie bloß nicht ausfallen würden.

Und? Sind wir jetzt neidisch? Weil sich die Reichen und (operiert) Schönen lächelnd noch den größten Unsinn leisten? Müssen wir nicht sein. Wir tun es ja auch. Denn zum Glück gilt auch: Sinnloses muss nicht teuer sein.

Ich könnte es mir leichtmachen, und eine neuerliche Debatte über den (Un-)Sinn des Rauchens vom Zaun brechen. Aber das ist durchgenudelt. Nehmen wir die Brotback-Automaten. Wenn wir Büromenschen dieses Gerät kaufen, durchströmt uns das wohlige Gefühl, dass wir uns auch dann selbst versorgen könnten, wenn wir wegen (Achtung Klimawandel!) eines tagelang wütenden fränkischen Flachland-Tornados nicht aus dem Haus dürften. Wir fühlen uns endlich den anatolischen Ex-Bauersfrauen nahe, deren fixe Brtobach-Hände uns beim Mulikulti-Fest so sehr begeistert hatten. Aber irgendwann stimmen Aufwand und Ertrag nicht mehr. Unser Brot ist von uns selbst – und sieht auch so aus. Mit Loch in der Mitte und ohne Kruste.

pickel.jpgOder die elektrische Saftpresse. Wie glücklich fühlen wir uns beim Gedanken, dass wir dem Schrumpelobst vom Lebensmittel-Discounter selbst die wenigen flüssigen Vitamine bis zum letzten Tropfen entreißen? Und wie sehr hassen wir schon bald das elende Gefummel beim Reinigen dieses Küchenhelfers? Der Eis-Crusher (siehe Bild) war ein prima Ergänzung für die Saftpresse. Aber was machen wir mit ihm, wo uns die Lust daran vergangen ist? Und die Popcorn-Maschine. Tolles Gerät, aber in welcher hintersten Schrankecke steht die eigentlich.

Zwei Dinge aber lasse ich mir nicht madig machen. Meinen in Ferrari-Rot lackierten Handstaubsauger, bei dem kein Krümel eine Chance hat. Sofern nicht wieder mal nach zwölf Minuten der Akku leer ist. Und: Der brandneue Brennstempel für Profigriller aus rostfreiem Edelstahl. Damit kann man auf jedes Grillfleisch bis zu vier Buchstaben drücken. Dann weiß jeder, wem was gehört. Der verfressene Onkel Rudi, der sich stets die besten Stücke gesichert hat, wird sich wundern. Diese 9,99 Euro sind bestens angelegt – endlich herrscht Frieden am Grill.

Aber wer, verdammt, hat eigentlich dafür gesorgt, dass die Nürnberger Bratwürste so klein sind. Stempelt die mal….

Der Dalai Lama – freundlich wirkt er schon

dalailam.JPGJetzt war er also da, der Dalai Lama. Und natürlich fragt man sich: wie ist er denn so? Aus der Nähe betrachtet (dazu ein Filmchen)? Antwort: Er wirkt richtig nett.

Auf jeden Fall wollten ihn in Nürnberg viele Menschen sehen. Vor seinem verspäteten Eintreffen im Rathaus standen sich rund 2000 Menschen eine gute Stunde lang die Beine in den Bauch, um dann kollektiv Fotohandys und Kameras in die Höhe zu recken. Sonntagsfrüh herrschte rund um die Arena Betrieb wie bei einem mittleren Sportereignis.

Witzig, wem der Dalai Lama beim Eintreffen im Historischen Rathaussaal als allererstes die Hand drückte: Es war Pino Fusaro, ganz früher kleinkrimineller Szene-Wirt, seit langem aber Tibet-Hilfs-Aktivist und seit seiner Wanderung auf dem Jakobsweg endgültig vollbärtig-geläutert. Den zweiten Händedruck bekam der in Nürnberg ansässige Metropolit der orthodoxen Kirche, Dr. Serafim. Fast unmittelbar danach ging der Gast zu einem älteren Mann im Rollstuhl. Er tätschelte ihm die Knie und fragte “Problem?”.

Im Saal herrschte ein Anteil von Medienvertretern, wie man ihn von Betreuern in der Sonderpädagogik kennt. Auf 180 geladene Gäste kamen rund 50 Journalistinnen und Journalisten. Entsprechend groß war das Gedränge vor der Bühne, angesichts des schwülen Wetters roch es im Umfeld “Seiner Heiligkeit” vor allem nach Schweiß.

Die hiesigen politischen Gastgeber haben sich gut geschlagen. Dem bayerischen Innenminister Joachim Herrmann gelang das Kunststück, mit dem Betreten der Bühne ein breites Lächeln aufzusetzen und dieses über eine halbe Stunde lang unverändert beizubehalten. Oberbürgermeister Ulrich Maly, der den Empfang zeitlich hatte nach vorne verlegen lassen, weil er seinem 1.FC Nürnberg im Abstiegskampf Beistand leisten wollte, ging äußerlich gelassen damit um, dass der Dalai Lama erst püntklich zum Anpfiff eintraf. Dass er in Gedanken doch schon woanders war, merkte man an einem Halbsatz, in dem er “Menschenrechtsverletzungen, die es vielleicht im Stadion gibt” thematisierte.

Böse Menschen amüsierten sich schließlich über die Worte des Dalai Lama, nachdem er Herrmann und Maly weiße Schals umgelegt hatte (das Bild stammt von NN-Fotograf Horst Linke): “Who wears this, should always be gay and nice”. Wir können wohl davon ausgehen, dass er ganz unzweideutig “fröhlich” gemeint hat. Er war war ja nicht bei Wowereit.

15 Jahr Googeln: Wer ist in Nürnberg wirklich berühmt?

dalai.jpg15 Jahre Internet: die wichtigsten Artikel sind geschrieben, erklärende Sonder-Beilagen für wichtige Zeitungen und Zeitschriften sind gedruckt. Was aber hat uns das weltweite Netz gebracht – außer zusätzlicher Verwirrung? Unter anderem dieses: Man weiß viel besser, wer wirklich wichtig ist.

Um dies herauszufinden braucht man heute nur einen PC mit Internetanschluss. Dann kann man jeden beliebigen Namen “eingoogeln”. Unbestätigten Gerüchten zufolge hat diese wahnwitzge Suchmaschine einen fränkischen Ursprung. Unverkennbar ist ja die Verwandtschaft des Wortes “Google” zum fränkischen “Gogerer”. Auch dieser ist sprichwörtlich immer auf der Suche nach irgendwas und schaut dabei in jedes Eck. Dass unser Elektronik-Weltkonzern Siemens früher ausgesprochen exponiert unmittelbar an der “Gugelstraße” residierte, ist ein weiteres Indiz.

Aber wir kriegen diese Beweisführung hier nicht wirklich hin. Betrachten wir stattdessen lokale Berühmtheiten. Und da wird uns sofort klar, dass das mit der neuen CSU-Doppelspitze noch eine ganz, ganz harte Nummer wird. Ministerpräsident Günther Beckstein kommt gerade mal auf 298000 Treffer, der neue Parteivorsitzende Erwin Huber (trotz seines nicht gerade einmaligen Namen) nur auf 309000. Damit liegen beide deutlich hinter Edmund Stoiber, der es als Polit-Ruhständler auf 750000 Seiten bringt. Kleiner Trost: SPD-Spitzenkandidat Franz Maget wird nur auf 43500 Seiten erwähnt.Wenn wir nach Google gehen, muss Horst Seehofer an die Macht. Er ist auf 5,18 Millionen Seiten erwähnt. Das Internet belohnt eben Vitalität.

Welt trifft Provinz, heißt es bei uns am kommenden Wochenende. Der Dalai Lama kommt mit 20,9 Millionen Seiten im Gepäck ins Rathaus zu Oberbürgermeister Ulrich Maly. Dieser ist nur auf 33000 Seiten erwähnt, liegt damit in etwa auf dem Niveau der CSU-Bundestagsabgeordneten Renate Blank (35500 Seiten), hängt aber seine Stellvertreter Klemens Gsell (6240) und Horst Förther (470) lässig ab.

Wollte der Dalai Lama indessen jemand treffen, der ihm wenigstens annähernd das Wasser reichen kann, so müsste ihn sein Nürnberger Pfad der Erleuchtung in den Tiergarten führen. Das Stichwort “Flocke” löst nämlich den Zugang auf 2,91 Millionen Internetseiten aus. Sie halten diese Begegnung für überflüssig? Gut möglich, aber wir jedenfalls kennen Flockes früheres Leben nicht. Gemessen am Googeln kann ihr Karma so schlecht nicht sein.

Aber lassen wir das wohl doch ergebnislose Spekulieren, und stellen wir stattdessen die Gretchenfrage dieser Tage : Wer kann den “Club” am Samstag retten? Gemäß Google sollte Jan Koller (375000 Seiten) den Vorzug vor Angelos Charisteas (47200 Seiten) bekommen. Pinola ist mit 353000 Seiten ebenfalls gesetzt, während Misimovic mit 188000 Seiten den Vorzug vor Marek Mintal (110000 Seiten) bekommen sollte. Der oberste Chef des Ganzen ist ja Präsident Michael A. Roth. Er kommt auf 40600 Seiten vor. Auf weia, das sieht schon sehr nach Zweiter Liga aus. Virtuelles Beten reicht da wohl nicht.