Ungerechtes Jahr: Zwei Mal Mutterehr`, Vatertag halbiert

mutter.jpg„Eher findest Du bei einer Hure die Unschuld als im Leben Gerechtigkeit.“ Man muss nicht so weit gehen wie dieser Toiletten-Aphoristiker der 80-er Jahre. Aber 2008 ist nun wahrhaft eines der ungerechtesten Jahre, die man sich vorstellen kann.

Gelitten haben die Karnevalisten. Weil sie viel zu früh ins normale Leben zurückkehren mussten und ihrem Arzt gegenüber keine Ausrede mehr für ihr ständig überhöhten Alkoholpegel hatten. Dann fror sich der Osterhase den Hintern ab, die Schausteller des Nürnberger Volksfestes machten eine Woche Überstunden, um dann doch ein Umsatzminus hinnehmen zu müssen.

Gut, der elend frühe Termin von Ostern war ein Sonderfalls. Erst 2160 wird dieses Fest wieder so früh sein. Aber die eigentliche Ungerechtigkeits-Keule wird uns erst noch übergebraten. Sofern wir Männer sind.

Da ist zum einen das Problem, dass „unser Tag“, der“Vatertag“ halbiert ist. Christi Himmelfahrt fällt mit dem „Tag der Arbeit“ zusammen. Ja, und was sollen wir nun tun? Wir wollen ja ordentlich gegen Sonntagsarbeit und für Mindestlöhne demonstrieren, unter Umständen auch mal wieder in der Kirche vorbeischauen, aber eben auch mit Freunden einen Ausflug unternehmen. Parolen statt Gebete? Vaterunser statt Besäufnis?

Nein, wir können das nicht unter einen Hut bekommen. Wahrscheinlich wählen wir die geistig-moralischere Variante. Der katholische Stadtdekan von Nürnberg redet ja auch beim DGB.

Aber es kommt ja noch dicker: Die Frauen – jedenfalls, sofern sie Mütter sind oder sich so fühlen – kriegen zwei Ehrentage. Nach dem völlig verkorksten Kalender würde der klassische Muttertag auf den Pfingstsonntag, den 11. Mai, fallen. An einem Feiertag dürfen aber die Blumengeschäfte nicht öffnen. Und für die ist der Muttertag ja noch schöner als Weihnachten und Neujahr zusammen. Also propagieren Felurop und die anderen Floristen – und das wohl mit Erfolg – den 4. Mai als den eigentlichen Muttertag des Jahres 2008. Dann gibt`s Blumen, die Woche drauf Parfüm.

Dagegen ist nichts zu sagen. Freude schenken kann man gar nicht oft genug. Doch wie könnte der gerechte Ausglich für uns Männer aussehen? Vielleicht ja, indem wir eine alte Tradition aus der DDR aufleben lassen. Danach wäre am Sonntag, 22. Juni, der „Tag des Bauarbeiters“. Das klingt nach freiem Himmel, nacktem Oberköper und zwei, drei Kästen Bier. Alsdenn, dieses Leben ist eine Baustelle. Feiern wir!