Na sowas: "Der Adler" ist weiblich

adler.JPGMit den Sprachfehlern und Dialekten ist es so eine Sache. Mancher stutzt, wenn wir Mittelfranken davon reden. dass wir den Radio einschalten. Richtig süß finden wir dagegen die Werbefrau, die sich von ihrem Verehrer „ein Flasche von die Bier“ wünscht, „was hat so schön geprickelt in mein Bauchnabel.“ Der wiedergekehrte Schlagersänger Howard Carpenfdale wäre ohne seinen Akzent auch nicht so berühmt geworden. Aber am häufigsten scheitern wir doch am Geschlecht, am „der“, „die“ oder „das“.

Da ist am vergangenen Samstag der Nachbau der ersten deutschen Lokomotive mit Ministerpräsident Günther Beckstein im Führerhäuschen die historische Strecke von Nürnberg nach Fürth und zurück gefahren. Die lokalen Medien haben begeistert davon geschrieben und gefunkt, dass „Der Adler“ nach seiner aufwändigen Restaurierung endlich wieder unterwegs ist.

Und was passiert? In der Leserbriefredaktion der Nürnberger Nachrichten hagelt es Protestschreiben und -anrufe erboster Eisenbahnfreunde. Der Adler sei kein „Er“, sondern eine Lokomotive, also weiblichen Geschlechts. Es müsse also heißen: „Die Adler“. Ehrlich, so habe ich das noch nie gesehen, geschweige denn ausgesprochen. Nun also herrscht Verwirrung, aus der uns das Bahnmuseum auch nicht heraushilft. Es mogelte sich um das Problem herum, und schrieb „Der legendäre Adler-Zug“ auf das Transparent hinter dem Rednerpult des Ministerpräsidenten.

Zum Glück ist der/die Adler nicht der einzige Grenzfall unserer Sprache. Wissen wir zum Beispiel wirklich sicher, ob es „der Bonbon“ oder „das Bonbon“ heißt. War die letzte Großveranstaltung auf dem Hauptmarkt der oder das Event des Jahres? Wenn wir „das Cola“ ins Glas gießen, wundern wir uns immer, dass Zugereiste „die Cola“ trinken. Und die Ehelosigkeit katholischer Priester? Der oder das Zölibat?

Der Tsunami fällt uns auch noch ein. Es handelt sich ja um eine Welle, also „die“!?Ist es der oder das Joghurt, schlürfen wir den Latte Macchiato (abgeleitet von Kaffee) oder doch die L.M. (abgeleitet von Latte gleich Milch)? Was meint der Rheinländer, wenn er davon redet, dass „das Else“ einen neuen Imbissstand aufgemacht hat. Die Python wiederum ist eine Schlange, der (das?) Duden pocht trotzdem auf der männlichen Form.

Wir könnten noch ein bisschen so weitermachen. Aber jetzt wird erst mal gefrühstückt. Der Butter steht schon auf dem Tisch. Und jetzt mach ich mir noch das Müsli… Das Müsli? Der Müsli? Schluss jetzt, aufhören! Wenn allerdings einer was Genaues über den/die Adler weiß – entsprechende Kommentare interessieren sicher viele.

3 Kommentare in “Na sowas: "Der Adler" ist weiblich

  1. Es gibt einen historischen Stich vom Ur-Adler. Auf der Lok steht deutlich „Der Adler“. Ende der Debatte!

  2. …und heißt es jetzt der, die oder das Nutella?
    Da wurde sogar „amtlich“ festgesetzt, dass es jeder halten kann, wie er oder sie (oder es) will.

    Ansonsten sag ich trotzdem oder überhaupt
    – der Adler,
    – die Python,
    – der Butter,
    – is Müsli,
    – ä Cola,
    – vll Bomboms
    und
    – ä haffm Woar.

    In diesem Sinne – allmächd naaaa…

  3. Als Historiker habe ich mich intensiv mit dem Adler beschäftigt. In den Akten der Ludwigsbahn-Gesellschaft ist stets von „Der Adler“ die Rede, ebenso wurde die Schwesterlokomotive „Der Pfeil“ genannt. Dies hängt vermutlich damit zusammen, dass die Bezeichnung „Lokomotive“ noch nicht sehr gebräuchlich war, sondern meistens vom „Dampfwagen“ gesprochen wurde.
    Auf einer alten Fotografie des „Adler“, die das Stadtarchiv Nürnberg ersteigerte, ist sogar ein Schild angebracht mit der Aufschrift „Der Adler“, wobei es m.E. nicht sicher ist, ob es sich um den Originaladler oder nur ein Modell handelt. Allerdings geht aus den Akten hervor, dass der Adler bei der Eröfnungsfahrt überhaupt kein Schild trug und erst im Jahr 1836 ein „Emblem“ seines Namens erhielt. Dennoch: Es heißt eindeutig „Der Adler“, das ist aus den Akten verbürgt.

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