Na sowas: "Der Adler" ist weiblich

adler.JPGMit den Sprachfehlern und Dialekten ist es so eine Sache. Mancher stutzt, wenn wir Mittelfranken davon reden. dass wir den Radio einschalten. Richtig süß finden wir dagegen die Werbefrau, die sich von ihrem Verehrer “ein Flasche von die Bier” wünscht, “was hat so schön geprickelt in mein Bauchnabel.” Der wiedergekehrte Schlagersänger Howard Carpenfdale wäre ohne seinen Akzent auch nicht so berühmt geworden. Aber am häufigsten scheitern wir doch am Geschlecht, am “der”, “die” oder “das”.

Da ist am vergangenen Samstag der Nachbau der ersten deutschen Lokomotive mit Ministerpräsident Günther Beckstein im Führerhäuschen die historische Strecke von Nürnberg nach Fürth und zurück gefahren. Die lokalen Medien haben begeistert davon geschrieben und gefunkt, dass “Der Adler” nach seiner aufwändigen Restaurierung endlich wieder unterwegs ist.

Und was passiert? In der Leserbriefredaktion der Nürnberger Nachrichten hagelt es Protestschreiben und -anrufe erboster Eisenbahnfreunde. Der Adler sei kein “Er”, sondern eine Lokomotive, also weiblichen Geschlechts. Es müsse also heißen: “Die Adler”. Ehrlich, so habe ich das noch nie gesehen, geschweige denn ausgesprochen. Nun also herrscht Verwirrung, aus der uns das Bahnmuseum auch nicht heraushilft. Es mogelte sich um das Problem herum, und schrieb “Der legendäre Adler-Zug” auf das Transparent hinter dem Rednerpult des Ministerpräsidenten.

Zum Glück ist der/die Adler nicht der einzige Grenzfall unserer Sprache. Wissen wir zum Beispiel wirklich sicher, ob es “der Bonbon” oder “das Bonbon” heißt. War die letzte Großveranstaltung auf dem Hauptmarkt der oder das Event des Jahres? Wenn wir “das Cola” ins Glas gießen, wundern wir uns immer, dass Zugereiste “die Cola” trinken. Und die Ehelosigkeit katholischer Priester? Der oder das Zölibat?

Der Tsunami fällt uns auch noch ein. Es handelt sich ja um eine Welle, also “die”!?Ist es der oder das Joghurt, schlürfen wir den Latte Macchiato (abgeleitet von Kaffee) oder doch die L.M. (abgeleitet von Latte gleich Milch)? Was meint der Rheinländer, wenn er davon redet, dass “das Else” einen neuen Imbissstand aufgemacht hat. Die Python wiederum ist eine Schlange, der (das?) Duden pocht trotzdem auf der männlichen Form.

Wir könnten noch ein bisschen so weitermachen. Aber jetzt wird erst mal gefrühstückt. Der Butter steht schon auf dem Tisch. Und jetzt mach ich mir noch das Müsli… Das Müsli? Der Müsli? Schluss jetzt, aufhören! Wenn allerdings einer was Genaues über den/die Adler weiß – entsprechende Kommentare interessieren sicher viele.

Ungerechtes Jahr: Zwei Mal Mutterehr`, Vatertag halbiert

mutter.jpg“Eher findest Du bei einer Hure die Unschuld als im Leben Gerechtigkeit.” Man muss nicht so weit gehen wie dieser Toiletten-Aphoristiker der 80-er Jahre. Aber 2008 ist nun wahrhaft eines der ungerechtesten Jahre, die man sich vorstellen kann.

Gelitten haben die Karnevalisten. Weil sie viel zu früh ins normale Leben zurückkehren mussten und ihrem Arzt gegenüber keine Ausrede mehr für ihr ständig überhöhten Alkoholpegel hatten. Dann fror sich der Osterhase den Hintern ab, die Schausteller des Nürnberger Volksfestes machten eine Woche Überstunden, um dann doch ein Umsatzminus hinnehmen zu müssen.

Gut, der elend frühe Termin von Ostern war ein Sonderfalls. Erst 2160 wird dieses Fest wieder so früh sein. Aber die eigentliche Ungerechtigkeits-Keule wird uns erst noch übergebraten. Sofern wir Männer sind.

Da ist zum einen das Problem, dass “unser Tag”, der”Vatertag” halbiert ist. Christi Himmelfahrt fällt mit dem “Tag der Arbeit” zusammen. Ja, und was sollen wir nun tun? Wir wollen ja ordentlich gegen Sonntagsarbeit und für Mindestlöhne demonstrieren, unter Umständen auch mal wieder in der Kirche vorbeischauen, aber eben auch mit Freunden einen Ausflug unternehmen. Parolen statt Gebete? Vaterunser statt Besäufnis?

Nein, wir können das nicht unter einen Hut bekommen. Wahrscheinlich wählen wir die geistig-moralischere Variante. Der katholische Stadtdekan von Nürnberg redet ja auch beim DGB.

Aber es kommt ja noch dicker: Die Frauen – jedenfalls, sofern sie Mütter sind oder sich so fühlen – kriegen zwei Ehrentage. Nach dem völlig verkorksten Kalender würde der klassische Muttertag auf den Pfingstsonntag, den 11. Mai, fallen. An einem Feiertag dürfen aber die Blumengeschäfte nicht öffnen. Und für die ist der Muttertag ja noch schöner als Weihnachten und Neujahr zusammen. Also propagieren Felurop und die anderen Floristen – und das wohl mit Erfolg – den 4. Mai als den eigentlichen Muttertag des Jahres 2008. Dann gibt`s Blumen, die Woche drauf Parfüm.

Dagegen ist nichts zu sagen. Freude schenken kann man gar nicht oft genug. Doch wie könnte der gerechte Ausglich für uns Männer aussehen? Vielleicht ja, indem wir eine alte Tradition aus der DDR aufleben lassen. Danach wäre am Sonntag, 22. Juni, der “Tag des Bauarbeiters”. Das klingt nach freiem Himmel, nacktem Oberköper und zwei, drei Kästen Bier. Alsdenn, dieses Leben ist eine Baustelle. Feiern wir!

Ohne Worte, mit Film: Strafzettel für James Bond

aston_martin_dbs.jpgSchon schlimm: Da ist man(n) froh, dass der “Girl`s Day” endlich vorbei ist, da geht die Demontage männlicher Superhelden weiter: James Bond bekommt von der italienischen Polizei einen Strafzettel.Was war geschehen? Während der Dreharbeiten wurde ein legendärer Aston Martin des Geheimagenten im Gardasee versenkt. Der Grund war “gefährlich überhöhte Geschwindigkeit”. Und das will der Chef der Straßenpolizei ahnden.

Also bitte: Dieses, ausgerechnet im Stammland der Mafia und im EU-Staat mit der mutmaßlich höchsten Gauner-Quote im Parlament. Da fehlen mir erstmal die Worte. Wir dürfen unsere Helden nicht so demontieren. Auch Supermann hatte nie Schwierigkeiten wegen des Nachtflugverbotes, Spiderman nie wegen des Verklebens von Hauswänden, Bruce Willis nie wegen des Autofahrens auf Bürgersteigen.

Aber jetzt erstmal Ruhe. Und falls und bis ich meine Worte wiedergefunden habe, präsentiere ich – dank Youtube – stolz verbeultes Blech. Das ist ein Aston Martin – nach einem Bad im Gardasee.

Dicke Soldaten schaffen Frieden

“Deutsche Jugend zu fett für die Truppe.” Mit großen – und fetten – Buchstaben wurde in vielen Blättern der Republik diese Schreckensnachricht verbreitet. Junge Männer hätten zuviel Speck auf den Rippen, seien deshalb übergewichtig und würden deshalb zur Hälfte ausgemustert. Schock! Schock! Schock! Wer soll uns, bitteschön, am Hindukusch verteidigen?

Aber jetzt mal bitte halblang. Vielleicht ist es ja gar nicht so schlimm. Die Zentralstelle für Kriegsdienstverweigerer mutmaßte umgehend, dass die hohen Untauglichkeitsquoten politisch gewollt seien. So solle der Anschein von Wehrgerechtigkeit ermittelt werden. Der Grund für den Verdacht: In anderen Ländern Europas gibt es gerade mal acht bis zwölf Prozent Untaugliche. Weil die Bundeswehr aber allgemein ein schrumpfendes Unternehmen ist, könnte es gut passen, dass der Stempel “Annahme verweigert” bei Musterungen immer lässiger benutzt wird.

armee.jpgWenn es denn aber stimmt mit dem allgemeinen Übergewicht? Na und? Die US-Amerikaner sind doch bei ihren Auslandseinsätzen deshalb so unbeliebt, weil es sich bei den Soldaten ihrer Freiwilligen-Armee um muskelbepackte Stiernacken und drahtige Kampfmaschinen handelt, die bei Begegnungen mit anderen Leuten gerne gleich mal losbrüllen, weil sie das von ihren Chefs so gewöhnt sind. Es sind Menschen, mit denen eigentlich niemand etwas zu tun haben möchte, weil man neben ihnen schlecht ausschaut.

Wie anders ist da der erste Eindruck eines beleibten Deutschen? Wer rundlich daherkommt, wird nicht gleich alles niedermähen, sondern ist gutmütig, redet und feiert gern und bietet bei Bedarf eine Schulter zum Anlehnen. Dass die Luken der Panzer erweitert werden müssen und die Nutzlast der Düsenjäger modifiziert werden muss – geschenkt! Denn viel wichtiger ist doch, dass alle Menschen auf den ersten Blick wissen, dass hier ein Dickerchen Frieden schaffen will. Zumal in aller Welt bekannt ist, dass man selbst nach den schlimmsten Prügeln von Obelix ganz sicher wieder aufsteht, während man nach der Vorbeifahrt des Terminators vermutlich nur noch die Wahl zwischen Himmel und Hölle hat.

Deshalb: Jammert nicht! Kehrt den Trend um, schickt mehr Dicke in die Bundeswehr! Wenn die Taliban bei ihren Anblick schmunzeln können, ist der erste Schritt zum Frieden doch getan.

Onkel Dieter, lass sie doch

bohlen_1.jpgDie Frage, wie lebensnah eine Sendung wie “Deutschland sucht den Superstar” ist, hat ja  schon veritable Medienwisschenschaftler beschäftigt. Der neueste “Skandal” aus dem RTL-Showcamp spricht nicht dafür. Ein junges Mädchen namens Rania soll Haschisch geraucht haben – und Dieter Bohlen macht auf Low-and-Order, regt sich mächtig auf. Was in diesem Business doch reichlich weltfremd erscheint.

Klar, man darf die Aufregung nicht überbewerten. Es gehört zur  “DSDS”-Vermarktungskette, dass die “Bild”-Zeitung aufregende oder erschütternde Neuigkeiten aus dem Leben und Wirken der Nachwuchskünstler aufdeckt. Ein Favorit aufs Weiterkommen namens Fady wird nebenbei als schwul geoutet, weil das ja mutig und gut so ist. Eine Rania, die wie alle bösen Mädchen von Bild “schön” genannt wird und die wegen ihrer Blechstimme tatsächlich nur schwer zu ertragen ist, kriegt als Übeltäterin die Breitseite vom Chef.

Aber Dieter, all das wegen eines Joints… Erstens ist es doch klar, dass man sich Haschisch ins Haus holt, wenn man eine Holländerin einlädt. Die Leute dort sind Cannabis doch gewohnt. Zweitens sagen sogar einige der inzwischen ziemlich alt geworden Grünen manchmal, dass man diese Droge legalisieren sollte. Drittens verlierst Du viel vom Respekt, den Du Dir als “DSDS”-Juror erarbeitet hast. Dieter Bohlen hat nie Drogen genommen? Er hat sich also bei vollem Bewusstsein für Naddel entschieden? Au Backe!

Und Viertens: Ist uns, außer Heino,  irgendein wahrhaftiger, wirklich großer  Pop-Star bekannt, der/die noch nie Drogen genommen hat. Würde Dieter Bohlen also Amy Winhouse in die Wüste schicken? Müsste die Sendung also “Deutschland sucht den Sauberstar” heißen?

Nun gut, wenn`s dazu dient, junge Menschen von schädlichen Genüssen abzuhalten, machen wir das so. Onkel Dieter sollte aber eines noch bedenken. Ohne die Wirkung von Alltagsdrogen, wären seine Einschaltquoten geringer. Oder wer kann “DSDS” sschon mit klarem Kopf ertragen?

"Sigena 11" oder: Die Wahnsinns-Präzision der Raumfahrt

kosmos.jpgUnd wenn wir die Teflon-Pfanne in der Hand hielten, kam es uns siedend heiß in den Sinn: Was die Formel 1 für Innvoationen an unseren Autos ist, ist die Raumfahrt für unser restliches Leben. Ein steter Quell der Innovation. Einfach Wahnsinn. Denn welch irrwitzige Präzision gehört dazu, Raumschiffe im luftleeren Weltall in die richtige Umlaufbahn zu bekommen. Wie mllimetergenau muss jede Bewegung kontrolliert werden, damit kein heimkehrendes Fluggerät je in der Atmosphäre verglüht. Wir waren sicher, dass hier modernste Computertechnik Unfassbares leistet. Aber bloß bis vorgestern.

Da hörten wir die Nachricht von einer von der internationalen Raumstation heimgekehrten Raumkapsel namens Sojus. Zwei Frauen und ein Mann waren an Bord, als diese auf den kasachischen Steppenboden knallte. Und sie mussten länger auf ihre Bergung warten als geplant: Sie hatten den zuvor berechneten Landeort um 420 Kilometer verfehlt.

Gut, dem Vernehmen nach saß eine der beiden Frauen am Steuer. Aber lassen wir die Witze übers Einparken. Sondern ziehen wir die wichtigste gedankliche Konsequenz: Deutschland kann nie und nimmer eine echte Raumfahrt-Nation werden. Denn stellen wir uns nur vor, Nürnberg wäre als Ort für die Rückkehr einer Raumkapsel auserkoren worden. Am Marienberg hat sich das Empfangskomitee für “Sigena 11″ aufgestellt, Bürgermeister Horst Förther hat die launigste Version seiner Begrüßungsrede vorbereitet, man sieht Fähnchen in Kinderhänden, als das Telefon klingelt: “Euer Ding hängt an einem Turm vom Kölner Dom.” Was gar nicht mal schlecht wäre, weil das nur 330 Kilometer Abweichung bedeuten würde.

Oder unsere fränkischen Astronauten haben sich im Brandenburger Tor verkeilt (380 Kilometer Luftlinie). Oder sie haben gerade die Bremer Stadtmusikanten umgenietet (462 Kilometer).

Und denken wir bloß an die möglichen internationalen Verwicklungen durch ungeplante Unfälle. In die tschechische Hauptstadt Prag sind es gerade mal 251 Kilometer, nach Wien auch nur 259 Kilometer. Frankreich, die Schweiz, Slowenien, die Niederlande – alle diese Länder, und noch einige mehr, lägen in Reichweite einer auf russische Art irrlichternden Kapsel.

Es war also vielleicht Vorsehung, dass der fränkische Raumfahrtpionier Hermann Oberth für die bemannte Raumfahrt ein paar Jahrzehnte zu früh auf die Welt kam. Seien wir froh. Bratwurst auf dem Mars wird es vielleicht nie geben, aber wir haben wenigstens unsere Ruhe.

Die Sehnsucht nach dem Bierzelt-Stoiber

stoiber2.JPGÄäääääääääääähhhh! Als sich Edmund Stoiber vor gut einem halben Jahr aus freiem Willen aus dem Amt des bayerischen Ministerpräsidenten jagen ließ, hätte man eines nicht gedacht: Dass man ihn sich zurückwünschen könnte. Aber irgendwie fehlt er uns doch.

“Sehnsucht nach Stoiber. Aber sicher, definitiv.” Das sagt einer, der es wissen muss. Wolfgang Krebs imitiert den früheren Landesvater in der Sendung “Quer” des Bayerischen Fernsehens sowie bei verschiedensten Anlässen.

Jetzt war er zu Gast beim Mittelstandsempfang der Firma “Terraconsult”. Zur Moderation von BR-Kollege Markus Othmer gab Krebs einige Kostproben dessen, was mit Stoibers Rücktritt verschwunden ist. Ein total von sich selbst überzeugter Redner, der mit größtmöglicher Dynamik irgendwann wirres Zeug erzählt. Ideal für Festzeltbesucher mit 0,8 Promille aufwärts.

Dem Stoiber-Imitator bringt diese von Günther Beckstein und Erwin Huber nie und nimmer zu schließende Lücke bares Geld. Geld, das sich Stoiber selber entgehen lässt. Klar, als “Elder Statesman” gehört es sich eigentlich, Bücher zu schreiben und in erlauchten Runden die Welt zu erklären.

Aber warum nicht mal anders: Stoiber als Stand-By-Bierzelt-Agitator? Der CSU würde es gut tun. Und den Kabarettisten auch.

Oder war sie nicht grandios – die legendäre Transrapid-Rede? Im Memoriam kommt sie in ihrer ganzen Schönheit hier.

Das verschmähte Blut der Naomi Campbell

campbell.jpg“Und ist der Ruf erst ruiniert…” – dann könnten sich manche Menschen ein schönes Leben machen und ihr Dasein ganz ungeniert gestalten. Sie haben ihr Image ja weg. Sie gelten als prollig (Dieter Bohlen), treu-doof (Verona Pooth), voll-doof (Daniel Küblböck), ätzend (Markus Söder), schleimig (Reinhold Beckmann) oder allzu-gut-demokratisch (Wladimir Putin). Aber jeder Mensch ist halt nicht einfach nur so, wie man ihn zu kennen glaubt, sondern auch mal ganz anders. Und dann wird`s problematisch.

Nehmen wir zum Beispiel Naomi Campbell. Sie gilt als Ultra-Zicke, was sie sich als anerkanntes internationales Top-Model ja auch leisten kann. Wahrscheinlich sogar leisten muss, weil sie mit inzwischen 37 Jahren in einem Alter ist, in dem kleine Skandälchen immer gut für die Karriere sind.

So gesehen könnten ihre berüchtigten Wutanfälle auch eine Masche sein. Im Januar vergangenen Jahres warf sie mit ihrem Handy nach ihrem Dienstmädchen, wurde zur Teilnahme an einem Anti-Agressionsprogramm verdonnert und stakste auf ultrahohen Schuhen zum gemeinnützigen Putzen. Anfang dieses Monats ging Naomi Campbell auf dem Londoner Flughafen Heathrow auf einen Polizisten los, nachdem sie bemerkt hatte, dass einer ihrer Koffer verschwunden war. British Airways verhängte daraufhin ein Flugverbot für ihre Maschinen.

Aber jetzt wollte das Model ganz anders sein: Es meldete sich als Teilnehmerin an einer Blutspendeaktion im Kampf gegen das Dengue-Fieber. Doch die Ärzte in Rio de Janeiro schickten sie nach Hause. Nicht wegen zu dominantem Dekadenz-Plasma oder überzähliger Aggressions-Lipide, sondern weil Campbell im Februar operiert worden war. Zum Blutspenden sei es deshalb noch zu früh, meinten die Ärztin.

Das kann passieren, aber immerhin scheint Naomi Campbell gemerkt zu haben, wohin der Karriere-Zug für ein Model ab Ende Dreißig fährt: Entweder an den Jury-Schreibtisch einer Casting-Show oder ins Charity-Geschäft. Vorbilder gibt es einige. So etwa Bianca Jagger, Ex-Frau des “Rolling Stones”-Sängers. Mit 54 Jahren bekam sie 2004 den Alternativen Nobelpreis. Ihr Interesse für die Menschenrechte im Allgemeinen und Amnesty International im Besonderen zeigte sie erstmals… – Richtig, mit 37 Jahren.

Der unfassbare Herr Berlusconi

bush_berlusconi.jpgSeltsames aus aller Welt ist ja das Wesen dieses Blogs. Also komme ich an Silvio Berlusconi unmöglich vorbei. Obwohl zwei Mal als Regierungschef mehr oder weniger gescheitert, haben ihn die Italiener jetzt zum dritten Mal in dieses Amt gewählt.

Berlusconis Erfolg ist – von außen besehen – unfassbar. Wie der Mann selber ja auch. Wen man mal bedenkt, wie viele Staatsanwälte und Richter schon an ihm gescheitert sind. Was sagen eigentlich Italiener, die ihn gewählt haben? Keine Sorge, der Dank für das mit Blödel- und Plappershows gespickte grausame Fernsehprogramm ist es wenigstens nicht. “Er hat vielen Menschen Arbeit gegeben”, lautet ein Hauptargument. Er selbst hebt seine Wandlungsfähigkeit hervor: “Ob ich treu bin? Ich würde sagen, ich war oft treu”, lautet ein Original-Zitat.

Um den Ruhm des “Cavaliere” auch hier zu mehren, bediene ich mich – man muss ja nicht immer alles selber machen – anderswo:

Lupe, ein Schweizer Satire-Blog, hat ein verdienstvolles “Best of Silvio Berlusconi” zusammengestellt.

Besonders hübsch sind zwei YouTube-Videos:

Seine schönsten Momente, “Le Perle”

und

Silvio Nazionale beim Belästigen einer Polizistin.

Viel Spaß damit!

Die Weltpresse am Busen der Kanzlerin

merkel.jpgMachmal ist es seltsam, unser Verhältnis zu den Politikern. Und speziell zu den Politikerinnen. Während wir bei Schauspielern und anderen Showstars zu wissen glauben, dass sie zu jeder Ferkelei fähig sind, weil sie bis ins hohe Alter vor Testosteron oder Östrogen nur so platzen, stellen wir uns unsere Stadt-, Land- und Staatslenker lieber als hormonfreie Wesen vor. Sollen sie doch Akten fressen, aber bitte nicht einfach mal nur Mann oder Frau sein. Wie es nicht funktioniert, hat ja der Aufstieg und Absturz von Landrätin Gabriele Pauli vorgeführt.

Und nun also das Dekolleté von Angela Merkel. Bei der Einweihung der neuen Staatsoper in Oslo trug sie ein schwarz-blaues Abendkleid mit tiefem Ausschnitt. Und schon steht die Weltpresse Kopf: “Betont weiblich” sei Merkels Abendkleid gewesen, fand der “Tagesspiegel”. Merkel habe “einen eigenen Modestil kreiert”, lobte die “Welt”. Merkels Hausschneiderin Anna von Griesheim habe für die Kanzlerin ein eigenes Modekonzept gefunden, das mit den Worten “Tagsüber Kostüm, abends Prinzesschen” zusammengefasst werden könne. Wahrlich ein Wandel, schienen Merkels Hosenanzüge doch bisher maßgeblich vom chinesischen Designer Mao Tse Tung beeinflusst gewesen zu sein.

Vor allem auch in der Türkei fanden die Bilder aus Oslo Beachtung. “Merkels Dekolleté verblüffte alle”, kommentierte die Boulevard-Zeitung “Sabah”, die wie viele andere Blätter ein Foto Merkels in Abendkleid auf der Titelseite abdruckte. “Schockierend” meinte hingegen das liberale Blatt “Radikal”. Eine, die es wissen muss, meldete sich auch zu Wort. „Ich finde, dass Frau Merkel sehr elegant und sehr weiblich aussieht”, meinte “Bunte”-Chefredakteurin Patricia Riekel.

Der immer leicht durchgeknallte “Bild”-Kolumnist Franz-Josef Wagner schreibt: “Ihr Dekolleté von Oslo feuert die Debatte an: Wie weiblich, männlich darf eine Kanzlerin sein? Wollen wir eine Männer-Kanzlerin – das Haar straff zurückgebürstet, das Gesicht frei von Make up, Hosenanzug, der alles Weibliche verbirgt? Oder wollen wir auch mit einer Kanzlerin leben, die rote Lippen und ein aufregendes Dekolleté hat? Liebe Bundeskanzlerin, wir kennen uns schon ein paar Jahre. Wenn wir uns sehen, dann senden wir uns Luftküsse über die Leibwächter hinweg. Sie sind ein Mensch, der nicht zu Menschen kommt. Sie werden abgedrängt. Niemand weiß, wer Sie wirklich sind. Gelegentlich sind Sie missgelaunt und dann werden Ihre Züge fast männlich. Ganz wenige Momente dürfen wir Sie ganz fraulich sehen – wie mit diesem Dekolleté. Mit Ihrem Auftritt in Oslo haben Sie ganz eindeutig gezeigt, dass eine Frau im Kanzleramt sitzt und kein Mann. Und das ist gut so.”

Letztlich musste Vize-Regierungssprecher Thomas Steg ein offizielles Outfit zum Kleid der Kanzlerin abgeben: „Dass dieses Neuarrangement für Furore gesorgt hat, lag nicht in der Absicht der Bundeskanzlerin“, erklärte er. Und fügte an, dass sich Angela Merkel auch in Zukunft ihre Abendgarderobe frei wählen wolle.

An dieser Stelle sage ich: Vorsicht, Frau Merkel! Mit diesem Anflug von Trotz hat es bei Gabriele Pauli auch angefangen. Schon gibt es auf Internetseiten wie “Focus.de” oder “Spiegel-online.de” Bildergalerien vom Busen der Kanzlerin. Wenn erst dieser Link auftaucht – “Mehr Bilder der schönen Kanzlerin” – dann wird es gefährlich.

Hoffentlich nicht so arg bei Frau Pauli, die jetzt nicht mal ein schnelle Pension ankommt. Was sie angeht, zitiere ich mich selbst, aus meiner Kolumne im “Sonntagsblitz”: “…zu ihrer eigenen Lage sagte Pauli: «Ich bin frei wie ein Vogel, ich vertraue auf meine Kraft und den Himmel.» Für den Fall, dass ihr Kreistag morgen die sofortige Pensionszahlung ablehnt, zitieren wir Jesus von Nazareth: «Seht die Vögel des Himmels an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch.» Viel Glück, Frau Pauli!”