Deutschland liebt das "Kaisern"

franz.jpg„Liebe Dich selbst, und Du wirst geliebt.“ Diese Grundregel ist so wichtig, dass sie, wie in Stein gemeißelt, am Beginn dieses Textes stehen soll. Daneben schreiben wir den ergänzenden Satz: „Herr, lehre mich, das zu ertragen, was ich nicht ändern kann.“ Und schon sind wir bei unserem Thema, beim Dialekt. Wenn der mal drin ist, kriegt man ihn schlecht weg.

Das Allensbach-Institut hat jetzt nach Deutschlands beliebtester Mundart gefragt. Und siehe, ganz oben auf der Siegerliste landete „Bayerisch“. Gemeint war vermutlich jene Sprechweise, die man „Franzen“, „Kaisern“ oder „Moshammern“ nennen könnte. Die sanften, gemütlichen Töne also, die zustande kommen, wenn man sich bei mehreren oberbayerischen Dialekten geschickt bedient. 35 Prozent aller Deutschen hören diese Art zu reden gerne.

Beckenbauers „schaumermal“ kommt aber auch mit Überzeugungskraft. Und tatsächlich hat die Umfrage ergeben, dass 77 Prozent der Bayern ihren eigenen Dialekt mögen. Einen größeren Anteil der Zufriedenen gibt es in keinem Bundesland. Etwas schlechter, aber immer noch gut ist die Lage beim Plattdeutsch. 65 Prozent sind selbstzufrieden – 29 Prozent der Deutschen mögen diesen Klang. Bei den Berlinern – 22 Prozent Fans, 46 Prozent Zufriedene – sackt das schon ein Stück weit nach unten durch.

Ganz und gar keine Sehnsucht haben die Menschen nach Klangfärbungen des Ostens. Pommerisch hört nur jeder 50. Deutsche gerne, Schlesich nur jeder 33. Als nervigster Dialekt wurde mit 54 Prozent Sächsisch genannt.

Wie ist das aber nun mit den aktuellen politischen Absackern? Nach Kurt Becks Klangfarbe, dem Pfälzisch, sehnen sich nur acht Prozent der Deutschen. Seine persönlichen Umfrage-Beliebtheitswerte von zwolf oder dreizehn haben also inzwischen einen Bereich erreicht, in dem er auch ohne jede Politik landen würde. Dass Pfälzisch nur für fünf Prozent der Befragten Personen eine Hass-Mundart ist, sollte Beck nicht trösten. Das Signal lautet ja: „Der ist uns wurscht.“

Die gleiche Unbeliebtheits-Quote erreicht auch Fränkisch, die Sprache unseres Ministerpräsidenten Günther Beckstein. Immerhin zehn Prozent mögen diesen Dialekt – was bei der Landtagswahl allerdings nur bei einer sehr niedrigen Wahlbeteiligung zur erneuten Zweidrittel-Mehrheit reichen würde. Das Problem von CSU-Chef Erwin Hubers wiederum ist, dass er die Zähne beim Reden so wenig auseinanderbringt, dass man eigentlich nicht erkennen kann, um welchen Dialekt es sich handelt.

Weil ich es gut meine mit den Bedrängten, habe ich deren Osterfeiertage verplant. Kurt Beck schicke ich zum „snacken“ an die Küste. Beckstein und Huber rate ich zur ausgedehnten Bergwanderung mit Franz Beckenbauer samt anschließender Einkehr bei Meisterkoch Alfons Schuhbeck. Wenn unser Landesvater anschließend „Bratwürsterl und Brezerl“ bestellt, bin ich beruhigt. Dann hat es gewirkt.

2 Kommentare in “Deutschland liebt das "Kaisern"

  1. jo mai, sigscht, des hob i ma docht. bayrisch isch inn. worum net bayrisch als landessprochen anwenden tuen. des versteht a jedar und a im assiland hättans wos z’beissn, geh. kruzifix nuamol.

    wie heisst eigentlich der dialekt mit dem sprachfehler, jener den kohl verinnerlichte: „bunzesrepublik deutsland“ und so ähnlich?

  2. Kohl war Pfälzer.

    Als sein auffälligster Sprachfehler ist mir „Gechichte“ statt „Geschichte“ in Erinnerung.

    Seine Angewohnheit, bereits Geschriebenes durch eigene, nicht unbedingt erfderliche Einschübe anzureichern, hat der Kabarettist Dieter Hildebrandt so verarbeitet:

    „Der Mond,
    meine Damen und Herren, und das möchte ich hier in aller Offenheit sagen,
    ist aufgegangen!“

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