Dienstag, Januar 29th, 2008

Karneval ist wie Fußball

fastnacht.jpgDie Wissenschaft untersucht ja alles, aber gibt es eine Studie zur Frage, wie das zahlenmäßige Verhältnis zwischen organisierten Karnevalisten und erklärten absoluten Faschingsmuffeln aussieht? “Vernünftige” Menschen gehen von einem Verhältnis von eins zu neun aus. Was man verstehen kann, schließlich nerven die organisierten Spaßmacher manchmal gewaltig. Mit ihren Ritualen wie Ordensverleihungen, Pflichtbussis und der ordnungsgemäßen Heiterkeit nach dem Tusch.

Und dann dieses: Den Fernseh-Fasching in Veitshöchheim hat angeblich fast jede(r) bayerische Fernseh-Zuschauer(in) gesehen. 45, 1 Prozent Marktanteil – das reicht zur absoluten Mehrheit, weil ja das Nachtkonzert auf Bayern 4 und das Theatersstück im Schauspielhaus an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern. Ist es also doch sensationell, wenn sich unser Ministerpräsident das Gesicht vergolden lässt und Markus Söder in den Zebra-Fummel schlüpft?

Da Interesse sei so groß wie bei einem Fußball-Länderspiel gewesen, tönt der Bayerische Rundfunk. Was, Fasching soll wie Fußball sein? Aber klar doch. Auch auf dem Rasen gibt es Rituale: Ein Tor ist ein Tor, ein Foul ist ein Foul, wenn es der Schiedsrichter gesehen hat. Das weiß jeder – von Nürnberg bis Sydney, von Peking bis Buenos Aires.

Aber weiß die Welt auch, was ein Narhalla-Marsch ist? Jawoll, auch das. In Swakopmund in Nambia im Süden Afrikas sind die Veranstaltungen der Karnevalsgesellschaft “Küska” das gesellschaftliche Ereignis Nummer eins. “Piraterie wie nie” hieß – auf Deutsch – das Jahresmotto 2007, besonders beliebt war der “Deutsche Büttenabend”. Die Elferräte trugen lustige Kappen, die Gardemädchen kurze Röckchen. Prinz Rolf und Prinzessin Monika waren nie um ein launiges Grußwort verlegen.

Karneval ist also – wie Fußball – eine weltumspannende Kraft. Fazit: Man darf sich vor organsiertem Frohsinn grausen. Aber wenn schon, mit allergrößtem Respekt.


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