Archiv für Januar, 2008

Januar 31st, 2008

Kommt jetzt das Bratwurstverbot?

Nacke_.JPGDie Deutschen sind zu dick? Mit dieser erschütternden Erkenntnis ist die Bundesregierung an die Öffentlichkeit getreten. Weil man doch spontan schockiert zu sein scheint, über diesen bislang völlig unbekannten Umstand. Papperlapapp – der neue Schlankheits-Aktionismus ist kein Zufall, sondern ein abgekartetes Spiel.

Die Dramaturgie war doch klar. Zuerst ging es gegen die Raucher. Die sind in ihre Privaträume und auf der Straße verbannt, und haben darüber die Lust am Tabak verloren. Wer aber nicht mehr qualmt, wird dick. Also hat die Gesundheitsmafia ihr neues Opfer. Fett ist ungesund – und muss weg.

Nun sollte man bitteschön dieses sehen. Fettleibigkeit ist Privatsache, sie belastet niemanden, außer den Rettungssanitäter, der für den Abtransport eines Patienten einen Kranwagen anfordern muss. Aber ansonsten sollte das jeden kaltlassen. 

Ein richtiger Politiker verspürt trotzdem den Zwang zum Handeln. Aber wie? Dazu fragen wir uns, wie es zur Fettleibigkeit kommt. Nun, es ist vor allem auch ein Disziplin-Problem. So wie sich der Raucher bei jeder Gelegenheit sein zweifelhaftes Leckerli gönnt, so greift der besinnungslose Esser zu, sobald ihm ein angenehmer Duft in die Nase steigt. Ein typischer Bauchträger – also ein Mann mit zwölf und mehr Ehejahren – bringt es auf der Strecke Hauptbahnhof-Weißer Turm und zurück doch auf drei bis vier ”eat & go”-Stationen.

Und hier kann, ja muss der Staat eingreifen. Denn niemand isst doch wirklich freiwillig fastr ohne Unterbrechung. Nein, wir werden, wie bei der Zigarette, von interessierten Kreisen gezielt süchtig gemacht. Auf Brezen, auf Döner, auf Pizza- vor allem aber: auf unsere Bratwurst.

Weil diese so köstlich ist, dass ein freiwilliger Verzicht kaum in Frage kommt, helfen nur strikte Gegenmaßnahmen. Wir brauchen ein Bratwurstverbot! Sämtliche Grillbuden werden abgebaut, Bratwürste dürfen  genau umgekehrt wie beim Rauchverbot – nur noch in Innenräumen, keinesfalls aber auf der Straße verzehrt werden. Eine Ausnahme gibt es nur für Personen, die im Besitz einer gültigen Klubkarte des Schutzverbandes Nürnberger Bratwürste sind.

Jede Wette: Innerhalb von sechs Monaten sind mindestens 30 Prozent der dicken Nürnberger schlank und rank. Erst recht, wenn sie auf ihrem Freiluft-Spaziergang bestehen – und wie früher fröhlich qualmend “Drei in an Weggla” durch “12 in an Bäggla” ersetzen. 

  

Januar 30th, 2008

Naggerd im Flieger

Reiseanb.JPGNacktheit gilt unfreiwilligen Betrachtern oft als Ärgernis, Nudisten empfinden sie als Ausdruck ihrer persönlichen Freiheit. Letztere Kreise stehen dem allgemeinen Bekleidungszwang also ablehnend gegenüber, haben sich aber insoweit mit der Realität arrangiert, als sie ihre Textilfreiheit an bestimmten Stränden und in den dazugehörigen Hotels zelebrieren. Die Fortbewegung indes fällt bisher schwerpunktmäßig unter den allgemeinen Textilzwang. Wir wissen von Prozessen um Menschen, die nackt durch den Wald joggen, Nacktfahren im Pkw ist verpönt, weil das verletzliche Brummifahrer schocken könnte, die aus ihrer Kabine nach unten schauen.

Jetzt aber gibt es einen Durchbruch in diesem Bereich. Ein Reiseanbieter möchte auf der Strecke Erfurt-Usedom Nacktflüge anbieten. Lediglich das Personal soll an Bord bekleidet sein – “aus Sicherheitsgründen”, wie es heißt.

Warum überhaupt nackt? So muss unsere erste Frage lauten. Hierüber informiert uns die Nudistenvereinigung der USA in einer  von der Firma Google gelieferten Übersetzung im Internet: “Die Teilnahme an nackt Erholung ist auch wachsen. Mehr und mehr Amerikaner entdecken die Freuden des Skinny-Tauchen mit ihren Familien in der lokalen Reservoir, oder ein Sonnenbad in der Stärkungszauber auf dem lokalen Strand. Die Mitgliedschaft in der FKK-Organisationen wächst durch Sprünge und Grenzen.”

Die US-Nudisten nennen FKK familienfreundlich: “Eigentlich, Mom, die die Kinder zu einem FKK-Park ist gut für sie.” Sie sehen einen Einklang mit dem christlichen Glauben: “Es gibt nichts in der Bibel, die besagt, dass es falsch ist zu gehen nackt.” Und sie verweisen darauf, dass es auf dem Erdball auch tolerante Menschen gibt: “Nicht jeder in der Welt glaubt, Nacktheit ist so schlimm, wissen Sie.”

Vor allem aber wissen sie dieses: “Es gibt Zeiten, in denen Kleidung ist physisch unwohl.” Und damit sind wir bei unserem Flug nach Usedom. Wer schon einmal in der Billigklasse in einem Flugzeug gesessen hat, wird der These freudig zustimmen, dass es ohne Klamotten bequemer wäre. Aber das gilt wohl für Flüge auf die Balearen oder gar für Flüge in andere Kontinente. Reisen also, die ein paar Stunden dauern.

Zwischen Erfurt und Usedom führt ein solcher Flug jedoch geradewegs ins Chaos. Er hätte zum Beispiel immer Verspätung. Bei nicht wenigen Menschen nimmt ja schon das Verstauen des Handgepäcks viele Minuten in Anspruch. Und jetzt warten wir doch mal darauf, wie sich ein 70-jähriger Mann mit Bandscheibenschaden in Höhe der Sitzreihe Zwei aus seinem Unterhemd schält. Das kann dauern. Und viele werden warten.

Extra fatal ist, dass vor der Landung das Spiel von vorne losgeht. Man muss ja angezogen sein, wenn man das Flugzeug verlässt. Auf dem Blitzflug Erfurt-Usedom werden viele Passagiere somit nicht einmal die Zeit haben, den eigentlichen Vorteil des FKK-Flugs zu nutzen: dass die Mayonnaise-Flecken vom Papp-Sandwich nicht auf der Hose landen. Wenigstens das müsste schon sein. Sonst bringt das doch nichts.

Januar 29th, 2008

Kein Winter oder: Ist Gott ein Raucher?

blumvogel.JPG

“Die Blüten sind viel zu früh offen”, lautete heute eine Schlagzeile in den Nürnberger Nachrichten. Die trauen sich aber auch was, die Pflanzen. Aber was, bitteschön, sollen die denn machen, wenn es partout nicht Winter werden will? Wenn sogar die Zugvögel schon überlegen, ob sich der ganze Stress beim Verreisen noch lohnt?

Jedenfalls, der Bund Naturschutz ist beunruhigt. Und führt das derzeit allzu warme Wetter auf den “fortschreitenden Klimawandel” zurück. Woher dieser Optimismus, fragt man sich da. Denn würde der Klimawandel tatsächlich “fortschreiten”, ginge er ja an uns vorbei, und wir könnten bis an unser Lebensende im fetten SUV bleifüßig durch die Gegend heizen.

Aber die Sache ist eine andere, Wahrscheinlich kommt der Schnee am kommenden Wochenende. Dann ist Rückrunden-Start der Fußball-Bundesliga – und dieser war in etlichen Vorjahren ein verlässliches Signal für Neuschnee. Warten wir das mal ab. was aber, wenn die kleine Eisbärin im Tiergarten trotzdem unsere einzige Flocke bleibt? Dann wissen wir: Gott ist ein Raucher. Er erspart uns den Frost, weil er klarmachen will, dass die Biergärten als letztes Qualmer-Reservat endlich öffnen sollen. Na denn Prost, der Herr!

Januar 29th, 2008

Ein sehr knappes Land

koch.JPGEr brachte schon Neues, dieser Wahlabend in Hessen und Niedersachsen. Zum Beispiel bisher undenkbare Namen von Spitzenkandidaten. Eine mögliche neue Ministerpräsidentin namens Ypsilanti, ihr Wunschpartner Al-Wazir und eine Spitzzenkandidatin der Linken namens Kreszentia (!) – in Niedersachsen.

Aber der Knüller des Abends war eine neue Wortschöpfung. “Hessen war immer ein sehr knappes Land”, näselte Herr CDU-General Ronald Pofalla.” Dass es das gibt, wussten wir noch nicht. Wir kannten bisher ein großes Land (USA), ein kleines Land (San Marino), ein weites Land (Monogolei), ein Bundes-Land (z.B. Mecklenburg-Vorpommern). Aber knappes Land? Das war uns nur als Stoßseufzer von Kommunalpolitikern bekannt, deren Pläne für ein Industriegebiet durch ein Krötenbiotop gebremst wurden.

Vielleicht wollte man uns ja nur die Spannung klarmachen? Gut, dann gilt aber auch dieses: “Nürnberg hatte schon immer ein sehr knappes Stadion.” Oder: “Der Tatort war schon immer ein knapper Krimi.” Oder live vom Umsteige-Bahnsteig: “Der ICE nach Hamburg war schon immer knapp.”

Wenn wir aber nachdenken, ist das Ganze doch nicht so dumm. Denn es ist so: Wir kennen zwei Länder, die die Knappheit im Namen tragen: Arm-enien und, natürlich, Eng-land. Letzteres passt am besten, und wenn wir nun nach wichtigen Darstellern der Geschichte der Insel fahnden, kommt uns die Beziehung zu Hessen: Captain Cook hat Schwierigkeiten mit einer Queen.

Wir haben verstanden! Saumäßig hintergründig, dieser Pofalla. Aber irgendwie gut.

Januar 29th, 2008

Wischeimer für Depardieu

gerard.jpg“Eike Immel lebendig begraben!” Mit dieser Nachricht hat RTL vergangene Woche im Rahmen seines täglichen Dschungelshow-Bulletins erfreut. Der frühere Torwart legte sich in einen Sarg und ließ Ratten über seinen Körper laufen. Kein schöner Tod.

Der französiche Schauspieler Gerard Depardieu hatte da eine andere Vision vom Sterben. In einem Interview plauderte er über seine Sehnsucht nach dem finalen Delirium. Er möchte drei Monate lang sturzbetrunken sein. Und dann einfach explodieren, sagte der französische Schauspieler vor einiger Zeit dem Intellektuellen-Blatt “Die Zeit”.

Wahrscheinlich kommt man auf solche Ideen, wenn man erst einmal genug davon hat, den weißen Mäusen beim Spielen zuzusehen.

Aber hier soll es auch um die Ungerechtigkeit auf dieser Welt gehen. Gerard Depardieu prahlt damit, dass er vier bis sechs Flaschen Wein täglich durch die Kehle rinnen lässt. Gut, der Mann ist ein Genie. Goethe war ein vergleichbarer Saufkopf.

Aber käme einer von uns auf die Idee, sich öffentlich hinzustellen und von solchen Alkoholmengen zu schwärmen, gäbe es für die umwelt doch nur eines: Zwangseinweisung in die Suchtklinik.

Und Depardieu. Der darf als Redner am 21. Februar in Nürnberg die weltgrößte Biomesse, die BioFach eröffnen. Weil er, wie die NürnbergMesse als Veranstalterin meint, “ein echter Genussmensch ist.” Das nehmen wir mal so zur Kenntnis, stoßen aber auch eine Warnung aus.

Sollte sich nach Depardieus Vorbeimarsch an den Weinständen dessen Todessehnsucht nämlich erfüllen, können wir nur dieses empfehlen: Schaut, das genügend Wischeimer vorhanden sind.

Januar 29th, 2008

Karneval ist wie Fußball

fastnacht.jpgDie Wissenschaft untersucht ja alles, aber gibt es eine Studie zur Frage, wie das zahlenmäßige Verhältnis zwischen organisierten Karnevalisten und erklärten absoluten Faschingsmuffeln aussieht? “Vernünftige” Menschen gehen von einem Verhältnis von eins zu neun aus. Was man verstehen kann, schließlich nerven die organisierten Spaßmacher manchmal gewaltig. Mit ihren Ritualen wie Ordensverleihungen, Pflichtbussis und der ordnungsgemäßen Heiterkeit nach dem Tusch.

Und dann dieses: Den Fernseh-Fasching in Veitshöchheim hat angeblich fast jede(r) bayerische Fernseh-Zuschauer(in) gesehen. 45, 1 Prozent Marktanteil – das reicht zur absoluten Mehrheit, weil ja das Nachtkonzert auf Bayern 4 und das Theatersstück im Schauspielhaus an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern. Ist es also doch sensationell, wenn sich unser Ministerpräsident das Gesicht vergolden lässt und Markus Söder in den Zebra-Fummel schlüpft?

Da Interesse sei so groß wie bei einem Fußball-Länderspiel gewesen, tönt der Bayerische Rundfunk. Was, Fasching soll wie Fußball sein? Aber klar doch. Auch auf dem Rasen gibt es Rituale: Ein Tor ist ein Tor, ein Foul ist ein Foul, wenn es der Schiedsrichter gesehen hat. Das weiß jeder – von Nürnberg bis Sydney, von Peking bis Buenos Aires.

Aber weiß die Welt auch, was ein Narhalla-Marsch ist? Jawoll, auch das. In Swakopmund in Nambia im Süden Afrikas sind die Veranstaltungen der Karnevalsgesellschaft “Küska” das gesellschaftliche Ereignis Nummer eins. “Piraterie wie nie” hieß – auf Deutsch – das Jahresmotto 2007, besonders beliebt war der “Deutsche Büttenabend”. Die Elferräte trugen lustige Kappen, die Gardemädchen kurze Röckchen. Prinz Rolf und Prinzessin Monika waren nie um ein launiges Grußwort verlegen.

Karneval ist also – wie Fußball – eine weltumspannende Kraft. Fazit: Man darf sich vor organsiertem Frohsinn grausen. Aber wenn schon, mit allergrößtem Respekt.