Von Sitzenbleibern und Stehpinklern

“Setzen, Sechs!” Nach unserer festen Überzeugung würde dieser Satz den Griechen und anderen verschuldeten Südeuropäern gelten. Jedoch: Die wahren Sitzenbleiber sind wir. Sollten aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zutreffen, wird die Evolution aus uns Deutschen Menschen mit dicken Hintern machen.

Mit dieser Drohung hat gerade die Deutsche Krankenversicherung (DKV) die Aufmerksamkeit der nationalen Weltpresse gewonnen. Nach ihren Erkenntnissen sitzen wir im Durchschnitt 7,5 Stunden täglich. Büromenschen beanspruchen ihr Gesäß noch länger. Kinder und Jugendliche sähen ihre Eltern meistens auf dem Sofa und ahmten deren Lebensgewohnheiten nach. Auf diese Weise riskierten wir, so die Studie, immer mehr Übergewicht und eine ganze Reihe weiterer Wohlstandskrankheiten. Kurzum: Wer länger sitzt, ist schneller tot.

Aber was tun? Der vorbildliche Krankenkassen-Kunde achtet selbstredend auf eine saubere Work-Life-Balance. Diese jedoch erreicht man nicht mehr so leicht wie noch vor ein paar Jahren. Denn wir sind heute auch das europäische Volk, das – nach Rumänien – die meisten Überstunden leistet. Was wiederum bedeutet, dass zwischen Büro und Abendessen nur wenig Zeit bleibt, um dem Körper zu geben, was er braucht. Joggen mit frisch gefülltem Magen ist ja auch nicht das Gesündeste.

Die Sitz-Falle schnappt zu. Und deshalb ist es – immerhin – gut, dass es wenigstens für Männer Hoffnung gibt. Das Düsseldorfer Amtsgericht hat in einem Aufsehen erregenden Urteil das Stehpinkeln in Mietwohnungen erlaubt. Man(n) muss also nicht immer sitzen. Wobei: Für Bewegung eignet sich gerade diese Verrichtung gar nicht.

Es ist ein Jammer. Na denn: Sind noch Chips im Haus?

 

Bassd scho, Markus. Wir schau’n Dich dahoam

„Staatsferne sichern!“ So erschallt der Ruf anlässlich des Auftritts unseres Heimat- und Finanzministers Dr. Markus Söder in der bayerischen Fernseh-Soap „Dahoam is dahoam“. Die TV-Macher hätten sich wie in alten Zeiten an die Mächtigen des Freistaats herangewanzt, schimpfen die Kritiker. Auch wenn es mir nicht leicht fällt: Ich widerspreche.

Wir leben doch in Zeiten, in denen das Wahre, das Authentische, die Menschen am meisten interessiert. Die Einschaltquoten gehen hoch, wenn ein paar nette Leute ein verwanztes Wohnhaus auf Vordermann bringen, wenn Trödeltrupps die Garagen von gehbehinderten Rentnern ausräumen und wenn sich hässliche Entlein mit Hilfe eines stets verzückten Modedesigners in schillernde Shopping-Queens verwandeln.

Auch das berühmt-berüchtigte Dschungelcamp lebt davon, dass da Menschen gequält werden, von denen wir meinen, dass wir sie kennen würden.

Wenn schon Berti Vogts und Helene Fischer in Tatorten auftreten, warum nicht auch Politiker in einer Vorabend-Soap? Wenn diese in Bayern spielt, muss aber die Wahl zwangsläufig auf Markus Söder fallen. Horst Seehofer hat grundsätzlich immer Wichtigeres zu tun. Ilse Aigner wirkt stets ernsthaft, handlungsorientiert und verbissen. Sie ist somit allenfalls für eine Folge geeignet, in der es um verschärfte Kontrollen für Salmonellen, Rauchgasentgiftung, kommunale Streusalzverschwender oder irgendetwas Ähnliches geht.

Der Rest des bayerischen Kabinetts? Kennt keiner. Die Opposition? Auch unbekannt, seitdem Gabriele Pauli auf Sylt Sand-Rathäuser baut.

Also gilt in diesem Fall: Es konnte, es kann nur einen geben. Zumal wir alle wissen, dass sich dieser Mann für gar nichts schämt. Der zweite Freistaats-Bürger mit einem ähnlich starken Ego, Uli Hoeneß, ist gerade nicht für Fernseh-Rollen verfügbar.

Alsdenn: Hören wir auf zu schimpfen. Und schauen den Markus. Bei uns dahoam.

Franziskus und die keuschen Kaninchen

Hoppla, da hat es aber gescheppert. Da schien es so, als hätten sie in Rom endlich einen tatsächlichen unfehlbaren Papst gewählt. Einen Mann, dem man einfach alles glaubt. Doch nun sieht sich Franziskus einem mächtigen Feind gegenüber: Der Zentralverband Deutscher Rasse-Kaninchenzüchter reibt sich an einem aktuellen Wort des Kirchenoberhauptes.

Der Papst hatte, vermutlich berauscht von der größten Messe aller Zeiten, nach seinem Abflug von den Philippinen betont, dass sich Katholiken nicht unbedingt wie die Karnickel vermehren müssten. Hierzu ist zu sagen, dass das sowieso nicht geht. Die Tragzeit der Katholikinnen ist zu hoch, unbefleckte Empfängnisse sind, nach allem was wir wissen, ein sehr seltenes Ereignis.

Bei Züchterpräsident Erwin Leowsky kam die flapsige Bemerkung des Papstes gleichwohl als Rufmord an. Gegenüber den Medien stellte er klar, dass nicht allen Kaninchen ein stark erhöhter Sexualtrieb zu unterstellen sei. Wahrhaftige Ausschweifungen gebe es nur in freier Wildbahn. Die Fortpflanzungstätigkeit der Zuchtkaninchen verlaufe hingegen in geordneten Bahnen.

Man fragt sich: Was treibt den Mann? Stünde es einem Züchterpräsident nicht besser zu Gesicht, unentwegt die Kraft der Lenden von Meißner Widdern, Großchincillas, Schwarzgrannen und Englischen Schecken zu rühmen? Kann es Sex und Vermehrung in einer reineren und unschuldigeren Form geben, als in den mit Stroh ausgepolsterten Ställen der Rassezüchter?

Vielleicht hat ihn einfach die Sorge um seine Mitglieder getrieben. Wenn schon ein katholischen Papst auf die Sexsucht der Kaninchen verweist,  müsste dies nicht zur Folge haben, dass die Halter der gierigen Rammler einem wachsenden Argwohn ihrer Nachbarn ausgesetzt wären, Lärmschutzklagen inklusive? Swingerclubs sind eben lauter als Friedhöfe.

Vielleicht ist es aber so. dass Deutsche Großsilber in der Nähe des Züchters dem Menschen ähnlicher werden. Geordnete Verhältnisse dämpfen die Libido. Verfügt Erwin Leowsky über empirische Erkenntnisse, wonach die Fortpflanzungsrate der Kaninchen rückläufig ist? Wir Freunde der Zucht würden dies nachhaltig bedauern. Der Papst, indes, hätte eine Sorge weniger. Was ihm absolut zu gönnen wäre.

Bratwurststerben im Landtag? Das könnte Stress geben

Achtung, diese Geschichte beruht zum Teil an böswilligen Vermutungen. Aber sie zeigt doch, wie sehr das Funktionieren des öffentlichen Lebens am Tropf der europäischen Bürokratie hängt. Nennen wir unseren Thriller “Das Ende der Bratwurst im bayerischen Landtag”.

Es ist nämlich so (und das stimmt an diesem Text), dass die Bundesregierung aufgrund von Vorgaben aus Brüssel das Vergaberecht reformieren möchte. Eine der entscheidenden Änderungen betrifft die Frage, welche Unternehmen in Zukunft von öffentlichen Aufträgen ausgeschlossen sein sollen.  “Wer sich wegen Wirtschaftsdelikten strafbar gemacht hat, soll nicht von öffentlichen Aufträgen profitieren”, heißt es hierzu.

Und jetzt stellen wir uns vor, in der Landtagsgaststätte gäbe es bisher Nürnberger Rostbratwürste aus der Wurstfabrik von Uli Hoeneß. Zweifelsfrei wäre ein Steuerhinterzieher für diese noble Einrichtung kein zuverlässiger Partner mehr. Das Produkt würde gestrichen und durch Gemüsebratlinge von einem oberbayerischen Demeter-Hof ersetzt. Es würde ein kontinentaler Konflikt.

Am Rande einer Aufsichtsratssitzung des FC Bayern München würde Sportsfreund Stoiber Edmund aufgefordert, sich doch einmal beim Jugendbeauftragten Hoeneß Uli anzuschauen. Auf der Stelle wäre der graue Wolf davon überzeugt, dass es sich hier um einen Fall von überbordender Regelungswut handeln würde.

Stoiber würde nach  Brüssel jetten, um dort, Ähm, Klartext zu, Ähm, reden. Er würde deutlich machen, dass Kommunen und Staat handlungsunfähig würden, wenn sie sämtliche Bilanzfälscher, kriminellen Subunternhmer und sonstigen Amigos von öffentlichen Aufträgen fernhalten müssten. Von den dramatischen Auswirkungen auf die Haushalte ganz zu schweigen. Schwarze Null ohne Billiglöhner? Undenkbar – ganz und gar.

Auch die SPD wäre im Boot. Würde sie doch das Streichen der Bratwurst von der Landtags-Speisekarte als klares Indiz für eine weitere Benachteiligung Frankens ansehen. Aus purem Trotz würde sie  Parteichef Gabriel dazu drängen, die Pkw-Maut zu verhindern. Dies wiederum würde dazu führen, dass die CSU keine neuen Stromtrassen im Freistaat zulässt.

Die Folge wäre, dass – Erstens –  überschüssiger Strom aus Offshore-Windkraftanlagen illegal in die Nordsee geleitet wird und dort ein großflächiges Robbensterben auslöst. Zweitens würde sämtliche Atomkraftwerke wieder angeschaltet. Die Energiewende wäre am Ende, was den Klimawandel beschleunigen und schließlich dazu führen würde, dass die Allianz-Arena wegen ständigem Monsunregen unbespielbar wird.

Es ist hier nicht recherchiert, ob es in der Landtagsgaststätte Nürnberger Rostbratwürste aus dem Hause Hoeneß gibt Sollte dies jedoch der Fall sein, lautet mein guter Rat: Schaut bitte, bitte drüber weg.

 

 

Die “Lügenpresse” hat ziemlich falsche Freunde

Herzlichen Glückwunsch! “Lügenpresse” ist zum “Unwort des Jahres” gewählt worden. Damit solle, so die Jury, deutlich gemacht werden, dass es eine derartige pauschale Verunglimpfung der Medien nicht geben dürfe. Zumal es sich um einen Kampfbegriff aus der Zeit des Nationalsozialismus handle. Gut begründet. Aber auch notwendig?

Seit dem Anschlag auf die Redaktion von “Charlie Hebdo” gehört die kollektive Umarmung der Medien zum Mainstream. Es stimmt aber auch, dass man etliche der vielen guten Menschen in Abwandlung eines Erfolgsfilm-Titels “Ziemlich falsche Freunde” nennen könnte. Die getöteten Satiriker würden sich im Grab umdrehen, wenn sie erführen, wer sich da bei der angeblichen Demonstration der Staats- und Regierungschefs von Paris nach vorne gedrängt hat. Wenn sich ein hochrangiges Mitglied der türkischen Regierung öffentlich als Freund der Pressefreiheit zeigt, dann ist das so, als würde ein versoffener Hooligan für Gewaltfreiheit werben.

Wir sollten auch nicht so tun, als würde Spott über die Religionen unter uns gebürtigen Abendländlern völlig lässig gesehen. Als das Satiremagazin “Titanic” vor einiger Zeit Papst Benedikt bissig karikierte, war der Aufschrei groß.  Man hatte den Eindruck, hier wäre schlimmste Gotteslästerung geschehen. Obwohl kein Mensch und auch kein Würdenträger des organisierten Glaubens Gott ist. Wie es um die Toleranz im Land bestellt ist, könnte jede Regionalzeitung testen, indem sie an prominenter Stelle eine blasphemische Zeichnung bringt. Es gäbe Proteste und Abbestellungen.

Aber wie ist das mit der “Lügenpresse”? Wir alle kennen Satz “Man darf nicht alles glauben, was in der Zeitung steht”. Jeder aufrichtige Journalist würde diese Aussage unterschreiben. Denn es ist objektiv unmöglich, dass Berichterstatter und Kommentatoren immer richtig liegen. Ehrliche Medienmacher wünschen sich sowieso, dass ihre Arbeit nicht kritiklos konsumiert, sondern aufmerksam begleitet wird.

Darauf zu hoffen, dass ein “Unwort” nachhaltig Bewusstsein schafft, ist aber verfehlt. Besser, als auf Umarmungen zu hoffen, die spätestens in zwei Wochen bei geänderter Nachrichtenlage wieder aufhören, wäre es für uns Journalisten, unseren Begriff satirisch zu nehmen. Indem wir uns eine mechanische Lügenpresse denken – und folgern: Wenn diese ihren Dienst getan hat, ist von der Unwahrheit nichts mehr übrig. Sie ist ja frisch gepresst.

 

 

 

 

 

Freigänger Uli und die pränatale Kopfballstärke

Auf tragische Weise haben wir gerade Zweierlei erfahren. Der Irrsinn in der Welt ist, erstens, immer ein Stück größer, als wir glauben wollen. Was uns, zweitens, tatsächlich beschäftigt, ist eher banal als wirklich wichtig. Nehmen wir: Das neue Leben von Uli Hoeneß.

Deutschlands führendes Fachblatt für sinnlose Nachrichten, die Bild-Zeitung, hatte sich so schön auf den berühmten Freigänger eingestellt. Zum Jahresende erschien eine Titelseite mit einem Foto, das so unscharf war, als wäre es von der Kamera einer Raumsonde mit allerletzter Akku-Kraft geschossen worden. Elend schlechte Qualität, aber so ist das in diesen Zeiten: Je übler etwas aussieht, umso authentischer wirkt es.

Die Bild-Redaktion hatte  gut geplant: Mit täglichen Hoeneß-Titelseiten sollte die nachrichtenarme Zeit überbrückt werden, bis “Deutschland sucht den Superstar” und “Dschungelcamp” richtig ins Laufen gekommen wären.

Die Ereignisse von Paris haben diesen Plan durchkreuzt. Die Hauptfrage in Sachen Hoeneß bleibt: Wird er bevorzugt? Einerseits Ja. Es gibt vermutlich keinen notorischen Schwarzfahrer, der von einem Fahrer namens Bruno abgeholt wird, damit er beim Freigang kein schädliches Verkehrsdelikt begeht. Es dürfte auch jenseits von Mafia-Jobs seltenst vorkommen, dass ein Häftling sofort 20.000 Euro im Monat verdient. Diesen Betrag hat “Sport-Bild” gemeldet.

Andererseits Nein. Wenn es das Ziel des offenen Strafvollzugs ist, dass Häftlinge in die Gesellschaft eingegliedert werden, ist die dosierte Freiheit für Hoeneß korrekt. Als Anhänger des 1. FC Nürnberg halte ich das Umfeld beim FC Bayern zwar für dubios, aber der Freigänger wird hier herzlichst aufgenommen und gefördert. Also kann man der Justiz nicht vorwerfen, dass da einer übermäßig gehätschelt würde.

Aber vielleicht bevorzugt sie den FC Bayern. Uli Hoeneß soll in der Jugendabteilung des Vereins arbeiten. Und das entspricht einem großen Trend dieser Zeit. Immer häufiger hört man davon, dass sich Profivereine um 14- oder 15-Jährige balgen. Die bislang letzten großen Schlagzeilen hat ein junger Norweger geschrieben, der wohl bei Real Madrid landen wird.

Fußballvereine sind Wirtschaftsunternehmen geworden. Sie denken strategisch langfristig. Bei ihnen geht es schon heute um die Top-Stars des Jahres 2020. Bald werden auf den Anlagen der Großvereine Fußball-Kindergärten und -krippen entstehen. Und irgendwann wird die voraussichtliche Kopfballstärke durch pränatale Diagnose ermittelt.

All das bedeutet: Uli Hoeneß fängt nicht von vorne an. Er ist nicht ganz unten. Er sitzt in seinem Verein an der neuen, eigentlichen Schaltstelle der Macht. Das muss man wissen. Wenn die Bild-Zeitung das kapiert hat, sieht es für die Einschaltquoten von DSDS gar nicht gut aus.

 

 

 

Das Massaker von Paris: Die Religion ist nicht schuld

In Paris haben wir gerade wieder den feigen Wahnsinn in dieser Welt erlebt. Das Massaker in der Redaktion der Zeitschrift „Charlie Hebdo“ erklärt uns nichts. Es wirft Fragen auf. Wie kann so etwas passieren? Wer macht so etwas? Sind am Ende die Opfer selbst schuld?

Und: Darf man über Religion spotten? Selbstverständlich. Jede Religion hat ihre Lügen und ihre Komik. So, wie alles, was Menschen erfunden haben. Erst recht, wenn sie es als angeblich einzige Weisheit propagieren.

Aber geht es bei einem Massaker wie in Paris überhaupt um Religion? Das kann nicht sein. Nirgends steht geschrieben, dass jemand verpflichtet sei, Menschen anderen Glaubens zu töten. Wäre das der Fall, wäre Mord den Göttern ein Wohlgefallen, würde im so genannten Paradies eine Horde schießwütiger Arschlöcher auf uns warten. Diese wären die Helden – der Herr demnach ein krimineller Mafia-Boss.

Nein, es geht um Macht. Angeblich große Führer, ob sie sich nun Präsident oder Kalif oder auch nur Kommandant nennen, nutzen die Sehnsucht nach dem Höheren, um vor allem junge männliche Idioten für ihre Ziele in einen Krieg zu schicken, den die Lügner „Heilig“ nennen. Indem man ihnen als Entschädigung für ein beschissenes irdisches Dasein ein herrliches Jenseits verspricht.

Deshalb ist es völlig verkehrt, Menschen deshalb schon deshalb für verdächtig zu halten, weil sie in Kirchen, Moscheen oder Synagogen gehen. Es ist auch keine gute Vision, dass die Welt besser wäre, wenn es keine Religion mehr gäbe.

Ganz bestimmt: Mörder und andere machtgeile Psychopathen finden immer einen Grund. Sie brauchen keinen lieben Gott. Wir anderen schon. Wenn man bei alldem an ihn glauben könnte…

Baby-Namen zeigen: Uns fehlen wahre Idole

Politiker und Bürger sind sich fremd geworden. Beispielhaft zeigt sich das an den Vornamen der Neugeborenen. Vorbei die Zeiten, in denen sich Eltern bei der Namenswahl an den Reichen und Mächtigen orientiert haben. Wie der bekannteste deutsche Vornamensforscher Knud Bielefeld ermittelt haben will, waren Emma und Ben im Jahr 2014 die beliebtesten Baby-Namen.

Warum das so ist, bleibt im Dunkeln. Der Name Ben hat sicherlich den Vorteil, dass er sich für eine maßregelnde Ansprache bestens eignet. Ein Satz, der mit “Also, wennnnnn, Bennnn…” beginnt, ist antiautoritär undenkbar. Emma ist für mein Empfinden altmodisch. Vielleicht liegt es daran, dass ich noch aus der Zeit vor Amazon und Ebay stamme und deshalb diesen Namen zwanghaft mit dem Zusatz “Tante” sehe.

Nun aber machen wir den Test: Gibt es namhafte Politiker/-innen, die so heißen? Nein, da ist nichts. Weder im Deutschen Bundestag, noch im Bayerischen Landtag sitzen auch nur eine Emma oder auch nur ein Ben. Die Namen des Spitzenpersonals wiederum bleiben in den Kreißsälen weitestgehend ungehört. Angela findet sich nach den Bielefeld-Charts nicht einmal unter den 500 häufigsten Vornamen. Unsere Kanzlerin rangiert also noch hinter Cassandra, Saphira und Melody. Der SPD-Spitze ergeht es nicht besser. Sigmar bleibt ebenfalls ungelistet und verliert den Kampf gegen Hussein oder Lennox.

Selbst die CSU muss die Vornamensliste mit Grausen beobachten. Zum ersten Mal seit Menschengedenken steht bei den Jungs nicht mehr Maximilian an der Spitze. Der Name, nach dem das Parlament heißt. Die meisten Baby-Bayern heißen heute Lukas oder Lucas. Tja, man hat sich das selbst zuzuschreiben. Hatte man doch früher Ministerpräsidenten mit den alpenländischen Supernamen Josef (Goppel), Franz-Josef (Strauß) und Max (Streibl). Es folgte Edmund (Stoiber), ein Name, der aus dem Englischen kommt und “Beschützer des Erbgutes” bedeutet. Schließlich der entsetzlich unbayerische, weil altgermanische Vorname Günther (Beckstein) sowie in unseren Tagen Horst (Seehofer). Einen regionalen Bezug kann man hier mit viel gutem Willen nur so ableiten, dass alpine Greifvögel in Wohnungen dieses Namens nisten.

Erstaunlicherweise zeigen unsere Eltern auch den Helden des Sports die kalte Schulter. Die beiden Ober-Weltmeister Mario (Torschütze) und Manuel (Torverhinderer) bleiben absolute Randfiguren. Vielleicht ist Jerome (263. Platz) durch die Fußball-Berichte entdeckt worden. Sollte allerdings die überraschend steile Karriere von Mats (Platz 25!) mit der erfrischenden Spielweise von Borussia Dortmund zu tun gehabt haben, dürfte sich dies in nächster Zukunft wieder legen.

Als Fazit bleibt folgende Erkenntniss: Wenn es um Vornamen geht, machen die Leute was sie wollen. Man mag das als Beweis größtmöglicher Freiheit deuten. Aber vielleicht zeigt sich unsere Sehnsucht nach Heldinnen und Helden, die wir wirklich mögen. Mal sehen, wie lange Frau von der Leyen braucht, bis sie feststellt, dass sie eigentlich Emma heißt.

Meine Jahrescharts: Vom Tag der Schande bis zum Apple-Kult

Danke CSU! Ich bin froh, dass es Dich gibt. Nichts hat im Jahr 2014 für mehr Klicks gesorgt, als Betrachtungen zu Deinen politischen Vorschlägen. Dies zeigt der Blick auf meine Jahres-Klick-Charts.

Absoluter Renner war der christ-soziale Doppelschlag am 5. Dezember. Die CSu hat voll hingelangt und die Wahl des ersten Ministerpräsidenten der Linken zum “Tag der Schande” im wiedervereinigten Deutschland erklärt.   Nebenbei wurde den Migranten noch mitgegeben, dass sie doch bitteschön zuhause Deutsch reden sollen. Bingo!

Rein ethisch ist meine Leserschaft gut sortiert. Sonst wäre der Beitrag “Die Gier siegt über die Gerechtigkeit”

nicht so famos geklickt worden. Thema des nach Klicks zweitplatzierten Beitrags war das erstaunlich milde Urteil gegen den Formel-1-Gauner Bernie Ecclestone.

TTIP, ein Aufreger-Thema vom Feinsten, stieß auch in meinem Blog auf Interesse. Kann man sich

Franzosen ohne Wein  vorstellen? Dafür gab’s Platz 3.

Platz 4 für ein Thema, das immer gut ankommt: Die unerfüllte Sehnsucht der Franken nach “Glämmer” – in diesem Fall beschrieben am Scheitern des Nürnberger Opernballs.

Klick-Meistbeteiligung Nummer 5 für eine Betrachtung zu den Veränderungen, die moderne Kommunikationstechnik mit uns Menschen anrichtet: Der  Sims-Daumen kann keine Schönschrift.

Ein weiteres, mittlerweile erst recht politisches Thema bekam die sechstmeisten Klicks. Nämlich ein Kommentar zur Aufregung um die von ein paar Deppen gegründete Wuppertaler “Islam-Polizei”.

Auf den weiteren Plätzen folgten als Themen:

– Der neue Rekordpreis für die Oktoberfest-Maß.

http://blog.nn-online.de/hirnduebel/2014/06/06/1010-e-franken-bestaunt-den-wiesn-mauerfall/

– Die Suche des bayerischen Finanzministers Markus Söder nach der Mitte Frankens.

http://blog.nn-online.de/hirnduebel/2014/06/03/mit-dem-bobbycar-zur-vollkommenen-mitte/

– Das WM-Aus für galaktische Fußballer.

http://blog.nn-online.de/hirnduebel/2014/06/16/wenn-messi-und-ronaldo-sterben/

– Schließlich: Die neue Super-Uhr der Super-Firma Apple.

http://blog.nn-online.de/hirnduebel/2014/09/14/apple-hilf-wir-haben-keine-zeit/

In einer Hinsicht staune ich: Nicht in meine Charts geschafft hat es ein Beitrag über Helene Fischer. Er kam nur auf Rang 13. Nicht alle lesen eben atemlos…

 

 

 

Stehpinkeln an den Nachthimmel

Alle Jahreswechsel wieder kommt er – der Appell an unsere Vernunft. Wir möchten doch auf die sinnlose Silvester-Kracherei verzichten und statt Böllern Brot kaufen oder an die Armen der Welt verschenken. Ganz bestimmt: Hier spricht die Vernunft. Aber andererseits…

Die wohlmeinenden Appelle kratzen an einem der letzten Refugien altmodischer Männlichkeit. Was machen heutzutage tendenziell nur Männer? Müll nach unten bringen, Auto waschen, am Grill stehen – und an Silvester Rabatz machen. Weil es nun mal zur männlichen Risikobereitschaft gehört, mehr oder weniger besoffen ein Feuerzeug an eine ziemlich kurze Zündschnur zu halten.

Das Abschießen von Raketen ist genauso unvernünftig, wie die Weigerung, sich auf eine Toilettenschüssel zu setzen. Aber es macht Spaß. Feuerwerk ist das Stehpinkeln an den Nachthimmel. Und deshalb bei Männern beliebt.

Die Industrie hat das durchschaut. Sie unterlegt den männlichen Todesmut mit den Bezeichnungen der Feuerwerkskörper. Man kauft Knallfrösche? Ach was. Papas Pyrotechnik heißt jetzt “Monsterblaze”, “Sniper” oder “Metalhead”. Ja, es können sogar “Earthquake” und “Thunderstorm” entstehen, wenn der “Master of Rockets” und “Power Lord” der Nachbarschaft einen Meteorenregen um die Ohren haut.

Jeder ist gerne mal Held. Und sei es nur für die jeweils erste Viertelstunde im neuen Jahr. Ganz bestimmt: Wir achten daran, dass die Raketenverpackung in den Gelben Sack muss. Wir bringen die Raketenabschuss-Sektflaschen zum Altglascontainer. Und wer weiß: Vielleicht haben wir als guten Vorsatz aufgeschrieben, dass wir ab 2015 im Sitzen pinkeln. Aber das bleibt erstmal geheim…