König Horst, die Messer sind gewetzt

“Der König ist tot! Es lebe der König! Die Bedeutung dieses aus Frankreich überlieferten Ausrufs ist klar. Wir haben Respekt vor unserem Herrscher. Wenn er es aber nicht mehr bringt, wird er ausgetauscht  – und danach ganz schnell vergessen. Ein heißer Kandidat für solches Schicksal ist Horst Seehofer.

Das Phänomen der kurzen Erinnerung kennt der männliche Teil der Bevölkerung von den Fußballtrainern. Wer weiß heute noch, wo ein Erich Ribbeck wann gearbeitet hat? Auch ein Könige und Fürsten, die einst viele Seiten unserer Klatschmagazine gefüllt haben, sind ratzfatz abgehakt. Nur bei der englischen Queen läuft es anders. Sie befindet sich weit im Rentenalter, erledigt ihren Job jedoch sehr gut – und bleibt noch ein paar Jährchen.

Bei Horst Seehofer sieht das anders aus. Der bayerische Ministerpräsident, als dessen größte Erfolge die Historiker die Rückeroberung der absoluten Mehrheit, die Herdprämie, und die Pkw-Maut nennen werden, steckt in Problemen. Er hat einige Alphatiere seiner Partei weggeräumt und  hat eh keine so große Lust auf die popelige Landespolitik. Verständlich, er ist ja schon 65 geworden.

Verständlich ist aber auch, dass potentielle Nachfolger ehrgeizig mit den Hufen scharren.  Was der alternde Silberrücken so beantwortet, dass er versucht, sie in ihrer Bedeutung klein zu halten. Um irgendwann selbst zu entscheiden, in wessen Hände er den Freistaat Bayern übergibt.

Bloß: Seehofer ist weder Papst noch Queen. Er ist Chef der CSU, einer sehr erfolgreichen, aber bei Bedarf auch gnadenlosen Partei. Ob Streibl, Stoiber oder Beckstein: Wer nicht mehr getaugt hat, wurde abserviert. Die eigene Nachfolge hat keiner selbst geregelt.

Die Messer sind wohl längst gewetzt. Denn: Ein/e Nachfolger/in muss sich bekannt machen können. Und 2018 ist nicht mehr so fern.

 

 

 

Böse Lokführer? Die Streik-Maut muss her!

Wir alle kennen das Phänomen der Diskrepanz zwischen gefühlter und tatsächlicher Bedrohung.  So glauben viele Menschen, dass nachts in den Straßen ihrer Stadt massenhaft Kriminelle lauern. Fragt man dieselben Leute nach ihrem eigenen Wohnviertel, sagen sie, dass man sich in ihrer Gegend sicher fühlen kann. Die Statistik gibt ihnen recht. Womit wir bei Andrea Nahles wären.

Die Arbeitsministerin, erfolgreiche Vollstreckerin des epochalen, aber leider zu niedrigen Mindestlohns, hat sich des Themas  Streik angenommen. Mit einem Gesetz zur “Tarifeinheit” will sie insbesondere dafür sorgen, dass Klein- und Kleinstgewerkschaften keine Arbeitskämpfe mehr anzetteln können, welche das halbe Land lahmlegen. Und weil jüngst viele Pendler und Geschäftsreisende wegen dieser GdL frierend auf Bahnsteigen herumgestanden sind, findet das ziemlich große Zustimmung.

Ziel der Ministerin ist es, “Tarifkollisionen” zu vermeiden, um “den Koalitions- und Tarifpluralismus in geordnete Bahnen zu lenken.” Ordnung als anzustrebende Eigenschaft wiederum ist zutiefst sozialdemokratisch.

Bloß: Braucht es ein neues Gesetz? Eben nicht. Einschlägige Statistiken belegen, dass die Bedrohung der Gesellschaft durch Streiks vor allem eine gefühlte ist. Deutschland ist – trotz Piloten und Lokführern – in Sachen Streiktage ein ähnlich ruhiges Pflaster wie die Schweiz. Selbst die von uns als lieb und nett eingeschätzten Dänen legen deutlich häufiger die Arbeit nieder.

Die Politik folgt also der Stimmung im Land und will ein Problem lösen, das in Wahrheit keines ist. Aber das kennen wir.

Vielleicht wäre es ja ein guter Schritt, sinnlose Gesetzesvorhaben miteinander zu knüpfen, um deren Zahl zu senken. Etwa durch Einführung einer Streik-Maut. Renitente Arbeitnehmer müssten dann auf dem Weg zu ihrem Streik-Treffpunkt Wegezoll an die Industrie- und Handelskammern zahlen. Das würde überall gelten, außer bei Kundgebungen auf Autobahnen, vierspurigen Bundesstraßen und im Grenzgebiet zu Dänemark.

Jawohl, ein Gesetz zur Gesetzgebungsbündelung muss her. Denn sonst würden wir bemerken: Überflüssige Regelungswut ist keine gefühlte, sondern eine tatsächliche Bedrohung.

 

 

 

Vorsicht, Smartphones machen traurig

Es ist rätselhaft: Wenn wir uns die Krisen dieser Welt vor Augen führen, sollte es uns hier blendend gehen. Wir müssten beschwingt durch unser Leben laufen, andere dürften uns ausschließlich lächelnd erleben. Doch stattdessen wirken immer mehr Menschen, als wären sie mit ihrem Leben überfordert. Depression ist die Krankheit unserer Zeit.

Gut, da sind Lebenslügen, die man uns von interessierter Seite gerne unter die Nase reibt. Wir hätten Freizeit und Urlaub wie nie zuvor, die Flugzeuge, Züge und Kreuzfahrtschiffe seien übervoll. Da müssten wir doch glücklich sein. Fragt man bestimmte Unternehmer, werden sie sagen, dass unser Bruttosozialprodukt ein Wunder sei. Wo sich ihre Mitarbeiter doch nur widerwillig zwischen zwei Ferienreisen ein bisschen Zeit für die Firma nähmen. All die Faulenzer sollten doch mal an das Wirtschaftswunder denken. Mit den heutigen kraftlosen Arbeitnehmern wäre unser Aufstieg zum Exportweltmeister nie gelungen.

Vergessen wird dabei zum Beispiel: Der 50er-Jahre-Spruch “Samstags gehört Papi mir” war kein Slogan einer erfolglosen Nachkriegs-AfD. Darin spiegelte sich das damals übliche Leben. Papi war Ernährer der Familie, Mami war zuhause und kümmerte sich um Heim und Herd. Für die Firma gearbeitet wurde maximal 48 Stunden von einer Person, statt 55 bis 80 Stunden von zwei Personen. Sofern das Geld ohne Zusatzjob reicht.

Aber: Der Mammon macht sowieso nicht froh. Also muss es da noch etwas anderes geben, was uns die Seele eintrübt. Die heiße Spur liefert uns Professor Dr. Johannes Michalak. Der Wissenschaftler der Universität Witten/Herdecke hat gemeinsam mit einigen Kollegen in Kanada erforscht, wie sich unsere Art zu Gehen auf unser Denken auswirkt. Und tatsächlich: Wer mit hängenden Schultern herumschlurft, erinnert sich eher an negative Dinge. Wer fröhlich läuft, kann sich eher positive Dinge merken.

Sofern das stimmt, wundert uns nichts mehr. Denn das Herumschlurfen mit gesenktem Kopf ist die typische Fortbewegungsart des frühen 21. Jahrhunderts. Der moderne Mensch ist ja nicht einfach so unterwegs ist, sondern schaut immer wieder in sein Smartphone. In unserer Zeitnot dürfen wir ja nichts verpassen.Der aufrechte Gang wird zum Auslaufmodell, wir gucken nach unten, die schlechten Gedanken bleiben hängen.

Wir danken dem Professor, wir wissen um die Therapie. Das Handy ausschalten, Kopf nach oben, Brust raus, Pobacken zusammen. Und schon erkennen wir: Es gibt zwar Krisen. Aber noch mehr Spannendes und Schönes. Einen Test ist es wert.

 

 

Die Buß-Fahrt der Bayern zum Papst

Ach wunderbar! Welch Ehre! Der FC Bayern München wird am Mittwochvormittag von Papst Franziskus zu einer Privataudienz empfangen. Die Vereins-PR und alle gierigen Abnehmer ihrer Produkte vermitteln uns das Bild einer harmonischen Begegnung, nach deren Ende man sich mit Handkuss und La-Ola-Welle verabschieden wird. Die Wahrheit jedoch ist eine andere. Beim Abstecher in den Vatikan handelt es sich um eine Buß-Fahrt mit kollektiver Beichte. Gründe gibt’s genug.

Die ehrliche Begeisterung des Heiligen Vaters für den mehrfachen argentinischen Meisters Atletico San Lorenzo de Almagro vermag nur schwer zu kaschieren, dass es an diesem Mittwoch zuvörderst um Seelenreinigung gehen wird. So ist der FC Bayern die zurzeit wohl härteste Inkarnation des vom Papst so heftig kritisierten Kapitalismus. Eine Geldmaschine in gestreiften Trikots, die es sich zum Prinzip gemacht hat, Konkurrenten kaputtzukaufen. “Du sollst nicht begehren deines Nächsten Spieler, Trainer, falsche Neun, Doppelsechs, Weib, Knecht, Magd, Vieh noch alles, was dein Nächster hat” – das zehnte Gebot interessiert diese Bayern nicht.

Das Wirken ausgewählter Persönlichkeiten kommt hinzu. Ex-Präsident Uli Hoeneß hat der Gesellschaft viele Millionen Euro an Steuergeldern vorenthalten. Karl-Heinz Rummenige ist wegen einer nicht verzollten Uhr vorbestraft, Franck Ribery ist wegen, na ja, irgendwas mit einer Minderjährigen mit Schuld beladen. Und es gibt diese Lichtgestalt, die zwecks Steuerflucht ins Ausland gezogen ist und noch nie einen Sklaven in Katar gesehen hat.

Genug Stoff für eine tagfüllende Beichte. Doch all dies ist nichts gegen die Sache mit der falschen Neun. Es kann den argentinischen Papst nicht ruhen lassen, dass ein Götze die Siegesträume seiner Nation ausgelöscht hat. Er kann nicht hinnehmen, wie sehr Götzenverehrung in Deutschland normal geworden ist.

Wenn also nach der Audienz ein bislang unentdeckter Kreuzbandriss beim jungen Mario gemeldet wird, glauben wir es nicht: Er ist an die Abteilung Inquisition, Exorzismus und verwandte Randgebiete des ehemaligen Regensburger Bischofs Müller überwiesen worden.

Dort wird man ihn reinigen und läutern, bis er ein Fräulein Engel heiratet, deren Namen annimmt und sich fortan beim Torjubel bekreuzigt. Ja, diese Papst-Audienz ist wichtig. Amen!

 

Das große Geld für geduldige Mütter

Eigentlich, so denkt man, ist das Undenkbare das Arbeitsfeld der Drehbauchautoren für Science-Fiction-Filme oder der Verfasser von Fantasy-Romanen. Aber so ganz stimmt das nicht. Denn ist gibt ja Unternehmen wie Google und Facebook.  Deren Chefs glauben daran, dass alles machbar ist, wenn es den eigenen Zielen dient. Zumal diese Ziele – nach deren Überzeugung – weitestgehend identisch mit den Bedürfnissen der Weltbevölkerung ist. Die neueste Vision: Hoffnungsvolle Mitarbeiterinnen werden mit 20.000 Dollar belohnt, wenn sie ihre Eizellen einfrieren lassen, um ihren Kinderwunsch erst dann zu verwirklichen, wenn es in die Karriereplanung passt.

Spontan hat diese Idee auf mich geradezu faschistisch gewirkt. Ein Unternehmen schickt sich an, über die Körper seiner Beschäftigten zu herrschen. So lange die Frauen jung, lern- und leistungsfähig sind, sollen sie unbelastet von Kinder- und Familien-Gedöns arbeiten. Es soll auch nicht ihr Schaden sein. Erst dann, wenn die steile berufliche Karriere in den Gleitflug übergegangen ist, soll Nachwuchs dazukommen. Nach einem sauber geplanten Zeugungszeitpunkt, der sich zum Beispiel nach Mondphasen und weiteren (pseudo-)wissenschaftlichen Erkenntnissen richten kann.

Wie soll das aber gehen? Zunächst muss man fragen, ob sich Google- oder Facebook-Mitarbeiterinnen per Eizellen-Einfrier-Vertrag zum Verzicht auf spontanen Sex verzichten. Es wird sich auch noch zeigen müssen, ob die Unternehmen bei der Auswahl eines internet-affinen Samenspenders behilflich sind. Vielleicht ist sogar noch eine höhere Prämie möglich. Nämlich dann, wenn sich die Frauen dazu verpflichten, ihre Omas einzufrieren, die die Kinder später von Kindergarten oder Schule abholen.

Es gibt aber einen Aspekt, weshalb die Idee des “Social freezing” nicht völlig absurd wirkt: Die Phantasielosigkeit der allermeisten Unternehmen, wenn es um die Karriere von Eltern und/oder Teilzeitkräften geht. Wer behauptet, dass Kinder kein Karrierehindernis darstellen, lügt. Viele Frauen, die eingestellt wurden, weil sie besonders klug und talentiert waren, verschwinden aus dem Blickfeld der Chefs, sobald sie wegen ihrer Familienpflichten keine Überstunden mehr klopfen. Statt voranzukommen erleben sie einen dauerhaften Stillstand.

So gesehen, müsste man Google oder Facebook dafür danken, dass sie Frauen die Chance geben, ihr berufliches Schicksal nachhaltig zu beeinflussen. Müsste man, wenn man glauben könnte, dass diese Konzerne zuallerst aus Nächstenliebe handeln.

Wer, bitteschön, ist so naiv? Also, lassen wir das. Verändern wir lieber die Arbeitswelt für Menschen mit Familie. Und vermerken wir aufmerksam, wie viel Geld Unternehmen für schockgefrostete Eizellen auszugeben bereit sind. Gute Mitarbeiter/-innen sind offenbar mehr wert, als uns unsere Chefinnen und Chefs üblicherweise sagen.

 

Wir werden angefüttert – analog und digital

Es soll immer noch Leute geben, die an das Gute im Kapitalismus glauben. Die meinen, dass unsere versammelten Weltmarktführer und sonstigen Großunternehmen vor allem das Wohl der Menschen im Auge haben. Welch ein Irrtum!

Jüngster Beweis: Aldi hat die Preise für Pommes frites, Kroketten und Zucker dramatisch gesenkt. Der Discounter setzt damit einen Trend, dem sich, nach allem was wir wissen, die anderen Händler anschließen werden.

Ausgerechnet Pommes! Ausgerechnet Zucker! Diese Preissenkungen bedeuten doch nichts anderes, als dass die Lebensmittelhändler die Zeit des Abnehmens für beendet erklären. Man will uns anfüttern für die beginnende Vorweihnachtszeit. Wir sollen uns mit billigen Kohlehydraten zudröhnen, wir sollen Lust auf Süßes bekommen, sollen bereit sein für Kroketten, Nuss  und Mandelkern.

Derart auf Kalorienzufuhr konditioniert werden wir an Gewicht zulegen – um dann nach den Festtagen wieder in eine der zahllosen Diät-Programme einzusteigen.

Jede Wette: Aldi und Co. werden uns ab Februar mit stark verbilligten Sportklamotten überraschen. Vielleicht stellen sie selbst Fatburner in Dosen ins Regal. Oder sie bekommen Erfolgsprämien von Apotheken und halbseidenen Eiweiß-Versendern.

Womit wir bei Jaron Lanier wären. Der Web-Pionier und Träger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels prangert die Auswüchse in der digitalen Welt an. Insbesondere kritisiert er, dass die großen Internetkonzerne schamlos Geld mit Daten verdienen, die ihnen eigentlich nicht gehören. Indem sie unsere Bedürfnisse ausforschen und dieses Wissen an Verkäufer aller Art weitergeben.

Ja, empören wir uns ruhig über die üblen Machenschaften der Googles und Facebooks. Denken wir aber auch daran: Verarsche funktioniert nicht nur über Algorithmen. Sondern auch über Essbares, das in Pappkartons in Blechregale gestellt ist.

Was bleibt, ist eine ewige Wahrheit. Die Händler dieser Welt, ob analog oder digital, wollen immer unser Bestes: unser Geld.

Zum wahren Glück fehlt bloß ein schönes Bier

Es waren glückliche Zeiten. Damals, als Rankings noch nicht in Mode waren. Als die “Schlager der Woche” am Freitagabend die einzige Rangliste war, die uns wirklich bewegt hat. Der Globus war übersichtlich. Wir waren wir. Der Rest der Welt war der nicht so bedeutende Rest.

Sehr lange her, dieses. Denn heute kann man nicht einfach sagen, dass man in einer Stadt oder einer bestimmten Region einigermaßen zufrieden lebt. Es braucht den Vergleich. Man kann sich in Nürnberg nicht mit 0,1 Prozent Guthabenzinsen arrangieren, wenn man durch das nationale Zinsbarometer erfährt, dass es bei der Kreissparkasse Hameln-Ost 0,14 Prozent aufs Sparbuch gibt. Wir kennen die Tennis-Weltrangliste, den Ifo-Geschäftsklimaindex, den GfK-Konsumklimaindex, den deutschen Lohnatlas, die einschlägigen Feinschmeckerrestaurant-Ranglisten oder die Laufleistungs- und Ballbesitzstatistik bei nebensächlichen Spielen der Dritten Liga.

Selbst die Politik befindet sich im Dauer-Ranking. Die Beliebtheit unserer wichtigsten Politiker/innen wird Woche für Woche gemessen. Und wie glücklich ist der Staatenlenker, der nach einer guten Rede von minus 0,1 auf plus 0,3 nach oben schießt. Wir haben uns auch ans Phänomen gewöhnt, dass Angela Merkel drei Jahre und 51 Wochen fast weg, bei Vollendung des vierten Jahres aber immer voll da ist.

Und so ist es keine Überraschung, dass auch der Fixstern unseres irdischen Sehnens gerankt wird: das Glück. Diese Aufgabe übernimmt der so genannte Glücksatlas, für den das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung seit 1984 repräsentativ die Lebensumstände der Menschen in Deutschland abfragt und dies anhand harter Fakten wie Lohnentwicklung, Grad der Pflegebedürftigkeit oder Gesundheitsdaten in regionale Glücksfaktoren umrechnet.

Was aber kommt raus? Unerhörtes. Gut, wir nehmen es hin, dass die Bundesländer Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen auf den ersten drei Plätzen landen. Das mag am erhöhten Windkraftpotential und an der vergleichsweise überragenden Hühnerfarmdichte liegen. Der sozio-ökonomische Wohlfühl-Effekt des gemeinschaftlichen Krabbenpuhlens sollte ebenfalls nicht unterschätzt werden. Vor allem aber sind die Nordlichter zurzeit schon deshalb nicht einzuholen, weil Helene Fischer angekündigt hat, nach Hamburg zu ziehen.

Womit wir wieder bei der Mutter aller Rankings, der “Schlager der Woche” wären.

Nicht akzeptabel ist jedoch, dass Franken im Glücksatlas mit einem Zufriedenheitsfaktor von 7,05 auf Rang 9 einsortiert ist. Hinter Bayern, obwohl die Quote  exakt gleich ist. Es braucht einen kleinen Ruck, um diese Schmach zu tilgen. Gehen wir es an: Gönnen wir uns am Sonntag ein Schäufele mit Kloß und ein schönes Landbier. Unser so gewonnenes Glücksgefühl sollte eigentlich genügen, um den Südvölkern die Hacken zu zeigen. Grantelt ruhig, Ihr Bayern. Wir Franken sind glücklich.

Opernball futsch. Wer wird nun unsere Seele streicheln?

Armes Nürnberg! Nur zu gerne hätten deine Menschen ein bisschen mehr Glamour. Wenigstens etwas Glanz, der über das Funkeln der Rauschgoldengel auf dem Christkindlesmarkt hinausgeht. Und nun dieses: Der Opernball, einst großer Stolz der Kommunalpolitik, des Bildungsbürgertums und des neureichen Mittelstands, steht vor dem Aus.

Das ist kein wirkliches Wunder, denn der Opernball war seinem Wesen nach immer sinnlos. Schon vom Publikum her gab es zumeist zu wenig große Oper. Selbst ein Günther Beckstein als bayerischer Ministerpräsident war bestenfalls Operette – wenn überhaupt. Aber Sinnlosigkeit allein ist kein Grund für Misserfolge. Den größten Teil der Fernseh-Unterhaltung braucht niemand – und trotzdem gefällt sie vielen Menschen. Kartoffel- oder Weißkohl-Könginnen müssten angesichts der weltpolitischen Lage nicht sein. Aber sie sind eben doch schön anzuschauen. Wir Nürnberger freuen uns sogar darüber, dass die deutschen Nationalelf in unserem Stadion gegen Gibraltar spielt. Als ob das spannender Sport wäre.

Aber nicht nur für Fußball-Länderspiele gilt: Überflüssiges wird wertvoll, wenn es etwas Seltenes bietet. Und das waren beim Opernball die auswärtigen Promis. Es streichelte die vom Minderwertigkeitskomplex geplagte Nürnberger Seele, wenn man wusste, dass sich eine durch eine verkorkste Ehe mit Dieter Bohlen und durch Spinatwerbung berühmt gewordene Schönheit hier bei uns aus einem Luxusauto schälen würde. Uns entzückte die Anwesenheit von Schauspielern, wenngleich wir kaum sagen konnten, für welche Streifen sie für den Bayerischen Filmpreis nominiert waren.

Verona Pooth und Co. waren da. Wir aber waren kollektiv geadelt, und nutzten unsere Flanierkarten noch eifriger als die Läufer beim Indoor-Marathon in der Landesgewerbeanstalt.

Doch seit Jahren bleiben die Promis weg. Nicht mal Roberto Blanco mochte mehr kommen. Und so ist der Opernball als „gesellschaftliches Ereignis“ kaum bedeutsamer als ein mit rotem Plüsch veredelter Ball der Bäcker-Innung.

Wir sagen also „Ganz schee wor’s, oba rumm is rumm“ und vergessen das Ganze leichten Herzens. Doch: Was kann unser Rettungsanker sein. In diesen Zeiten, wo sie unseren 1. FC Nürnberg sogar in einem Kaff wie Heidenheim verhöhnen? Na klar, es ist der Tatort. Er kann unsere Seele streicheln. Aber nur, wenn die Einschaltquoten höher sind als beim München-Krimi. Hoffen wir das Beste…

Mit veganer Kost ins Mops-Nirwana

Nein, ich bin kein Hundefeind. Dank langjähriger Erfahrung mit Vierbeinern schätze ich mich selbst als einen der besten Zeckenherausdreher dieser Republik ein. Manchmal jedoch stößt meine Liebe zum Hund an Grenzen. Oder sagen wir besser, die Liebe zu den Herrchen und Frauchen.

Hunde sind ein Phänomen. Sie sind so etwas wie die Edith Piaf unter den Haustieren. Diese sang in einem Chanson: „Mein einziges Glück auf dieser Welt ist mein Mann. Er schlägt mich, er beklaut mich. Aber er geht mir sowas von unter die Haut.“ Das könnten auch unsere Vierbeiner hecheln, mit ihrer ungemeinen Fähigkeit, auch dem größten Trottel Zuneigung entgegenzubringen, wenn sie ihn denn als menschlichen Alpha-Rüden anerkannt haben.

Aber nicht jeder quält seinen Hund durch Prügel. Manche erdrücken ihn mental, indem sie ihn zu Ihresgleichen machen. So war diese Woche im Internet eine Fotostrecke zum Thema „Die lustigsten Hundetrachten auf der Wies’n“ zu sehen. Dass das Oktoberfest eine in verschiedener Hinsicht abartige Veranstaltung ist – geschenkt. Aber was bringt Menschen dazu, ihrem Rehpinscher ein Dirndl überzustreifen und das auch noch originell zu finden. Derselbe Versuch mit einer durchschnittlichen Hauskatze – und man wäre dank blutiger Hände schnell kuriert.

Der Gedanke, dass der beste Freund des Menschen selbst humane Züge aufweisen müsse, wird auch auf anderen Feldern gepflegt. Gerade hat eine Hundeexpertin in der Nürnberger Lokalpresse verlauten lassen, dass es für Welpen gesundheitsschädlich sein könnte, wenn sie mit veganer Kost aufgezogen werden. Wie dieses? Wo man sich doch selber als Pflanzenesser so gut fühlt?

Nein, dieser Trend ist nicht zu Ende geführt. Im Bemühen, aus unserem besten Freund einen sanften Gefährten zu machen, könnten wir beim Zahnarzt dessen Reißzähne weghobeln und die Backenzähne verbreitern lassen. Das würde das Kauen von Eisbergsalat nachhaltig erleichtern. Höchste Zeit ist es auch für die Teilnahme an Hunde-Yoga.

Beim gemeinsamen Dampfbad mit anschließender Pfotenzonenreflexmassage finden die Seelen von Mensch und Tier zueinander. So sehr, dass uns der Ratgeber „Zwölf Wege ins Mops-Nirwana“ dahin führt, dass unser Welpen-Veganer zum erleuchteten Wesen wird, welches fortan völlig ohne Nahrung auskommt.

Was, jedoch, denkt über all das unsere Rehpinscherin im Dirndl? Wahrscheinlich nichts. Sie ist ja bloß ein Hund.

Lug und Trug: Auch Autofirmen kennen sich aus

Die Überzeugung, dass uns Banken nach Strich und Faden betrügen, haben wir schon lange. Doch es gibt eine andere mächtige Sparte innerhalb des Wirtschaftszweiges „Lug und Trug“: Es sind die Autohersteller. In Verbindung mit ihren Werkstätten werden sie mitunter unerträglich.

Gerade läuft das von Staat und EU begleitete Programm „Rettet die Luxusautos“. Im Jahr 2020 darf die Neuwagenflotte jedes Herstellers nur noch maximal 95 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer ausstoßen. Das ist bei dicken Limousinen oder SUV’s kaum hinzukriegen.

Also wird getrickst. Das Messen des Verbrauchs erfolgt unter Laborbedingungen. Und so kommen selbst richtig große Karossen auf Werte, die meine Ente vor 30 Jahren nicht geschafft hat.

Absurd wird es, wenn Elektromobilität ins Spiel kommt. Dann werden Autos als so sparsam dargestellt, dass man sich fast schon fragt, wo man nach einer Urlaubsreise die überschüssige Energie ins Netz einspeisen kann. Möglich ist das natürlich nur, weil Fahren mit Strom angeblich keinerlei Belastungen der Umwelt auslöst.

Welche Verarsche! Aber das ist nichts gegen Begegnungen mit Vertragswerkstätten der Hersteller. Hierzu eine wahre Geschichte:

In meiner Verwandtschaft fährt jemand einen 14 Jahre alten Lancia Lybra. Dieser hatte einen Motorschaden. Eine freie Werkstatt tauschte den Motor aus, kurz darauf blieb der Wagen wieder stehen, mutmaßlich wegen defekter Steuerungsgeräte.

Solche Geräte kontrollieren (so mein frisch erworbenes Halbwissen) die Zentralverriegelung und die Benzinzufuhr zum Motor und sorgen auch dafür, dass die Wegfahrsperre nicht sinnlos aktiviert wird. Letzteres war offenbar passiert.

Müsste da nicht eine original Fiat-Lancia-Werkstatt helfen können? Nein, hieß es von dort, alte Steuergeräte könne man nicht mehr am Computer „auslesen“. Man müsste es austauschen. Und da sei zu sehen, dass es neue Ersatzteile nur für bis zu zehn Jahre alte Autos gebe. Gebrauchte Teile baue man als Vertragswerkstatt aber nicht ein.

Da bleibe nur der Schrottplatz. Für 80 Euro sei man bereit, den Wagen dorthin zu bringen. Die Erkenntnis, dass man nichts tun kann, kostete – nach offenbar beschwerlichen Tests – 200 Euro. Die vorherige Reparatur 1600 Euro.

Du kannst in einer solchen Situation jammern, betteln, schimpfen. Du kannst fragen, ob das bedeutet, dass ein über zehn Jahre altes Auto, an dem ein unbegabter Dieb herumgeschraubt hat, zwangsläufig für immer stillgelegt ist. Du kannst feierlich erklären, dass es verrückt ist, Autos der Marken Fiat und Lancia zu kaufen, wenn es nach zehn Jahren keine Ersatzteile mehr gibt.

Am Ende erklärt dir der Mechaniker Folgendes: „Das mit den zehn Jahren ist eine Richtlinie, ich denke, so eine EU-Richtlinie.“ Man sollte einmal wissenschaftlich untersuchen, wie lange es bei Diskussionen über Missstände im Durchschnitt dauert, bis die EU schuld ist. In mir reift eine andere Erkenntnis: Um Hassprediger zu werden, brauchst du keine Religion. Manchmal reicht schon dein Auto in der Werkstatt.