Das Glück wohnt hoch im Norden

Was ist Glück? Seit Menschen denken, haben sich Philosophen aller Länder an dieser Frage abgearbeitet. Als sicher darf gelten, dass es sich um etwas Leichtflüchtiges handelt. Oft wird uns unser Glück bewusst, wenn es wieder weg ist. Aber es gibt Aspekte des Lebensgefühls. Sind wir zufrieden?  Bemerken wir auch kleine Freuden? Oder laufen wir generell mit hängenden Mundwinkeln durchs Leben?

Diesen Themen geht der jährlich erscheinende Weltglücksbericht nach. Darin wird untersucht, in welchen Ländern der Erde die glücklichsten Menschen der Welt leben. Und siehe da: Das Glück wohnt im Norden oder in den Bergen. Der neue Wohlfühl-Spitzenreiter heißt Norwegen.

Welche Gründe könnte das haben? Norwegen hat vergleichsweise viel Natur und wenig Menschen, nämlich nur 13 pro Quadratkilometer. Man hat einen Köing und eine eigene Währung. Das gesellschaftliche Klima ist tolerant. Die Norweger sind zu einem erstaunlichen Anteil erfolgreiche Sportler und werden im Schnitt fast 83 Jahre alt. Allerdings wird auch kolportiert, dass sie trotz hoher Preise für Alkohol gerne picheln.

Das Klima ist rauer als in den südlichen Ländern, in denen wir unser Urlaubsglück suchen. Aber das Wetter ist als Glücksfaktor eh nicht so wichtig. Denn Dänemark und Island belegen die Plätze zwei und drei. Gerade Island, diese Insel mit extrem schwefelhaltiger Luft, auf der die Stadtplaner die Interessen der Trolle berücksichtigen müssen. Vielleicht macht Sonnenschein froher, wenn er selten da ist. Platz vier im internationalen Glücks-Ranking belegt die Schweiz. Berge verleihen Flügel.

Uns unser Deutschland? Rangiert auf Platz 16. Der Fußball-Weltmeister erreicht also gerade so das Achtelfinale der Glücks-WM.  Aber warum bloß? Auf eine heiße Spur bringt uns ein Experte des norwegischen Statistikamtes: „In Norwegen und den nordischen Ländern gibt es dazu sehr geringe Einkommensunterschiede. Wir haben wenig Armut und Arbeitslosigkeit.“

Für Deutschland wurde vom zuständigen Ministerium ganz frisch berichtet, dass die Kluft zwischen Arm und Reich immer größer wird. Und dass zwei von drei großen Vermögen nicht durch ehrliche Arbeit, sondern durch Schenkungen und Erbschaften entstanden sind. Fazit: Geld allein macht nicht glücklich. Aber wenn das Geld gerecht verteilt ist, hilft das auf dem Weg zum Glück durchaus.

Merkel und Trump: Szenen keiner Ehe

Wie riecht Donald Trump? Angela Merkel muss es seit diesem Wochenende wissen. Denn geht es nach den bedeutendsten Politik-Beobachtern dieses Landes, hatte die erste Begegnung der beiden Anführer der westlichen Welt vor allem diesen Zweck: Man sollte sich beschnuppern.

Was gar nicht so einfach war. Beim offiziellen Fototermin standen die Sessel weit auseinander, zu erleben war eine Szene, wie man sie aus sehr langjährigen Beziehungen kennt. Unsere Mutti amüsierte sich dezent über den grantigen alten Mann neben ihr, zeigte sich aber von der Körpersprache zugewandt. Mr. President wiederum saß da wie Opa Paul, der wegen einer lästigen Familienangelegenheit das Endspiel des DFB-Pokals verpasst.

Was peinlich und extrem unhöflich wirkte, hat das Weiße Haus inzwischen erklärt. Donald Trump habe die leisen Hinweise der Kanzlerin und die lauten Aufforderungen der Fotografen schlicht und ergreifend überhört. Absicht habe keinesfalls vorgelegen, erklärte sein Sprecher Sean Spicer auf Nachfrage des Spiegel. Vielleicht versteckt sich ja unter dem dichten Blondhaar ein Hörgerät, dessen Akku gerade leer war.

Möglicherweise war der Präsident einfach abgelenkt und in Gedanken schon beim nächsten Dekret. Er hat ja viel zu tun. Er muss zum Beispiel die Betonmischung für seine Mauer festlegen und darüber nachdenken, wie viele muslimische Staaten  mit einem Einreisebann zu belegen sind, damit auch die höchsten Richter der USA zustimmen. Oder hat er überlegt, wie er es mit Angela Merkels Hilfe erreichen kann, dass im Kaufhaus des Westens eine Vitrine mit Tochter Ivankas Modekreationen aufgestellt wird? Hat Ehefrau Melania aus Langeweile ihr Haushaltsgeld für März bereits verprasst und fordert einen Nachschlag, für den das karge Präsidenten-Gehalt nicht reicht?

Solche Probleme vermutet man bei Donald Trump. Vielleicht aber war die Szene pure Strategie, nämlich im Sinne eines Versöhnungssignals an die Adresse radikaler Muslime. Er hat, immerhin, einem unreinen Weib den Handschlag verweigert. Vielleicht hat er diese Chance erschnuppert.

Wir warten auf das Lob des Kalifen. Um dann zu wissen: Unser großer Verbündeter ist mehr Profi als wir alle denken.

Beim Selfie ist die Laus nicht weit

Andere Zeiten, andere Gefahren. Innerhalb weniger Jahre ist das Smartphone für viele Menschen zum treuesten und lebendigsten Begleiter geworden. Die mit den famosen Geräten verbundenen Risiken sind uns aber zu wenig bewusst. Die neueste Entdeckung: Selfies fördern die Verbreitung von Kopfläusen.

Dies behauptet zumindest Professor Hermann Feldmeier vom Institut für Mikrobiologie und Hygiene an der Berliner Charité. In der Zeitschrift Apotheken Umschau weist er darauf hin,  dass weibliche Teenager immer häufiger befallen würden. Die naturgemäß mit dichtem Haar gesegneten Mädchen steckten beim Selfie fröhlich die Köpfe zusammen. Dies nutzten clevere Läuse zur Übersprungshandlung.  Sollten die Tiere allerdings daneben springen, ist gemäß den Erkenntnissen der Zoologie ihr Schicksal besiegelt. Vier Stunden ohne Blut – und die Laus ist tot.

Die Erkenntnisse des Professors mögen ein Trost für alle Männer seien, die eine Frisur vom Typ Namib-Wüste tragen. Sie haben neuerdings mehr Bärte als früher, sind aber bei Selfies wohl weniger gefährdet. Dafür dürfte bei ihnen Handy-Hygiene das größere Problem sein. Smartphone-Displays sind, wie auch PC-Tasturen, in der Regel mit mehr Keimen behaftet als jede professionell gewartete Ratsstätten-Toilette. Und ein echter Mann stört sich nicht an den Currywurst-Fettschlieren vom Vortag.

Doch es gibt noch mehr Gefahren. Die für Gesundheit im Job zuständige Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin warnt vor schädlichen Beanspruchungen des Muskel- und Skelettsystems der Menschen durch Handys und Tablets. Wer sie allzu exzessiv verwende, bezahle mit Schmerzen in Daumen und Nacken. Beansprucht würden die Augen, weil sie bei schlechten Lichtverhältnissen überanstrengt oder durch Reflexionen geblendet würden. Schließlich führe der Versuch, das Display gegen Sonneneinstrahlung „abzuschatten“, zu ungünstigen Körperhaltungen. Der Smartphone-Mensch verhält sich somit wider die Evolution oder steckt in einem Prozess der Fortentwicklung.

Man sieht: Oft hat ein vermeintlicher Segen eine Kehrseite. Wir sollten also Smartphones und Tablets nie als unser Gehirn betrachten. Sondern als unseren Blinddarm. Und der ist im Zweifel verzichtbar. Weglegen ist erlaubt. Den Läusen hilft das nicht. Aber sie werden, ganz sicher, trotzdem überleben.

 

 

Die Kanzlerin wartet, aber Schützen werden tolerant

Was haben die Sportfreunde Lotte und Angela Merkel gemeinsam? Beide müssen wegen schlechten Wetters auf die Begegnung mit einem übermächtigen Kollegen warten. Hoffen wir für die Kanzlerin, das bis dahin die Frisur und auch die Raute hält.

Ungeduldig sind wir allerdings. Denn Angela Merkels Reise verspricht reichen Erkenntnisgewinn. Sie kann dann aus eigener Erfahrung bewerten, welches Mitglied des „Trio Totalitare“ der schlimmste Schrat unter der Sonne ist. Und wer am ehesten als Herzblatt in Frage kommt. Recep Tayyip, der charismatische Schnauzer, der jeden als Terroristen anschaut, der ihm Parkplatz oder Vorfahrt nimmt? Wladimir, der kompakte Herrenreiter, der keine Eroberung auslässt? Oder doch Donald, der immer der Erste ist, auch wenn man davon ausgehen muss, dass seine Frisur früher auf einem anderen Tier gelebt hat.

Wir wollen es erfahren. Aber ob uns das hilft, ist eine ganz andere Frage. Zu sehr scheinen zurzeit Rache, Aufrüstung, Hass und Intoleranz den Zeitgeist zu bilden.  Es kracht an allen Ecken und Enden.

Alle Liebe scheint auf dieser Welt zu vergehen. Und dann gibt es diese Nachricht: Der katholische Bund der Historischen Deutschen Schützenvereine will in Zukunft auch Homosexuellen und Muslimen die aktive Mitgliedschaft in seinen 1200 angeschlossenen Bruderschaften erlauben. Das beinhaltet die Möglichkeit, die Königswürde zu erringen.

Respekt, mein lieber Schützenbruder, denkt man sich da. Und fragt sich gleichzeitig, was es uns sagt, wenn ausgerechnet die Hüter einer urdeutschen Tradition  zeigen, wie Toleranz geht. Wir freuen uns ehrlich, weil gute Nachrichten rar geworden sind. Und halten fest: Offenheit ist leicht, wenn man sie bloß will. Salut!

Bleibt lässig, auch wenn die Roboter kommen

860.000.000. Eine gewaltige Zahl. So viele Überstunden wurden im vergangenen Jahr von den abhängig Beschäftigten in Deutschland geleistet. Wir haben Arbeit, aber unsere Zeit dafür scheint zu kurz zu sein.

Knallharte Controller oder auch Kampagnentexter der so genannten Initative Soziale Markwirtschaft werden sofort Einspruch einlegen. 860 Millionen Überstunden seien doch lächerlich wenig. Das seien pro Kopf bloß rund 20 Stunden Zusatzarbeit. Und das pro Jahr. Davon gehe niemand kaputt. Wer hieraus ein Problem mache, sorge dafür, dass unser Exportweltmeister-Land wieder zum kranken Mann Europas werde.

Dumm ist bloß: Diese Überstunden sind von seriösen Unternehmen seriös registriert und seriös in Freizeit oder Geld ausbezahlt worden. Das, was in irgendwelchen Ausbeuter-Klitschen zum Nulltarif heruntergeklopft worden ist, ist in dieser Statistik nicht enthalten. Man kennt die Zahlen nicht. Man soll ja nicht darüber reden. Und außerdem: Wer als Mitarbeiter einer Firma immer noch meint, dass es in Ordnung sei, zwischen Freitagnachmittag und Montagfrüh völlig unproduktiv zu existieren, der hat „die Welt da draußen“ noch nicht verstanden. Für jeden Spezialisten, den eine Firma für teures Geld beschäftigt, sitzt in der Internet-Cloud ein anderen, der denselben Job für ein Drittel des Geldes erledigt.

Aber diese armen Schlucker werden schon bald das kleinere Problem sein. Die Ära der Industrie 4.0 ist angebrochen. Roboter greifen ins Geschehen ein und werden uns Menschen mehr und mehr den Takt vorgeben. Mehrere Studien prophezeien, dass bis zum Jahr 2030 in Deutschland die Hälfte der heutigen Jobs aufgrund von Digitalisierung wegfallen wird. Der einst stolze Facharbeiter wird dann seinen Tag damit verbringen, als Maschinentherapeut der Maschinen beim Arbeiten zuzusehen und nur dann eingreifen, wenn es irgendwo hakt. An die Computerstimme der Service-Hotline haben wird uns schon gehört. Auch einen Beitrag wie diesen schreibt ein Roboter schneller.

Was bleibt dem Menschen? Er wird sich in einer auf Präzision und Produktivität getrimmten Arbeitswelt zurechtfinden müssen. Alles muss stimmen, Kollege Roboter zeigt uns, wie das geht. Trödeln schadet dem Standort. Versagen waren gestern.

Aber Stopp! Ist das wirklich so erstrebenswert? Der kunstvoll gezirkelte Freistoß beim Fußball sorgt selten für genauso lebendige Diskussionen wie der zu Unrecht gegebene Elfmeter. Der menschliche Fehler ist nicht nur charmant. Er treibt uns auch an. Denn wer kann in einer von Maschinen global optimierten Welt besser sein als andere?

Was also tun? Sollen wir ohne Pause schuften, damit wir noch besser als die Roboter sind? Falscher Weg, denn der Mensch ist nie eine Maschine.  Bleiben wir gelassen. Es gibt ein Leben vor dem Tod. Und das macht selten Überstunden.

 

 

Bleiben wir cool, der Sultan ist besoffen

Im Jahr 1990 hat der US-amerikanische Anwalt Mike Godwin diese berühmte These aufgestellt: In Diskussionen geht ab einer gewissen Dauer die Wahrscheinlichkeit eines Nazivergleichs gegen Eins. Bleiben wir also gelassen. Was gerade passiert ist völlig normal.

So zu denken fällt uns schwer.  Denn der unsympathische Großkotz und türkische Staatschef Recep Tayyip Erdoğan hat den deutschen Behörden „Nazi-Methoden“ vorgeworfen. Das ist für uns der denkbar schlimmste Vorwurf.

Anderererseits stimmt es doch. An jedem Stammtisch, an dem ein paar Besoffene über Politik diskutieren, taucht irgendwann „der Adolf“ auf. Er würde jeglichen Laden ordnen, den es gerade aufzuräumen gilt.

Und ja, Erdoğan ist besoffen. Nicht von Bier, Wein oder Raki, versteht sich. Sondern von der Macht – und die ist eine starke Droge. Wer jedoch im benebelten Zustand angreift, agiert besonders wild. Das Volk wiederum, so das Kalkül, ist mit dem Bedrängten, der sich gegen böse fremde Mächte stemmt.

Wir sollten also, sofern alle für Kundgebungen üblichen Auflagen erfüllt sind, das Wahlkampf-Geschrei ertragen. Überlassen wir die Reden  Erdoğans den  Satirikern, bekämpfen wir ihn ernsthaft dort, wo er Freiheitsrechte mit den Füßen tritt und menschliche Existenzen zerstört.

Und vergessen wir nicht: Ungefähr die Hälfte der Türken ist gegen seine Politik.  Erdoğan ist laut. Aber er ist nicht das Volk. Wir haben Probleme mit einer Regierung, aber nicht mit „den Türken“.

P.S.: Gäbe es bei uns tatsächlich Nazi-Methoden – man ließe die Redner ins Land. Aber sie kämen nicht mehr nach Hause. Das ist aktuell kein Vorgehen der Behörden. Zumindest nicht in Deutschland.

 

 

 

 

Wir werden gefastet. Aber wir sind erleuchtet

Gerade sagt man uns wieder, wir sollten doch fasten. Wenn uns alltägliche Freuden eine gewisse Zeit lang fehlten, lernten wir sie wieder als Geschenk zu schätzen. Erleuchtung durch Verzicht – das sei der gute Weg.

Stimmt schon, wir könnten was tun. Smartphonefasten gäbe uns den aufrechten Gang zurück. Kaffeefasten würde unseren Blutdruck senken.

Autofahren hält selbst der ADAC für eine hervorragende Idee. Und Fußballfasten würde manchen Männern die überraschende Erkenntnis vermitteln,  dass da auf dem Sofa noch jemand sitzt.

Dumm bloß, dass wir gerade in ein vielfältiges Zwangsfasten verwickelt werden. Ein Toleranz- und Demokratiefasten greift um sich. Das Zinsfasten kennt jeder, der bloß ein paar Euros angelegt hat. Und der neueste Armutsbericht lehrt uns, das immer mehr Menschen zum endlosen Geldfasten verdammt sind.

Wir fasten zu wenig und werden zu viel gefastet. Nur Dummheit fastet nie. Das stört uns. Aber es hilft uns auch, wenn es durchschaut haben und es ändern können.

Alsdenn, nicht verzagen. Gönnen wir uns ab und zu ein bisschen Sorgenfasten. Und: Bleiben wir erleuchtet!

Wahlkampf gefährdet Menschenleben

Handlungsfähigkeit beweisen: In der Flüchtlingspolitik kommt es darauf offenbar besonders an. Unter dem Druck der Populisten versuchen etablierte Parteien wenigstens den Eindruck vermitteln,  dass sie alles im Griff haben. Und ganz wie die Konkurrenz verkünden sie einfache Rezepte. Solche wie „massenhafte Abschiebungen“ nach Afghanistan.

Akut hat sich Markus Söder des Thema angenommen. Als Finanzminister Bayerns eigentlich der oberste Gärtner im Vorhof zum Paradies, hat er den Blick auf das Böse gerichtet. Damit meint er aber nicht die Autobomben und anderen Mordanschläge, die es in Afghanstan neuerdings wieder häufiger gibt. Sondern jene Menschen, die vor diesem Schlamassel davongelaufen sind.

„Sammelabschiebun­gen mit gerade mal 20 Leuten sind ein Witz. Es müssten Tausende sein, die abgeschoben werden“, schimpfte Söder in einem Zeitungs-Interview. Man fragt sich: Darf dies als Auftrag an die Flugzeugbauer verstanden werden, größere Maschinen zu bauen? Im Airbus nach Kabul ist der Platz eben begrenzt. Zumal es ziemlich viele Polizisten bräuchte, um „Tausende“ außer Landes zu bringen.

Weiter sprach der Minister: Für „die Men­schen“ sei es unverständlich, „warum junge Deutsche Militärdienst in Afghanistan leisten, afghanische Män­ner aber bei uns bleiben können.“ Mögliche Anworten: Weil, wie wir alle wissen, Deutschland auch am Hindukusch verteidigt wird. Weil es der Demokratie wenig hilft, wenn unbewaffnete Männer blutrünstigen Fanatikern gegenüberstehen.

Verstörend ist, dass „die Menschen“ solche Aussagen widerspruchslos hinnehmen. Man könnte ja auch fragen was es für unser Land bringen soll, wenn man einige ausgewählte Flüchtlinge in ihre unsichere Heimat zurückschückt. Wir waren schon mal auf Integration gepolt, aber im Strom der allgemeinen Stimmung ist Gleichgültigkeit gegenüber Flüchtlingen inzwischen die freundliche Variante. Nur wenn Medien Einzelfälle schildern, bekommen wir Zweifel.

Das ist nicht schön. Aber schlimmer noch: Wahlkampf gefährdet Menschenleben. Und das ist fürchterlich.

Dicke Bretter bohren? Bei Waffen geht es schnell

Trifft man Politiker*innen, insbesondere in Wahlkampfzeiten, weisen sie gerne darauf hin, dass sie es auch nicht leicht hätten. Sie hätten, im Gegenteil, ein schweres Geschäft. Um zu einem Ziel zu kommen, müssten unablässig dicke Bretter gebohrt werden. Spontan passiere nichts.

Diese Fälle gibt es aber doch. Bankenrettung und Atomausstieg sind Paradebeispiele. Und nun den Militärhaushalt. Da reicht es offenbar, dass ein prolliger US-Präsident gewählt wird, der den Europäern rotzig unter die Nase reibt, dass sie gefälligst mehr für ihre Verteidigung tun sollen. Ein paar Reden bei der Münchner Sicherheitskonferenz – und schon ist geklärt, dass aufgerüstet werden muss. 30 Milliarden Euro mehr pro Jahr sollen es für Deutschland sein.

Das Böse lauert schließlich überall, vor allem aber im unberechenbaren Russland. Weist jemand darauf hin, dass die Nato-Staaten rund 900 Milliarden Euro für’s Militär ausgeben, Putins Riesenreich aber nur 66 Milliarden Euro, wird seitens der USA daran erinnert, dass sich alle Nato-Staaten auf zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes geeinigt hätten. Übertroffen hat diese Quote in der EU Griechenland mit 2,4 Prozent. Allerdings nur, weil zuvor die Wirtschaft zusammengebrochen ist.

„Wir haben verstanden“, beteuerte Ministerin Ursula von der Leyen auf der Sicherheitskonferenz. Aber müssen wir wirklich verstehen, dass die alte Formel vom Frieden schaffen mit immer mehr Waffen wieder stimmen soll? „Waffen sind die schlechtesten Argumente“, sagt man in Donald Trumps aktuellem Lieblings-Staat Schweden. Bringen nachdenken und verhandeln nicht doch mehr Frieden?

Vielleicht, sagen die Aufrüster. Aber der Staat hat gerade einen gewaltigen Überschuss. Da kann man doch auch mal investieren. Stimmt. Wie wäre es zum Beispiel mit den Renten?

Unser angeblich leistungsfähiges Sozialsystem schafft es, dass die durchschnittliche Altersrente bei uns in Mittelfranken 1090 Euro für Männer und 590 Euro beträgt. In Österreich sind die Renten doppelt so hoch.

100 Prozent mehr, das ist ein dickes Brett. Aber für diese Sache sollten wir es gerne bohren.

 

Denk‘ ich an Schweden in der Nacht…

Wir sollten Donald Trump dankbar sein. Richtete er doch den Schweinwerfer auf ein famoses, aber im Allgemeinen ziemlich vergessenes Nachbarland. Der US-Präsident hat Schweden entdeckt. Und er hat – Fak, Fake, Fake – öffentlich behauptet, dass dort nachts etwas passiert.

Das ist, statistisch betrachtet, ziemlich unwahrscheinlich. Schweden ist mit 450.000 Quadratkilometern fast 30 Prozent größer als Deutschland. Es hat aber nur zehn Millionen Einwohner, mithin nicht einmal ein Achtel der Bevölkerungszahl unseres Landes. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Schwede zufällig einen Schweden trifft, um gemeinsam Unsinn zu machen, ist also relativ gering. Vermutlich deshalb gibt es hier bloß 18.000 Polizisten. Alleine in Bayern sind es 41.000.

Die Schweden gelten uns als ein Volk, in dem die Frauen blond sind und trotzdem nicht mehr Elternzeit als ihre Männer nehmen. Ein bedeutendes Unternehmen von dort hat es geschafft, dass Kinder Kötbullar statt Frikadelle oder Fleischküchle sagen. Schweden hat sechs Mal den Eurovision Song Contest gewonnen, drei Mal so oft wie Deutschland. Dieses Land kann Popkultur. Seine Designer verzieren Kerzenhalter, Serviettenständer oder  Weinkorken mit Elchen und nennen Hängeleuchten Söder.

Doch genug der Länderkunde. Was war los Freitagnacht in Schweden? Der Witze gibt es viele, Tatsache ist aber, dass der 87-jährige Sänger Owe Thörnquist bei seinen Proben zum Vorentscheid für den Eurovision Song Contest technische Probleme hatte. Wegen Sturm und Schnee wurde die Straße E 10 wegen Schnee und Sturm zwischen Katterjak und Riksgränsen gesperrt. In Stockholm beendete die Polizei eine Trunkenheitsfahrt. Später am Wochenende schießt der migrationshintergründige Schwede Imbrahimovic ein tödliches Tor. Aber das war im englischen Blackburn.

Der Präsident hat inzwischen eingeräumt, dass sein angeblich schlimmer Vorfall aus einer Fernsehsendung stammt, die er allerdings falsch verstanden hat. Unser Fazit: Laut einer Studie der Barmer Ersatzkasse hatten im Jahr 2015 rund 9,3 Prozent der Deutschen regelmäßig Kopfweh. Seit dem Erscheinen von Donald Trump dürften es stetig mehr werden.