Dem Adel sei geraten: Geht arbeiten!

Zu den erstaunlichsten Institutionen gehört der deutsche Adel. Vor 100 Jahren wurde er abgeschafft. Niemand dürfte mehr als Durchlaucht oder Hoheit angesprochen werden. Die Sitte, Neugeborenen zehn und mehr Vornamen zu geben, dürfte als liebenswerte Exzentrik angesehen werden. Jedoch: Die vormaligen Prinzen und Barone sehen die Sache völlig anders.

Jüngst haben sich die Hohenzollern zu Wort gemeldet. Energisch fordern sie ehemalige Besitztümer zurück. Es geht um Schlösser und Kunstwerke, auch der Stuhl auf dem Preußenkönig Friedrich II. gestorben sein soll, wird seitens der Familie beansprucht.  Die Enteignungen durch die sowjetische Besatzungsmacht in den Jahren 1945 bis 1949 sollen rückgängig gemacht werden.

Und nun wird diskutiert. Das Spezielle am Hochadel  ist ja, dass er trotz offensichtlicher Nutzlosigkeit zum Teil heftig verehrt wird. Wo sich ein Prinz oder Fürst die Ehre gibt, gilt das als Aufwertung jeder Veranstaltung. Die Fachzeitschriften für Herz und Schmerz lehren uns, dass auch eine Pfalzgräfin von Wanne-Eickel etwas Besonderes darstellen würde., so es eine gäbe.

Wir schwelgen, wenn irgendein unbedeutendes Fürstenpaar seine Traumhochzeit feiert. Weil es darunter in Adelskreisen ja nicht geht. Und wir schauen gespannt nach England, um zu erfahren, welche Prinzgemahlin ihren Jaupt-Job, das Gebären von potenziellen Thronfolgern, besser erledigt.

Wir zeigen Verehrung und Respekt vor (angeblich) blauem Blut, ohne genau zu wissen, warum das notwendig ist.

Im Hochadel weiß man das. Man sieht sich von Gott gesandt. Das ist schwer nachzuprüfen, weil Gott ja nie etwas sagt. Tatsächlich dürften Macht und Wohlstand etlicher Herrschergeschlechter auf weit zurückliegende Deals mit den selbst ernannten Stellvertretern Christi beruhen. Und oft stand am Anfang wohledler Familiengeschichten ein begabter Raubritter.

Die Hohenzollern haben Kaiser und Könige hervorgebracht. Sie haben sich vom Volk finanzieren lassen, haben aber die entscheidenden Schlachten verloren. Jetzt sind Eigentum und Einfluss weg. Aber auch die SPD kann nicht unter Berufung auf das Lebenswerk von Gerhard Schröder das Kanzleramt zurückfordern.

Wir haben nichts zu verschenken. Gut, den Stuhl vom Alten Fritz könnt Ihr haben. Feiert Eure Traumhochzeiten, setzt zum Pferderennen lustige Hüte auf und gebärt Thronfolger*innen mit endlosen Namen und gottgesandten Fürstenlöckchen. Spaß dürft Ihr uns machen. Aber ansonsten: Geht arbeiten. Und sei es in den fürstlichen Wald.