Horst Seehofer und seine CSU 21
Eines muss man Horst Seehofer lassen: Wenn es um Machterhalt geht, arbeitet er ohne Rücksicht auf Verluste. Die berühmte Steigerungsformel Feind, Todfeind, Parteifreund stimmt bei ihm. Wer nichts mehr bringt, wird abserviert. Bis aus seiner Sicht alles wieder im Lot ist, werden noch einige Opfer Donau, Inn oder Main hinabschwimmen.
Oder auch die Pegnitz? Die Nürnberger Bundestagsabgeordnete Dagmar Wöhrl hat zurzeit ziemliche Probleme. Die Süddeutsche Zeitung berichtet, dass sie mit einem Beratervertrag für die Schweizer Sarasin-Privatbank ähnlich viel Geld verdient wie für ihr Bundestagsmandat. Das ist schädlich, weil man in diesen schweren Zeiten für Steuersünder die Nähe zu Geldinstituten der Alpenrepublik meiden sollte. Da muss jemand die nächste Zeit höllisch aufpassen.
Wie dem auch sei: Dem CSU-Chef ist zu bestätigen, dass er aus der jüngeren Geschichte gelernt hat. Nämlich von Stuttgart 21. Wenn die Probleme zu groß werden, wenn sich gar zwei bis ...weiter lesen
Das Unrecht lauert im Kaufhaus
Nein, diese Welt ist nicht gerecht. Diskriminierung ist überall! Diese Erfahrung machst du als Man spätestens dann, wenn die Haare ausfallen, der Bart grau und der Bauch größer wird. Wo? Zum Beispiel in jedem gut geführten Kaufhaus.
Du musst ja nur mal mit Karohemd und abgetragener Jeans in die Marken-Mode-Anzugs-Abteilung der entsprechenden Filialen gehen. Wenn du Glück hast, wirst du vom Verkäufer überhaupt bemerkt. Oder Mr. Schniegelmann gibt dir durch ein leichtes Naserümpfen zu verstehen, dass er Besseres zu tun hat, als ausgerechnet dich zu bedienen. So wird dir klar: Der taillierte Armani-Blazer ist nichts mehr für dich. Und du fragst gleich, wo es die Hawaii-Hemden gibt.
Plagt den Verfasser, also mich, gerade eine Midlife-Eisheiligen-Depression? Nein, gar nicht. Denn Konsumenten-Diskrimierung ist ein weit verbreitetes Phänomen. Wie Wissenschaftler des Lehrstuhls für “Valued Based Management” der Universität Augsburg herausgefunden haben, ...weiter lesen
Der kleine Luca und der böse Süden
Es ist schon richtig, dass sich in den Namen der Kinder die Sehnsüchte ihrer Eltern ausdrücken. Bei uns in Deutschland schien der Fluchtreflex zuletzt groß zu sein. Denn bei den neugeborenen Jungen lag der Name Luca vorne.
Klingt italienisch, zum Beispiel nach dem Fußballer Toni. Und das hatten wir ja schon einmal. In der DDR. Damals protestierten Menschen gegen das Eingemauertsein, indem sie Aufkleber der Zigarettenmarke “West” auf Trabi und Wartburg klebten. Aber ebenso dadurch, dass sie ihren Kindern südländische Vornamen geben. Auch heute noch weiß man einiges über die Herkunft, wenn man mit einem Silvio Schulze oder einem Rocco Neumann kennenlernt.
Allerdings: Ist das Land, in dem die Zitronen blühen, noch immer eine Verheißung? Das doch eher nicht. Man muss doch bloß daran denken, dass eine Partei namens AfD innerhalb kürzester Zeit 13.000 Mitglieder gewonnen hat. Nur, weil ihr Talkshow-Professor auf sämtlichen Fernsehsofas verkündet, dass ...weiter lesen
Was macht die Gsell, wie geht’s der Pauli?
Zu den allseits beliebten journalistischen Produkten zählt die Rubrik “Was macht eigentlich…..?”. Man erinnert damit an berühmte Menschen, die in Vergessenheit geraten sind. Man schreibt zum Beispiel darüber, dass der große Kriegstreiber Georg W. Bush heute Bilder von Hundebabys malt. Aber bleiben wir in Franken, und fragen: Was machen zwei große Heldinnen dieses Blogs, nämlich Tatjana Gsell und Gabriele Pauli?
Als ich kürzlich an Tatjana Gsell gedacht habe, war das vermutlich eine Vorahnung. Denn tatsächlich: Sie ist wieder da. Die einstmals teuerste Frau der Welt hat eine Hauptrolle in der quotenstarken RTL2-Serie “Promi-Frauentausch” bekommen. Sie präsentiert sich dort, wie es heißt, dank einer konsequenten Champagner-Botox-Diät völlig faltenfrei und mit einer Oberweite, die nach den Gesetzen der Schwerkraft den aufrechten Gang unmöglich macht. Aber gut, auch Hummeln können fliegen. Wie das Fernsehpublikum mittlerweile erfahren hat, ...weiter lesen
Die Gesellschaft der feinen Asozialen
Was sind Steuersünder wirklich? Fehlgeleitete Schafe, die man mit ausgebreiteten Armen liebevoll wieder in die Gemeinschaft aufnehmen sollte? Oder strunznormale Kriminelle, die den großen Vorteil haben, dass ihnen bei offiziell bekundeter Reue Straffreiheit winkt? Der Präsident des FC Bayern München, Uli Hoeneß zählt sich selbst ganz klar zur ersten Kategorie. Und klagt deshalb von der Titelseite der “Zeit”: “Ich gehöre nicht mehr dazu.”
Er sieht sich also als Ausgestoßener. Da aber täuscht er sich radikal. Hoeneß wurde durch seinen Steuerbetrug eben nicht aus der Gesellschaft hinauskatapultiert. Er war gar nicht drin.
Reiche, mächtige und berühmte Menschen kreieren sich ihre eigene Gesellschaft. Sie basteln sich ihr persönliches Umfeld, in dem die Regeln der großen Masse nicht gelten. Der Golfplatz ist kein Wirtshaus, die Schweizer Privatbank keine Kleinstadt-Sparkasse. Und der FC Bayern München ist, nun ja, sowieso von Lichtgestalten ...weiter lesen
Brigitte und die “Teutsche Frau”
“Sie trägt ihr glattes Haar nach hinten gekämmt, die Wangenknochen sind mit Rouge betont, die Fingernägel braun lackiert. Das Sommerkleid hat sie mit olivgrünen Gummistiefeln kombiniert. Wir sehen die Angeklagte und fragen uns: Sieht so eine Mörderin aus? Alle im Gerichtssaal sind verstört über diese Frau. Hat sie deshalb so viel Böses getan, weil ihr Schrei nach Liebe nie gehört wurde?”
So könnte sie zu lesen sein, die Berichterstattung vom Prozess gegen die Nazi-Braut Beate Zschäpe. Denn unter den Medien, denen das Los einen Platz im NSU-Prozess beschert hat, ist die Frauenzeitschrift “Brigitte”. Klar, auch dieses Blatt bringt gute Texte, aber Mord und Terror ist dort nicht gerade nahe liegend. Wir sind also gespannt, wie das Geschehen verarbeitet wird. Wir rechnen mit psychologischem Tiefgang und mit einem Sonderheft, in dem das Thema “Frauen, Vorurteile und Gewalt” von verschiedenen Seiten beleuchtet werden wird.
Es hätte ...weiter lesen
Wenn zwei das Gleiche tun…
Wenn zwei das Gleiche tun, ist es noch lange nicht dasselbe. Ja, dieses Sprichwort ist abgedroschen. Aber es stimmt. Das erleben wir gerade am Beispiel der Affäre Hoeneß.
Zwar gibt es viele Stimmen, die nach Rücktritt rufen. Doch alles in allem ist die Reaktion auf seinen Steuerbetrug moderat. Weil Uli Hoeneß eine Reizfigur ist, die man trotz alledem nicht missen möchte. Er zählt zu den Oberhäuptern der einzigen weltumspannenden Religion, des Fußballs. Also ist mancher willens, dem kaiserlichen Steueroptimierer Franz Beckenbauer zu glauben, wenn dieser, wie auf Sky geschehen, dreist erklärt: “Na ja, der Uli. Der macht immer zehn Sachen gleichzeitig. Da hat er halt was vergessen.” Und so lernen Menschen, die in einem kompletten Arbeitsleben einen Bruchteil von dem verdienen, was der Bayern-Präsident an Zinsgewinnen einsackt, ein großes Wort aus der Welt der Justiz fehlerlos auszusprechen: UNSCHULDSVERMUTUNG!
Nehmen wir doch einmal an, Uli Hoeneß wäre ...weiter lesen
Rettet die CSU-Politikerfrauen!
Angesichts der Steuerhinterziehung durch Uli Hoeneß, Fußballgott, ist für die Öffentlichkeit ein anderer großer bayerischer Skandal in den Hintergrund gedrängt worden: Es geht um das Schicksal von Frauen. Genauer gesagt, um das weitere Überleben der Frauen bedeutender CSU-Politiker.
Politischen Beobachtern ist seit langem klar, dass die CSU den Freistaat Bayern als ihr Eigentum betrachtet. Die meisten Wahlergebnisse der Vergangenheit haben – das sei der Partei zugestanden – diese Vermutung durchaus gestützt.
Was aber ist gerade los?
Alle Landtagsabgeordneten erhalten eine Pauschale, mit der sie Bürokräfte bezahlen können. Aber brauchen das Volksvertreter einer Partei, der aus Tradition sowieso sämtliche Ministerien treu und ergeben zuarbeiten? Also dachten sich alte Recken wie der Staatsminister für Unterricht und Kultus, Ludwig Spaenle und Fraktionsschef Georg Schmid, dass man dieses Geld doch auch in der Familien lassen könne. Man beschäftigt ...weiter lesen
Uli Hoeneß, der Dagobert vom anderen Stern
Es geht um ein “unvorstellbares Vermögen”. Die Nachricht ist aber sehr wohl vorstellbar. Uli Hoeneß, größter deutscher Fußballpräsident aller Zeiten, soll mehrere hundert Millionen Euro am Finanzamt vorbei in die Schweiz geschafft haben. Nun ist von Rücktritt die Rede. Was wiederum ziemlich unvorstellbar ist.
Man kann doch verstehen, dass dieser Mann im Geld nur so schwimmt. Schließlich steht er für zwei Produkte von Weltrang. Seine Mannschaft, der FC Bayern München, spielt gerade “Fußball vom anderen Stern”. Der Verein gilt als wirtschaftlich unvorstellbar gut gestellt. Wo sich andere Clubs wegen 20-jähriger Kurzpass-Götter in irrwitzige Schulden stürzen, zahlt ein Uli Hoeneß vom Festgeldkonto. 40 Millionen im Geldkoffer, mit einem kurzen Handschlag in einer VIP-Lounge überreicht? Kein Problem.
Auch sein zweites Projekt ist ein Welterfolg: die Rostbratwurst. Millionenfach verlässt sie die Hoeneß-Fabrik am Nürnberger Kanalhafen. ...weiter lesen
WIR ist nett – aber SIE gewinnt

Ein Hoch auf politische Sprachkunst.
Es ist das Schicksal der großen sozialen Volkspartei, dass sie immerzu Gemeinschaft muss gebären. Nun wird gesagt, dass der neue Spruch bereits von einer bayerischen Zeitarbeitsfirma verwendet werde. Dumm gelaufen. Andererseits gelingt den Sozialdemokraten mit diesen Worten wieder eine engere Verbindung zu den Gewerkschaften. Ver.di ...weiter lesen
Der Porsche als Glatzentröster

Er hat ein Ziel: Gib mich den Porsche!
Vor, sagen wir, drei Jahrzehnten wäre das undenkbar gewesen. Männer mittleren Alters haben unter ihrem Haarverlust gelitten. Aber sie hatten gelernt, ihn zu ertragen. Vielleicht, weil sie in ihrer Jugend eine haarextreme Phase hinter sich hatten. Und weil bekannt war, dass Haarwasser dieser Zeit außer Gestank wenig bewirkt hat. Birken-Extrat machte ähnlich einsam wie ...weiter lesen
Unruhen? Wundern muss sich niemand
Revolution, Umsturz, Chaos: Böse Worte machen zurzeit in Europa die Runde. Vor allem in den südlichen Ländern der Eurozone steige die Gefahr von Unruhen, heißt es. Tja, warum eigentlich nicht?
Schließlich zeigt sich, dass für die Zukunft Europas ein wichtiges “Geschäftsmodell” fehlt. Nämlich für die Frage, wie die junge Generation sinnvoll beschäftigt werden kann. In Frankreich ist jede(r) Vierte zwischen 18 und 24 Jahren arbeitslos. In Italien jede(r) Dritte, in Spanien und Griechenland inzwischen mehr als jede(r) Zweite. “Null Bock” war im letzten Jahrtausend die Chiffre für eine Generation, die keine Lust hatte, die Zukunft nach Art ihrer Eltern und Großeltern zu gestalten. Heute steht dieser Begriff für das verkorkste Verhältnis von Staaten und Wirtschaft gegenüber jungen Leuten.
Warum eigentlich sollten die Betroffenen die derzeitige Lage akzeptieren? Warum sollten sich Menschen mit Hochschulabschluss damit abfinden, dass sie ...weiter lesen
Der Tod lauert in der Badewanne
Liegt es am tristen Wetter? Gerade war wieder so ein Tag mit bösen Nachrichten. Reihum wurde uns klar gemacht, dass uns, was immer wir auch tun, der Tod belauert. Weil er uns früher holen will, als wir das selber möchten. Weil wir ihm helfen, indem wir doof sind. Oder weil uns andere Böses tun.
Meldung Nummer. 1: Laut einer wissenschaftlichen Studie blasen deutsche Kohlekraftwerke irre Mengen Feinstaub und zu viele giftige Gase in die Luft. Es gebe den “Tod aus dem Schlot”. 3100 Menschen pro Jahr müssten wegen dieser Kraftwerke vorzeitig sterben.
Es ist gut, dass eine Umweltorganisation wie Greenpeace auf Gefahren aufmerksam macht. Das führt im besten Fall dazu, dass Anlagen getestet, nachgerüstet oder abgeschaltet werden. Wenn man sich aber die gesamte Palette der Umwelt und Lebensmittelskandale hinzudenkt, stellt sich schon die Frage, wieso wir hier auf Erden überhaupt noch die Umwelt verschmutzen können. Und wie es sein kann, dass diese Gesellschaft ...weiter lesen
Ganz sicher: Franziskus wird der neue Obama
Machen wir nicht lange herum, sondern halten wir fest: Der neue Papst Franziskus wird den Friedensnobelpreis bekommen. Unter Garantie. Es geht nicht anders.
Der Mann hat bis hierhin einfach alles richtig gemacht. Hat kritisiert, dass sich die katholische Kirche zu weit von den Menschen entfernt habe. Hat seinen Priestern empfohlen, an die Ränder der Gesellschaft zu gehen. Hat ein behindertes Kind an sich gedrückt und sogar Frauenfüße gewaschen und geküsst. Lauter gute Signale, die ihn wunderbar von seinem verknöcherten Vorgänger Papa Ratzinger abheben. Die Menschen sind entzückt, bislang als weltlich eingeschätzte Medien konkurrieren in Sachen Nachrichtenfülle und Verbalverneigung mit den frommsten Bistumsblättern.
So etwas Ähnliches gab es schon mal. Der Vorgänger hieß Tschortsch Dabbeljuh, der damals neue Mann Barack Obama. Ein paar gute Reden genügten, um ihn zum globalen Friedensengel zu ernennen. Was dann an Politik gekommen ist, war ziemlich oft etwas ...weiter lesen
Balanceakt mit dem vierten Grad
Glückwunsch: Der Bayerische Landtag hat die Neuzeit erreicht. In einer Epoche, in der Familienbeziehungen auseinander brechen, in der Patchwork-Familien mit letztlich völlig unübersichtlichen Beziehungen auf dem Vormarsch sind, hat das Landesparlament mit den Regeln der Beschäftigungsmöglichkeiten für seine Abgeordneten einen hoch modernen Pflock in den Boden gerammt. Vetternwirtschaft ist ab sofort verboten. Uns aber beschäftigt die Frage: Was in aller Welt ist ein Verwandter vierten Grades?
Im Normalfall hatten wir beim vierten Grad spontan an Verbrennungen gedacht. Aber man kann auch als Parlamentsabgeordneter verbrannt werden. Was zu vermeiden ist. Informieren wir uns also der Reihe nach. Verwandte ersten Grades sind die ganz direkten. Also Eltern und Kinder. Bruder und Schwester gelten als Verwandte zweiten Grades.
Das ist einfach. Doch Verwandtschaftsbeziehungen sind kompliziert. So sind die Geschwister der Eltern Verwandte dritten Grades. Der Onkel zweiten ...weiter lesen