Die Metamorphose des Markus S.

Unser allwissendes Wikipedia beschreibt die Metamorphose als                  Umwandlung der Larvenform zum Adultstadium, dem geschlechtsreifen, erwachsenen Tier. Wir kennen dieses Phänomen vor allem von Schmetterlingen und Fröschen. Doch existiert es auch in der Politik. Wie wir an Markus Söder sehen.

Wenn wir gedanklich, sagen wir, zehn Jahre zurückgehen, stellen wir fest,  dass der bayerische Ministerpräsident in der öffentlichen Wahrnehmung ein annähernder Scheuer beziehungsweise ein ziemlicher Dobrindt gewesen ist. Markus Söder hatte viele Gegner, war auch ein Lieblingsobjekt von Spöttern. Wer zugibt, dass er sich ein Franz-Josef-Strauß-Plakat ins Jugendzimmer gehängt hat, muss ja einer großen Masse als suspekt erscheinen.

Aber die Zeiten ändern sich. Während sich für Alexander Dobrindt keiner mehr interessiert und Andreas Scheuer als Kaulquappe der CSU im Teich der Öffentlichkeit strampelt, wurde der neue und einzige CSU-Star von der Krisen-Muse geküsst. Er ist seither kein Frosch mehr, sondern, wenn schon  nicht der Kini, ein Kronprinz für Berlin. 

Nach seiner Verwandlung ist Söder zwar kein bunter Schmetterling. Aber er wird, wenn Flügel denn sein sollen, als trutziger Corona-Engel verehrt, der die umheschwirrende Gefahr besiegt.  Und der es nebenbei geschafft hat, dass sich die Nachtfalter der AfD in die dunkeldeutsche Verpuppung zurückgezoge haben.

 Alles ist schön. Doch wir sollten bedenken: Mancher Glanz ist nicht von Dauer. Ob alle Entscheidungen von heute richtig waren, wird sich erst in Wochen, Monaten oder gar in Jahren zeigen. Schon jetzt sieht man, dass die bayerischen Hilfen für Selbstständige so genial nicht sind. Die Kosten für den Bürobetrrieb oder das geleaste Auto werden getragen. Beiträge zur privaten Krankenversicherung oder Kosten für die Lebenshaltung aber nicht.

Und so könnte es sein, dass mancher strahlende Kreative von gestern zum verhärmten Hartz-IV-Kunden von morgen wird. 

Söder leuchtet. Aber Glanz ist endlich. Mal sehen, wie lange er hält.