Immer trifft’s die Falschen

Im Leben trifft es immer die Falschen. Uns zum Beispiel. Wenn wir auf die Ampel zufahren, wird sie rot. An unserer Supermarkt-Kasse geht es in jedem Fall am langsamsten. Unser Lieblings-Fußballverein ist meistens in Abstiegsgefahr. Im Lotto gewinnen immer die anderen.

Also hadern wir. Denn wir haben niemand etwas Böses  getan. Sondern haben – im Gegenteil – unser Bestes gegeben. Wir haben uns angestrengt, wir waren, im Rahmen des für Menschen Möglichen, aufrichtig bemüht, ehrlich zu sein. Nie waren wir unnötig laut.

Also fragen wir uns, warum es anderen besser geht. Jenen, die schrill und schreiend auftreten, zu deren Prinzipien es gehört, sich Opfer zu suchen und zu attackieren.  Die kein Problem damit haben, schiefe Wahrheiten oder gar Lügen in die Welt zu setzen. Wenn es denn dazu führt, dass sie beachtet werden und erfolgreich sind.

Nein, dies ist kein Beitrag über den – gemäß Selbsteinschätzung – großartigsten US-Präsidenten aller Zeiten. Gemeint ist, aus aktuellem Anlass, die immer noch meistgekaufte Tageszeitung dieser Republik.  Sie macht sich gerade zum Kampfblatt der Corona-Verschwörer. In großen Buchstaben schürt sie Zweifel an der Wissenschaft, streut Hass gegen einen anerkannten Forscher. Um Fakten geht es nicht so sehr. Wer lesen möchte, was angeblich keiner sagen darf, ist hier willkommen.

Und tatsächlich: Das Blatt steht im Rampenlicht, ist bundesweit Gesprächsthema. Es verliert zwar immer mehr Käufer, aber es verdient ja – mit noch mehr Geschrei – Geld im Internet. Also bleibt es uns erhalten.

Andere haben nicht dieses Glück. Weil es die Falschen trifft. Und so endet dieser Text mit einem Abschied. Ich winke dem Nürnberger Blitz und seinen Leser*innen zu, der am 30. Mai zum letzten Mal erscheint. Woche für Woche hat dessen Redaktion Texte dieses Blogs  übernommen. 

Schön war das. Also macht es gut. Ich tue es auch, denn hier geht es weiter.