Bommes, Bier und Bino

Neulich war es so weit: Ich hatte mein allererstes Mal. Beim Club! Ein Schlagerspiel wie gegen Sand­hausen kann nicht mal ich mir ent­gehen lassen. Schon der Auftakt war gut.
„Leute, ich muss früher weg, ich geh zum Club“, rief ich in die Kolle­genrunde. Rätselnd schaute mich eine Kollegin an: „Wieso, was ist dort heut?“, fragte sie. „Äh, na ja, er spielt halt.“ Tosendes Gelächter bei den Herren. „Ach so…“, war die Kollegin enttäuscht. Sie hatte offen­bar eher mit einer Modenschau gerechnet. Warum sollte ich, bitte schön, sonst zum Club gehen?!


Warum bin ich, bitte schön, nicht schon viel öfter zum Club gegangen, fragte ich mich nach meinem Ein­treffen
im Stadi­on. Man darf sit­zen, es gibt Curry­wurst mit Pom­mes und das Bier wird einem direkt an den Platz getragen. Dazu gibt es einen super Chor, okay, mit beschränkter Lied­auswahl, aber immerhin, und Live-Kommentatoren vom Feinsten. Eine Marcella Reif zu meiner Rechten sollte meine Ohren im Folgenden noch zum Wackeln bringen. Bei ihr konnte ich sehr schön lernen, auf was es bei einem echten Club-Fan ankommt.


Erstens: Gute Laune. Zweitens: Nur schlechte Laune ist gute Laune. Drittens: Eine Außerbetriebnahme der eigenen Goschen ist nur kurz­fristig und nur aufgrund von Bier­aufnahme zu verzeihen. Ansonsten wird, viertens, kommentiert. Und zwar, fünftens, alles — und das so laut wie möglich.
Wichtig ist dabei eine möglichst optimistische Herangehensweise: „Es Wetter bassd, die Hymne woar schee. Danach gemmer no ins Gärt­la“, ließ Marcella Reif ihren Kompa­gnon und mich wissen. „Bloß des Fußballspiel dazwischen, des musst ausblenden!“ Eine Taktik, die ich um einiges leichter umsetzen konnte als meine Nebensitzerin. Während ich ver­suchte,
an der Schulter meiner auf­gesprungenen Vordersitzerin vor­bei, gegen die Abendsonne aufs Spielfeld zu blinzeln, hatte Marcel­la Reif die Lage im Blick. „Wos is etz scho widder, du Luft?! Steh auf!!“, versuchte sie einen Sandhau­sener für das zügige Weiterspielen zu begeistern. Tatsächlich erhob sich der Gefallene irgendwann wie­der. Nürnberg war im Ballbesitz. Aber auch das konnte meine Neben­sitzerin nicht lange milde stimmen: „Ja dreh di halt noch fünfmal!“, rief sie einem Nürnberger Spieler zu, dem sie sofort alternative Berufs­möglichkeiten aufzeigte: „Wenn der sich so gern dreht, soll er halt zum Ballett geh! Do hatter Platz, do kan­ner so aSchow abziehng!“

Während ich noch beeindruckt der scharfsinni­gen Analyse mei­ner Nebensitzerin nachhing, riss dieser fünf Minuten später der nicht vorhandene Ge­duldsfaden. „Glabbsters naa! Etz gemmer nunder und drong ihner des Tor a weng hie und her. Viel­leicht treffen s’ dann amal!“ Nur einer konnte die Zornesfalte auf Marcellas Stirn glätten. „Bino!“ Kein Liebespaar der Welt, und wäre es noch so frisch entflammt, könnte einen Kosenamen zärtlicher flüs­tern, als meine Nebensitzerin diese vier Buchstaben: „Biiino!“ Wenn Franken lieben, dann klingt es wie Butter, die auf einer Schäufele­kruste schmilzt. Dummerweise wurde Pinola kurz darauf in die Hacken getreten. Die darauffolgende Einschätzung der Spielsituation meiner Nebensitze­rin kann ich hier nicht abdrucken. Nur so viel: Sie war nicht einver­standen. Und hatte einige Vorstel­lungen, was mit den Körperteilen des Gegenspielers zu veranstalten möglich wäre.

Am Ende hat der Club sogar gewonnen. Was will ich mehr?
Ich denke, ich komme wieder. Und freu mich auf die drei heiligen Bs: Bommes, Bier und Bino!

1 Kommentar in “Bommes, Bier und Bino

  1. Hallo Frau Röckl,
    vielen Dank für diese Sternstunde der „middelfränggischen“ Sportberichterstattung.
    Ich freue mich schon jedes Wochenende auf Ihre Kolumne in den Nürnberger Nachrichten…
    Liebe Grüße
    Matthias

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