Liebesgrüße aus Franken

Und, wer hat Sie heute schon dumm angeredet? Niemand? Dann sind Sie vermutlich einfach noch nicht vor die Tür getreten. Das ist manchmal auch eine sehr gute Idee. Die Teilnahme an der Außenwelt wird oft überschätzt. Und die Kommunikationsfreudigkeit der Franken gleichzeitig unterschätzt. Dass Franken nicht gerne sprechen, ist eine Mär! Man muss nur ausreichend skandalöse Taten begehen, dann überwindet die angeblich so scheue Spezies sofort jede Hemmung. Liebreiz kann man dabei freilich nicht auch noch erwarten. Begleitet wird die spontane Sprechfreudigkeit meist von einem Gesichtsausdruck, der einer Bulldogge gleicht, die in eine Zitrone beißt.

Gestern hatte ich in der U-Bahn so ein Erlebnis. Weil die Pegnitzpfeile in letzter Zeit ja häufig lieber stehen als fahren, musste ich mich in Schoppershof in ein recht überfülltes Abteil quetschen. Dort beging ich sofort Straftat Nummer eins: Ich rempelte einen Mann an. Und entschuldigte mich. Das fand er anscheinend noch blöder. Er sandte mir einen Blick, der, an einen Drei-D-Drucker angeschlossen, sofort einen Packen Giftpfeile ausspucken würde. Ich setzte mich artig auf einen Platz, von dem ich mich am U-Bahnhof Wöhrder Wiese wieder erhob, um auszusteigen. Am Rempel-Mann vorbei. Das war zu viel für ihn. „Für drei Stationa hassd dich etz hieghoggd??!“ Fassungslos starrte er mich an.
Aber gut, ich bin ja auch verrückt. Wenn jeder in der U-Bahn ein- und aussteigt, wie er will, wo kämen wir denn da hin? Ans Ziel vielleicht am Ende noch? „Das Leben ist doch ka Wunschkonzert, Madla“, höre ich ihn sagen.

Apropos „Madla“ — derart angesprochen, fühlt man sich immerhin gleich 20 Jahre jünger. Ich freute mich, dass ich ihm doch nicht hinterhergeschickt habe: „Guter Mann, haben wir denn schon zusammen geschussert??! Ich werde in zwei Jahren 40!“ Ja, hierzulande kann man sich tatsächlich auch bei fortgeschrittener Jugend immer noch ganz kindlich fühlen. Eine Freundin wird regelmäßig, wenn sie mit dem Rad unterwegs ist, von erbosten älteren Herrschaften sehr jugendlich behandelt. Neulich schickte ihr ein Herr sogar seinen besten Freund hinterher: „Hull’s, Hasso!“ (Name des Hundes geändert, Anmerk. d. Red.).

„Saache mir, wie du barrgst, und ich saache dir, wer du bist“, kommentierte einst ein Herr das Ausparkmanöver einer anderen Freundin. Beinahe philosophisch. Leider aber falsch, denn nicht die Freundin hatte doof geparkt, sondern über Nacht alle anderen. Aber so genau wollte es der Herr dann auch wieder nicht „gesaachd“ bekommen und trollte sich.
Als gebürtige Nürnbergerin bin ich auf alles gefasst. Auch bei mir selbst. Immerhin habe ich neulich schon einmal Wasser auf junge Menschen geschüttet. Das war wahrscheinlich schon der Anfang. In kurzer Zeit wird auch mich die schleichende Belferitis überfallen. Unmerklich werden meine Mundwinkel in Richtung Merkel mutieren, dann nistet sich ein chronisches Grummeln in meinen Stimmbändern ein. Am Ende werden sich meine Stirnfalten in Akkordeonmanier gefaltet haben und ich blase dazu allem, was vorbeikommt, den Marsch. Und zwar so was von! Ich kann mich schon hören: „Su gejht’s doch net! Einfach aufm Weech rumlaufen. Mit Schouh an di Fejß. Ja, Dunnerwetter! Suwos hat’s frejhers net gehm!“

Als Erstes rufe ich mich am Montag gleich mal selber in der Redaktion an. Um mich über diese Kolumne hier zu beschweren: „Alzo, horng’S amal zou, junge Frau. Su a Gschmarri braung’S fei nimmer schreim!“. Anbei weise ich noch ein für allemal darauf hin, dass „Schäufele“ ohne „R“ geschrieben wird. Erscheint noch einmal irgendwo „SchäufeRle“, drohe ich, die Atombombe zu zünden. Ich glaube, es wird herrlich.
Und Sie da, lesen’S etz endlich amal ferddich! Ja, glabbsters naa.