Was zerkoche ich heute?

topf„Am besten kann ich mich beim Kochen entspannen.“ Ein Satz, der mir so unerklärlich ist wie Steil­wandklettern. Nichts dagegen, aber nichts für mich. Das Wellnessen beim Kochen funktioniert höchs­tens in meinem Kopf. Vor meinem geistigen Auge sehe ich mich gelas­sen eine Zwiebel schneiden, dann pflücke ich lächelnd eine Handvoll Basilikum vom Balkon. Im Ofen backt irgendetwas, das anspre­chend riecht und mollige Hitze ver­breitet. Der Tisch in meinem — selbstverständlich aufgeräumten — Wohnzimmer ist gedeckt, meine Gäste können kommen.


Ich kenne Menschen, bei denen läuft das so. Die laden mal eben auf einen Glas­nudelsalat ein, backen Nuss­ecken, ohne auch nur einen einzigen Krümel auf der Küchenanrichte zu hinterlassen, oder kreieren Salate, die aussehen wie Deko-Arrange­ments von angesagten Floristen. Ohne eine Schweißperle auf der Stirn legen diese Kochhybriden letz­te Hand an ihr lukullisches Werk, öffnen gleichzeitig eine Weinflasche und schaffen es dabei noch, sich mit den Eingeladenen zu unterhalten.
Bei mir sieht die Sache ein biss­chen anders aus. Und das geht schon beim Einkauf los, den ich grundsätzlich zu spät antrete. Im nächsten Schritt vergesse ich die Hälfte, am besten Basisbestandtei­le. Dass ich zur Lasagne Nudelplat­ten brauche, fällt mir meistens erst dann ein, wenn ich meine Tüten und mich bereits in den dritten Stock geschleppt habe. Fluchend drehe ich dann wieder ab, um erneut in den Supermarkt zu wetzen.


Um die verlorene Zeit bei der Kocherei wieder einzuholen, schnei­de ich die Zwiebeln dann nicht hin­gebungsvoll wie Sarah Wiener oder lässig wie Jamie Oliver, sondern eher wie Edward mit den Scheren­händen.
Alle Kochtöpfe, die ich brauche, sind grundsätzlich in der Spül­maschine oder gar nicht mehr vor­handen, weil sie die letztmalige
Kochaktion nicht überstanden haben. Eher trennen sich siamesi­sche Zwillinge, als dass eingebrann­ter Reis sich wieder von einem Topf­boden löst. Dafür hat man tagelang ein gemütliches Lagerfeuer-Fla­vour in der Küche hängen. Aber das nur nebenbei. Abgerundet wird der Wahnsinn, wenn dann noch eine Freundin bei mir in der Küche sitzt, mit der ich mich unterhalten soll. Da lese ich die Milch im Messbecher schon mal bei Gramm ab — was dem Rezept einen geringfügig anderen Touch gibt… Wenn alle Frauen angeblich supermultitaskingfähig sind, bin ich offensichtlich ein Mann. O Mann. Wann hat das eigentlich angefangen, dass Kochen plötzlich so wichtig wurde? Und Orangencarpaccio an Avoca­do- Schaum plötzlich so normal wie Nudeln mit Soße? Fast keiner mehr, der sein Essen nicht in Türmchen anrichtet, Suppen in Gläser gießt oder über Balsamico-Reduktionen schwadroniert. Und darüber, wie entspannend Kochen einfach ist.


Sorry, ich kann da nicht mithal­ten. Um es mal ganz reduziert zu sagen: Besser als am Herd entspan­ne ich mich auf meinem Sofa. Mit einem Teller Fischstäbchen auf dem Schoß. An Remouladen-Schaum, versteht sich. Bon appétit!

Peter und die Katz‘

7_1NB0NN2Schock, schwere Not, die Welt hält den Atem an: Hello Kitty ist gar keine Katze! „Sie wurde nie auf vier Beinen gesehen. Nichts in ihrer Szenerie deu­tet darauf hin, dass sie eine Katze ist“, erklärte die japani­sche Hersteller-Fir­ma. Irgendwie erin­nert mich das an jemanden. Wann habe ich Joker eigentlich das letzte Mal auf vier Beinen gesehen? Also, auf ihren eigenen? Ich kann mich ehrlich nicht erin­nern. Die einzigen vier Beine, auf denen ich sie regelmäßig sehe, gehö­ren zu einem Stuhl in ihrer Stamm­kneipe. Und dort deutet ebenfalls nichts in der Szenerie darauf hin, dass es sich bei ihr um eine Katze handelt. Sie sitzt an einem Tisch, manchmal steht ein Bier vor ihr, wenn es sich um den Garten han­delt, eventuell auch ein Aschenbecher. Ist Joker vielleicht am Ende auch gar keine Katze? Ich hatte ja schon oft den Verdacht. Aber, was ist sie dann? Hello Kitty soll angeblich ein klei­nes Mädchen sein. Das trifft bei Joker schon mal nicht zu. Kleine Mädchen haben nur in sehr, sehr seltenen Fällen eine Stammkneipe, wie ich aus Insiderkreisen weiß.


Was auch immer Joker ist, promi­nent ist sie auf jeden Fall. So promi­nent dass sie sich jetzt schon einen Bodyguard zugelegt hat. Nicht ir­gendeinen natürlich. Nein, es ist
der Bodyguard Nürnbergs: Peter Alt­hof. „Ja, den Beeder, den mocher recht gern“, teilte mir der Feuer­bachs- Wirt mit. Klar. Natürlich. Peter Althof als Bodyguard. Der Mann hat schon auf Pamela Ander­son aufgepasst. Der kennt sich mit Miezen aus! Langsam muss ich mir etwas einfallen lassen, sonst bekommt das Viech noch einen Höhenflug. Ich muss dem etwas ent­gegensetzen. Meinen Presseausweis habe ich ihr schon mal gezeigt. Kei­ne Reaktion. Auch meine Akkredi­tierung beim Norisring ging ihr am Pelzärschchen vorbei. Ein Auto­gramm von Heino? Pffff. Sie saß schon auf dem Schoß unseres Ober­bürgermeisters, was ich nicht von mir behaupten kann, Und auch nicht möchte! Also bitte.


Aber gut, mit irgendetwas muss ich sie beeindrucken. Ha, ich weiß es! Es gibt ein Bild von mir im Rat­haus. Da hat sich jemand ins Buch der Stadt eingetragen. Nicht irgend­wer, sondern, Trommelwirbel: die Maus! Von der Sendung mit der Maus. Sie war zwei Meter groß. Ich habe Beweisbilder. Die zeige ich ihr, wenn ich sie in ihrer Kneipe besuche. Obendrauf lege ich meine Knutschbilder mit Pucki, dem Ice-Tigers-Maskottchen.


Und wenn alles nichts hilft, wenn ich wirklich gar nicht mehr weiter weiß, ruf ich den Peter an, er soll mich von der Redaktion abholen und ins Feuerbach eskortieren und mich dort wie im Film „Bodyguard“ über die Schwelle tragen.
Damit werde ich Joker nicht nur eins husten, ich werde ihr eins Whitney Houston!