Mit Tom auf der Couch

Mein Gott, meine Freunde haben vielleicht Probleme. Der eine legt die ganze Zeit Leute um, verstaut sie in Müllsäcken und versenkt sie in Gewässern. Bitte keine zu schnellen Urteile! Er ist ein guter Kerl, ehr­lich. Er kann das Böse auf der Welt, das ungestraft davonkommt, nur nicht vertragen. Er bringt nur die Bösen um. Die, die die Polizei sowieso nicht fasst.
Allerdings mache ich mir langsam Sorgen, dass die Polente ihn bald am Wickel hat. Wir kennen uns eine Weile, ein Leben ohne Dexter wäre mir ein Graus.

Zur Beruhigung hatte ich ein Tête­à- Tête mit meinem anderen Freund. Er ist großer Schnauzbart-Fan und trägt am liebsten Jeans-Hotpants. Weggehen kann ich mit ihm so frei­lich nicht, wir treffen uns immer bei mir zu Hause. Er ist grundsätzlich tiefenentspannt, sein erstes Bier trinkt er um zwölf. Er hat eine wahn­sinnig angenehme Stimme und immer eine Lebensweisheit parat: „Auch im Paradies gibt es mal Stress“, gab er mir neulich mit auf den Weg. Ich fühlte mich schon bes­ser. Leider musste er dann wieder weg, einen „Fall“ lösen. Die kom­men immer aus dem Nichts und sind oft mit langbeinigen Damen mit 80er-Jahre-Dauerwelle verbunden.

Im Gegensatz zu meinem Killer-Freund muss ich mir um den Schnauzbart keine Sorgen machen. Am Ende fasst er alle Bösewichte. Dann ist er froh und paddelt mit sei­nem Kanu aufs Meer hinaus. Tom lebt auf Hawaii und nennt sich „Mag­num“. Dass er mich noch nicht einge­laden hat, finde ich schon ein biss­chen schade.
Er wäre eigentlich eine Super-Par­tie für meine vier Girlfriends aus New York. Die könnten mal ein biss­chen Ruhe in ihrem Leben gebrau­chen. Ständig Schuhe kaufen und zu Dates gehen, das kann’s auf Dauer auch nicht sein. Auch sie begleiten mich schon seit vielen Jahren. Wir haben uns immer gut verstanden.

Neulich aber kam der Schock. Es war nur eine Frage der Zeit. Arg getroffen hat es mich trotzdem. Ich habe Carrie überholt! Oh mein Gott. Immer war sie die Ältere, die große Schwester. Carrie, die Mittdreißigerin. Ich war 25. Dann war ich 30. Dann 35. Jetzt bin ich die Ältere. Der Tag der Erkenntnis kam in Staffel 4. Aus Schreck machte ich mir einen Prosecco auf. Wird sich unser Verhältnis jetzt komplett ändern? Ich glaube, ich muss das Ganze mal mit Tom besprechen. Der ist auf jeden Fall älter als ich. Noch.

Mit Vollbart und Wollmütze

Hey, Yeah und Yo: Neulich ist mir etwas Unglaubliches passiert. Ich war in Nürnberg und gleichzeitig in Berlin. Doch, das ist möglich! Wie genau es passiert ist, kann ich nicht sagen. Ich vermute, ich bin wie Harry Potter aus Versehen auf Gleis neundreiviertel in einen Zug gestie­gen, der mich mitten in good old Nämberch in eine Sphäre der abso­luten Berliner Hip­ness wieder ausge­spuckt hat. Sorry auch für die Deng­lischisierung die­ser Kolumne. Auch das ist eindeutig eine Nebenwirkung meines Aus­flugs.

Begonnen hat es am Brückenfesti­val. Umgeben von coolen Mützenträ­gern und mundgeformten Elekro­beats klammerte ich mich am Fran­kenbier fest und betrachtete den Moderator, der zu seiner nackten Wampe gekonnt eine Glitzerleggins kombinierte. Ich nippte am Bier, die Masse tobte, dann hüpften die Sän­ger der letzten Band nackt über die Bühne. Nackte Männer. Auf einer Bühne. In Nürnberg!

In diesem Moment stand ich mit einem Bein wohl schon im Geisterzug. Die tat­sächliche Abfahrt begann aber ver­mutlich im Dixie-Klo. Nachdem ich dort war, schnappte mich eine Freundin und verschleppte mich in eine Bäckerei in Gostenhof. Dort reichte uns „Marchidd“ Currywurst­brötchen, Eier und Hawaiibrote. Die Wanduhr zeigte ein Uhr nachts. Ein Uhr nachts! Um die Uhrzeit gehen bei uns in Schoppershof sogar die Katzen heim! Ich weiß seitdem, wo ich mein Rentendasein dereinst verbringen werde: bei „Marchidd“. Das ist besser als Fern­seh schauen. Fränkisches Urgestein trifft dort auf coole Jugend. Wobei mir Margit deutlich nähersteht. Denn mir fehlen zur Coolness ein­fach schon die rich­tigen Accessoires. Wie mir spätestens im Club — so heißt Disco heute, Leute — um die Ecke klar wurde. Wer als einziger ohne Wollmütze, ohne Jute­beutel und ohne Vollbart dasteht, hat eindeutig was verpasst. Okay, Letzteres war vielleicht verzeihlich. Aber Handtasche? Halloho? Hatte ich eigentlich noch alle Tassen im Schrank? Wenigstens eine „Nerd­brille“ mit Riesengläsern hätte ich doch aufsetzen können , also echt.

Seit dieser Nacht habe ich eine Mission: Schoppershof muss cooler werden! Höchstpersönlich werde ich dafür sorgen. Gleich morgen Nacht ziehe ich mit meiner Katze um die Häuser. Sie trägt Gel im Pelz, ich setz ’ne Pudelmütze auf. Zu meiner Tiger-Leggins kombi­niere ich drei Stoffbeutel. Es wird so cool, dass sich die Gostenhofer warm anziehen müssen. „Schoho“ versus „Goho“! Ich hoffe nur, mich sieht keiner …

Hör mal, wer da hämmert

Hallo, haaaallo? Können Sie mich hören? Wie gut, dass ich schriftlich mit Ihnen kommuniziere, ansonsten müsste ich gerade nämlich brüllen wie der König der Löwen, um zu Ihnen durchzudringen. Vor dem Redaktionsgebäude wird gerade die Welt gesprengt. So hört es sich zumindest an. Tat­sächlich wird nicht einmal die Straße auf- oder umgegraben, wie sonst gerade überall, sondern es wer­den neue Pflanzen eingesetzt. Aller­dings nicht mit Schaufel und Hacke, sondern mit Maschinen, die in der Hölle geschweißt wurden, nur dazu gemacht, alle Gehirne im Umkreis von fünf Kilometern zu zer­setzen, wie Schlager die Alien-Ge­hirne bei „Mars Attacs!“.

Das Schöne daran ist allerdings: Ich fühle mich bei dem Monster­lärm ganz wie zu Hause. Dort ist Stille seit ein paar Tagen auch ein Fremdwort. Normalerweise werde ich ja geweckt, weil die Müllabfuhr gefühltermaßen die Tür eintritt. Jetzt gibt es stattdessen eine wun­dervolle Baustelle am Haus gegen­über. Schon als vorgestern mit Getöse das Gerüst erbaut wurde, schwante mir Übles. Ich verram­melte sicherheitshalber die Schlaf­zimmerfenster.
Kein Problem bei 28 Grad in der Nacht. Allerdings hätte ich den eisernen Vorhang hochziehen müs­sen, um den Schlag abzudämmen, mit dem ich heute sanft geweckt wurde. Dann folgte der nächste, dann noch einer.

Ich weiß nicht, was dort drüben geschieht. Aber es hört sich gewal­tig an. Furchteinflößend. Ich glaube nicht, dass dort Bauarbeiter am Werk sind. Ich glaube, es sind die Orks aus „Herr der Ringe“. Sie schmieden dort etwas auf einem Amboss so groß wie vier Tischtennis­platten. Mit einem Hammer so groß wie ein Pferd dreschen sie auf ein unbekanntes Objekt ein. Ich hoffe, es ergibt sich bald. Heute Morgen wurde die Gemüt­lichkeit in meiner Bettstatt noch ein wenig mehr in die Höhe getrieben. Während die Orks von links an mein Ohr droschen, klopfte die Hausputzfrau beim Trep­penmachen von rechts mit dem Besenstiel rhythmisch an meine Wohnungstür. Das nenn’ ich mal ste­reo de luxe!

Herzlichen Dank auch. Die ste­cken doch alle unter einer Decke! So viel Lärm kann kein Zufall sein. Allein jetzt gerade schon wieder: Kaum haben die Pflanzer ihre Mons­tergraber ausgestellt, lässt jemand anders die Motorsäge heulen. Ich halt’s nicht mehr aus! Gleich stecke ich mir Tampons in die Ohren, ehr­lich. Oropax habe ich gerade nicht zur Hand.
Oh, Moment mal, was ist das? Nein, es darf nicht wahr sein! Hören Sie, ich höre nichts! Göttli­che Stille dringt an mein Ohr. Bin ich noch auf dieser Welt oder etwa aus Versehen schon ins Licht gegan­gen? Nürnberg, 9. August, 13.40 Uhr und Todesstille — das kann nicht sein. Oder doch?
Psst, ich sage ganz leise Tschüss, um die Orks nicht wieder zu erwe­cken und flüstere Ihnen zu: Alles wird. Vielleicht sogar fertig. Irgend­wann.

Erschien in: 1

Arschbomben-Glück

So, Achtung, jetzt kommt gleich einer. Ja, da isser. Ein Gedanke! Bei der Hitze kommt in meinen Gehirn­windungen nicht mehr so oft einer ums Eck. Da freut man sich richtig, wenn mal wieder einer auftaucht. So wie jetzt. Äh…was wollte ich gleich noch mal schreiben? Ach ja: Ist Ihnen auch so heiß in letzter Zeit? Und wie schwitzen Sie denn überhaupt so? Mehr so ganzheitlich oder sind Sie eher der partielle ACHSO-Typ, mit den Problemenzo­nen Achsel, Stirn und Oberlippe? Ja, das sind Ange­legenheiten, die man momentan diskutieren kann. Und ist es nicht schön?

Natürlich ist uns jetzt nach sie­ben Monaten Regenzeit zu heiß. Das war ja klar. Dafür sind wir Deut­sche und insbesondere Franken. Wir müssen motzen. Aber jetzt motzt es sich doch endlich auf ganz anderem Level! Wir beschweren uns jetzt auf mediterranem Niveau, wenn nicht sogar auf tropischem. Da ächze ich doch liebend gerne: „Oh mein Gott, ist das heiß!“ „Unglaublich, wie heiß das ist. Ich glaube, ich stecke gleich den Kopf ins Aquarium, wenn ich denn eines hätte.“ Das macht doch so viel mehr Spaß als sich über kaltes Pisswetter zu beschweren. Vor allem haben wir jetzt für alles eine hervorragende Ausrede. Joggen? Unverantwortlich bei 38 Grad im Schatten. Unausge­schlafen in der Arbeit? Ja Gott, mein Schlafzimmer war so heiß wie die Sahara, da musste ich bis nachts um eins aus medizinischen Gründen mit den Freunden auf dem Balkon kühle Biere trinken. Zu spät, zu langsam, Flip-Flops zum Anzug an? Die Hitze, sorry.

Herrlich! Ich finde, so könnte es immer weitergehen. Tropische Nächte, verlangsamte Tage und der Wunsch, sich ins Eisfach des Kühl­schranks zu legen. Genial. Ich glaube, der einzige Mensch, der etwas dagegen hat, dass es so weiter­geht, ist meine Katze. Die kam mir neulich misslaunig und mit offenem Maul auf der Straße entgegen. In ihrem Blick die Anklage: „Hast du einen an der Waf­fel, die Tempera­tur hier so hochzu­drehen?“ Ich sage dazu nur: Wer im Sommer meint, Pelz tragen zu müs­sen, ist selber schuld!

Alle anderen sind jedenfalls um einiges besser gelaunt als sonst. Denn es ist doch so: Es mag zwar Menschen geben, die Atomphysik zum Hobby haben. Die meisten von uns sind aber doch schon total glücklich, wenn sie im Freibad Arschbomben ins Wasser hüpfen können. Oder gefüllte Kunstdärme über einer Feuerstelle rösten dür­fen. Freude auf Einzeller-Niveau. Eigentlich sind wir schon eine nied­liche Spezies, oder? Auch nur so ein 45-Grad-im-Schatten-Gedanke, der mir neulich am Beckenrand ins Hirn eingetrudelt ist.

Hoppla, irgendwas an mir fängt an zu piepen. Ich glaube, ich über­hitze. Da muss ich mich schleunigst herunterfahren und im Freibad küh­len, sorry! Steht in meiner Bedie­nungsanleitung. Ab jetzt kann es sonst zu unkontrollierten Gedanken­sprüngen kommen. Besser nicht mehr denken. Nicht mehr. Mehr?! Meeeeeeer! Italien. Eis. Strand. Urlaub. Weg. Jetzt! Ciao!