Wenn der Guru Pommes will

Nachdem die Tante informiert ist, kann ich es jetzt auch hier sagen: Ich verreise — und irgendwie ist es auch diesmal nicht Österreich geworden. Sondern Indien. Schuld daran sind meine Freunde. Die können nicht in normale Länder gehen, sondern müssen immer gleich nach Afrika auswandern oder sich in einen indischen Ashram hocken, in dem eine kleine, kugelige Guru-Inderin 22 Stunden am Stück Menschen umarmt. Weil Erleuchtung, Yoga und 35 Grad im März mir recht angenehm erschienen, habe ich beschlossen, die Freundin dort aufzusuchen. Außerdem hat mich die Hausfarbe des Ashrams überzeugt. Sie ist Pink. Und Pink ist immer gut.

Dunkelrot sieht dagegen, wer versucht, ein Visum für Indien auszufüllen. Zwei Stunden Lebenszeit kann man dafür locker einplanen. Nach detaillierten Angaben zu meinem Reiseziel plus Guru-Hausnummer musste ich mehrfach versichern, keine pakistanische Großmutter zu haben und in friedlicher Absicht zu kommen. Ich komme sogar in friedlicher, ordentlicher Absicht, denn für die Inder bin ich Buchhalterin. Journalist war auch im Angebot, aber ein Visum für
solche Leute, hieß es, würde… ähm…etwas länger dauern.
Dann wollten die Inder noch wissen, ob ich Besonderheiten aufweise, zum Beispiel eine schiefe Nase. Und ob ich wirklich ganz sicher bin, dass in meiner Verwandtschaft nicht vielleicht doch irgendwo ein Pakistaner…
Zum Schluss sollte ich bitte noch kurz die Länder aufzählen, die ich in den letzten zehn Jahren bereist habe. Nach zwei Zeilen katapultierte mich das System raus. In mir zündete ein bengalisches Feuerwerk. Das war kein Visumantrag. Das war die Rache der Inder für die Kolonialherrschaft!

Aber ich habe es geschafft. Das Visum ist da. Ein schöner bunter Aufkleber mit einem Foto von mir, auf dem ich aussehe, als ob eine pakistanische Großmutter meine Haare geschnitten hätte. Ich freue mich, dass es jetzt dauerhaft meinen Pass ziert. Der ja eigentlich bereits ein Passbild hat. Aber das ist Indien. Da fragt man nicht. Sondern man umarmt. Oder isst Pommes. Vorausgesetzt, der Druckregulierer der Fritteuse geht. Im Ashram, wo meine Freundin sitzt, geht er gerade nicht, wie mich ein mir bis dato unbekannter Ashkay heute per Mail wissen ließ. Er betreibt das Café im Ashram und hat ein Fritteusen-Ersatzteil bei einem Gas-Fachmann seines Vertrauens in Mannheim bestellt. Ob ich es wohl freundlicherweise mitbringen könnte? Es ist nicht groß, schreibt Ashkay, aber wichtig.

Natürlich bringe ich es mit, ich habe ja auch schon erfolgreich tausend Mundspatel nach Simbabwe importiert. Auf meine Lieferungen kann man sich verlassen! Und wenn die Guru-Frau Pommes essen will, habe ich dafür größtes Verständnis. Einen Druckregulierer kann man bei einer Indienreise außerdem bestimmt gut gebrauchen. Da soll ja einiges los sein, wie mir die Freundin schreibt. Sie wünscht sich übrigens dringend Zahnseidesticks. Und ein Duschgel („Das grüne von XY“). Ihre Mutter hat mir gestern dann noch eine elektrische Zahnbürste für sie übergeben. Vermutlich kriegt man damit die Pommesreste besser aus den Zähnen.

Hallo?! Duschgel, Zahnseide und Fritteusen-Zubehör? Ich dachte, es geht um Transzendenz! Ich werde im Ashram darüber bei einer Hatha-Yoga-Übung meditieren. Wenn ich nicht gerade im Café bei Ashkay sitze. Und Pommes esse.