Wenn’s im Oberstübchen klingelt

Moment, gleich geht’s los, ich muss nur schnell ein paar Gedan­ken in meinem Kopf löschen, damit ich wieder ein paar raussenden kann. Also hierhin schreiben. Das geht nicht, wenn der Speicher zu voll ist. Nein, ich stehe nicht vor einem Burn-out und ich bin auch nicht mehr karnevalsjeck. Ich hab’ mich nur, glaube ich, aus Versehen mit meinem Handy gleichgeschal­tet. Synchronisiert, wie es so schön heißt. Früher oder später musste das ja passieren, siehe Terminator.

Das erste Mal gemerkt habe ich es heute Morgen. Da bin ich trotz Weckerklingelns einfach nicht angegangen. Nach zehn Minuten habe ich dann kapiert, dass ich immer noch die Tastensperre drinhabe. Erst nach­dem ich gleichzeitig meine linke Zehe und meinen rechten Daumen gedrückt habe, konnte ich mich wie­der bewegen und Kaffee kochen. Aber dann waren schon die nächs­ten Schwierigkeiten da: steinharte Eier! Ich habe den Eierkocher über­hört, weil ich selbst ständig ge­piepst habe. Der Akku war alle. Anscheinend habe ich vergessen, mich über Nacht aufzuladen, o Mann. Nach einem dreifachen Espresso war meine Batterie wieder annähernd voll. Irgendwie habe ich da schon geahnt, dass dieser Tag anstrengend wird.

Und tatsächlich, in der U-Bahn sind mir mitten beim Zeitunglesen die Augen zugeklappt. Bis zum Hauptbahnhof hatte ich keinen Empfang. Als dort alle Balken wie­der voll waren, bin ich fluchend in die Arbeit gegangen. Hier sitze ich jetzt und kann dem Chef erklären, warum ich ständig klingle. „Gehst du in die Kantine? LG, Isa.“ „Lust auf Bier heute Abend? :-)“ Ich weiß nicht, warum man glaubt, mir ausge­rechnet heute im Minutentakt Text­nachrichten senden zu müssen.

Das Allerschlimmste aber ist das Smartphone meiner Kollegin. Es grinst die ganze Zeit von ihrem Schreibtisch zu mir herüber und lacht sich tot. Telefone mit Tasten hat es anscheinend schon lange nicht mehr gesehen.Immer wenn ich auf eine meiner Tasten drücke, macht es einen sty­lishen Ton, foto­grafiert, scannt, googelt oder veranstaltet sonst irgendwas Neumodisches. Wenn es noch einmal eine App aufmacht, geh’ ich hin und hau’ ihm eins aufs Display! Ich hasse es. Wenn schon Handy, warum bin ich dann nicht wenigstens auch ein Smartphone? Die Welt ist so ungerecht.

Moment, uhhh, o Gott, Hilfe, irgendwas passiert hier gerade. Es fühlt sich an, als ob in meinem Hirn gerade etwas Enormes ankommt. Etwas sehr, sehr Großes. Ist das etwa der Asteroid? Jetzt doch? In mein Gehirn will er einschlagen? Okay, egal was es ist — es kommt, es kooooommt.
O Gott. Es ist noch viel schlim­mer: Ich habe eine MMS bekom­men. Eine Nachricht mit einem Foto. Foto! So viel Speicherplatz hatte ich nicht mal, als ich ganz neu vom Werk gekommen bin. Das kann ich niemals alles aufnehmen! Da bin ich verstopft auf ewig. Ich muss mich abschalten, sofort. Aber halt, einen Gedanken will ich noch raus­schicken: Bleiben Sie tapfer. Alles wird. Vielleicht sogar gut. Lol ;-).