Mittwoch, Januar 30th, 2013 von Anette Röckl

Ich geh’ einfach als Oberteil

Sie haben es mit einem Blick aus dem Fenster bestimmt schon bemerkt. Fasching lässt sein graues Band wieder flattern durch die Lüfte. Tätäää!
Gut, es gab schon bessere Ein­stiegs-Witze als diesen, der außer­dem noch hinkt. Aber passt er damit nicht perfekt zur Faschings­stimmung in Franken? Die ist ja auch eher so medium. Bei uns mer­ken manche erst am Aschermitt­woch, dass Fasching war. Eine Vor­bereitungsphase, so was gibt es bei uns nicht.

Dachte ich je­denfalls. Bis ich neulich die Fa­schings­Abtei­lung eines Kauf­hauses betreten habe. Dort im Untergeschoss habe ich sie gefun­den: zwei Exemplare der seltenen Spezies Faschingsfranken! Zwi­schen Schaufensterpuppen im Darth-Vader-Gewand und Meer­jungfrauen- Dress stand nicht etwa irgendein Feierbiest in jugendli­chem Alter, sondern ein älteres Ehe­paar. Ich pirschte mich unauffällig an, um sie in ihrem natürlichen Lebensraum nicht zu stören, und beobachtete ihr Treiben.

Die braven Leute, von der Form her eher quadratisch als länglich, erklärten der Verkäuferin ihren frommen Wunsch: „Blouß irchend a Oberdeil.“ Die fränkische Beschei­denheit wurde leider nicht belohnt. Sämtliche lustigen Oberteile aus feinstem Schwitz-Polyester waren nur noch in der falschen Größe vor­handen. „Ach Godd“, schnaufte die Frau, während sie der Verkäuferin minutenlang durch die Reihen folgte. Ihr Mann stand vor der Umkleidekabine und wartete die Steigerung der Verzweiflung ab. Mit dem nächsten zu kleinen India­ner­Leibchen wandelte sie sich in Resignation: „Dann bleim mer halt dahamm, wenn ma nix zum Anzie­hen finden“, befand die Ehefrau. Der Ehemann erstarrte. Stille herrschte im Untergeschoss. „Mer losse d‘r Dom in Kölle“, versuchte das Kaufhausradio die Stimmung zu retten.

„Naa! Mir finden was“, wider­sprach die Verkäuferin und griff das nächstbeste Kostüm. „Wie wär’s damit?“ Ich ahnte die Antwort. Nein, das sexy Krankenschwestern-Minikleid war auch kein Volltreffer. Der Mann wischte sich mit einem Taschentuch über die Stirn, die Ver­käuferin stürmte in Richtung Hippie. Auch von dort kam keine Rettung. Wenn die Hosen­beinlänge fast der gesamten Körper­größe entspricht, ist das Kostüm nur suboptimal.

Ob von Verkäuferinnen­seite noch der Vorschlag kam, ein­fach zu zweit aufeinandergestapelt als EIN Hippie zu gehen, weiß ich nicht. Ich gab mein Ansinnen auf, jemals selbst die dauerbelegte Ver­käuferin etwas fragen zu können, und trollte mich. Als ich nach einer halben Stunde zurückkehrte, steuer­ten die Faschingsfranken den Ausgang an. Mit einer Einkaufstüte! Ich war erleichtert: Sie müssen nicht zu Hause bleiben, sie dürfen rein, ins Faschingstreiben. Abermals Tätäää!

Die Verkäuferin saß ermattet zu Füßen von Darth Vader. Das lustige kleine Hütchen auf ihrem Kopf hing auf halbmast. „Sie“, sprach ich sie an. „Ich such’ was für Fasching. Nichts Aufwendiges. Bloß so ein Oberteil halt.“ Sie hat mir einen schwarzen Umhang verkauft. Vermutlich trägt man den – als Sadist


Kategorie: 1
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1 Kommentar

Januar 30, 2013
Tina

Da fällt mir ein, so ein Barbie Kostüm wär doch auch mal was schönes



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