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Wer ein wichtiges Haushaltsgerät kaufen möchte und sich schlecht entscheiden kann, braucht zur voll­kommenen Lähmung nur noch eines: das Internet. Dort wissen in 100 Foren 1000 Menschen zu allem etwas, nur nichts, was einem wirk­lich hilft. Denn wenn „Lucky Luke“ dort schreibt, dass er beim Anschluss eines bestimmten Geschirrspüler-Modells mehrere Tage Urlaub nehmen musste, kann das zweierlei bedeuten: Entweder ist das Gerät tat­sächlich unfass­bar kompliziert — oder Lucky Luke unfassbar doof.
Schlecht zu beurteilen, wenn man keinen der beiden Beteiligten per­sönlich kennt. Den überlebenswichtigen Schritt, meinen kaputten Spülautomaten durch einen neuen zu ersetzen, wollte ich trotzdem nicht ohne die Meinung der Internet-Gemeinde tätigen.

Es war keine gute Idee. Denn nicht nur der Cowboy verwirrte mich. War „Jenny84“ einfach nur besonders geräuschempfindlich oder der von ihr beschriebene Spü­ler wirklich eine Höllenmaschine? Dann vielleicht doch lieber das Modell XY? „Bloß nicht kaufen“, riet davon leider „Klausbär“ ab. Statt Tassen und Teller brav zu säu­bern, gebe die Maschine nur Summ­laute von sich.
Summen war zwar immerhin angenehmer als das laute Wum­mern von Jennys Gerät, spülen sollte das Ding mein Geschirr aber schon. Summend in der Küche ste­hen, ohne abzuwaschen, konnte ich ja alleine schon gut.

Nach meiner dreistündigen Netz­recherche hatte ich immer noch keine Lösung, dafür aber diverse Horrorvisionen: Ich sah mich mit den Händen auf die Ohren gepresst unter der Bettdecke kauern, wäh­rend in der Küche die Maschine in Presslufthammer-Lautstärke rum­pelte. Meine Nachbarn traten in die­sem Alptraum die Türe ein und gaben mir mit Zeichensprache zu verstehen, dass ich meine Tassen, die ich offensichtlich nicht mehr im Schrank hatte, künftig gerne in einem anderen Haus spülen könnte. Panisch floh ich aus der Woh­nung. Als ich zwei Stunden später zurückkehrte, war sie komplett geflutet, weil ich am dreifachen Aqua-Stopp gespart hatte. Am Ende landete ich sowieso pleite auf der Straße, weil ich leider übersehen hatte, dass das von mir gewählte Modell täglich so viel Strom verbrauchte wie New York in einem Monat.

Entnervt machte ich den Compu­ter aus. „Klausbär“ und seine Freunde brachten mich nicht wei­ter; ich musste dringend mit einem echten Menschen sprechen. Ich fuhr zu einem Händler in der Stadt. Der Verkäufer dort hatte Haare wie Jür­gen Drews — und zwei Modelle zur Auswahl. Eines davon war so teuer wie ein Kurzurlaub auf den Maledi­ven. Das andere ein Sonderangebot. „Aber auch echt gut“, versicherte er mir und zwinkerte.

Zwinkernde Verkäufer?! Ich will gar nicht wissen, was meine Freunde im Internet davon halten. Lieber vertage ich den Kauf und spüle wieder von Hand. Dann bin ich beim Aqua-Stopp wenigstens auf der sicheren Seite und kann in Ruhe vor mich hinsummen ohne nennenswerten Energieverbrauch. Es gibt nur ein Problem mit mir als Modell: Ich hab eine extrem lange Vorlaufzeit und dann oft eine akute Spülhemmung. Vielleicht weiß Klausbär, wie man mich reparieren kann…

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