Hilfe, ich werde gepackt!
Na, haben Sie auch einen Urlaub geplant? Endlich mal weg von lästigen Büro-Mails und U-Bahnen, die einem immer vor der Nase davonfahren. Einfach mal Ruhe. Dann haben Sie hoffentlich bei der Wahl Ihres Urlaubszieles gut aufgepasst. Sonst geht es Ihnen am Ende wie mir und Sie fahren nach Simbabwe. Weil eine gute Freundin dort ein Hilfsprojekt unterstützt, habe ich beschlossen, die Reise nach Afrika anzutreten.
Seitdem habe ich einen Organisationsplan, gegen den der Terminkalender von Gauck luftig aussieht. Wenn ich nicht gerade einem Arzt wahlweise Arm oder Hintern hinhalte, um mich gegen alle Seuchen dieser Erde impfen zu lassen, bin ich im Chat mit simbabwischen Airlines unterwegs, die spontan alle Inlandsflüge bis auf weiteres ausgesetzt haben. Auch Mitarbeiter „Joey“ konnte mir leider nicht mehr raten, als das Beste zu hoffen.
Ein Rat, den ich vor allem für eines gebrauchen kann: mein Gepäck. Selbiges würde ich gerne vom schönen Zusatz „Über-“ fernhalten, ein Unterfangen, das immer unrealistischer wird. Nicht etwa, weil ich die Simbabwer mit meiner Klamottenvielfalt beeindrucken will, sondern weil mir wohlmeinende Angehörige und Freunde einiges für die Kinder und die Freundin dort mit auf den Weg geben möchten. Kein Problem, hatte ich leichtfertig getönt. 23 Kilo Gepäck, da geht doch einiges.
Das erste Päckchen mit fünf Malkästen, zehn Riesen-Tesarollen und drei Schlafanzügen nahm ich noch lächelnd entgegen — allein bei den drei Schoko-Osterhasen machte ich mir temperaturbedingte Sorgen. Die vier Schreibblöcke und das Kilo Fotoabzüge steckte ich auch noch locker weg. Ebenso den Sack voller Socken, die zehn antiseptischen Seifen und auch die von der Freundin gewünschten Packungen Spezial-Shampoo. Die ebenfalls georderten Mundund Nasen-Masken waren zwar leicht, machten mir intuitiv aber ein ungutes Gefühl in der Magengegend.
Inzwischen weiß ich auch, warum. Sie waren nur die Vorboten diverser medizinischer Gerätschaften, die mir eine befreundete Ärztin zukommen ließ. Seit sie die Fuhre vorbeigebracht hat, sieht mein Wohnzimmer aus wie die Requisite einer Krankenhaus-Serie. Juhu! Einmal mit 20 Packen à 100 Einmal-Mundspatel zu verreisen, war schon immer mein Traum! Wenn mir auf dem Flug langweilig wird, kann ich immerhin alle 200 Passagiere im Halbstundentakt „Ahhh“ machen lassen. Toll.
Die zehn mitgelieferten Stethoskope hänge ich mir einfach um den Hals und von den drei Paar Krücken, auf die ich mich stützen werde, verspreche ich mir immerhin einen guten Platz im Flugzeug.
Ach ja, meine eigenen Sachen ziehe ich am besten einfach an, habe ich mir überlegt. Wenn Sie also demnächst eine Frau mit extrem dickem Hintern und einem komischen Turban am Flughafen sehen, erschrecken Sie nicht: Das bin bloß ich mit 20 Unterhosen am Leib und einem Moskitonetz auf dem Kopf. Von dem Schwarzwälder Schinken, der darunter lagert, wissen Sie aber natürlich nichts!
HALLO NÜRNBERG !
4 Kommentare
Die Heldin hat es nach Afrika geschafft, ohne Moskitoturban und Übergepäck, die gute Freundin war Zeugin. Sie ist beglückt über Malkästen und Mundspatel. Aber wo sind eigentlich die zehn antiseptischen Seifen geblieben??
Lieber Klaus, ich habe leider eine Wellness-Hotel-Allergie. Aber trotzdem vielen Dank für das Angebot! Ich war zwar nicht einsichtig, bin aber dennoch wieder wohlbehalten zurück. An Dornen steche ich mich grundsätzlich nur selbstbestimmt – oder täusche es danach wenigstens vor.
Sag nicht, dass die antiseptischen Seifen noch in meinem Rucksack liegen? Und ich dachte, die Elefanten-Stoßzahn-Garderobe, die ich mir als Souvenir mitgebracht habe, war so schwer!!

Früher war ich mal stolz auf meine Helden. Heute hat sie/Sie der Alltag verschluckt und wird Sie/Dich an einer Stelle auf unserem Ursprungskontinent ausspucken und – so wie es gerade aussieht – auch verschlucken. Für immer. Und das wäre dann doch ewig schade.
Ich habe hier einen 75 € Gutschein für eine Wellnessbehandlung in einem 5 Sterne Hotel in der Nähe von Graz, den würde ich Dir überlassen, falls a) rechtzeitig eine Einsicht kommt oder b) eh alles zu spät ist und ein letzter kulturell ausgewogener Aufenthalt die vermeintlich letzte Rettung sein könnte.
Meine liebe Heldin, grüße mir die Sonne und dann dort auch Afrika.
Liebe Grüße
Klaus
PS: Falls Du die Reise doch antreten solltest, hier noch eine angeblich afrikanische Weisheit: Sticht man sich aus eigenem Entschluss mit einem Dorn, schmerzt es nicht.