Ich werde nie ein Yogi-Bär!

Man kann es nicht mehr leugnen: Die Sonne lacht, die Vögel zwit­schern wie auf Koks – der Frühling ist da und mit ihm der Trend zur zunehmenden Körperenthüllung. Was bislang unter dicken Pullis ver­schwinden durfte, quillt jetzt ans Tageslicht.

Gut, ich habe den Winter über hart trainiert. Ungezählte Sit­ups jeden Abend hinter mich gebracht. Aus halber Liegelage auf dem Sofa zur TV-Fernbedienung auf dem Couchtisch zu greifen kann auch ein Workout sein! Wenn dann noch die Chipstüte zweimal runter­fällt und aufgehoben werden muss, hat man garantiert schon wieder eine Viertelkalorie verbrannt … Ja, ich habe gehört, dass es auch effektivere Methoden geben soll. Ich habe es auch probiert. Nach ein­mal Joggen war ich zwei Wochen krank – aus Rücksicht auf Kollegen und Chef gab ich das Laufen sofort wieder auf. Dafür mache ich seit zwei Mona­ten Zumba. Theoretisch jedenfalls. Mindestens dreimal wöchentlich überlege ich, bei welchem Kurs ich mich anmelde. Dass es bisher nicht geklappt hat, liegt an den äußeren Umständen. Die Termine sind immer zu früh oder zu spät – oder an ganz blöden Tagen. Ehrlich!

Neulich wäre es dann fast pas­siert: Ich hätte mich beinahe be­wegt. Zu einer Slim-Yoga-DVD, die auf einer Frau­enzeitschrift papp­te. Die meisten Kalorien habe ich dabei verbrannt, die über Jahrzehnte in meinem Schrank gelagerte Iso-Matte vor dem Fernseher auszurollen. Erwar­tungsvoll saß ich in Positur, bereit mein inneres Om in eine schlankere Taille zu transformieren. Mein Fin­ger wollte gerade ganzheitlich die Abspiel-Taste drücken – als das Telefon klingelte. Erleichtert sprang ich auf. Eine alte Bekannte, mit der ich seit Ewigkeiten nicht gesprochen hatte. Es war ein Zei­chen, davon bin ich überzeugt. Die Hand Gottes wollte mich vorm Schlimm-Yoga schützen. Wer bin ich, mich dagegenzustellen?

Die Bewegung kam dann doch noch zu mir. In Form von Gartenar­beiten. Nach eineinhalb Stunden Laub-Zusammenrechen war ich so durchtranszen­diert wie nach einem Yoga-Seminar. Nach ei­nem Blick in den Kalender plante ich schnell den nächsten Einsatz im Blät­terwald. Zwei Tage Kör­perstählung waren ange­sichts der Grundstücks­größe locker drin. Danach würde ich mich zum Zumba anmelden. Dies­mal aber wirklich. Äußerlich war ich zwar noch ich, innerlich aber bereits Barbara Becker. Ich sah mich flachbäuchig am Pool liegen, die Ober­arme so definiert, dass man den Begriff Oberarm neu definieren muss. Die Beine wie von Barbie ange­schraubt, ein Traum…

Gestern ist er zerplatzt. Ein Arzt impfte mich wegen einer Fernreise mit dem Gelbfieber-Virus. „Kein Alkohol, eine Wo­che lang“, sagte er streng. Ich fand ihn spontan blöd. „Und natürlich kein Sport.“ Er war doch ein netter Kerl.Was soll ich sagen? Der Frühling muss mich neh­men, wie ich bin. Und sooo toll ist Barbara Becker auch wieder nicht.