Ein Gerät, ein Gerät!

Eines vorneweg: Das hier wäre mit Sicherheit ein viel intelligenterer Text geworden, wenn ich ihn auf meinem neuen Laptop zu Hause geschrieben hätte. Der ist nämlich laut Beschreibung nicht nur „sichtbar intelligenter“, sondern hat auch ausschließlich „intelligente Lösungen“ parat. „So sieht Intelligenz aus“, betonte das Werbeheft, das ihn zum Kauf anpries, zur Sicherheit ein drittes Mal.

So viel Gescheitheit konnte selbst ich nicht widerstehen und nahm das Gerät mit nach Hause. Mit zittriger Hand drückte ich dort den Anschalt-Knopf. Würde mich der Laptop akzeptieren oder würde er mich als zu doof für seine Gesellschaft befinden? Ich konnte mein Glück kaum fassen, als er sich, ohne zu implodieren oder den Fernseher kurzzuschließen, einfach installierte.
Ich gebe es zu, Geräte machen mir ein bisschen Angst. Zuerst sind sie schön und neu und schwarz, dann gehen sie nicht und werden zu einem Einrichtungsgegenstand, den ich nie wollte. Wie der Subwoofer, der mir von einem Technikfreak aufgeschwatzt wurde und der jetzt in meinem Schlafzimmer dazu da ist, dass ich mich beim Drüberstolpern freue, weil er mir immer noch nicht die Beine gebrochen hat. Geräte schlagen oft heimtückisch zu.

Dieser Laptop aber ist anders als seine Kollegen. Er hat etwas geschafft, das keinem seiner schwarzglänzenden Kumpels vorher gelungen war: Ich vertraue ihm. Ja, er beflügelt mich sogar. Nach einer zaghaften E–Mail, die er brav versendet hat, habe ich mit einer Freundin geskypt. In Afrika! Danach habe ich eine TV-Sendung, die ich verpasst hatte, auf ihm angeschaut und ihn dazu an den Fernseher angeschlossen. Ohne Hilfe!

Auch wenn die Idee seit „Terminator“ nicht so gut besetzt ist, für mich bricht jetzt ein neues Zeitalter an: die Ära der Maschinen. Bei mir werden es natürlich keine Killer-Roboter sein, sondern hilfsbereite Wesen. Mein Initialgerät, der nette Laptop, wird sie mir alle beschaffen.

Mein neues Leben wird wunderbar: Die Spülmaschine scheuert heiter summend meine dreckigen Töpfe. Gesteuert von meinem neuen Handy, das ich von der Sauna aus bediene. Ebenso wie das Schuhputz-Gerät und den Staubsauger, der eigenständig durch meine Wohnung fährt. Der Pizza-Bring-Roboter erwartet mich nach der Arbeit mit einer saftigen Quattro Stagione, dazu schenkt mir der Dekantier-Cyborg ein Glas Rotwein ein. Und der Fußmassage-Arnie zieht mir die Socken aus. Perfekt.
Dann brauche ich eigentlich nur noch ein Gerät: Eine Schreib-Maschine. Die schick’ ich an meinen Arbeitsplatz, während ich im Bett liegen bleibe. Wenn hier demnächst nur noch höchstintelligente Texte stehen, wundern Sie sich nicht.
Und schalten Sie die Zeitung um Gottes willen nicht aus! Sie fährt automatisch herunter.