Gute Vorsätze sind super! Für andere…

 

Und, wie sieht es eigentlich mit Ihren guten Vorsätzen so aus? Ich hab neulich am Heiz- und Rauchpilz vor einer Kneipe viele schöne Geschichten gehört. Das Thema ist ja klar. Ein Kneipenbesucher hat vor drei Jahren schon einmal aufgehört zu rauchen, erzählte er, während er sich eine Kippe ansteckte. Ein anderer war schon einmal sechs Jahre tabakabstinent. „Ich muss auf jeden Fall aufhören“, meinte eine junge Frau neben mir, nachdem sie einen tiefen Lungenzug genommen hatte. Besser früher als später. Die Herren nickten.

 Neben der Gesundheit gäbe es schließlich auch viele ästhetische Gründe. Wer schon einmal aus einer Wohnung ausgezogen ist, in der geraucht wurde, weiß Bescheid. In prächtigsten Farben wurde mir geschildert, welch treffliche Verbindung Qualm und Küchendunst miteinander eingehen. Darüberzustreichen sei fast unmöglich. Von vorneherein für die Wände den Farbton „Nikotin“ zu wählen, sei aber auch keine Lösung. Aufzuhören war der einzige Ausweg. Auf diese Erkenntnis hin steckten sich alle erst einmal eine Zigarette an.

Neben den Gute-Vorsätze-Versagern gibt es aber auch die Streber. Für das eigene Wohl ist diese Gruppe eindeutig die effektivere, für ihre Umwelt ist sie eine Zumutung. „Eiweißdiät“, flüstern die Vertreter dieser Spezies mittags in der Bürokantine verschwörerisch über ihrem Linseneintopf, während man gerade mit der Gabel in die Pommes rot-weiß sticht. Danach rennen sie mit einer Wasserflasche unter dem Arm freudestrahlend auf die Treppe zu. Man selbst schleicht schuldbewusst zum Aufzug. Unter dem Arm eine Cola. Und die nicht mal light.

Vielleicht ist es ja genetisch bedingt. Möglicherweise gibt es Menschen, die gute Vorsätze leichter umsetzen können. Und andere scheitern. Was allerdings auch nicht immer ein Fehler sein muss, wie ich neulich beim Friseur festgestellt habe.

Normalerweise verließ mich Martha immer nach der Haarwäsche. Und kam mit einem frisch aufgelegten Raucherduft in ihren Locken zurück. Sie hatte gute Laune und redete wie ein Wasserfall. Als ich im neuen Jahr zum ersten Mal wieder bei ihr war, blieb sie eisern schnippelnd an meinem Kopf. Sie schaute grimmig und sprach kein Wort. Statt Qualmgeruch verströmte sie ungefilterte Schweißwölkchen. Sie können mich hauen, aber irgendwie war sie mir 2011 lieber.

Ich als Gelegenheitsraucherin habe beschlossen, einfach die Gelegenheiten zu reduzieren — und einen Tauchurlaub gebucht. Unter Wasser pafft es sich vermutlich eher schwer. Wie ich mich kenne, bin ich danach allerdings stickstoffsüchtig.

Wenn Sie demnächst eine Frau mit einer Riesenflasche auf dem Rücken in der U-Bahn sitzen sehen, seien Sie nett zu ihr!

 
 

 
 

 
 
 

 

 
 

 

 

  

Meine Liege gehört zu mir!

Neulich wollte ich mich entspannen. Sauna, dachte ich, wäre eine gute Idee, und ich machte mich auf den Weg ins Südbad. Schon das „Belegt“-Zeichen am Parkplatz ließ eine dunkle Ahnung in mir aufkeimen. Die Schlange an der Kasse ähnelte verdächtig der Supermarktschlange an Heiligabend. Spätestens die halbnackte Frau, die in der Umkleide verzweifelten Besucherinnen den Weg zum letzten freien Spind wies, machte meiner Hoffnung auf Ruhe endgültig den Garaus. Hier ging es nicht um Wellness, sondern um Nahkampf. Eine Viertelstunde irrte ich mit zwei Saunataschen im Gepäck durch die subtropisch beheizten Räume, dann konnte ich vier andere Spind-Anwärterinnen mit einer gewieften Ablenkungstaktik (Dort drüben sind auch noch welche frei!) aus dem Rennen werfen.

Als das Feuer in der Kaminsauna knisterte, fühlte ich, wie der Stressknoten im Magen langsam zu schmelzen begann. Herrlich, ich streckte mich aus. Bautz, dann ging die Türe auf! Herein im schnellen Lauf eilte, gefühltermaßen, die Hälfte aller Saunabesucher. Wo vorher blanke Holzbretter skandinavische Ruhe vermittelt hatten, drängten sich plötzlich mehr Hintern als auf einem chinesischen Donnerbalken bei Ruhrausbruch. Links und rechts flankierten mich jetzt Gabi, Iris und Manu, die sich „suuupi!“ auf den gleich stattfindenden RelaxAufguss freuten. Auf meinen Füßen nahm eine türkische Oma mit Krückstock Platz. Die kleine Anna-Lena kletterte über mich, um nach oben zu ihrer Mutter zu gelangen. Mir blieb nur eines: Flucht.

Erschöpft stieß ich die Tür zum Ruheraum auf. Zwei Frauen dösten vor sich hin, die restlichen 35 Damen ließen sich von ihren Handtüchern vertreten.

Nein, man dürfe keine Liegen besetzen, versicherte mir der Bademeister und bot an, mich im Falle eines Duelles zu unterstützen.

Mit zittriger Hand schubste ich eines der Tücher von einer Liege und legte mich darauf. Dann vertiefte ich mich mit angehaltenem Atem in meine Lektüre: „Die besten Wege zur inneren Ruhe“. Mein Puls war so hoch wie bei Vettel kurz vor dem Start. Wann würde die vorherige Liegenbesitzerin kommen, wie würde sie reagieren — und was, wenn es die türkische Oma mit dem Krückstock wäre? Dann wäre ich seniorenfeindlich und Rassistin! Eine halbe Stunde später erschien die Rächerin im pfirsichfarbenen Bademantel. „Unverschämtheit! Das ist meine Liege! Auf die habe ich zwei Stunden gewartet!“, stieß sie aus — und zog ab. Um fortan mit der Sporttasche über der Schulter vor mir auf und ab zu patrouillieren. Kein Waldorf-Lehrer der Welt könnte „Vorwurf“ besser tanzen.

Wieder zu Hause, atmete ich befreit auf, die Katze begrüßte mich gähnend. Ich rannte an ihr vorbei und warf ein Handtuch auf mein Sofa. Sicher ist sicher.