Mit dem Navi auf dem Holzweg

Ich mochte mein Navigationsgerät immer. Vor seiner Zeit musste ich mir seitenweiße Map24 Routenberichte ausdrucken, die ich dann während der Fahrt versucht habe zu lesen. Da ist ein Navi ein grandioser Fortschritt. Vor allem, wenn man ein Orientierungs-Depp ist wie ich. Ich gebe es zu: mit Himmelsrichtungen braucht man mir nicht zu kommen. Beschreibungen die mit „nordöstlich von“ beginnen, sind bei mir zwecklos. Genausogut könnte man da auch mit meiner Katze sprechen. Wobei die noch immer nach Hause gefunden hat.

Mein Navi fand ich also immer toll. Bis vor drei Tagen. Da war es gemein und niederträchtig zu mir. Wie seine Kumpels, die ahnunglose Menschen schon in tiefe Wälder oder sogar Seen geschickt haben. Auf dem Weg ins Allgäu kam es zu dem Bruch zwischen uns. Am Anfang war noch alles gut, dann hat es mich auf einen Bundesstraße statt auf eine Autobahn geschickt. Ich habe Dörfer und Industriegebiete gesehen, von denen ich noch nie gehört habe. Weil die Landschaft aber meistens schön war, war ich nicht allzu böse. Auch als mein Navi mich für kurzzeitig verloren hatte, war ich noch milde gestimmt. Ich konzentrierte mich auf das Abendrot über Nordendorf. Dann aber, kurz vor Augsburg, meldete sich der kleine Teufel plötzlich minutenlang ab. Letzes Signal vor 3, 21 Minuten. Eine schöne Meldung. Vor allem wenn man vor 3, 21 Minuten als letzte Info gelesen hat, dass bald eine Ausfahrt anzusteuern ist. Welche? Keine Ahnung, natürlich.

30 Sekunden später ist mein Navi wieder bei Bewusstsein. Jedoch, die Erleichterung war nicht von Dauer. „Biegen Sie in 50 Metern links ab.“ Ich bin verwirrt. Ich kannn nicht links abbiegen. Nicht in 300 Metern, nicht in 100, und in 50 schon gleich gar nicht. Da steht ein Haus und das soll auch so bleiben. „Biegen Sie jetzt links“ ab, beharrt der Satan. „Deutschherrenstraße“ steht auf seinem Display.  Laut meinem Navi bin ich nach einstündiger Fahrt also wieder in Nürnberg. Ich transpiriere spontan die Umrisse Deutschlands unter beide Achseln.Vertrauensbildende Maßnahmen sehen anders aus.

Mutig fahre ich weiter. Meine Gefühl sagt mir, die Richtung stimmt. In Intuition bin ich besser als in Orientierung. Mein Navi ist da anderer Meinung. Und teilt es mir prompt mit, auf welcher Straße ich mich gerade befinde:  „Holzweg“. Ich bin sicher, es hat dabei süffisant gegrinst.

Was soll ich sagen: Gegen Ende der Reise war es wieder in seiner alten Form. Gewissenhaft wies es mich in das 500-Seelendorf, in das ich fahren wollte. Aber es ist nicht mehr dasselbe zwischen uns. Das Vertrauen ist weg. Ich werde mir in einem Elektrohandel ein neues Navi kaufen. Wie ich dorthin komme? Pah.