Vorsicht: Schwafelbeck!

 Heute hat sie mich wieder ereilt: Die Vollschwaflerin! An einem Ort, den ich schlecht meiden kann – in meinem Treppenhaus. Welcher Depp hat eigentlich in die Welt gesetzt, dass der Franke an sich nicht gerne spricht? Wer auch immer es war, er hat sicher nie in meinem Haus gewohnt. Dort gibt es gesprächige Franken, dass mir aus Selbstschutzgründen schon bald die Ohren zuwachsen werden.

Nicht dass ich keine Freundin des gesprochenen Wortes wäre. Durchaus. Immer her mit Kommunkation. Am liebsten ist mir allerdings ein Dialaog. Das ist das, wo der andere auch was sagen darf. Diese Form des Austausches ist aber vor allem bei den älteren Damen bei mir im Haus nicht bekannt. Beliebt ist stattdessen der spontane Monolog, der schnell zu einem unfreiwilligen Wohnungsbesuch mit zeitlich ungewissem Ende führt. Eingeleitet von den drohenende Worten: „Ach, kummer’S doch amol  schnell rei“.

Von „schnell“ ist danach keine Rede mehr, dafür von vielen anderen Themen, wie Katze, Enkelkind oder Wasserschäden. Durchaus lebensrelevante Dinge also. Allerdings ist es auf Dauer anstrengend, 30 Minuten zu nicken oder wahlweise entrüstet den Kopf zu schütteln, ansonsten sich aber jeder Äußerung zu enthalten, weil alles über „hmhmm“ ohnehin nicht wahrgenommen wird. Das Wort Besprechung bekommt da eine ganz andere Bedeutung. Man wird besprochen. Vom Nicken heute morgen habe ich immer noch Muskelkater und zu spät in die Arbeit gekommen bin ich auch. Weil man aus der Nunmer ja meistens nicht mehr rauskommt. Jedenfalls nicht, wenn man höflich sein will. Aber muss man das in diesem Fall wirklich?

Mein Tipp an alle Beschwafelten: Nickt noch ein letztes Mal freundlich, dann dreht euch um und geht eurer Wege. Die Vollschwafler merken eh erst, dass ihr weg seid, wenn ihr schon längst  in der U-Bahn sitzt. Dort könnt ihr dann nur eines Hoffen: Das dort nicht ein neuer Schwafelbeck auf euch wartet.