Brokkoli, go home!

 

Erinnert ihr euch noch an Brokkoli? Genau, das grüne Zeug, das in den 90ern auf so gut wie jedem Mittagstisch zu finden war. DER Farbtuper neben Fleisch mit Soße und Kartoffeln. Funky! Brokkoli, der Relaunch des spießigen Blumenkohls. Ebensowenig wegzudenken wie die sechseckigen Leonardo-Gläser. Beliebt gemacht hat ihn wahrscheinlich auch sein italienischer, klangvoller Name. Broooo-kko-liiiii, da wurde selbst die Kartoffel ganz wuschig.

Und jetzt? Jetzt sucht man das grüne Gemüse vergeblich. Widerlegt mich, falls ich irre. Wer in diesen Tagen einen Brokkoli auf einem Teller sichtet, möge sich melden. Ich bezweifle aber, dass das eintreten wird. Denn der Brokkoli teilt das Schicksal mit den meisten DSDS-Kandidaten: erst hochgelobt und dann fallen gelassen wie eine heiße Kartoffel.

 Brokkoli, das war einmal. Die neuen Stars auf dem Teller heißen jetzt Pastinaken und könne sich nicht entscheiden, ob sie Karotte oder Kartoffel sein wollen. Pfff…Pastinaken und Rauke (formerly known as Rucola) erobern den Markt. Im Komplott mit Johann, Lena und Paul. Altmodische Kindernnamen plus altmodische Gemüsesorten ergeben den Lifestyle des Neuzeitmenschen. Brokkoli dagegen ist eine Sandra. Abgenudelt, aus und vorbei.

Die Menschen gehen so herzlos um mit ihren Stars! Sandra Brokkoli bleibt nur eines: eine Selbsthilfe-Gruppe gründen für abgehalfterte Mittagstisch-Stars. Die Maggi-Flasche würde sich darüber freuen.

Die Fresse wird dir gehalten

Die Jugend interessiert sich nicht für die Sprache, simst nur und kann nur noch Facebook? Von wegen. Die Teenies bringen sich sogar gegenseitig Grammatik bei. Wie neulich in der U-Bahn belauscht.

Typ eins, Marke cooler Checker: „Ey, aktiv und passiv, ich kapier das echt net.“

Typ zwei, ebenso Checker:  „Ey, echt net? Des ist doch voll einfach, Alder!“

Typ eins: „Echt?“

Typ zwei: „Ja, pass auf:  “Ich halt‘ die Fresse – aktiv. Die Fresse wird dir gehalten – passiv!'“

Besser kann man’s nicht erklären. Ich schawör aktiv,  Alder!

Das Auto, die Wiese, der Höllentrip

Für alle, die manchmal nicht wissen, wie sie ihren freien Tag rumkriegen, habe ich einen ganz heißen Tipp: einfach mal mit dem Auto (möglichst groß und schwer beladen, Frontantrieb ein Muss) in die Fränkische fahren und schwungvoll in einer Wiese mit Hanglage parken. Danach einen halben Meter mit dem Auto seitlich abwärts abschmieren und feststellen, dass Wiesen manchmal trockener aussehen als sie sind. Trotz eines eher unwohligen Gefühls aussteigen, spazierengehen, schön in die Landschaft schauen und die frische Landluft schnuppern. Aufkeimende Gedanken an die Rückfahrt und damit eventuelle verbunden Prolematiken verdrängen.

Dann irgendwann wieder beim Auto ankommen. Beherzt in die matschigen Stollen neben den Reifen treten. Wozu haben Schuhe ein Profil? Hoffnunsgfroh ans Steuer setzen. Motor anlassen, Gas geben, Reifen durchdrehen lassen. Die Beifahrerin zwingen, auszusteigen und anzuschieben.  Stopp-Rufe derselben geflissentlich überhören. Wer lenkt, weiß Bescheid. Ordentlich Gummi geben und zur Unterstüzung auf dem Faherresitz vor-und zurückschaukeln. Mit dem Gas erst nachlassen, wenn die Matschspritzer auf dem Gesicht der Anschieberin gleichmäßig verteilt sind.

Motor professionell abwürgen und aussteigen. Stroh und Gras vom Wegesrand reißen und unter die Autorreifen legen. Vorgang mindestens zehnmal wiederholen.  Zwischendurch eine Zigarette rauchen. Das gibt Kraft. Gedanken an Nervenzusammenbrüche vermeiden. Dann alles, was sich im Auto findet, unter die Reifen legen: Zeitung, Badematte, Flickerlteppich. Sich noch tiefer in den Boden eingraben. Bewundern, wie schön sich Nürnberger Nachrichten um Reifen wickeln können. Angst vor dem Bauern, dem die Wiese gehört, entwickeln. Aussteigen. Weinen.

Sich wie Vivien Leigh in „Vom Winde verweht“ auf den Boden werfen und eine Handvoll Erde krallen: Tara! Contenence zurückgewinnen. Umschauen. Zum nächsten Haus laufen, Helfer holen. Diesen fast an den nächsten Baum quetschen, dann endlich wieder auf der Schotterstraße landen. Uff. Geläutert nach Hause fahren. Mit schlammverspritzten Händen die Tür der nächsten Kneipe aufdrücken. Niedersinken, Bier trinken, Stupor.

Es gibt nicht entspannenderes, als einen Tag auf dem Land. Ehrlich.