Ich liebe meinen Supermarkt!

Ich weiß, ich rege mich oft auf. Nörgle über verwirrende U-Bahn-Pläne, knutschende Mitmenschen oder kaputte Autos. Heute will ich deshalb einmal ein Loblied singen. Auf meinen Supermarkt! Jawohl. Ich hasse einkaufen. (Oje, schon wieder Nörgelei, aber bleibt dran, gleich wird`s sowas von „bossidifff“, wie der Franke sagt )  Jedenfalls bin ich nicht geeignet, Lebensmittel einzukaufen wenn sie sich in Supermärkten befinden, die so groß sind wie ein Berliner Kiez. Was soll das? Ein Supermarkt, bei dem man von der Getränkeabteilung bis zur Zahnpaste Proviant mitnehmen muss um auf dem Weg nicht zu verhungern ist eine Fehlkonstruktion!

Ihr versteht also, Nudeln und Co einzukaufen war für mich bisher wie die Watzmann-Besteigung. Sich nur von Lieferdiensten zu ernähren ist aber leider auch keine Lösung. Angenehmerweise bleiben damit zwar Obst, Gemüse und anderer Unsinn gleich draußen, aber Pizza, Sushi-Röllchen und Thai-Curry Nr 24 machen finanziell ziemlich schnell mager.

Seit einiger Zeit gibt es für mich aber  eine Oase in der Supermarktwüste: Ein Laden mit fünf Buchstaben, gleich bei mir um die  Ecke.  Er ist nicht schön, er ist nicht  modern, er hat die hässlichste Farbkombination der Welt  – trotzdem leuchtet mir sein Logo wie der hellste Stern am Abendhimmel. Denn: Er ist klein! Ein KLEINER Supermarkt, wie geil ist das denn?,  würden die Teenies fragen. Und ich sage: Sehr sehr geil, extremst geil, wie die Intellektuellen gerne sagen, wenn sie sich sehr freuen, aber das ist ein wieder eigenes Thema…

Betrete ich den Laden, muss sich aufpassen, dass ich nicht gleich in die Kassenschlagen rutsche. So muss es sein.  Und wenn ich mich an der Gemüsetheke am Eingang  ein bisschen strecke kann ich schon die Salami im Kühlregal ganz hinten im Laden greifen. Perfekt.Vier Schritte vor, einen seitwärts, leichte Drehung  – schon habe ich den Laden zur Hälfte durch. Ein kurzer Walzer übers Klopapier nach links, schnell noch ein paar Dosen auf den Arm geschaufelt (Nur ganz Alte oder komplett Wahnsinnige benutzen hier einen Wagen) dann geht es in einem sanften Auskehrschwung zur Kasse. So schön kann Einkaufen sein. Nach dem Bezahlen muss ich manchmal fast weinen, so gut gefällt es mir hier. Frau Carossella an der Kasse versteht mich – und verkauft  mir ein Päckchen Taschentücher. Auf dem Zehner-Pack im Katzenfuttergang macht gerade die Kollegin Mittag.