Küssen verboten!

Was ist so richtig schön? Also so richtig, ganz arg wunder-wunderschön? Ich sag„s euch: am schönsten ist es, morgens auf nüchternen Magen im Zug dem Speichelaustausch zweier verwanzter Langhaar-Teenies aus nächste Nähe ausgesetzt zu sein. Hmmm, lecker. Da stellt sich bei mir gleich so ein kuscheliges Gefühl ein. Da will ich auch gleich mittun. Da wird die Bahnfahrt spannend (Werden sie sich auf ewig in ihren Haren verstricken?) und heimlig (Ach, die Klamotten riechen so schön nach Bettmief und Oma-hat-gestern-lecker-Schnitzel-gebraten!). Was kann man noch mehr wollen von einer Bahnfahrt? Was kann man mehr wollen von seinen Mitmenschen?

Ja, es ist schon schön, arg schön sogar, wenn einen die Umwelt ein bisschen einschließt in ihr harmonisches  Miteinander und ihr zärtliches Füreinander. Wenn sie einen ein bisschen  mitnimmt  in ihr unaufgeräumtes Bett.  Aber hallo, eines wäre dabei noch ganz arg viel schöner: Könnten die Welt und ihre Spitzenbesiedler vorher vielleicht einmal ein klietzekleines bisschen anfragen?

Dann könnten sie nämlich von mir Folgendes erfahren: Neeeeein! Kuschelt, knutscht und tauscht die Zungen bitte bitte bitte gern zuhause! Aber weder neben, vor, über oder unter mir noch um mich herum. Weder in der Bahn, noch im Kino und schon gleich gar nicht auf der Rolltreppe möchte ich den verträumten Kampf der vier Zahnreihen beobachten können. Nennt mich spießig, nennt mich von der Leyen – ich mag es nicht. Ich will mir nicht vorstellen müssen, mit sämtlichen ungewaschenen Dreadlock-Paketen im muffligen Bett zu sitzen und Gammelpilze aus der Tüte zu rauchen. Oder der dicken Mama zärtlich in den Tannbäumchen-Speckbuckel zu zwicken. Bäh. Solche Gedanken-Touretts will ich nicht haben müsen. Also, liebe speichelaustauschende, vermuffelte Welt, behalt`s bitte für dich!