Fette Botschaften

Also jetzt nehme ich es ja langsam persönlich. Zuerst kommt eine gewisse „Allys“ daher und mahnt mich: „Zu viel Vanille-Eis essen macht fett. Who the f….is Allys, denke ich mir. Weiter komme ich nicht, denn als nächstes herrscht mich schon  Dr. Tanja Herbert via E-Mail an: „Nehmen Sie endlich ab!“ Der Gipfel aber ist Adrian,  der heute morgen keinen Irrtum bei der Empfängerin mehr offen lässt. Er meint  mich, ja explizit mich, wenn er schreibt: „Anette@pressenetz.de sollte fasten“.

In dicken Winterklamotten könnte ich mein Gewicht vielleicht ja noch kaschieren, aber jetzt im Sommer, wo alles hauteng sitzt, könne es bei mir wirklich nicht mehr so weitergehen, findet der Knilch. Dringend sollte ich deshalb sein Präparat kaufen, mit dem ich sofort Pfunde verliere – und zwar praktischerweise ohne zu hungern (Vanille-Eis geht also doch, Allys!) und ohne „Überwindung kostenden Ausdauersport“.

Toll. Ich bin begeistert. Danke, vielen herzlichen Dank, für die gut gemeinten Ratschläge. Die ihr alle so zartfühlend formuliert. Allys, Adrian und Frau Dotkor Herbert, ich weiß, ihr meint es nur gut. Ihr sorgt euch um mich. Aber ich muss euch enttäuschen. Ich gehe jetzt in die Kantine.  Um keine Überwindung kostende Schritte auf mich zu nehmen, erspare ich mir die Treppe und nehme den Aufzug. Und  dann esse ich eine Currywurst. Mit Pommes rot-weiß. Dazu trinke ich eine Cola und zwar eine richtige. Und hinterher gibt’s Schokopudding. Die Vanillesoße lass ich weg, Allys. Denn fett will ich ja echt nicht werden!

Zwischenhirn-Probleme

Ok, ich habe manchmal Vorurteile. Heute morgen auf dem Weg zur U-Bahn zum Beispiel. In einiger Entfernung sehe ich zwei junge Typen stehen, Marke „cooler Checker“. Käppi, natürlich seitlich getragen, weite Hosen.  Sie zählen sich gegenseitig mit den Fingern immer wieder etwas auf.  Dabei gestikulieren sie wie Michel Friedman zu seinen besten Zeiten.  Spontan weiß ich natürlich, was solche Typen nur aufzählen können: wieviele Autos, Weiber, Musikdownloads, Zigarettenautomaten, sie geknackt haben – jetzt mal im Slang gesprochen…

Folgender Dialog hat mich dann doch überrascht und eines Besseren belehrt:

Typ 1: Ey (Das hab ich noch erwartet), wie viele Teile hat des Gehirn, ey?

Typ 2: Fünf ey!

Typ1: Echt jetzt? Isch hab nur vier, Alter. Bist du sischer?!

Typ: 2: Es sind fünf, Mann, glaub`s mir! (zählt alle auf)

Typ1: Scheiße. Isch glaub, mir fehlt des Zwischenhirn.

Da ist mir dann auch wieder einfallen, dass die Berufsschule ja gleich ums Eck ist. Dass man bei der Prüfung am Gehirn scheitert, ist mir auch schon passiert. Glaubt`s mir ey!

Weg mit der Knubbel-Blume!

Welcher Sadist hat eigentlich diese vermaledeite Knubbel-Blume erfunden? Ihr kennt sie alle, da bin ich sicher. Denn sie ist unumgänglich. Sie lauert uns fast überall auf. Bald wird es kein Schaufenster mehr geben, ohne die lustige Blume mit den knubbelig-runden Blütenblättern und dem goldigen Loch in der Mitte. Sehr gerne kommt sie aus Filz daher oder aus Pressspann. Immer trägt sie fröhliche, warme Farben wie Grün oder Orange oder Gelb. Das passt nämlich am besten zu ihrer sonnigen Botschaft: Hier, wo ich hänge, sind die Menschen  nett und freundlich. Zu ihren Kunden/Patienten/Kollegen/Kindern. Am besten gedeiht sie deshalb auch in sozialen Einrichtungen oder in  Einrichtungen, die für sozial gehalten werden möchten. Kindertagesstätten und Physiotherapeuten, Optiker und Zahnärzte schmücken sich mit ihr. Auch an Wohnungstüren von netten Familien blüht sie gerne, neben dem Namenschild aus Salzteig. Nette Menschen wohnen hier, so freundlich und lieb.

Absolut zu meiden sind Blumenläden, in denen die Knubbel-Blume blüht. Denn wie der Fisch seinereseits an Hauswänden auf Christen aufmerksam machte, sagt die Knubbel-Blume hier: Achtung, hier arbeiten Floristen mit hochgradiger Geschmacksverirrung! Nur wer hässliche Sträuße mit ganz viel Schleierkraut und Nelken kaufen möchte – zum Beispiel für die oft zitierte ungeliebte Schwiegermutter – trete hier ein.  Demnächste werden auch noch Sado-Maso-Studios den Knubbel ins Schaufenster hängen. Hier wird geschlagen, aber nett! Was wollen alle mit dieser Blume?

Ich glaube, es gibt eine Drücker-Kolonne, die die Knubbel-Blüte vertreibt. Eine Blumen-Mafia, die auf Filzpantoffeln von Laden zu Laden zieht. „Du wolle Knubbel kaufe?“ Und sie wird gekauft. Ein ums andere Mal.  Die Knubbel-Mafia muss mit drakonischen Strafen arbeiten. „Wenn du nicht Knubbel kaufst, überschwemmen wir deine eigene Wohznung mit filzigen Knubbel-Blumen! Deine Kinder werden Knubbel-Büchertaschen bekommen, die deine Kindeskinder noch tragen müssen. Deine Ururenkel werden mit Knubbel-Blumen geboren werden und ihre Knubbel-Gene an ihre Nachfahren weitergeben, sie wiederum…. “

Nur so kann es sich zutragen. So MUSS es sich zutragen! Erzählt mir nicht, dass jemand freiwillig, ohne lebenswichtige  Gründe die Verbreitung der Knubbel-Blume unterstützt. Sollte es so jemanden tatsächlich geben, gehört er in ein Zimmer gesperrt, in dem es nur so knubbelt. Clockwork-Orange-mäßig werden ihm die Augen aufgesperrt und überallk wo er hin schaut sind Knubbel, Knubbel, KNUBBEL!

Aber halt – dazu kann man ja auch einfach in die Stadt gehen.

Rettet Energetik-Jacko!

Tschuk! Tschamor!! Weeeeehuuuu!!! Was mit mir los ist? Ich habe gestern meine erste Bürgerpflicht als Ex-Teenie der Neunziger getan und Jackos letzten Auftritt verfolgt.  Und alle rund 300 Sendungen danach auch. Auf ewig verfangen in der Endlos-Video-Schleife auf Viva. Sowas hinterlässt Spuren. Aber auch diese Erkenntnis:  Michael Jackson war mindestens zu viert. Der berühmeteste Teil der „Jackson Five“ war selbst ein „Jackson Four“! Könnt ihr mir folgen? Gehirn einschalten – ihr habt ja noch eins….

Als da wären:  Black-Jacko: Jackson mit dunkler Hautfarbe, sympathischem Afro, Klamotten im 70er Desingn, plus einer markant breiteren Ausgabe von Nase und Lippen. Dann Energetik-Jacko: Der dynam-offensive (Wortschöpfung von Trappatoni) Robotermann mit Krisellöckchen, güldenem Oberteil, zunehmend bleicherer Haut und einer Choreografie, die Tanzdrillmeister wie DJ Dickschädel Soost sowas von an die Wand fliegen lässt! Jacko auf dem Zenit seines Erfolgs.

Es folgte Jacko Nummer drei, das Porzellanpuppengesicht mit bravem Kurzhaaarbob, das sich haarlos bis unter die Achseln im Video an Lisa-Marie Presley schmiegt. Gekrönt von Variante Nummer vier – „Tante Hilde“: Eine schrullige, alternde Diva mit geglätteter Damenfrisur, die ihren knallroten Lippenstift offenbar inzwischen gern auch etwas neben die Restlippen zittert.

Bedauerlich, dass jüngere Menschen oft nur noch letztere Version vor Augen haben.  Die ganze ahnunslose Kinderschar der Unter-30-Jährigen fragt sich jetzt natürlich, was die alte Frau die ganze Zeit auf allen Prädikatsblättern und neuerdings auch auf ihrer Bravo zu suchen hat.

Ein Zustand, der so nicht bleiben kann. Ich sage deshalb: Rettet Energetik-Jacko! Lassen wir ihn im Alltag wieder auferstehen. Zum Beispiel beim Bäcker. Einfach mal mit Trippelschritt Anlauf nehmen (vorher alle U-Bahn-Zombies hinter sich formieren), die Tür auftreten und im Moonwalk zu Theke schweben. Dann in  0,8 Sekunden 14 Bekreuzigungszeichen über der Brust schlagen und im höchsten Falsett „Weeeeeggla“ bestellen. Zahlen, Rückgeld einstecken und dann mit einem beherzten Griff in den Schritt den Dank über die Brötchen-Transaktion ausdrücken. Weeehuuuu!

Wenn dann die Männer in den weißen Anzügen kommen – cool bleiben. In der Psychiatrie  sind wir Jacko bestimmt ganz nahe. Und können uns endlich mal nach Herzenslust austoben. Beat it!