Hilfe, ich brauche eine Sonnenbrille!

Lust, euch mal richtig schön zum Deppen zu machen? Ungeniert in aller Öffentlichkeit? Dann nichts wie auf zum Sonnebrillen-Kauf. Wichtig ist dabei, dass ihr alleine unterwegs seid. So wie ich gestern. Federnden Schrittes schleppte ich mich zur Arbeit, als ein Drehständer mit Sonnebrillen meinen Weg kreuzte. Ich hatte meine letzte gerade mal wieder erfolgreich totgesessen („Pass auf!!Die Bri….tja“) und fühlte mich bereit, für eine neue Diva in meinem Gesicht. Denn eine Sonnebrille ist nichts anderes. Das Gesicht hat sich unterzuordnen und zwar subito.

Genau das ist auch das Problem. Welche Form passt zu mir? Oder besser – welche lässt mich nicht total beknackt aussehen. Schwierig. Noch schwieriger wenn man mutterseelen alleine unterwegs ist. Wer schon mal versucht hat, alleine eine Sonnebrille zu kaufe, weiß wovon ich spreche. Aber gestern fasste ich mir ein Herz.

Mutig greife ich in die gläserene Auswahl und probiere die erste Brille. Weißer Rand, runde Gläser, sieht interessant aus am Ständer. Irgendwie mondän. Der Realitätscheck ist vernichtend. Aus dem Spiegel schaut mir ein Frosch mit Locken entgegen: Ich, mit einer saudummen Sonnenbrille. Weg damit, nächste her. Eine Pilotenbrille mit Goldrand. Das Tragefgefühl ist angenehm, der Blick in den Spiegel nicht.  Mit dieser Brille wachsen mir gleich gelbblonde Haare und diagonal lackierte Fingernägel und ich muss als Paris-Hilton-für-Arme bei Frauentausch mitmachen. Hilfe!

Außerdem fühle ich mich beobachtet. Das liegt daran, dass ich es auch bin. Sobald ich aufschaue, begegne ich dem Blick einer jungen Blondine, deren Mittagspause ich enorm bereichere. Von Modell zu Modell wird ihr Blick mitleidiger. Herrschaft, kann die nicht woanders hinschauen? Zu dem Mann, dem gleich die Falafel aus der Hand fällt zum Beispiel?  Der ist auch lustig, hahaha! Privatsphäre beim Brillenkauf ist leider Fehlanzeige. Wenn es nach mir ginge würde ich die Brille im stillen Kämmerlein bei mir zuhause kaufen. Aber dort gibt es eben keine Brillen, deshalb bin ich ja hier! Ich probiere noch ein strassverzierte Version in der ich in jedem italienischen Mafia-Film mitspielen könnte, eine Art Motorradhelm-Visier, die meinem Gesicht das bezaubernde Profil einer Halbkugel verleiht und eine überdimensioniertes Riesending, mit dem ich wie Puck-die-Stubenfliege im XXL-Format aussehe.

Ich seufze, das Preisschild baumelt vor meiner Nase, Blondie von gegenüber mustert mich lange. Wie tief muss man eigentlich sinken in seinem Leben, denke ich und funkle sie böse an. Dann geschieht ein Wunder. Meine Beobachterin steht auf, kommt zu mir herüber und fragt: „Soll ich Ihnen mal einen Tipp geben? Ihnen stehen hellere Farben, passt besser zu Ihren Haaren.“ Spricht es und verschwindet mit einem schüchternen Lächeln. Ich bin baff. Kann es sowas bitte öfter geben? Genau das ist es was ich brauche: Menschen, die mir in schwierigen Situationen wie Brillen-Käufen schnell mal sagen, was zu tun ist. Endlich hat es das Universum kapiert!

Ich probiere eine (!) helle Brille mit Hornrand, gehe zur Kasse und zahle.

Morgen kaufe ich mir Schuhe – will sich jemand schon mal den Platz in der ersten Reihe sichern?

Ich bin zu langsam für den Frühling

Ich bin zu langsam für den Frühling. Diese Erkenntnis habe ich in meiner Mittagspause gewonnen. Ich war nämlich die einzige, die eine Jacke an hatte. Eine Jacke! Lächerlich! Wie kann man nur auf eine so bekloppte Idee kommen?  Jacke ist vorbeier als vorbei. Gesagt hat mir das niemand, aber ich konnte es an den mitleidigen Blicken meiner Cafe-Mitgenossen ablesen. Das Maximum an Kleidung, das um mich herum getragen wurde, war ein T-Shirt. Waghalsige haben sich dazu ein Tüchlein um den Hals gebunden. Meinen zierte ein Schal. Ein dünner, okay! Heute morgen war er noch ein modisches Accessoire zu meinem Outfit, ab heute mittag machte mich der vermaledeite Schal zum Marsmenschen. Ich bin der Depp, der den Klimawandel verpasst hat.

Aber momentmal. Hatten wir letzte Woche nicht noch Winter? Feuchtkaltes Regenschirm-Pisswetter? Ja gut, es sind inzwischen ein paar Tage vergangen. Deshalb habe ich ja auch meinen Mantel abgelegt. Und die Übergangsjacke herausgeholt. Übergang – hallo! Sowas gabs früher mal. Da wurde es nicht von jetzt auf dann Sommer als hätte ein Solariums-Junkie eine 100 000 Watt-Birne angeknipst. Da hat man, nachdem der Schnee weggetaut ist, noch die „leichte Jacke“ rausgeholt – und nicht den Bikini wie jetzt! Leute, was ist denn mit euch los? Haben euere Sommerklamotten schon seit Wochen hufescharrend in der Kiste gelauert, um sich beim ersten Lichtstrahl, der in die Finsternis fällt, auf euren Leib zu stürzen? Anders kann ich mir Oberteile mit Spaghetti-Trägern als einziges Oberbekleidungsstück wirklich nicht erklären. Was macht ihr in der kalten U-Bahn, im Schatten, im Büro oder am Abend? Oder gehen jetzt alle nur noch mittags raus. Oder wo versteckt ihr alle eure Jacken?!

Nein, es ist alles in Ordnung bei mir. Morgen ziehe ich auch ein T-Shirt an. Mit nichts drunter außer einem BH. Meine Jacke, haha welch altmodisches Wort, lasse ich freilich zuhause. Dann stelle ich mich in ein hippes Straßencafe und bestelle mir einen  Cappuccino, und zwar einen geeisten! Genau wie alle anderen auch. Und wehe mir ist dann kalt. Dann packe ich mir so ein Spaghettiträger-Teilchen an den gut gekühlten Nasenlöchern und stelle es persönlich zur Rede! Also überlegt euch lieber nochmal, was ihr morgen anzieht – und ob ihr wirklich schon ein Eis schlecken solltet.

Ja: Ich habe abgewrackt

Jawohl, ich bekenne: Ich habe abgewrackt! 14 Jahre wurde meine Peugot, bis er sein Leben auf der A3 kurz hinter Nürnberg ausgehaucht hat. Der ADAC-Mensch, der uns beide vom Rastplatz klauben musste, hat versucht mir zu erklären, was genau kaputt ist an meinem Auto. Zur besseren Visualisierung arbeitete er mit seiner Zigarettenschachtel und zwei Zigaretten. Die Schachtel war, glaube ich, der Motor, was die Zigaretten darstellen sollten, hab ich vergessen. Ist ja auch egal. Ich halte es da ausnahmsweise mal mit dem Kohlschen Motto: Wichtig ist was hinten raus kommt.“ Und in meinem Fall kam heraus, dass die Reparatur den Wert meines süßen Peugots sagen wir mal ungefähr um das Fünffache übersteigt. Ich bin kein Zahlenmensch, aber irgendwie hatte ich das intiutive Gefühl, neue Investments würden sich nicht mehr so ganz lohnen.

„Alzo, solln mer glei zum Audohof fahrn?“ Erbarmunsglos stellte mir der ADAC-Mann die Frage aller Fragen. Und im Schein der Parkplatz-Lampe habe ich die Endlichkeit meines alten Wegbegleiters besiegelt. Sein Schicksal hieß Autopresse und meines ÖPNV. Wen von uns beiden es härter getroffen hat, lässt sich schwer sagen. Gut, dass ich mein Auto vor Kurzem grob entmüllt habe, sonst hätte keiner gewusst wohin damit: zum Metall oder zum Sondermüll? Trotzdem habe ich noch einige interssante Dinge aus seinem Inneren zu Tage befördert. Unter anderem ein Englisch-Wörterbuch, eine Warnweste, ein T-Shirt, zwei lange vermisste Handtücher sowie mehrerer bandsalatige Kassetten. (Habe ich erwähnt, dass während meines Umzugs vor eineinhalb Jahren einige Dinge Eingang aber nie wieder Ausgang aus meinem Auto gefunden haben?) Den Rest habe ich leichten Herzens der Schrottpresse überlassen: Teile des Erstaussdruckes meiner Magisterarbeit , ein rosa Pony mit kämmbaren Haaren (keine Fragen dazu!) , geschätzte 50 Plastikflaschen, diverse gordisch verknotete Seilsysteme und – meine neuen Sommerreifen! Die alten verdrecken mir dafür weiterhin schön den Keller. Manchmal läufts einfach gut.

„Jetzt ist er weg, und ich bin wieder allein allein“,  singe ich mit Smudo wenn ich in U-Bahn/ Straßenbahn/Zug und Taxi sitze. In letzterem sitze ich jetzt häufiger, nachdem mir ein Kollege ausgerechnet hat, wie oft ich Taxi fahren kann im Monat, wenn ich mir kein Auto mehr zulege. Ich finde das eine brillante Idee: Abwracken ohne lästigen Autokauf, das ist 100 Prozent schadstoffarm und spart mindestens 10 000 Euro und eine Million Nervenzellen! Rechnet das mal in Jeanshosen um oder in Zigarettenschachteln. Dagegen ist die Umweltprämie doch ein Witz! Und dieser Topf reicht auch noch ewig! Ich sollte das Modell dringend der Regierung vorschlagen.