Schneetafel-Terror

Gut, ich gebe es zu, es hat ein bisschen gedauert. Dafür ist dieser Blog brandaktuell: Es geht ums Wetter. Genauer gesagt um Schnee. Noch genauer, um die Schneetafel. Die Schneetafel! Das ganze Jahr über staubt sie sauber vergessen vor sich hin, um sich dann im Winter zu neuer Tyrannei aufzuschwingen. Gefürchteter ist nur noch die Steuererklärung, aber dazu in einem anderen Blog.

Das Problem mit der Schneetafel ist: sie ist fies und hinterhältig. Sie gibt nie an, wo im Haus sie sich gerade befindet. Jede Minute kann es soweit sein. So wie bei mir neulich. Gemütlich sitze ich auf meinem Sofa, die Katze schnarcht neben mir, im Fernsehen läuft „Bauer sucht Frau“, ein Ikea-Teelicht leuchtet auf dem Fensterbrett – die Welt ist in Ordnung. Doch dann! Ein fieser Klingelton reißt mich aus dem Paradies. Vor der Tür steht die Nachbarin von links unten. Ein Grinsen ziert ihre Mundwinkel. Zwei Grübchen lachen mich an. Ihre Herkunft Erleichterung und Niedertracht. Sie reicht mir die Schneetafel, ihr Haar fällt so locker wie in der Werbung als sie fröhlich die Treppen hinunterhopst. Zurück bleibe ich. Und die Schneetafel. Der nächste Morgen wird keine guter, ich weiß es.

Um halb sieben klingelt der Wecker, ich kann es nicht fassen. Mit Jeans und Mantel über dem Schlafanzug  – so viele Protest muss sein – tapse ich drei Stockwerke nach unten. Im Hof liegt ein durchichtiger Spitzenvorhang auf dem Boden. Bei näherer Betrachtung komme ich zu dem Schluss: Ja, es handelt sich um Schnee. Die fragile Flockenschicht bekommt von mir einen 1A-Schneeschipp-Behandlung. Schließlich tappe ich nicht für nichts im Morgengrauen durchs Haus. Das hier gilt! Und wenn ich eigenhändig noch Flocken aus meinem Gefrierschrank dazulege! Denn das Beste an der Schneekarte ist ja: nach einmaligem Dienst wandert sie weiter!

Ich freue mich schon auf heute Abend. Weil unsere Wände so dünn sind, weiß ich wann die Nachbarin den Fernseher einschaltet. Ich höre ihre Katzen schnarchen. Und genau dann, wenn ich höre wie sie das Ikea-Teelicht entzündet, ziehe ich meine Hausschuhe an. Und klingle.