Ich hab‘ es eilig!

Immer wenn ich es eilig habe, hakt das System. Dann scheint die ganze Welt nur einen Gedanken zu haben: mich aufzuhalten! Wie neulich am Bahnhof. Ich wollte nach Augsburg fahren. Nur eine Karte trennte mich von meinem Ziel. Und etwa zehn Menschen vor mir in der Schlange. Das geht ja noch, denke ich und bleibe stehen. Und stehe und stehe und stehe…

Eine geschlagene Viertelstunde sind alle vier Schalter dauerbelegt. Von Spitzendarsteller, denen es nicht reicht, einfach eine popelige Karte zu kaufen. Nein, sie haben sich hier zusammen gerottet, um mir meine Zeit zu stehlen und mit meinen Nerven Gummitwist zu spielen! Sie kaufen nicht, sie lassen sich BERATEN.  Aber was kann daran denn so lange dauern? Welche konspirativen Gespräche  führt die Mutter in Pink an Schalter drei? Zum dritten Mal holt sie ihren Geldbeutel raus und täuscht an, endlich, endlich zu zahlen. Dann steckt sie ihn wieder weg. Ein Typ in Lederjacke am Schalter nebenan steht dafür seit zehn Minuten unbegeweglich über den Schalter gebeugt da während der Bahn-Mensch hinter dem Schalter ebenso unbeweglich vor seinem Bildschirm sitzt. Was treiben die? Energieaustausch durch Starre?

Ich weiß es nicht. Und eigentlich will ich es auch nicht wissen. Ich will, dass sie sprechen, zahlen, gehen. So wie ich. „Eine Fahrkarte nach Augsburg bitte, mit dem nächsten Zug. Macht 30 Euro. Bitte, danke, tschüß. „So hat das Fahrkarten-Verkaufsgespräch zu laufen! Ist das denn so schwer?!

Wie bitte? Fahrkarten-Automat? Dort hätte ich stattdessen hingehen können? Wer das vorschlägt, hat entweder noch nie versucht an einem dieser High-Tech-Roboter etwas zu ziehen oder ist Bahner oder selbst ein Automat! Ich habe es einmal versucht. Und musste mir von einem Schüler helfen lassen. Ich habe  mich alt gefühlt damals, sehr alt, aber das ist wieder ein anderes Thema.

Jedenfalls: Nach der Fahrkarten-Strapaz wollte ich mich belohnen. Mit einem Döner. Was Schnelles auf die Hand, bevor der Zug losfährt. Der Mensch vor mir nimmt sein Pide, zahlt und geht. Geht doch! Ich lächle und entspanne mich. „Einen Moment bitte“, sagt der türkische Dönerbrater dann zu mir. „Ich muss  den Fleischspieß wechseln. Kann ein bisschen dauern, wollen Sie einen Tee?“