Ich hab‘ die Haare schön!

Sie kooperieren heute einfach nicht mit mir. Meine Haare! Gebt es zu, ihr Frauen und eitlen Männer da draußen, ihr kennt das auch: Man geht am Spiegel vorbei und denkt sich: „Mist. Was soll das denn bitte sein? Eine Frisur sieht anders aus.“ Trübe, algenartig baumeln meine Haare um mein Gesicht. Dabei habe ich heute abend einen Termin, und zwar einen bei dem man mich sieht. 

Aber das ist mal wieder typisch, das machen sie besonders gerne. Abends schön wegegehen, Vorstellungsgespräch, Disco oder Theaterabend – meine Haare lassen sich hängen und mich damit auch. Darauf kann ich mich verlassen.“Sorry, heute geht nix“, scheinen sie zu mir zu sagen. „Wir chillen heute“

Ja gut, das sind halt nur Haare, die erkennen den Ernst der Lage nicht. ‚Vorstellungsgespräch‘ sagt denen nichts. Schon klar. Aber wehe, ich will einfach nur mal schön ganz alleine für mich zuhause auf dem Sofa sitzen. Selbst die Katze schläft im anderen Zimmer, ich telefoniere nicht mal. (Psychologen könnten bestimmt sehen, um die Frisur lacht oder nicht). Wenn ich also ganz allein bin, dann, ja dann kommt der große Moment meiner Haare. Der Moment für den sie sich schon die ganze Woche über aufgspart haben. Sie sind nicht mehr nur Haare, nein jetzt bilden sie eine FRISUR. Und die SITZT. Auf einmal! Die Stirnlocke fällt in geschmeidigem Schwung herab – und nicht in fitzeligen Kringeln wie sonst, die Strähnchen leuchten, der Scheitel scheitelt sich wie ein junger Gott.

WAS SOLL DAS?

Die machen das um mich zu ärgern. Extra!Und kommt mir jetzt bloß nicht mit Zufall. Es wird Sabotage gegen mich betrieben. Nicht hinter meinem Rücken, nein, auf meinem eigenen Kopf! Dreister geht es nicht mehr. Aber damit ist jetzt Schluss. Was bilden sich meine Haare eiegentlich ein? Am Ende bestimmen DIE noch, wann ich aus dem Haus gehe und wann nicht. „Nee du, ich weiß noch nicht, ob ich heute mitkomme, da muss ich erstmal meine Haare fragen?“ Hundert Jahre Emanzipation und dann schikanieren uns unsere eigenen Haare herum? Ich sage nein. Es reicht, schlussausbasta.

Ich gehe heute abend weg. Ob meine Haare wollen oder nicht. Und jetzt gehe ich zum Spiegel, mit Kamm und Haarspray. Und dann sprüh‘ ich sie so in die Höhe, so dermaßen in die Höhe, dass sie sich wünschen, sie wären vorhin freiwillig aufgestanden,

die Mistviecher.