16. April 2014 von Anette Röckl

Die Braut, der man nicht traut

Wie bei Facebook, war auch das nur eine Frage der Zeit. Lange habe ich über eine Freundin gelacht, die wöchentlich von Hochzeit zu Hoch­zeit hetzte und im Schweiße ihres Angesichts Tischkärtchen in speziel­len Blickachsen ausrichtete (so, dass die Schwiegermutter uns sieht, aber die Tante auch, nebeneinander dürfen sie aber nicht sitzen). Jetzt bin ich auch dran.

„Trauzeugin? Na klar, gerne!“, besiegelte ich leichtfertig mein Schicksal. Gefügig gemacht durch die schmeichelnde Ehre und ein Glas Sekt. Zehn Minuten später stieg mit den Blubberbläschen auch ein dumpfes Gefühl in mir hoch. In meinem Gehirn ange­langt, entfaltete es sich zu einem Begriff: Junggesel­linnenabschied. ...weiter lesen

7. April 2014 von Anette Röckl

Schönwetter-Terror

Die Sonne lacht, der Himmel strahlt, alle Vögel drehen durch. Wer bei dieser Wetterlage drinnen bleiben will, der braucht eine gute Entschuldigung. Ich hatte letztes Wochenende keine, also schleppte ich mich, trotz harter Nachtschicht am Tresen, am Sonntag in den Stadt­park. Zum Glück! Ich wäre nämlich sonst wahrscheinlich die einzige Nürnbergerin gewesen, die das Haus nicht verlassen hätte. Vermut­lich hätte die NSA veranlasst, dass man polizeilich ...weiter lesen

29. März 2014 von Anette Röckl

Ich mach’ Heilfaaaaasten!

Wer ist hip? Der, der gegen den Trend schwimmt, genau. Ich esse mich gerade gegen den Strom. Wäh­rend um mich herum die Mäßigung ausgebrochen ist, drängt es mich zum Fettigen, Deftigen und Schwe­ren. „Hunger hab ich eigentlich gar nicht mehr“, sagte eine Freundin neulich zu mir am Telefon. Sie heil­fastet gerade. Nach drei Entlas­tungstagen ist sie jetzt in der erns­ten Phase: Gemüse­brühe ohne Ge­müse, dazu Obst­saft. Ende. Ihre Stimme ...weiter lesen

26. März 2014 von Anette Röckl

Ich brauch` ein Anti-Virusprogramm!

Typisch. Die ganze Zeit ist alles bestens, der Körper macht sein Ding, ohne zu klagen. Aber kaum tritt man seinen Urlaub an, kratzt es im Hals. Dabei habe ich mich doch von allen schniefenden Kollegen fern­gehalten. Und alle verschnupften Freunde sofort im Stich gelassen. Getreu nach dem Motto: Einmal nie­sen „Gesundheit“ wünschen, zwei­mal niesen Flucht ergreifen plus Sagrotan-Dusche. Nach jeder U-Bahn-Fahrt hab ich mir die Hände so heiß gewaschen, dass Fingerfood fast eine ganze neue Bedeutung bekom­men hätte. Igitt, Entschuldigung. Es kam so über mich. Genau wie diese verdammte Erkältung.

Aber ich ahne schon, woher ich sie habe — trotz aller Vorsicht: Es hängt ...weiter lesen

15. März 2014 von Anette Röckl

Willkommen bei Fiesbook

Jetzt haben sie mich also doch gekriegt. Eigentlich wollte ich ja als letzter Mensch, der nicht in diesem Club ist, in die Geschichte ein­gehen. Aber jetzt hat Mark Zucker­berg auch bei mir zugeschlagen: Ich teile es Ihnen hiermit mit, besser gesagt, ich poste es: Ja, auch ich bin jetzt auf Facebook. Ob ich es „like“, also mag, weiß ich noch nicht. Dazu bin ich noch zu ver­wirrt. Mir schwirrt der Schädel vor lauter Hierhin­schreiben, Dorthin­klicken und Teilen, Teilen, Teilen. Ein bisschen komme ich mir vor wie die Menschen im 19. Jahrhundert, die nach Pferdekutschen zum ersten Mal mit Automobilen konfrontiert wurden. Aber meine Kollegin sagt, das geht vorbei.

Keine ...weiter lesen

13. März 2014 von Anette Röckl

Wer schnurrt, schafft an


Früher hatte ich einmal eine eigene Identität. Heute geht es mir so wie Müttern, die nur noch über ihre Kinder definiert werden. Nicht, dass ich meine Katze mit menschlichem Nachwuchs verglei­chen möchte. Nein, der haart ja schon viel weniger. Aber eine gewisse Gemeinsamkeit gibt es trotzdem.

„Und, liechd er im Bett?“, begrüßte mich heute die Hausputz­frau, als ich aus meiner Wohnungs­tür trat. Mit „er“ ist natürlich meine Katze Joker ...weiter lesen

25. Februar 2014 von Anette Röckl

Ich sprüh` den Stress weg!

Normalerweise rege ich mich ja eher gerne mal auf. Ich will nicht sagen, dass ich zur Hysterie neige, aber als Fels in der Brandung hat mich noch keiner meiner Freunde bezeichnet. Eher vielleicht als Sturm im Wasserglas. Damit ist jetzt Schluss. Nachdem neulich schon eine Jacke mein Leben ansatz­weise verändert hat, greift jetzt ein Deodorant in meine internen Vor­gänge ein. Der Stress-Protektor einer Kosmetik-Marke macht mich so ruhig, dass ich mich fast nicht mehr wiedererkenne.

Angeschafft habe ich mir das Ding, weil ich bei meiner ersten Lesung im Kuno sicherstellen wollte, dass ich zumindest olfak­torisch nicht unangenehm auffalle. Ein Deo, das auch bei extremem emo­tionalen ...weiter lesen

18. Februar 2014 von Anette Röckl

Catwalk auf dem Bistro-Tisch

Manche Sachen muss man einfach selber sehen, damit man sie glaubt. Ich habe es jetzt getan: Ich habe mich selbst von meiner Knei­pen- Katze über­zeugt. „Servus“, rief ich ihr nach, als ich sie vor ein paar Tagen abends vor meiner Haustür in die Freiheit entließ. Eine Stunde später machte auch ich mich in ihre Stamm­kneipe auf. Gespannt öffnete ich die Tür. Würde ich Joker jetzt beim Karteln am Tresen erwischen? „Isser da?“, flüsterte ich dem Wirt zu. ...weiter lesen

5. Februar 2014 von Anette Röckl

Die Katze auf dem kühlen Barhocker

Haustier-Geschichten gehören ja in dieselbe Kategorie wie süße Kin­der- Anekdoten: Man behält sie am besten für sich. So wollte ich es eigentlich auch halten, uneigentlich muss ich Ihnen diese Story aber ein­fach doch erzählen. Für mich hat sich neulich nämlich ein großes Mys­terium gelöst. Die Frage: Was treibt meine Katze eigentlich nachts?
Dass sie immer erst frühmorgens nach Hause kommt, ist nichts Beson­deres. Dass sie seit einigen Monaten dann am Fressnapf völlig desinteres­siert vorbeispaziert, ist allerdings neu. Und ungefähr so wahrschein­lich wie Reiner Calmund auf dem Titel von Men’s Health. Dessen Aus­maß — auf eine Katze übertragen — hat ...weiter lesen

23. Januar 2014 von Anette Röckl

Es reibt sich die Haut mit Q10 ein

Neulich dachte ich, heute wäre ein guter Zeitpunkt, mir dieses Creme-Pröbchen ins Gesicht zu schmieren, das mir eine Parfümerie-Verkäuferin zugesteckt hatte. Das Wochenende war, sagen wir mal, herausfordernd. Ein bisschen Q10 konnte da nicht schaden. „Es reibt sich die Haut mit der Lotion ein“ – schon Kosmetik-Experte Hannibal Lecter wusste, was Frauenhaut schön zart macht…

Ich kramte die Creme hervor und begann zu schmieren. Weil ich die Augenpartie, wie verlangt, aus­sparte, war ich in der Lage, die Rückseite der Probe zu lesen. Lei­der. Was stand da? Ich kniff die Augen zusammen. „Für die Haut ab 35.“ Na, herzli­chen Dank! O.k., ich bin sogar zwei Jahre ...weiter lesen