15. Mai 2013 von Anette Röckl

Palme, wohin willst du?

Haben Sie einen grünen Daumen? Herzlichen Glückwunsch. Ich nicht. Ich habe dafür einen fünfzehn Jahre alten Benjamin mit fast keinem Blatt mehr an seinen dünnen brau­nen Ästen. Die streckt er zwischen Billy-Regal und Fensterfront her­vor wie Hänsel das Stöckchen bei der bösen Hexe. Und bei der wohnt er ja praktisch auch. Nur dass ich ihn nicht mäste, sondern bei lebendi­gem Leib verhungern lasse — so weit man das bei Pflanzen sagen kann. Nicht, weil ...weiter lesen

4. Mai 2013 von Anette Röckl

Was erlaube Frühling?!

Eigentlich wollte ich es ja nicht tun. Ganz fest habe ich es mir vorge­nommen. Ich wollte nicht über das Wetter jammern. Bis jetzt habe ich es durchgehalten, aber jetzt kann ich nicht mehr. Jetzt bricht es aus mir heraus: Was erlaube Frühling?!

Zuerst überrumpelt er mich mit fast hochsommerlichen Temperatu­ren, die bei mir zu einem Schweiß­bad im Winterstiefel führen. Kaum habe ich den See ausgekippt und mir unter Schmer­zen schwerwiegen­der Entscheidungs­prozesse endlich verdammte früh­lingstaugliche Latschen, sprich Halbschuhe, zugelegt, schon kehrt temperaturtechnisch plötzlich der Herbst zurück. Ich fasse es nicht!

Nach einem übermütigen Auffla­ckern ...weiter lesen

2. Mai 2013 von Anette Röckl

Ein Herd, mich zu knechten

Ich habe einen Tyrannen in der Wohnung. Er ist weiß, hat vier Plat­ten und zwingt mich immer wieder nachzuschauen, ob alle seine Augen tatsächlich auf null stehen. Es han­delt sich um meinen Herd. Er wird mich irgendwann noch in den Wahn­sinn treiben! Ich weiß nicht, wie er es macht, aber er hat definitiv Macht über mich. Kaum über­schreite ich die Schwelle meiner Wohnungstür gen Freiheit, pfeift er mich zurück.

„Bist du sicher, dass ich aus bin?!“, flüstert eine unsichtbare Stimme in mein Ohr. Versuche ich, sie zu übergehen, weil ich schon drei U-Bahnen zu spät dran bin, setzt der Tyrannen-Herd Bilder ein: Vor meinem Auge sehe ich die Katze über die Küchenzeile ...weiter lesen

25. April 2013 von Anette Röckl

Frühling ist … wenn der Winterstiefel schwitzt

„Wiehuu!“, um es mit Michael Jackson zu sagen. Der Frühling ist da. Ein bisschen spät zwar, dafür lässt er sich nicht lumpen und kommt gleich als Sommer daher. Kann natürlich sein, dass übermor­gen, also für Sie heute, wenn diese Kolumne gedruckt ist, schon wieder Winter ist. Aber jetzt gerade schaut die Welt vor dem Bürofenster wie neu bespannt aus. Wo vorher dürre Äste waren, sind plötzlich grasgrüne Böp­pel, der Willy-Brandt-Platz schaut aus wie eine Filmszene aus „Kirsch­blüten Hanami“, sämtliche Rasen­flächen sehen aus, als ob sie nie anders gewesen wären als saftig grün. Die ganze Natur tut so, als ob es sechs Monate geschlossene Wol­kendecke nie gegeben ...weiter lesen

13. April 2013 von Anette Röckl

Robben, der bleiche Spanier

Eines vorneweg: Es gibt viele Frauen, die etwas von Fußball ver­stehen. Daneben gibt es aber auch Frauen, die unheimlich gerne Fuß­ball schauen, obwohl sie nicht so ganz informiert sind, um was es geht. Weil es sie beruhigt, auf eine grüne Fläche zu schauen, auf der 22 Typen einen Ball von links nach rechts schieben. Auch das ist in Ord­nung. Wenn fundiertes Wissen auf gefährliches Viertelwissen trifft, kann es allerdings zu Dialogen der Hölle kommen. ...weiter lesen

3. April 2013 von Anette Röckl

Urlaubslust und Farbenfrust

Hallo Nürnberg, ich bin wieder da. Hurra. Hurrawaahaachnüffrotz­hochziehbuhuuuu :-((((((. Entschul­digung. Es ist aber auch hart. Aus dem Urlaub zurückzukommen, ist ja immer die reine Freude: der Kühl­schrank ist leer, die Katze missge­launt und der Fernseher hat alle seine Sender vergessen. Wer dazu noch aus einem hypercolorierten Land wie Indien in den fränkischen Pseudo-Frühling gebeamt wird, bekommt zwangs­läufig eine Farb-Depression. Mein erster Blick aus dem Flugzeug hat mich an meiner Sehkraft ernsthaft zweifeln lassen: War good old Näm­berch schon immer nur in Hellgrau, Mausgrau und Dunkelgrau vorhan­den oder hat irgendein Depp unser armes Städtlein in einer giganti­schen ...weiter lesen

30. März 2013 von Anette Röckl

Wenn der Guru Pommes will

Nachdem die Tante informiert ist, kann ich es jetzt auch hier sagen: Ich verreise — und irgendwie ist es auch diesmal nicht Österreich geworden. Sondern Indien. Schuld daran sind meine Freunde. Die können nicht in normale Länder gehen, sondern müssen immer gleich nach Afrika auswandern oder sich in einen indischen Ashram hocken, in dem eine kleine, kugelige Guru-Inderin 22 Stunden am Stück Menschen umarmt. Weil Erleuchtung, Yoga und 35 Grad im März mir recht angenehm erschienen, habe ich beschlossen, die Freundin dort aufzusuchen. Außerdem hat mich die Hausfarbe des Ashrams überzeugt. Sie ist Pink. Und Pink ist immer gut.

Dunkelrot sieht dagegen, wer versucht, ein Visum für ...weiter lesen

27. Februar 2013 von Anette Röckl

Wenn’s im Oberstübchen klingelt

Moment, gleich geht’s los, ich muss nur schnell ein paar Gedan­ken in meinem Kopf löschen, damit ich wieder ein paar raussenden kann. Also hierhin schreiben. Das geht nicht, wenn der Speicher zu voll ist. Nein, ich stehe nicht vor einem Burn-out und ich bin auch nicht mehr karnevalsjeck. Ich hab’ mich nur, glaube ich, aus Versehen mit meinem Handy gleichgeschal­tet. Synchronisiert, wie es so schön heißt. Früher oder später musste das ja passieren, siehe Terminator.

Das erste Mal gemerkt habe ich es heute Morgen. Da bin ich trotz Weckerklingelns einfach nicht angegangen. Nach zehn Minuten habe ich dann kapiert, dass ich immer noch die Tastensperre drinhabe. Erst nach­dem ...weiter lesen

21. Februar 2013 von Anette Röckl

Trömmelsche-Trauma

Für uns Franken ist ja so einiges abwegig: sich zu Fremden an den Tisch zu setzen, lächelnde Verkäufer oder der FC Bayern. Das Aller­verrückteste aber, das ein Franke machen kann, ist, an Fasching (Kaaaarneval!) nach Köln zu reisen. Ich war mit einer guten Freundin dort. Wir sind immer noch bis ins Mark erschüttert. Dass derartige Zustände in Deutschland erlaubt, ja sogar gewünscht sind, ist unbegreif­lich. Das „Trömmelsche“, das dort fünf Tage permanent geschlagen wird, vibriert immer noch in mir nach. Wenn ich das Wort mit „T“ bei der Freundin auch nur erwähne, bekommt sie einen hysterischen Anfall. Seit unserer Rückkehr liegt sie in katatonischer Starre in ihrer Wohnung ...weiter lesen

2. Februar 2013 von Anette Röckl

Hilfe, die Uhr tickt!

Es gibt ja so Tage, an denen schon am Abend vorher klar ist, dass man für alles zu spät dran ist. Egal, wie man sich abkaspert, man hinkt im Zeitplan (haha!) immer hinterher.
Bei mir war es nun mal wieder so weit. Schuld daran war natürlich nicht ich selbst, sondern Lanz, der alte Schwieger­sohn- Darsteller. Mit Sprech-Hyp­nose fesselte er mich gestern bis nach Mitternacht auf das Sofa. Als nach dem Ende der Sendung die Starre von mir abfiel, fiel der ...weiter lesen