Kein Anschluss unter diesem Hashtag

Schneebotschaften sind eine feine Sache. Jeder kann sie sehen und dann verschwinden sie. Für immer. Ungespeichert.

Allerdings bleibt die Nachricht, die die Haube eines Wagens in Unterfarrnbach zierte, rätselhaft. Unter #LahmeLaube findet sich in den Weiten des Internets nämlich exakt – nichts.

Ganz anders sieht die Sache freilich aus, gibt man #LahmeEnte ein. Da überschlagen sich die Meldungen. Das lässt mehre Schlüsse zu. Der Schreiber im Schnee mag Enten, kann aber Alburnus Alburnus, einen karpfenartigen Fisch, der gemeinhin auch Laube genannt wird, nicht leiden. Oder: Er kennt vielleicht das Auto und weiß, was sich möglicherweise unter dem Weiß verbirgt. Rost, zum Beispiel. Hätte er aber #LahmeRostlaube geschrieben, wäre leider der schöne Stabreim futsch gewesen.

Der Schneetexter muss ein Schöngeist sein.

Foto: Wolfgang Händel

 

Gut gebrüllt, Schnöwe

Die Eskimos, so wurde mal behauptet, kennen hundert Wörter für Schnee. Das klingt einleuchtend. Wenn man dauernd auf Weiß in Weiß guckt, denkt man sich dann nicht aus reiner Langeweile ein paar neue Begriffe für das Zeug aus?

Bloß dumm, dass die These mit den hundert Wörtern längst als Schnee von gestern entlarvt wurde und getrost ins Reich der Legenden verfrachtet werden kann. Relativ frisch ist dagegen, dass die Eskimos heute Inuit genannt werden sollen, ein schöner Begriff, der nichts anderes als Menschen bedeutet.

Die Inuit von Fürth durften heute morgen staunen. Der Wetterbericht („. . . mäßiger Schneeregen im Laufe des Tages“) hatte nicht ganz recht behalten. Tatsächlich verführte die üppige weiße Pracht  so manchen, den Schnee mit Ausdrücken zu belegen, die die Freunde im hohen Norden möglicherweise rot werden lassen.

Wer aber nicht zum Warten auf den Bus verdonnert war oder den Wagen mühsam freischaufeln musste, um dann im Stau zu stehen, der hatte die Chance, im Stadtpark seltene Schnengel und Schnöwen in freier Wildbahn zu bewundern.

Ein Anblick, für den einem nicht hundert Namen einfallen. Aber einer: Schee ist er, der Schnee.

Eiskalt aufgewischt

In Punxsutawney ist just ein Murmeltier geweckt worden. Phil heißt das putzige Tier und sagt das Wetter voraus. Das allein ist ein alter Hut, spätestens seit Bill Murray mit „Täglich grüßt das Murmeltier“ in die Kinos kam. Neu ist, dass sich in diesem Jahr die Tierschutzorganisation Peta eingeschaltet hat und vorschlägt, statt eines lebendigen Nagers in Zukunft einen Roboter einzusetzen.
Darüber mag nun grübeln, wer will. In Fürth wenigstens ist man fein heraus. Hier dient zur Wettervorhersage ein Schneepaar. Die Regeln dabei sind schlicht: Wenn die beiden zerfließen, wird es wärmer. Die Treffsicherheit dieser Voraussage darf als extrem hoch eingestuft werden.
Wahrscheinlich wird die Aktion auch keine Tierschützer auf den Plan rufen. Dafür fällt feinfühligeren Naturen der Gesichtsausdruck des weißen Paares auf. Bohrende Fragen stellen sich: Warum, zum Beispiel, grinst sie so breit, während ihm die schiere Skepsis ins Gesicht geschrieben steht? Weshalb ist sie mit Haushaltsgeräten bewaffnet?
Besen, Schürze und Eimer lassen nichts Gutes vermuten. Gut, für den Frühjahrsputz ist es noch etwas zeitig. Dennoch scheint der Schneefrau zartes Stimmchen deutlich vernehmbar, das flötet: „Liebling, kannst du mal eben die Gardinen runternehmen? Und schnell aufwischen?“
Ist doch kein Wunder, dass er so mürrisch guckt. Und keiner greift ein.

Phil, du hast es gut.