Ein Königreich im Vorgarten

Fasching ist und wer mag, kostümiert sich jetzt als Prinzessin, Cowboy oder Donald Trump. Irgendwas Verrücktes halt. Selbst Märchenkönige wurden in diesen närrischen Tagen schon gesichtet, neu und wegweisend ist allerdings, was in Stadeln zu entdecken ist: Hier hat sich ein Vorgarten als Traumschloss herausgeputzt.

Perfekter will nicht einmal Neuschwanstein erscheinen, das ein anderer großer Bauherr im fernen Füssen errichten ließ. Wir sagen stolz: Auch die Fürther Version ist einfach märchenhaft.

Foto: Hans-Joachim Winckler

Zwischen Gina und Daniela

150206_citycenter03Fasching, das wird gerne übersehen, erfordert Selbsterkenntnis. Das Problem ist doch: Bin ich noch im Filzhutstadium? Oder doch schon bereit für das Modell Daniela? Schwierige Fragen. Doch es gibt eine gute Nachricht: An Aschermittwoch ist alles vorbei.

Foto: Hans-Joachim Winckler

Die mit dem Plastiksäbel rasseln

Verkleiden ist doch im Grunde unglaublich enthüllend. Zeigen eine Prinzessin in Tüll oder ein liebliches Christkind nicht endlich ihre wahren Ambitionen? Ein putziger Fisch sein Sinnen?

Ganz zu schweigen vom verwegenen Superman. Ein Kostüm, das laut Trendforschung 2014 ganz vorne mitmischt. Manchmal ist die Entschlüsselung freilich nicht ganz so einfach. Welche Seite seines zweifellos aufregenden Charakters will uns ein shreklich grüner Oger offenbaren? Oder eine Fassade im Aludekor?

Lena jedenfalls weiß, was sie sein will. Die 11-Jährige sitzt im Bus 178 und fährt zur Faschingsgeburtstagparty ihrer besten Freundin. Sie trägt ein paar zauberhafte Engelsflügel mit weißem Flaum zum Piratenhut, samt Augenklappe und Plastiksäbel. Das ist jetzt was? „Ich bin ein Engelspirat.“ Klar, hätte man selbst drauf kommen können. „Das ging nicht anders, weil mir mein Engelskostüm vom vorigen Jahr zu klein geworden ist und das Piratenkleid von meiner Mama ist noch zu groß für mich. Aber der Hut passt.“

Und Plastiksäbel und Augenklappe gehen sowieso immer, sind sozusagen Grundausstattung. Schade, dass nur im Fasching alles so wunderbar einfach ist.

 

 

 

Fürther Monroe

Heute Morgen habe ich etwas gelernt. Es ist kurz nach sieben. Der Himmel schimmert grau, das Wetter lässt sich allenfalls als mies mit Tendenz zu niederschmetternd beschreiben. Trotzdem lächelt Lisa selig. Dabei hat die Achtjährige auf ihrem Schulweg durch den wegtauenden Schneematsch alle Hände voll zu tun. Mit festem Griff hat sie das lange blaue Kleid gerafft, das sie über ihrer Jeans trägt. Auf  dem Rücken schleppt sie die obligatorische Schultasche, am Arm schaukelt obendrein ein Turnbeutel aus dem ein Plastikzepter ragt. Krönender Höhepunkt ist ein Diadem, das in ihrer Pudelmütze steckt.

„Ich bin die Eisprinzessin“, sagt Lisa würdevoll. In der Schule werde nämlich  Fasching gefeiert. Schön, aber wär’s nicht ein bisschen bequemer gegangen? Krone in den Sportbeutel und vielleicht ein kurzes Gewand? „Nein“, erklärt Lisa. „Ich will das.“

So einfach ist das also. Fasching muss man wollen. Und was nicht ist, wird hingemalt. Dann wird sogar aus einer pummeligen Putte, die sich in einem Innenstadthof leicht bekleidet an einem Blumenstrauß festhält, dank Lippenstift und blonder Tönung die perfekter Vision einer wahrhaft himmlischen Fürther Marilyn Monroe. Jetzt erklärt sich allerdings auch, warum Bayerns Finanzminister Markus Söder im Fasching als sauber ausstaffierter Punk geht. Er will das.

Der Rest wird hingemalt.