Was übrig bleibt

Die Zeit zwischen den Jahren fühlt sich im besten Fall wie ein kurzes Atemholen an. Die Brücken zu 2016 sind eigentlich schon abgebrochen, bis die Raketen zu Begrüßung von 365 frischen Tagen funkeln, bleiben aber noch ein paar Stunden.

Im Recyclinghof an der Gebhardtstraße sind die Tage ebenfalls gezählt, im Frühjahr steht ein Umzug an. Trotzdem hat irgendjemand zusammengestellt, was Brauchbares übrigblieb. Vorbildlich, oder?

In diesem Sinn dann: Tschüss 2016 und auf ein gutes Neues!

Foto: Hans-Joachim Winckler

Major und Witwenversteher

Wenn Marcel Gasde am Abend den Major geben muss, dann weiß der 44-Jährige, wie sich eine Doppelbelastung im Job anfühlt. Gasde, einer von vier Geschäftsführern der Comödie Fürth, wuppt daneben lässig die Betreuung von zwei notorisch umtriebigen Witwen. Was er außerdem mit der kommenden Fußball-WM zu tun hat, das verrät er in „Mit einer Portion Spaß lässt sich Stress aushalten“ in den FN.

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Kopflos ins Gebüsch

 

In Fürth kann man vieles entdecken. Das ist eine Qualität, die man nicht unterschätzen sollte. Mag ja sein, dass andere Städte mehr Seiten im Baedeker füllen. Aber wer kennt auch nur eine zweite, die auf Kunst im Gebüsch verweisen kann? Fürth kann. In der Badstraße. Dort lässt sich vom Suchenden tatsächlich eine anschauliche Auslegung zum in dieser Form nicht ganz so bekannten Sprichwort „No Body is perfect“ finden.

Vom Body zum Shoppen ist der Weg nicht allzu weit. Immerhin wurde Fürth vor kurzem erst in Guido Maria Kretschmers Volle-Tüten-Show „Shopping Queen“ als Einkaufsquelle präsentiert. Ein schöner Nachtrag findet sich, jawohl, im City Center. Anschaulicher lässt sich ja wohl kaum vorführen, dass Frauen augenscheinlich nur Handtaschen im Kopf haben. 

 

Kommt ein Hase geflattert

 

Hase, wir müssen reden.

Deine Schokoladenseiten sind uns vertraut. Wir kennen dich in Goldpapier gehüllt. In Latzhosen bist du uns nicht fremd und natürlich haben wir uns vor langer Zeit daran gewöhnt, dass du gerne mal praktische Accessoires wie Pinsel fürs Bemalen der Eier dabei hast.

Aber eine Lyra? Ein teuflischer Dreizack?

Junge, Junge. Du hast es drauf.

Deine Heimat liegt unweit von Fürth. Und, ja, ihr seid viele, aber du fällst auf unter deinen Schokohasen-Kollegen. Von denen, das hat der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie gerade mitgeteilt, wurden vor Ostern insgesamt rund 206 Millionen Stück produziert. Mehr als 42 Prozent davon ziehen in die Ferne und sorgen im Ausland für eine süße Überraschung.

Wenn du dir jetzt vielleicht mal ganz kurz die Löffel zuhältst, Hase? Nichts für Zartbesaitete ist nämlich die Erkenntnis eines Psychologie-Professors, der meint, dass es aufschlussreich für den Charakter sei, wie einer sein Schokolangohr esse. Jeder zweite Deutsche beiße als erstes die Löffel ab, was auf eine praktische Veranlagung und Hilfsbereitschaft schließen lasse.

Eine kühne Schlussfolgerung. Sicher ist jedenfalls, dass in unserem Nest Platz ist für dich, mein Hasen-Engel. Und bring‘ deinen feurigen Kumpel gerne mit nach Fürth. Ich sage nur: Knoblauchsland. . . Klingt das nicht perfekt für einen gelungenen Osterausflug?

 

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Wo der Frosch winkt

Fürth, du hast es gut. Hier winkt sogar der Frosch vergnügt dem Storch und ruft – so wie es aussieht – garantiert auch noch: „Hallo, hier bin ich.“ Da mag sich der Zoologe wundern. Doch rund um den Kirchenplatz, wo dieses optimistische Vogelhaus zu finden ist, gibt es so viele Adebars, dass der Maler einfach als Experte in dieser Angelegenheit gelten muss. Überhaupt – wer genau hinschaut, weiß: Der Storch hat es ohnehin aufs Kleeblatt abgesehen.

Alles gut also. Mindestens genauso beruhigend ist, dass der Frühling auch im weiteren Rund von St. Michael mit einfühlsam gestalteten Arrangements gefeiert wird. Merke: Was sich als Blumentopf berufen fühlt, darf auch als solcher auftreten.

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13 Schlösser und ein Kofferanhänger

 

Die Lebenslust ist nicht mehr.

Ein Satz, den man erst mal sacken lassen muss. Sechseinhalb Jahre gab es in Fürths kleinstem Haus am Waagplatz Kaffee, Kuchen und gute Laune. Jetzt haben sich Birte Baumgärtner (Foto) und Monika Ginser aus guten Gründen, aber sicher auch schweren Herzens entschieden, andere Aufgaben zu übernehmen.

Verständlich. Aber trotzdem zu schade. Zumal es in dem Winzhaus, das im 18. Jahrhundert errichtet wurde, in Zukunft – so wie es derzeit ausschaut – kein Café mehr geben wird.

Ade, Lebenslust, schee wars.

Hoffnung keimt dagegen am Röllingersteg. Pünktlich zum Valentinstag wurde das Geländer von der Stadt zum Liebesschwurschlossbehang freigegeben – und ja, es geht voran. 13 Schlösser plus ein Kofferanhänger fanden sich bei jüngster Zählung.

Wie romantisch ist das denn bitte? Ein Kofferanhänger! Wer könnte sich der Magie dieses Zeichens tiefer Zuneigung entziehen?

Wir sind berührt. Und wissen plötzlich, die Weichen für diesen Frühling stehen auf wonnig.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mister Klezmer aus Amerika

Fürth ist Klezmer. 14 Tage lang klingt, singt, tanzt alles im Festival-Takt. Die 14. Auflage des international renommierten Musikfests zieht Gäste aus aller Welt an. Wie die beiden Amerikaner, die es zunächst aber leider nicht in die ausverkaufte Halle im Kulturforum schaffen. So leicht geben die beiden allerdings nicht auf und bitten darum, auf die Warteliste für zurückgegebene Karten gesetzt zu werden. „Ist okay“, meinen die freundlichen Helfer, „welchen Namen sollen wir auf die Liste schreiben?“ Antwort: „Klezmer.“ Kopfschütteln auf der anderen Seite der Kartenstelle: „Klar, hier gibt’s Klezmer, aber wir wüssten gerne Ihren Namen.“ Der Amerikaner lässt sich nicht beirren.„Klezmer.“ Dann zückt er seinen Führerschein und beweist: Sein Nachname lautet tatsächlich – Klezmer.

Glauben Sie nicht? Na, dann fragen Sie doch Commander Spock. Oder am besten gleich Captain Kirk. Was die Besatzung der Enterprise mit dem 14. Internationalen Klezmer Festival Fürth zu tun hat? Einfache Antwort. Alles.

„Wir nennen uns die Klezmonauten“, verrät Spock exklusiv. „Und auf beinahe magische Weise gibt es für jeden aus dem Festivalteam einen passenden Trekkie-Charakter, das geht perfekt auf.“ Ob beim morgendlichen Klezmer-Ping-Pong (für Nicht-Eingeweihte: so nennt sich intern die tagesaktuelle Organisations-Absprache) auf Titel und Ränge verzichtet wird, ist uns leider nicht bekannt. Eines ist dafür gewiss: Das eingespielte Team verbreitet auch im größten Andrang gute Laune und kennt ein Phänomen wie den Klezmer-Koller nur vom Hörensagen.

Ach, Sie wollen wissen, wie es Mister Klezmer aus den USA ergangen ist? Er war dabei. Nein, kein Fall von „Scotty, beam mich rein.“ Ein Karten-Rückläufer brachte ihn zum Konzert.

So sieht ein Happy End im Fürther Klezmerversum aus.

 

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Die mit dem Plastiksäbel rasseln

Verkleiden ist doch im Grunde unglaublich enthüllend. Zeigen eine Prinzessin in Tüll oder ein liebliches Christkind nicht endlich ihre wahren Ambitionen? Ein putziger Fisch sein Sinnen?

Ganz zu schweigen vom verwegenen Superman. Ein Kostüm, das laut Trendforschung 2014 ganz vorne mitmischt. Manchmal ist die Entschlüsselung freilich nicht ganz so einfach. Welche Seite seines zweifellos aufregenden Charakters will uns ein shreklich grüner Oger offenbaren? Oder eine Fassade im Aludekor?

Lena jedenfalls weiß, was sie sein will. Die 11-Jährige sitzt im Bus 178 und fährt zur Faschingsgeburtstagparty ihrer besten Freundin. Sie trägt ein paar zauberhafte Engelsflügel mit weißem Flaum zum Piratenhut, samt Augenklappe und Plastiksäbel. Das ist jetzt was? „Ich bin ein Engelspirat.“ Klar, hätte man selbst drauf kommen können. „Das ging nicht anders, weil mir mein Engelskostüm vom vorigen Jahr zu klein geworden ist und das Piratenkleid von meiner Mama ist noch zu groß für mich. Aber der Hut passt.“

Und Plastiksäbel und Augenklappe gehen sowieso immer, sind sozusagen Grundausstattung. Schade, dass nur im Fasching alles so wunderbar einfach ist.

 

 

 

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Freundlich in Fürth

Plaudert eigentlich noch irgendjemand aus dem Nähkästchen? Im Atelier von Isil Geyer in der Theaterstraße hat jedenfalls schon der ein oder andere die Ohren gespitzt. Im Grunde fehlen da jetzt nur noch ein paar gute Geschichten für eine ordentliche Plauderei.

Wie wäre es zum Beispiel damit: Es ist Mitternacht im Ronhof. Gerade einmal zwei Wagen fahren durch die Nacht. Warum die ausgerechnet ineinander krachen, ist sicher eine spannende Frage. Aber es passiert eben. Heftig. Irgendjemand ruft die Polizei. Ein Krankenwagen kommt auch, wird aber glücklicherweise nicht benötigt. Die beiden Fahrer stehen jetzt im Nieselregen vor dem Polizeiwagen und machen die üblichen Angaben zur Person. Kalt ist es und sehr ungemütlich. Genau in diesem Augenblick tritt ein älterer Mann aus einem Haus ganz in der Nähe. Er trägt eine Thermoskanne und ein paar Tassen. „Ich hab’s rumsen gehört und gesehen, dass Sie hier stehen. Da habe ich gedacht, Sie können sicher alle einen heißen Tee brauchen und schnell einen aufgesetzt.“

Ein liebenswerter Fall für die Rubrik „Freundlich in Fürth“ ist ganz sicher auch der nette Mensch, der bei seinem Spaziergang am Main-Donau-Kanal ein gestreiftes Schmusetier gefunden hat. Wer jemals erlebt hat, welche herzzerreißenden Dramen der Verlust eines  Kuschelwesens herauf beschwören kann, ahnt, was sich in irgendeinem Kinderzimmer abgespielt haben mag. Der wissende Spaziergänger ging an die Arbeit: Fotografierte den verlorenen Teddy und fertigte Fahndungszettel, die er anschließend sorgfältig in Klarsichthüllen verpackt, am Wegrand verteilte.

Jetzt ist ein Happy End für Kind und Bär möglich geworden. Und irgendwie haben wir gerade das Gefühl, dass auch das noch gelingt.

 

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