Archiv der Kategorie ‘Allgemein’

Mai 7th, 2013

Der Duft von Abba

Heute wird in Stockholm ein Abba-Museum eröffnet. Was jetzt nicht als Reisetipp verstanden werden soll, sondern als Anregung für Fürth. In Schweden rechnet man mit einem Besucheransturm auf das neue Pilgerziel für die Liebhaber von Schlaghosen und Plateauschuhen. Bedenkt man, dass ein Ticket 195 Schwedenkronen, sprich 22,85 Euro, kostet, kann die Folgerung doch nur heißen: So was wollen wir auch.

Gut, in Sachen Abba tut sich Fürth ein bisschen schwer. Auf Zyniker, die in diesem Moment anmerken, dass man hierzulande einen vortrefflichen „Waterloo“-Chor anstimmen kann, hören wir selbstverständlich nicht. Das gilt übrigens auch für die Spielverderber, die unbedingt darauf hinweisen müssen, dass das SpVgg-Eau de Parfum irgendwie verduftet ist und selbst die Badeenten in die zweite Regalreihe zurückpaddeln mussten.

Wir sind lieber kreativ und suchen heimische Musikgrößen mit angehender Museumsreife. Bei Ebay findet sich Vielversprechendes: Für einen Euro wird dort zum Beispiel Richard Smerins Blues-Album „Anywhere else but in Clover“ angeboten. Dieses Werk kam am 1. Januar 2000 auf den Markt. Smerin, der damals in der Fürther Altstadt wohnte, fiel der Fachwelt nicht nur wegen seiner geschmeidigen Albumtitels (zu deutsch: „Irgendwo sonst als in Kleeblatt“) auf. Dass Smerin auf dem Cover den Anschein erweckt, er wolle Fürth den Rücken kehren, sollte man nicht überbewerten. Diese CD (auf der sich auch der schöne Titel „Puschendorf Angel“ findet) hat eindeutig das Zeug, zum Grundstock für Fürths nächstes Museumsprojekt zu werden.

Sie meinen, daraus wird nichts?

Ja hätten Sie denn damit gerechnet, dass wesentlich mehr Nürnberger in Fürth einkaufen, als man bisher zu hoffen gewagt hätte? Eine Studie hat genau das herausgefunden. (“Nürnberger zieht es in die Fürther City”)

Ach, jetzt halten Sie alles für möglich?

Sagen wir doch.

April 22nd, 2013

Drauf gepfiffen

Ornithologen wundern sich, Hobbyforscher sind entzückt: Nach zeitweise schmerzlichem Ausharren ist es gelungen, die weiß-grüne Ronhofente (Anas platyrhynchos ronhofis) beim fröhlichen Pfeifen von „Oh happy day“ abzulichten.

Ein schöner Moment, ein beachtlicher Erfolg, von dem einige sagen, man hätte wissen müssen, dass es über kurz oder lang so weit kommen muss: Schließlich gilt es nach umfassenden Testreihen als gesichert, dass diese tapfere Spezies unsinkbar ist.

Selbstverständlich kommt jetzt niemand auf die Idee, die Hände in den Schoß zu legen. Neue Aufgaben warten: Wie es heißt, liegen inzwischen ambitionierte Kenner der Vogelwelt auf der Lauer, um das Umzugsverhalten des Kiebitz zu dokumentieren. Die umtriebigen Vögel mit dem kecken Schopfschmuck haben es sich im Gewerbepark Süd gemütlich gemacht, just dort, wo nun zwar nicht der Stadionneubau, aber zwei andere Bauprojekte geplant sind.  Deshalb hat man es für die Kiebitze auf einer Fläche im Knoblauchsland ein bisschen nett gemacht – in der Hoffnung, dass die lieben Tiere die Koffer packen und sich in Zukunft hier wohlfühlen.

Der Kiebietz hört in Gelehrtenkreisen übrigens auf den Namen Vanellus vanellus und zählen zur Familie der Regenpfeifer. Leider lässt uns selbst “Brehms Tierleben” im Unklaren darüber, ob er aus grundsätzlichen Gründen aufs Umziehen pfeift.

April 14th, 2013

Schubidu

Schuhbaum Fürther Freiheit rempe

Hängt ein Schuh im Baum. . . So fangen Witze an. Nicht in Fürth. Da hängen sie tatsächlich herum. An der kleinen Freiheit, zum Beispiel. Ganz in der Nähe des wunderbaren Paradiesbrunnens. Fragt sich natürlich: Warum?
Ein Tipp kommt – das war jetzt irgendwie klar – aus den USA. In Obamas Land gibt es anscheinend Menschen, die fest daran glauben, dass es Glück bringt, seine alten Treter in einen passenden Baum zu befördern.
Das sollte man im guten, alten Europa, wo man enthusiastisch Münzen in Brunnen wirft, mal einfach so stehen lassen. Mal abgesehen davon, dass Fürth ein bisschen Glück hier und da verflixt gut brauchen könnte.
Andererseits – falls die Schuh-im-Baum-Sitte in Fürth Schule macht – halten die Bäume rund um den Ronhof das aus?

März 28th, 2013

Hauptsache grün

Rosen, Tulpen, Nelken – alle Blumen welken. Oder erfrieren in diesem Frühling, der auf Eis liegt. Warum also die Kästen aus dem Keller hieven und umständlich bepflanzen?

Der Besitzer dieses Balkons in der Fürther Innenstadt hat umgedacht und seine Deko den Witterungsverhältnissen angepasst. Empfindsame Beobachter könnten einwenden, dass ein Hase oder ein paar bunte Eier es auch getan hätten. Und möglicherweise eine Spur freundlicher rüber kämen.

Aber wohin wäre unser grüner Freund Hulk damit gekommen? Ein Beispiel war in der Fürther Volksbücherei bei einer Ausstellung zu sehen, in der es um Frauen in Führungspositionen ging. Darin wurde Karrierewilligen dringend geraten, sich endlich den „Lächelreflex“ abzugewöhnen, weil der als Unterlegenheitsgeste gedeutet werden kann. Jetzt gehört der Kerl auf dem Balkon zwar eindeutig nicht zur Zielgruppe für diesen Tipp. Aber – aufgemerkt Frauen – grimmig gucken kann der vorbildlich. Das sollte für einen Top-Job reichen.

Falls Hulks Eigentümer seinem Arrangement trotzdem eine freundlichere Note geben will: Im Internet wird gerade ein Original-Trikot von Heinrich Schmidtgal versteigert, dass dem Muskelmann auf dem Balkon garantiert passt. Das gute Stück ist sogar Matchworn. Was kein Kommentar zum Wetter ist, sondern heißt, dass Schmidtgal, den Kollegen und Fans zärtlich Hulk rufen, das Hemd in einem Spiel getragen hat.

Sollte dann rein zufällig Manuel Neuer am Balkon vorbei kommen, wird garantiert auch kein Lächelreflex ausgelöst.

März 18th, 2013

Ist das Kunst oder darf man drauf sitzen?

Stuhl, Hans-Vogel-Straße Fürth, rempe

Die Frage  „Ist das Kunst?“ klingt immer ein bisschen einfältig. Dank einer besitzergreifenden Installation im Eingang eines Geschäftshauses in der Fürther Hans-Vogel-Straße lernen wir aber ganz unauffällig: Kunst ist, eine Skulptur so aussehen zu lassen, als sei sie ein Stuhl. Wichtig: Darauf sitzen darf man trotzdem nicht.

Genauso einleuchtend ist das Anliegen desjenigen, der heute in den Fürther Nachrichten kurz und knapp folgendes annoncierte: „Suche SpVgg Fürth – alles anbieten.“

Kleiner Tipp: Die Suche lohnt sich bestimmt im Ronhof. Da sollte es kein Kunststück sein, die SpVgg zu finden.

Zumal die selbst derzeit so einiges anbietet in Sachen Sitzenbleiben.

Februar 25th, 2013

Gut gebrüllt, Schnöwe

Die Eskimos, so wurde mal behauptet, kennen hundert Wörter für Schnee. Das klingt einleuchtend. Wenn man dauernd auf Weiß in Weiß guckt, denkt man sich dann nicht aus reiner Langeweile ein paar neue Begriffe für das Zeug aus?

Bloß dumm, dass die These mit den hundert Wörtern längst als Schnee von gestern entlarvt wurde und getrost ins Reich der Legenden verfrachtet werden kann. Relativ frisch ist dagegen, dass die Eskimos heute Inuit genannt werden sollen, ein schöner Begriff, der nichts anderes als Menschen bedeutet.

Die Inuit von Fürth durften heute morgen staunen. Der Wetterbericht („. . . mäßiger Schneeregen im Laufe des Tages“) hatte nicht ganz recht behalten. Tatsächlich verführte die üppige weiße Pracht  so manchen, den Schnee mit Ausdrücken zu belegen, die die Freunde im hohen Norden möglicherweise rot werden lassen.

Wer aber nicht zum Warten auf den Bus verdonnert war oder den Wagen mühsam freischaufeln musste, um dann im Stau zu stehen, der hatte die Chance, im Stadtpark seltene Schnengel und Schnöwen in freier Wildbahn zu bewundern.

Ein Anblick, für den einem nicht hundert Namen einfallen. Aber einer: Schee ist er, der Schnee.

Februar 22nd, 2013

Wo bist du, Mike?

Schneewittchen und die sechs Zwerge RempeEr ist fort. Kein Zweifel, sein Platz bleibt leer. Der siebte Zwerg, er hat sich aus dem Staub gemacht.

Dabei hat der Kleine doch eine Mission. Auf dem großen Spielplatz im Stadtpark sollte er bei Gudrun Kunstmanns Schneewittchen ausharren. Da tummeln sich allerdings nur sechs zipfelmützige Kerle mit bemerkenswerten Rauschebärten.

Als wenn das alleine nicht schon mysteriös genug wäre, kommt dazu, dass sein Fehlen kaum auszumachen ist. Nur wer sich ins Gebüsch hinter Schneewittchen schleicht, hat einen Blick auf alle ihre Begleiter. Magisch, oder?

Eines ist jedenfalls sicher: 200 Jahre nach dem Erscheinen der „Kinder- und Hausmärchen“ der wackeren Gebrüder Grimm kann es doch nicht angehen, dass wir in Fürth bloß Schneewittchen und die sechs Zwerge aufbieten können.

Was macht das denn für einen Eindruck? Mal ganz abgesehen davon, dass wir gerade mehr als genug Leerstellen im Angebot haben.

Deshalb ist dieser Aufruf bitter nötig: Wer hat Nummer Sieben gesehen? Wir kennen seinen Namen nicht, vermuten aber stark, er heißt Mike.

Bewerber für seinen Platz sind dringend gesucht.

Februar 14th, 2013

Der Name der Kartoffel

Rosen kann jeder. Am Valentinstag, nur so zum Beispiel. Ja, ist freilich schon nett, wenn der Liebste mit so einem dornigen Teil zwischen den Zähnen zum Frühstück aufkreuzt. Aber, da sind wir uns doch wohl einig, auch ein bisschen einfallslos.

Wie viel poetischer ist dagegen jener feinsinnige Gemüsehändler auf dem Fürther Wochenmarkt, der just zu diesem überaus magischen Datum eine herzförmige Kartoffel überreicht?

Plötzlich keimt Verständnis auf für eine Untersuchung, die Steven Neuberg von der Arizona State University gerade veröffentlicht hat: Der unermüdliche Forscher hat herausgefunden, dass sich in den USA niemals so viele Paare trennen, wie kurz vor und nach dem 14. Februar.

Kaum zu glauben. Wo doch eine einzige Kartoffel reicht, um diesen Tag zu retten, der – aber das nur so unter uns – im Grunde so sinnvoll und schauerlich ist wie Halloween.

In Fürth stellt sich anders als in Amerika jetzt bloß eine Frage: Was tun mit der Herzkartoffel? In den Salat? Das klingt abgebrüht. Eine Vase will auch nicht so recht passen. Das Poesiealbum ist nicht voluminös genug. Also was tun?

Vorschläge werden dankend entgegengenommen.

 

Februar 8th, 2013

Die Stiefel, das Pink und die Säge

Pressevorstellung Klezmer Festival

Der Zauber steckt immer im Detail.

Das ist ein schöner Satz, den Theodor Fontane einst niederschrieb. Dummerweise betrat der große Romancier wahrscheinlich niemals Fürther Boden. Dabei wird Details hier die nötige Aufmerksamkeit geschenkt.

Oder gibt es eine andere Stadt, in der die Verantwortlichen bei der Vorstellung eines renommierten Festivals darauf achten, dass Plakat, Pressemappe, Servietten, Lippenstift und Stiefel farblich aufeinander abgestimmt sind?

Nur für den Fall, dass tatsächlich jemand fragt: Ja, es handelt sich hier um weibliche Sorgfalt. Die wird später am Tag in der Comödie leider schmerzlich vermisst.

Das Drama beginnt dort mit einer Lappalie: Die Zuschauer am Nachbartisch nehmen erwartungsfroh Platz, die bestellten Getränke werden serviert. Der Abend könnte nett werden, doch der Tisch wackelt. Man rüttelt, man ruckt. Bier schwappt über. Die Diagnose („Die Beine von dem Teil sind verschieden lang“) wird gestellt. In diesem Augenblick fällt bereits unerbittlich das Urteil: „Ein echter Mann hätte eine Säge dabei“, spricht die Gattin.

Es sind halt die Details, die zählen, wenn es zauberhaft werden soll.

Februar 4th, 2013

Auf eine Zigarre


Hallo, schön Sie zu sehen. Und, bevor wir es vergessen: Schöne Augen haben Sie.

Na? Sitzen Sie jetzt mit einem strahlenden Lächeln vor dem Bildschirm? Nicht? Schade, war ein Versuch. Schließlich hieß es doch gerade erst in einer FN-Umfrage, dass in Fürth Komplimente über schöne Augen besonders gerne gemacht und gehört werden.

Ein anderer Fürther, der am 4. Februar vor 116 Jahren geboren wurde, wäre wahrscheinlich lieber für seinen exquisiten Zigarrengeschmack gelobt worden. Was Ludwig Erhard mit Vorliebe anbrannte, ist heute im Stadtmuseum zu bewundern. Immerhin liegt da ein edles Stück aus kubanischer Manufaktur, das dem Wirtschaftswundermacher gehörte.

Bis zu zwanzig Zigarren soll Erhard in politisch besonders stressigen Phasen geraucht haben. Täglich. Das haben zumindest Eingeweihte – oder waren es gar Eingeräucherte? – behauptet. Heute hätte der Fürther, der es bis zum Bundeskanzler brachte, mit diesem Hobby ein Problem.

Er käme nämlich gar nicht zum Regieren. Nur einmal angenommen, Erhard hätte am Tag zu zehn Doppel Corona gegriffen. Dann müsste der Gute heute rund zehn Stunden vor seinem Büro auf der Straße stehen und paffen, bei einer durchschnittlichen Rauchzeit von einer Stunde pro Zigarre.

Nicht auszuschließen, dass der Staatsmann, der hinter dem Rathaus aufwuchs, es dann beim Wundern über die Wirtschaft seiner Heimat belassen hätte. Wie sehr Ludwig Erhard diese Stadt augenscheinlich im Herzen trug, besagt dieser schöne Satz von ihm: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es einen Menschen gibt, der nicht immer neue Bedürfnisse hat.“

Wie gesagt, der Mann war Fürther.