Wo der Frosch winkt

Fürth, du hast es gut. Hier winkt sogar der Frosch vergnügt dem Storch und ruft – so wie es aussieht – garantiert auch noch: „Hallo, hier bin ich.“ Da mag sich der Zoologe wundern. Doch rund um den Kirchenplatz, wo dieses optimistische Vogelhaus zu finden ist, gibt es so viele Adebars, dass der Maler einfach als Experte in dieser Angelegenheit gelten muss. Überhaupt – wer genau hinschaut, weiß: Der Storch hat es ohnehin aufs Kleeblatt abgesehen.

Alles gut also. Mindestens genauso beruhigend ist, dass der Frühling auch im weiteren Rund von St. Michael mit einfühlsam gestalteten Arrangements gefeiert wird. Merke: Was sich als Blumentopf berufen fühlt, darf auch als solcher auftreten.

13 Schlösser und ein Kofferanhänger

 

Die Lebenslust ist nicht mehr.

Ein Satz, den man erst mal sacken lassen muss. Sechseinhalb Jahre gab es in Fürths kleinstem Haus am Waagplatz Kaffee, Kuchen und gute Laune. Jetzt haben sich Birte Baumgärtner (Foto) und Monika Ginser aus guten Gründen, aber sicher auch schweren Herzens entschieden, andere Aufgaben zu übernehmen.

Verständlich. Aber trotzdem zu schade. Zumal es in dem Winzhaus, das im 18. Jahrhundert errichtet wurde, in Zukunft – so wie es derzeit ausschaut – kein Café mehr geben wird.

Ade, Lebenslust, schee wars.

Hoffnung keimt dagegen am Röllingersteg. Pünktlich zum Valentinstag wurde das Geländer von der Stadt zum Liebesschwurschlossbehang freigegeben – und ja, es geht voran. 13 Schlösser plus ein Kofferanhänger fanden sich bei jüngster Zählung.

Wie romantisch ist das denn bitte? Ein Kofferanhänger! Wer könnte sich der Magie dieses Zeichens tiefer Zuneigung entziehen?

Wir sind berührt. Und wissen plötzlich, die Weichen für diesen Frühling stehen auf wonnig.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mister Klezmer aus Amerika

Fürth ist Klezmer. 14 Tage lang klingt, singt, tanzt alles im Festival-Takt. Die 14. Auflage des international renommierten Musikfests zieht Gäste aus aller Welt an. Wie die beiden Amerikaner, die es zunächst aber leider nicht in die ausverkaufte Halle im Kulturforum schaffen. So leicht geben die beiden allerdings nicht auf und bitten darum, auf die Warteliste für zurückgegebene Karten gesetzt zu werden. „Ist okay“, meinen die freundlichen Helfer, „welchen Namen sollen wir auf die Liste schreiben?“ Antwort: „Klezmer.“ Kopfschütteln auf der anderen Seite der Kartenstelle: „Klar, hier gibt’s Klezmer, aber wir wüssten gerne Ihren Namen.“ Der Amerikaner lässt sich nicht beirren.„Klezmer.“ Dann zückt er seinen Führerschein und beweist: Sein Nachname lautet tatsächlich – Klezmer.

Glauben Sie nicht? Na, dann fragen Sie doch Commander Spock. Oder am besten gleich Captain Kirk. Was die Besatzung der Enterprise mit dem 14. Internationalen Klezmer Festival Fürth zu tun hat? Einfache Antwort. Alles.

„Wir nennen uns die Klezmonauten“, verrät Spock exklusiv. „Und auf beinahe magische Weise gibt es für jeden aus dem Festivalteam einen passenden Trekkie-Charakter, das geht perfekt auf.“ Ob beim morgendlichen Klezmer-Ping-Pong (für Nicht-Eingeweihte: so nennt sich intern die tagesaktuelle Organisations-Absprache) auf Titel und Ränge verzichtet wird, ist uns leider nicht bekannt. Eines ist dafür gewiss: Das eingespielte Team verbreitet auch im größten Andrang gute Laune und kennt ein Phänomen wie den Klezmer-Koller nur vom Hörensagen.

Ach, Sie wollen wissen, wie es Mister Klezmer aus den USA ergangen ist? Er war dabei. Nein, kein Fall von „Scotty, beam mich rein.“ Ein Karten-Rückläufer brachte ihn zum Konzert.

So sieht ein Happy End im Fürther Klezmerversum aus.

 

Die mit dem Plastiksäbel rasseln

Verkleiden ist doch im Grunde unglaublich enthüllend. Zeigen eine Prinzessin in Tüll oder ein liebliches Christkind nicht endlich ihre wahren Ambitionen? Ein putziger Fisch sein Sinnen?

Ganz zu schweigen vom verwegenen Superman. Ein Kostüm, das laut Trendforschung 2014 ganz vorne mitmischt. Manchmal ist die Entschlüsselung freilich nicht ganz so einfach. Welche Seite seines zweifellos aufregenden Charakters will uns ein shreklich grüner Oger offenbaren? Oder eine Fassade im Aludekor?

Lena jedenfalls weiß, was sie sein will. Die 11-Jährige sitzt im Bus 178 und fährt zur Faschingsgeburtstagparty ihrer besten Freundin. Sie trägt ein paar zauberhafte Engelsflügel mit weißem Flaum zum Piratenhut, samt Augenklappe und Plastiksäbel. Das ist jetzt was? „Ich bin ein Engelspirat.“ Klar, hätte man selbst drauf kommen können. „Das ging nicht anders, weil mir mein Engelskostüm vom vorigen Jahr zu klein geworden ist und das Piratenkleid von meiner Mama ist noch zu groß für mich. Aber der Hut passt.“

Und Plastiksäbel und Augenklappe gehen sowieso immer, sind sozusagen Grundausstattung. Schade, dass nur im Fasching alles so wunderbar einfach ist.