Höfliche Nudeln

Höflichkeit zahlt sich aus. Dank der freundlichen Menschen vom Kiosk 762 in der Hornschuchpromenade kann sogar die Frage beantwortet werden: Was ist so ein „bitte“ denn wert? Exakt 30 Cent.

Leider hat die Bestellung „Einen Berliner, bitte“ gerade eben in einer Bäckerei-Filiale in der Innenstadt keinen Nachlass zur Folge. Stattdessen gibt es Nachhilfe. Kostenlos, das muss man der Verkäuferin lassen. „Des is ka Berliner, des is a Krapfen“, mahnt sie die Kundin durchaus liebevoll. Die, als Außer-Fränkische enttarnt, will die Wogen glätten und erkundigt sich vor dem Tritt ins nächst gelegene Fettnäpfchen, wie denn nun diese appetitlichen Teile genannt werden, die sich da so eng aneinander schmiegen. „Nudeln“, heißt die knappe Antwort.

Man sieht die Gedanken der Kundin wie in Leuchtschrift über ihr verblüfftes Gesicht huschen. Aber, Kompliment, die Frau hält den Mund und schenkt sich einen Kommentar zum Thema Nudeln. Zaghaft zeigt sie auf das nächste Gebäck und bittet: „Und davon auch zwei.“ Aber die Verkäuferin hat inzwischen eine Mission und erklärt freiwillig, in diesem Fall spreche man in Franken von einem Rosinenbrötchen. Erfüllt von diesem Akt der Verständigung wagt sie einen weiteren Vorstoß: „Und wie nennen Sie das da, wo Sie herkommen?“

Die Kundin klappt den Mund auf und zu wie ein Karpfen an Land und spricht: „Wir sagen dazu – Rosinenbrötchen.“

Im Kino würde jetzt als Hintergrundmusik etwas Melancholisches erklingen, mit einem Schuss Verzweiflung. Noch einmal würde die Kamera auf die Gesichter zoomen und die doppelte Enttäuschung über die verpatzte Pointe einfangen. In unserer Bäckerei hat die Verkäuferin das letzte Wort: „Macht 4,30.“

Ach, man möchte die beiden einladen. Zu einem „Kaffee, bitte“ im Kiosk 762.