Oh, Blautonne

Was für ein wohliges Gefühl, wenn beim Aufwachen als erster Gedanke ein „Heute ist Samstag“ durchs Hirn plätschert. Keine Termine. Ein bisschen dekorieren. Sauber machen, die Verwandtschaft naht schließlich. Aber wer wird sich damit stressen?

Drauß’ von Poppenreuths Straßen erklingt fröhlicher Schall. Die Müllabfuhr. Die Müllabfuhr? Am Samstag? Verflixt noch eins. Die blauen Tonnen sind dran. Die einzigen ihrer Art, die voll bleiben, wenn verschlafene Tonnenbefüller vergessen, die Dinger an die Straße zu rollen. . .

. . . Die Männer am Müllauto erweisen sich als Gentleman. Frauen, die im Nachthemd angerannt kommen und mit panischem Gesichtsausdruck eine Blautonne hinter sich herziehen, bis sie  ausrutschen, übers Glatteis schlittern und um Haaresbreite von der eigenen Tonne überrollt werden, sehen sie jeden Tag. Da gucken sie gar kein ein zweites Mal hin. Danke, Jungs.

Bleibt noch die Sache mit der Deko. Kann man übertrieben finden, tun aber die wenigsten. Immerhin steht das Schmücken in einer aktuellen Statistik auf Platz vier der schönsten Weihnachtsaktivitäten. Noch vor dem Kirchbesuch übrigens. In unserem Fall erübrigt sich der Aufwand. Im fahlen Licht des inzwischen grauenden Morgens fällt auf dem Teppichboden ein Muster auf, das gestern definitiv noch nicht da war. Ein Mitglied des festlich gestimmten Haushalts, das auf Nennung verzichtet, hat in der Nacht die Zahnpasta verkleckert. Blöderweise bin ich anschließend auch noch reingetreten und hab’ das Zeug flächendeckend verteilt. Der schmückende Effekt wird überbewertet. Trostversuche („Sieht aus wie Schneeflocken, wolltest du nicht weiße Weihnachten?“) kommen auch nicht gut.

Unsere Blautanne, die darauf harrt, geschmückt zu werden, bleibt jetzt erst einmal so, wie sie ist. Später beim Gang über den Weihnachtsmarkt auf der Fürther Freiheit, sieht das plötzlich wie eine richtig gute Idee aus. Oder fordern die Ziegen in der lebenden Krippe, diese klugen Tiere, etwa Beilagen zu ihrem immergrünen Festmenü?