Baggernde Hühner

Ich wollt’, ich wär’ ein Huhn. In der Fürther Südstadt natürlich. Für wen sonst birgt das Leben in dieser Sommerglut denn so viel Aufregung und Abenteuer?

Des Tags locken spannende Zweikämpfe mit den Gringos, die uns an die Feder wollen. High Noon auf der Landmannstraße sage ich nur.

Nachts wird’s dann wild romantisch, wenn das Geäst einer lauschigen Birke uns Weiter lesen

Romeos Vogel

Laue Sommernächte sind wunderbar. Wenn sanft das Mondlicht über die Dächer von Fürths Vororten scheint, ist kaum etwas verlockender, als kühn das Schlafzimmerfenster aufzulassen.

Akustisch kann das zu neuen Erfahrungen führen. Nein, nicht woran jetzt schon wieder alle denken. Keiner feiert. Die Gustavstraße ist fern. Es sind heiße Gefühle, die der junge Juli-Mond heraufbeschwört.

Die Ouvertüre setzt ein mit einer kraftvoll zugeknallten Haustür in der unmittelbaren Nachbarschaft. Dann erklingt eine jugendliche Männerstimme. Der Rufer scheint draußen vor der Tür zu stehen. Die Versuchung ist groß, ihn Romeo zu taufen: „Ey, Mann, ey, mach das Fenster auf, du Schlampe“, ist aber ein Einstieg, der nicht auf folgende Sonette hoffen lässt.

Stattdessen brüllt der Verschmähte jetzt: „Ey, wir müssen reden, ey.“ Mit dieser Idee steht er alleine da. Julia schweigt.

Genug Zustimmung dennoch für neue Argumente: „Das hier ist voll krass, ey. . .“

Romeo groovt sich ein. Kein steinern Bollwerk kann der Liebe wehren, möchte man ihm zurufen. Doch wir lauschen. Mal ehrlich. Was sollen wir denn auch anderes machen? Fenster zu? Ja, wäre eine Möglichkeit. Aber dieses nächtliche Intermezzo hat die gleiche Anziehungskraft wie fiese Unfallbilder, auf die man starrt, obwohl man genau weiß, dass man das besser nicht täte. Was das alles mit dem abgestürzten Vogel da oben zu tun hat? Nichts. Der schmückte einst die Bel-Etage des Parkhotels. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.

Romeo ist inzwischen still. Ach, Mann, ey, sind Sommernächte nicht romantisch?